Eier und andere wichtige Informationen zum Osterfest

Alles in diesem Land ist geregelt. Auch Ostern. Zwar wird dieses Kirchenfest seit knapp zwei Jahrtausenden gefeiert, aber dessen steuerliche Ausgestaltung ist wahrscheinlich erst mit der Einführung der Mehrwertsteuersystem-Richtlinie 2006 auf ein einheitliches Niveau gehoben worden. Gott sei Dank!

Das ist wahrlich ein historischer Schritt. Wer hätte sich sonst „systematisch“ darüber Gedanken gemacht, was an Ostern frische oder hartgekochte Eier bedeuten. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Dankbar muss man dem Bund der Steuerzahler sein, der hier immer wieder Licht ins dunkle Steuerdickicht bringt.

Also dann wollen wir mal „systematisch“ drangehen. Das Hühnerei aus dem Discounter wird mit sieben Prozent Mehrwertsteuer belegt. Ist es dagegen hartgekocht, sind 19 Prozent fällig. Ist es jedoch ein frisches Hühnerei vom Bauern nebenan, dann fallen 10,7 Prozent an. Hätte ich nicht drei, sondern nur zwei Hühner in meinem Garten und würde sieben Eier pro Woche verkaufen, dann fiele gar keine Mehrwertsteuer an – 0 Prozent!

Doch ist hier der Steuerwahnsinn schon zu Ende? Weit gefehlt! Besteht das Osterei aus Schokolade, fallen sieben Prozent Mehrwertsteuer an. Sind solche Eier aus Holz oder Papier, dann sind es wieder 19 Prozent. Ist es ein Kinder-Überraschungsei einer bekannten Marke aus Italien, dann handelt es sich um einen Kombinationsartikel, der wiederum mit sieben Prozent besteuert wird. Wer es sich anders überlegt und keine Eier färben, sondern morgens ein Rührei machen will, sollte sich das vorher überlegen. Rühreier werden mit sieben Prozent besteuert. Gut, dass die Fürsorgepflicht des Staates sich auch auf den Gesundheitszustand der Bürger richtet. Der Paternalismus zieht nicht an Ostern vorbei. Schon deshalb besteuert Vater Staat faule Eier generell mit 19 Prozent. Selbst an solchen F-eier-tagen muss man sich mit der Frage beschäftigen, warum es nicht gelingt, die Ausnahmen bei der Mehrwertsteuer zu beseitigen und den allgemeinen Satz auf dann 16 Prozent zu reduzieren …

Und auch die Arbeitnehmer müssen bluten. Wer Ostersonntag arbeiten muss, hat Pech. Es gibt keinen F-eier-tagszuschlag für ihn oder sie. Es sei denn, der Arbeitsort ist in Brandenburg. Dann hat man Glück gehabt, denn dort ist Ostersonntag ein gesetzlicher F-eier-tag. In der Backwarenindustrie macht das schon mal einen Zuschlag von 175 Prozent statt dem üblichen 75 prozentigen Zuschlag an einem normalen Sonntag aus. Schön, dass der Karfreitag und der Ostermontag wiederum gesetzliche F-eier-tage sind.

Wer Karfreitag feiern will, muss frühzeitig entscheiden, wo er es krachen lassen will. Brandenburg ist dafür völlig ungeeignet. Das weiß man eigentlich schon seit 2005, als Rainald Grebe sein Lied über Brandenburg veröffentlichte. Eine Hommage auf die Einsamkeit. Darin heißt es: „Es gibt Länder, wo was los ist; Es gibt Länder, wo richtig was los ist; und es gibt Brandenburg, Brandenburg. In Brandenburg ist wieder jemand gegen den Baum gegurkt!“ Seitdem weiß man auch, dass in Berlin was los ist: „Im Adlon ist Brad Pitt und der Washington, Denzel! Im Autohaus in Schwedt ist Achim Menzel! Brandenburg, Berlin, Halelluja Berlin, Halelluja Berlin, alle wollen da hin!“

Grebe wusste, dass man in Berlin am Karfreitag bereits ab 21 Uhr auf die Piste gehen kann. Lediglich beim Kinobesuch machen die Berliner auch auf Spaßbremse. Das liegt nicht an den Berlinern selbst, sondern an der bundeseinheitlichen Regelung. Ein Hoch auf den Zentralismus! Hier ist es egal, in welchem Bundesland man wohnt oder ins Kino geht. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) legt seit vielen Jahren fest, welcher Film an stillen Feiertagen vorgeführt werden darf oder nicht. Für die Älteren unter uns hat die FSK in der Vergangenheit schon mal so Kracher wie „Top Gun“ oder „Police Academy“ auf die Rote Liste gesetzt.

Was lernen wir aus alldem? Die Freiheit des Einzelnen endet an der Kinokasse und in der Weite Brandenburgs. Zumindest an Karfreitag. Was die Besteuerung der Ostereier aber nicht einfacher macht, auch nicht in den – naja – ruhigen Landstrichen rund um die Bundehauptstadt.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 13 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

13 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
drnikon
5 Jahre her

Echt jetzt? Der Arbeitnehmer hat steuerliche Nachteile am Ostersonntag? Die selbständige Hebamme entbindet rund um die Uhr 24/7 ohne steuerliche Vorteile. Das gilt natürlich auch für andere Selbständige, wie freiberuflich tätige Ärzte und Zahnärzte, die Notdienste verrichten müssen, die mit einem Salär abgerechnet werden dürfen, welches einem Schlüsseldienstdiensleister nachts noch nicht einmal zum Abheben des Telefonhörers motivieren könnte. Und dieses gnadenreiche Salär darf dann genau so versteuert werden, als wäre es an einem normalen Arbeitstag zu üblicher Arbeitszeit erbracht worden. Aber keine Sorge: es trifft ja keinen Armen. Aus diesem Grund u. a. Gründen hat sich auch niemand derer mit… Mehr

Unterfranken-Pommer aus Bayern
5 Jahre her

Gerade vom Gründonnerstag-Kreuzweg zurück, wünsche ich der ganzen TE-Runde Frohe Ostern und hoffentlich ein paar schöne und ruhige Tage! ☺

giesemann
5 Jahre her

Härrlüch!

