Wer als Fahrgast hofft, die Deutschen Bahn sieht bei der Verbesserung ihrer Pünktlichkeit endlich Licht am Ende des Tunnels, muss weiter tief ins Schwarze blicken.
IMAGO / Martin Wagner
Wer kennt ihn heute nicht, den berüchtigten Volkswitz über den Zustand des im Staatsbesitz befindlichen Schienenkonzerns. Frage: Was sind die vier Hauptfeinde der Deutschen Bahn? Antwort: Frühling, Sommer, Herbst und Winter! Bahnmitarbeiter ergänzen den Witz gerne um einen fünften, nämlich ihren eigenen Bahnvorstand.
Insofern bestätigt eine Antwort der Bundesregierung, die Tichys Einblick exklusiv vorliegt, was viele Bahnkunden bislang nur ahnten. Die Zugverspätungen nehmen zu, statt zurückzugehen. Verkehrspolitiker Maximilian Kneller, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Bielefeld, wollte endlich wissen:
Wie viele Fernverkehrszüge haben sich jeweils in den Jahren 2024, 2025 und bis zum jetzigen Zeitpunkt im Jahr 2026 im Zusammenhang mit „Witterung“ verspätet oder sind ausgefallen?
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Ulrich Lange (CSU), inzwischen die noch einzig feste personelle Konstante im Hire-and-Fire-Ressort, beantwortet die wichtige Frage des Bielefelder Bundestagsabgeordneten jedoch nur mit einer Grafik, ohne die wahre Zahl ausgefallener Fernverkehrszüge zu nennen.
Die Regierenden scheuen sich, die hohe Zahl zu veröffentlichen. Dabei gehören Zugausfälle zum täglichen Leidwesen vieler Fahrgäste. Nah beim Menschen zu sein, zählt für die Regierenden offensichtlich nicht mehr.
Zur Grafik liefert die Bundesregierung der Opposition noch die nüchterne Erklärung:
„Die durch Witterungseinflüsse verursachten Verspätungsminuten im Fernverkehr werden von der Deutschen Bahn AG statistisch erfasst und nachfolgend monatlich aufgeschlüsselt dargestellt.“

Quelle: Bundesverkehrsministerium laut SPFV – cVmin VU 82- Witterung
Aber selbst die Grafik des Verkehrsministeriums beweist einmal mehr den katastrophalen Betriebszustand der Deutschen Bahn. Allein im Januar dieses Jahres haben sich die Verspätungsminuten im Vergleich zum Vorjahr mehr als verzwölffacht und im Vergleich zu 2024 fast verdreifacht.
Mehr noch: Auf dem rund 33.480 Kilometer langen DB-Netz fährt derweil nicht einmal mehr jeder zweite Zug pünktlich. Ausgefallene Züge fallen trickreich aus der Statistik heraus. Das Bahnmotto lautet: Wer nicht fährt, kann auch nicht zu spät kommen. Allein deswegen will die Bundesregierung wohl die Anzahl der ausgefallenen wie auch der verspäteten Züge nicht nennen.
Im Juli dieses Jahres war erneut fast die Hälfte aller DB-Züge unpünktlich: Lediglich 52,6 Prozent der Fernverkehrszüge erreichten ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung. In Wahrheit fuhr also nicht einmal jeder zweite Zug pünktlich, da die Fahrtausfälle ja nicht in die Verspätungsstatistik einfließen.
Im Gespräch mit Tichys Einblick kritisiert AfD-Verkehrspolitiker Maximilian Kneller die dürftigen Auskünfte des Bundesverkehrsministeriums:
„Das ist wieder eine typische Nicht-Antwort. Gefragt war nach der Anzahl der verspäteten oder ausgefallenen Fernverkehrszüge, geliefert werden nur Verspätungsminuten. Das ist statistisches Versteckspiel.“
Dennoch findet Kneller, der auch Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages ist: „Die Zahlen selbst sind trotzdem vernichtend. 2024 allein im Juni über 26.000 Minuten, im Januar 2026 schon über 30.000 Minuten, und das Jahr ist noch lange nicht zu Ende.“
Sein Fazit lautet entgegen allen Versprechungen zur Verbesserung der Pünktlichkeit des immer noch staatseigenen Konzerns: „Die Bahn bleibt wetteranfällig wie eh und je. Pünktliche Züge und eine funktionierende ÖPNV-Infrastruktur sollten aber bei dem Steueraufkommen, das man in Deutschland zu leisten hat, eine Selbstverständlichkeit sein.“




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Die Situation im Fernverkehr ist sicher desolat, für viele dürfte aber die z. T. auch dadurch noch verschlimmerte Situation im Regionalverkehr als Pendler noch problematischer sein. Dieser Aspekt wird in der öffentlichen Berichterstattung kaum erwähnt und die Zahlen dazu sind noch schwerer zugänglich bzw. schlecht aufbereitet. Die Ausfälle und Verspätungen im Regionalverkehr treffen Pendler – anders als die im Fernverkehr täglich und sind für viele Menschen im Alltag relevanter als die Problematik im Fernverkehr, auch wenn es Zusammenhänge zwischen beiden Sachverhalten gibt. Es stellt sich hier schon die Frage, warum diese Thematik in der öffentlichen Diskussion und Darstellung so wenig… Mehr
Der Sündenfall lag in dem politisch gewollten Weg der Bahn an die Börse. Mehdorn und Co haben damals die Bahn abgewrackt. Alles musste raus (Mitarbeiter, Weichen, Servive-Einrichtungen….), Kosten mussten runter, aber geklappt hats mit der Börse trotzdem nicht. Vielleicht muss man auch sagen Gott sei Dank. Leider ist die Bahn auf diesem „Wrack“-Status stehen geblieben. Man war nicht bereit, in einen zeitgemäßen Wiederaufbau der Bahn zu investieren. Politik hat zwar Milliarden fürs Ausland, aber nicht für DE.
Mein Zug war pünktlich.
Du lügst.
Doch doch, ich habe meinen Sommerurlaub einfach im März gemacht.
Schlauer werden mit Statistik. So geht´s.
Früher konnte per Zugfunk der Zug über das nächste Stellwerk bzw. Leitstelle dirigiert werden. Heute unmöglich. Kein Personal. Keine redudanten Systeme. Leidtragende sind nicht nur Passagiere, sondern auch die tausende Mitarbeitern der DB im direkten Kundenkontakt, die dies ausbaden müssen und nicht hinter ihrem Arbeitgeber stehen können. Die ganze Welt lacht uns aus; in Russland fahren die Züge über tausende Kilometer pünktlich, wenn auch langsam. In Spanien gibt es ein getrenntes Hochgeschwindigkeitsnetz, das die Großstädte verbindet. In der Schweiz fahren dichgetaktet alle Anschlüsse pünktlich auf die Minute; die Bahn dort hat eigenen Bahnstrom und eigene Kraftwerke. In Tschechien wird man… Mehr
Seit Palla ist es noch schlimmer als davor. Die muß weg, weil erwiesenermaßen unfähig.
Das würde ich jetzt mal nicht unterschreiben! Sicher ist, dass sie einen komplett runtergewirtschafteten Betrieb übernommen hat, in dem rein gar nichts mehr funktionierte!
Sie hat zumindest schon mal im Management aufgeräumt was ich ihr hoch anrechne, denn der Fisch stinkt vom Kopf her!
Was soll sie auch machen wenn geisteskranke Vorgänger Aussagen machten wie 2075 wird die Bahn wieder pünktlich fahren…
Es waren absolute Versager Im Bahnvorstand angefangen vom Totengräber par excellence Mehdorn der eigentlich jedes Unternehmen in dem er tätig war zu Grunde richtete!
