Der Absturz in Zahlen: Die Vermessung des ökologistischen Desasters

Der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands setzt sich auch unter Katherina Reiche und einem CDU-geführten Wirtschaftsministerium fort. Doch mittlerweile warnt sogar die Bundesbank vor den Folgen der eigenen Politik. Zerbricht angesichts der heraufziehenden Pleite des Landes gerade das Schweigekartell der Etatisten?

picture alliance/dpa | Michael Matthey

Im Rückblick können wir konstatieren, dass der Sommer 2018 den vorläufigen historischen Höhepunkt der deutschen Industrieproduktion markierte. Seitdem geht es bergab – über alle Sektoren gerechnet brach das Produktionsvolumen um rund 18 Prozent ein. Einen Rückgang von 25 Prozent erlebte die Chemie – eine Korrektur mit dem Vorschlaghammer, wenn man so will – zurechtgestutzt auf jene neue Kostenstruktur, an der die Betriebe in Deutschland seit Energiewende, Atomausstieg und Klimakrampf zu knabbern haben.

Apropos Vorschlaghammer: Wer die verrückten Veitstänze des links-grün getrimmten Milieus bei AKW-Kühlturm-Sprengungen und der Stilllegung von Kohlekraftwerken vor Augen hat, weiß, wer hier den Vorschlaghammer im Hintergrund führte.

Wir sind im besten Deutschland angelangt, das es jemals gab.

Eigentlich sollte sich die Erkenntnis, dass es bergab geht, geradezu aufdrängen. Viele drucksen dennoch herum, verschweigen die Ursachen der Krise. Umso bemerkenswerter ist es, dass nun eine Institution auf die Probleme der Wirtschaft hinweist, die lange Zeit Teil des deutschen Schweigeestablishments war: die Deutsche Bundesbank.

Die Banker warnen nämlich vor einer Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Steigende Energiekosten, wachsende Bürokratie und strukturelle Standortnachteile belasten die Betriebe und schwächen die Exportkraft der deutschen Wirtschaft.

Was Unternehmer und politische Beobachter seit Jahren beklagen, erreicht nun auch die Denkräume staatlicher Institutionen. Deutschland ist auf dem absteigenden Ast.

Die Diagnose kommt spät, sie kommt wohl zu spät, wenn wir bedenken, dass Tag für Tag etwa 1.000 Industriearbeitsplätze verschwinden. Der Brain Drain ist real: Hunderttausende gut ausgebildete Deutsche und Zuwanderer verlassen jedes Jahr das Land. Im Gepäck immer mit dabei: die üblen Erinnerungen an Deutschlands Klima-Amoklauf, die Gehässigkeiten der Politik gegenüber Leistungsträgern, Unternehmern und Investoren.

Inzwischen braucht es gar keine Bärbel Bas oder einen Lars Klingbeil mehr, um das gesellschaftliche Klima zu vergiften. Medien- und NGO-Sektor operieren inzwischen als sich selbst verstärkende Verstärker des wirtschaftlichen Nihilismus im Land.

Die Folgen sind klar: Die Produktivität der Privatwirtschaft sinkt, die Quellen, die das Sozialwesen speisen, versiegen – zunächst schleichend, im Zeitverlauf immer schneller.

Deutschland ist nicht nur teurer geworden, es wird langsamer, unproduktiver und zu einem zunehmend investitionsfeindlichen Standort für heimisches wie ausländisches Kapital.

Deutschlands Absturz lässt sich arithmetisch vermessen. Studien der Beratungsfirmen McKinsey und Boston Consulting Group aus diesem Jahr berechnen präzise den Kostennachteil, mit dem sich Unternehmen am Heimatstandort Deutschland inzwischen herumschlagen.

Die Zahlen der Wirtschaftsberater sind unbestechlich. Je nach Branche liegen die Produktionskosten deutscher Unternehmen inzwischen rund 35 bis 50 Prozent über dem Niveau des jeweils wettbewerbsfähigsten Standorts – wahlweise China oder den USA. Bei neuen Investitionsprojekten reicht der Kostennachteil Deutschlands über den gesamten Lebenszyklus der Produkte sogar von 40 bis mehr als 250 Prozent.

Gerade in den Zukunftsfeldern künstliche Intelligenz, Robotik und Chipproduktion befinden sich die führenden Wirtschaftsnationen längst in einer anderen Dimension. Kapital strömt ab und sucht sich Standorte, an denen es bessere Bedingungen vorfindet. Vorzugsweise die USA, aber auch zunehmend Südamerika und weiterhin klassische Wachstumsstandorte in Asien profitieren von dieser Entwicklung.

Weniger Regulierung, deutlich niedrigere Energiekosten und eine stärkere Orientierung am Unternehmertum schaffen dort jene Dynamik, die Deutschland zunehmend verliert. Vor allem China baut seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit durch massive Skaleneffekte und Technologieoffensiven weiter aus.

Deutschland importiert inzwischen Kapitalgüter aus jenem Land, das einst vor allem als Absatzmarkt für deutsche Hochtechnologie galt. So schlecht ist es inzwischen um die Position des deutschen Know-hows bestellt.

Bei uns herrscht ein Fördermitteltöpfchen-Klima, während anderswo der Wettbewerb für Fortschritt sorgt. Deutschland – und dies gilt in weiten Teilen für die gesamte Europäische Union – ist intellektuell und wirtschaftspolitisch zu einem Standort der Vergangenheit geworden. Hier glaubt man weiterhin an Zentralplanung, während in anderen Teilen der Welt dereguliert und die Verantwortung wieder stärker in die Hände der Unternehmerschaft gelegt wird.

Die so gezüchtete Vetternwirtschaft ist messbar. Sie kommt mit einem hohen Preis.

Etwa sieben Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung durch die Kanäle der Subventionsmaschine strömen zu lassen, erzeugt keine neue Dynamik, sondern konserviert bestenfalls bestehende unproduktive Strukturen. Rund 320 Milliarden Euro im Jahr werden so verteilt. Einige füllen damit ihre Taschen, viele bezahlen ungefragt die Rechnung.

Dies ist, in wenigen Worten beschrieben, die postmoderne Demokratie, in der wir leben.

In apokalyptische Sprache getaucht und mit moralischer Klimaretter-Attitüde versehen, fühlen sich die Profiteure dieses Systems nicht einmal im Unrecht.

Doch die Rechnung liegt längst auf dem Tisch. Sie wird von jenen bezahlt, die immer weniger Einfluss auf die Richtung dieses Landes nehmen können: die steuerzahlende Mittelschicht, die ohne politische Repräsentanz zur lästigen, aber noch immer benötigten Melkkuh der Nation degradiert wurde.


Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 0 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen