Italien bremst bei Social-Media-Verbot für Minderjährige

Beim G7-Gipfel in Frankreich betonte Italiens Premier Giorgia Meloni: Ihre Regierung wird kein staatliches Verbot von Social Media für Jugendliche unter 16 Jahren beschließen. Großbritannien, Frankreich und auch Österreich wollen an einem Social-Media-Verbot für Kinder und Teenager festhalten.

picture alliance / SIPA | Ammar Abd Rabbo-Pool

„Ich bin nicht gegen ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, aber ich bin auch nicht überzeugt, dass dieser Vorschlag allein das Problem löst, weil solche Verbote leicht umgangen werden können“, erklärte Meloni gegenüber Journalisten am Rande des G7-Gipfels in Evian-les-Bains. Mit einem Verbot riskiere man, die Verantwortung lediglich auf die Familien abzuwälzen. Ohne massiven Druck auf die Big-Tech-Konzerne bleibe jede gesetzliche Regelung wirkungslos. Die italienische Regierung verzichte daher bewusst darauf, ein Regierungsdekret oder einen eigenen Gesetzentwurf dazu einzubringen.

Während Italiens Regierung mit guten Argumenten ein Social-Media-Verbot ablehnt, haben Großbritannien und auch Österreich bereits ein Verbot für Kinder und Jugendliche angekündigt. Frankreich plant ebenfalls eine gesetzliche Regelung ab Herbst dieses Jahres, Australien hat bereits 2025 den Zugang für Minderjährige unter 16 Jahren verboten – bei dokumentierten Verstößen drohen den Plattform-Betreibern hohe Strafen. Dennoch zeigen Studien, dass etwa sieben von zehn Jugendlichen Wege finden, das Verbot zu umgehen, etwa durch falsche Altersangaben oder VPNs.

Deutschlands Innenminister weiterhin gegen ein Verbot

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) äußerte sich bisher skeptisch bis ablehnend zu einem gesetzlichen Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche: „Ein einfaches Verbot halte ich für schwer durchsetzbar und auch deswegen für wenig zielführend.“ Und er sagte auch: „Die Grundsatzentscheidung, ab wann ein Kind ein Handy erhält, trifft nicht der Staat. Die treffen die Familien und die Eltern.“

Die Regierungen in Australien, Indonesien und Malaysia haben das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche bereits gesetzlich verankert, Großbritannien, Frankreich, die Türkei und Dänemark wollen dies rasch durchsetzen. In Österreich existiert zwar eine Ankündigung der regierenden Dreierkoalition, von einer Umsetzung ist aber schon seit Monaten nichts mehr zu hören.

Der Widerstand auf den Social-Media-Plattformen ist in Deutschland und auch Österreich groß: So wird der als Grund angeführte Jugendschutz als Begründung dafür gesehen, die Anonymität auf X, Facebook oder Instagram beenden zu können – und damit werden sich viele User wohl zweimal überlegen, ob sie auch unter ihrem Klarnamen weiterhin regierungskritisch posten.

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