R. Scholl
5 Jahre her

Faule Eier… Diese Bezeichnung ist ungenau… Genau heißt es „ungenießbare Eier ohne Schale“. Ich habe mich bereits Mitte der 90er, als ich auf dem Weg war, Betriebswirtin zu werden, gefragt, wer auf so etwas überhaupt kommt. Der Tag muss ziemlich langweilig und alkoholisiert sein. Anders lässt es sich nicht erklären.

Ich wäre auch dafür, Hasen und Kaninchen in Abhängigkeit von Ohrenlänge und Farbe verschieden zu besteuern. In diesem Sinne: Frohe Ostern und dicke Eier

W aus der Diaspora
5 Jahre her

Ich weiß nicht welches Problem Sie haben.%. Karfreitag ist ein christlicher Feiertag, der vom Staat respektiert und so zu einem gesetzlichen wurde. Es ist aus christlichen Gründen ein stiller Tag. Ich denke, da an diesem Tag der höchste für die Christen starb wäre es nicht so ganz passend das mit einer Party zu feiern. Wer an dem Tag die Stille partout nicht erträgt, der sollte doch einfach gegen den Feiertag demonstrieren. Denn den christlichen Feiertag als freien Tag haben wollen, ohne dessen Bedeutung zu respektieren ist schlicht Egoismus. Zu den unterschiedlichen Steuersätzen. Ja, Lebensmittel werden mit 7% besteuert und Nicht-Lebensmittel… Mehr

Stiller Ruf
5 Jahre her
Antworten an  W aus der Diaspora

Ok. Like von mir. Aber wie Sie es schaffen, im Monat (nur) 100 EU für Lebensmittel auszugeben, würde mich näher interessieren. Für ein kurzes Aufdröseln dieser Rechnung wäre ich, zu Zwecken der Nachahmung, sehr dankbar 😉 Und ja: so ganz peile ich den tieferen Sinn dieser Hühnerei u. Karfreitags-Expertise auch nicht. Aber egal. Hauptsache ich peile noch, dass ich selbst kein Huhn BIN, aber weiß, wann ein Ei faul ist. (K. Kraus;-)

In diesem Sinne: Der Friede und die Freude des Auferstandenen sei mit Euch !!!!!

W aus der Diaspora
5 Jahre her
Antworten an  Stiller Ruf

Gemüse, Obst und Kartoffeln baue ich größtenteils selbst an 🙂

Einkaufen von größeren Mengen wenn es im Angebot ist, und dergleichen 🙂

Ich könnte es sogar detailiert schreiben, da ich, ganz altmodisch, ein Haushaltsbuch führe. Allerdings etwas moderner in Excel 🙂

Stiller Ruf
5 Jahre her
Antworten an  W aus der Diaspora

ok. Danke!;-) mir ist gerade auch noch eingefallen, dass ich in München, DEM (FAKE)“Filet der Welt“ wohne … 😉

Britsch
5 Jahre her
Antworten an  W aus der Diaspora

Man muß auch bedenken was die vielen steuerlichen Unterschiede (ich sage mal von „Sessel** als für nötig erachtet, vielleicht auch deswegen um selbst Arbeit zu haben) an Verwaltungsaufwand und damit Kosten verursachen bei den Erzeugern bzw. den Lieferanten. Diese Kosten werden natürlich insgesamt auf die Preise umgelegt / verteuern. Bei einer Vereinfachung der Steuer, wenn dieser Verwaltungsaufwand weg fiele und Preise insgesamt nicht mehr damit belastet würden, wäre das für den Verbraucher im Endeffekt warscheinlich billiger. Das auszurechnen wäre aber wiederum eine Aufgabe für Zahlenjongleure, die nicht Interessiert sind sich selbst / Ihre Zahlenspiele Differenzierungen für unnötig zu vielfach nicht… Mehr

W aus der Diaspora
5 Jahre her
Antworten an  Britsch

Unser Umsatzsteuergesetz, wie auch die meisten anderen Gesetze sind alt. Als sie gemacht wurden hatte sehr vieles wirklich Sinn. Sie müssten von Grund auf erneuert werden und nicht immer nur hier und da ein neuer Absatz rein.
Ich weiß nicht, ob uns dafür die Köpfe fehlen, oder ob das Interesse dafür einfach zu klein ist. Es wäre jedenfalls ein riesiger Aufwand, der auch viel Geld verschlucken würde.

Andreas aus E.
5 Jahre her
Antworten an  W aus der Diaspora

Und vergessen Sie nicht die Lobby der Steuerberater und Anwälte…

WIING
5 Jahre her

Ich habe daraus gelernt, wenn sich der Staat auf die Kleinigkeiten fokussiert, verliert er den Blick auf das Ganze.

Und ich will einen Staat, der sich nur auf das Ganze reduziert und fokussiert.

Paul J. Meier
5 Jahre her

Und das in einem Land, wo man ohne Ausweispapiere einwandern kann, wo man finanzielle Unterstützung kassiert, ohne dass nachgeprüft wird was man Daheim auf dem Konto hat usw. Nur ein Zauberwort genügt: Asyl. Ob das bei Film- und Eierrechten auch funktioniert?