„Totengräber par excellence Mehdorn der eigentlich jedes Unternehmen in dem er tätig war zu Grunde richtete!“ Das war ja auch seine Aufgabe, dafür wurde er bestellt. Ich erinnere nur an Air Berlin…
Danke. Jetzt weiss ich wieso so gewählt wurde und wird. Die Ursachen liegen Jahrzehnte zurück und es braucht auch Jahrzehnte. Die Palla ist seit Jahrzehntrn der beste Bahnchef: Die hat die Hosen an
Januar 2026 war Schnee und Eistechnisch deutlich anspruchsvoller, als 2024 und 2025. 2025 war der Januar in den meisten gebieten Deutschlands frostfrei, sogar die Nächte.
Na, da steht ja schon mal ein Feind fest: der Winter.
Na wenigstens die Bahn fährt noch einen beachtlichen Überschuß ein. Leider nur bei den Verspätungsminuten. Aber das lassen wir mal als Mehrleistung durchgehen, oder?
Die Bahn ist sowas von am Ende. Heute gebuchter Zug – aus leidgeprüfter Erfahrung ein früher Zug, denn wer früh die Bahn nutzt, hat weniger „Chancen“ auf Verspätung – fällt 20 Minuten vorher aus. Natürlich bin ich schon am Bahnhof. „Alternative“: 2 Stunden später. Also wieder nach Hause. 45 Minuten vor geplanter Alternativabfahrt die Mitteilung in der DB-App: 25 Minuten Verspätung bei Bereitstellung des alternativen Zuges. Trotzdem pünktlich am Gleis, man weiß ja nie. Habe auch schon erlebt, daß die Bahn vorzeitig abgefahren ist. Am Gleis neue Hiobsbotschaft: 35 Minuten Verspätung. Zug mit anderer Nummer fährt – auch 20 Minuten verspätet… Mehr
Ich fahre grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn – und das seit 20 Jahren. Ihr Tatsachenbericht bestätigt mich in meiner Entscheidung und ich kann Ihre Emotionen absolut nachvollziehen.
Allerdings wundere ich mich, dass Sie aus diesen ganzen Vorfällen keinerlei Konsequenzen ziehen. Das ist ist irgendwie wie „diese Politik und deren Vertreter hassen und trotzdem immer wieder „wählen“.
Nichts für ungut, ich hasse dieses Deutschland auch ohne diese schrecklichen Erfahrungen beim Bahn fahren.
Anstatt Ihre Lebenzeit bei der Staatsbahn zu verjuxen, empfehle ich Ihnen, das Auto zu benutzen – mit funktionierender Klimaanlage, Musik an Bord und ggf. selbstgewählten Mitreisenden. Selbst im Stau ist es angenehmer.
Eine Reise mit der DB ist immer ein Abenteuer, man weiß nie ob man das Ziel erreicht. Züge fallen aus, Schienenersatzverkehr oder Verspätungen.
Mich ärgern dann die Vorschläge, die mir die Bahn macht. Letzte Woche von Bregenz nach Hause sollte ich 6 mal umsteigen, ich habe dann selbst bei der Bahn gesucht und bin mit zweimal Umsteigen in kürzerer Zeit nach Hause gekommen. Soviel zum Kundendienst der DB
Einige Anmerkungen zum Thema Pünktlichkeit. 1. Sie kann sich augenblicklich – und in den nächsten Jahren – überhaupt nicht verbessern. 2. Es besteht eher die Situation, daß die Pünktlichkeit wg. der (hoffentlich) zunehmenden Reparaturen, d.h. Baustellen, noch schlechter sprich volatiler wird als bisher. 3. Demnach müßten man überlegen, welche anderen Kennzahlen könnten die Verbesserungen – an denen soll ja angeblich vielfach gearbeitet werden – tatsächlich messen können? 4. Denn: Die Pünktlichkeit hängt von 10.000 und mehr Dingen ab, ist also das Ergebnis eines komplexen Gesamtgeschehens. Nicht mehr und nicht weniger. P.S. das gleiche gilt ja bei Staatssschulden auch; man denke… Mehr