Der Bau eines antidemokratischen Schutzwalls

Die neuen Blockparteien von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken wollen kurz vor den Landtagswahlen mit einem „Gesetz zur Parlamentsreform 2026“ die AfD als größte Volkspartei samt ihrer Wähler von der politischen Teilhabe im Wesentlichen ausschließen

picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Die Alternative für Deutschland steht vor den Landtagswahlen im Osten bei immer mehr Bürgern hoch im Kurs. Bis zu 40 Prozent der Wähler würden sich laut Umfragen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern für die größte Volkspartei entscheiden. Im September sind dort Landtagswahlen.
Obendrein ist die AfD keine „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ mehr.

Denn die AfD hat vor dem Verwaltungsgericht Köln einen spektakulären Sieg gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz errungen. Die 13. Kammer untersagte dem Inlandsgeheimdienst bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens, die Partei als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ einzuordnen, zu beobachten, zu behandeln, zu prüfen oder zu führen. „Die Voraussetzungen der Einstufung und Behandlung der Antragstellerin als gesichert rechtsextremistische Bestrebung liegen nicht vor“, heißt es in dem Gerichtsbeschluss.

Das schockt die Konkurrenz von den selbst ernannten demokratischen Parteien. Deswegen arbeiten sie wie schon zuvor im Thüringer Parlament nun auch in Sachsen-Anhalts Landtag noch vor der Wahl an einer undemokratischen Ausgrenzung der AfD und ihrer Wähler. Dazu haben sich CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke zu einem Block zusammengeschlossen. Die Hilfe der früheren Täterpartei der SED-Diktatur ist dabei den schwarz-rot-gelben Regierungsparteien sehr willkommen.

Wie auch bei Bundeskanzler Friedrich Merz in spe, der eine Billion Schulden und eine Verfassungsänderung noch mit dem alten Bundestag beschloss, obwohl ein neuer gewählt war, will die jetzige Zweidrittelmehrheit im Magdeburger Landtag kurz vor der Wahl ihre Änderungen durchdrücken.

Auf diese Weise soll ein sogenanntes „Gesetz zur Parlamentsreform 2026“ den politischen Einfluss der größten Oppositionspartei, ihrer Volksvertreter und rund 40 Prozent des Wählerwillens nach der Landtagswahl im September praktisch ausschalten. Der Entwurf dafür wird am 5. März in den Magdeburger Landtag eingebracht. Der Ältestenrat verständigt sich dann über das weitere Verfahren.

Resilienz gegen antidemokratische Maßnahmen?

In den wenigen Medienberichten heißt es dazu verharmlosend: Gut sechs Monate vor der nächsten Landtagswahl wollen CDU, Linke, SPD, FDP und Grüne, eine sogenannte Parlamentsreform beschließen, die den Landtag sowie das Landesverfassungsgericht stärken soll – als „Resilienz gegen antidemokratische Maßnahmen“.

Allein die marxistisch-leninistische Dialektik bei der Erfindung dieses Begriffs beweist, dass es antidemokratische Maßnahmen gegen eine oppositionelle Volkspartei wie die Alternative für Deutschland sind.

Denn es ist ein Ausgrenzungsbeschluss von rund 40 Prozent des Wählerwillens und einem Großteil des Volkes, das seine Vertreter in einer demokratischen Wahl in den Landtag gewählt hat.

„Dem Vernehmen nach haben die Koalitionsfraktionen von CDU, SPD und FDP gemeinsam mit Linken und Grünen hier ein Jahr lang die Köpfe zusammengesteckt – die Springer-Presse spricht von einer ‚breiten Parteien-Allianz gegen den wachsenden Einfluss der AfD‘“, beschreibt AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund gegenüber Tichys Einblick das umstrittene Vorhaben.

In der Tat jubelt selbst Springers Welt: „So wappnet sich eine breite Parteien-Allianz gegen wachsenden Einfluss der AfD.“

Damit nichts schief geht, haben die Landtagsfraktionen von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken eine unheilige Allianz gebildet und vorige Woche schon ihren Gesetzentwurf (LT-Drs. 8/6653) veröffentlicht.

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat insgesamt 97 Sitze, davon halten die neuen Blockparteien 73 und die AfD 22, hinzu kommen zwei Fraktionslose. Doch die Ausgegrenzten vor dem antidemokratischen Schutzwall, wie ihn Bestseller-Autor und Topjournalist Peter Hahne in seinem neuen Buch nennt, verfügen nicht wie die AfD in Thüringen über eine Sperrminorität von einem Drittel gegen diese antidemokratischen Maßnahmen von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken alias PDS alias SED.

Es arbeitet in Sachsen-Anhalt halt gegen die Alternative für Deutschland zusammen, was politisch im Grunde nicht zusammengehört – wie fast überall hinter der antidemokratischen Brandmauer. Doch die neuen Blockparteien – in der DDR waren diese unter Führung der SED zur Nationalen Front vereint – nennen das heute „unsere Demokratie“.

Die Ost-Bürger könnten sie jetzt also wie früher BLOCKFLÖTEN nennen.

Die vermeintliche „Resilienz gegen antidemokratische Maßnahmen“ wirkt jedoch wie eine Machtgarantie für die etablierten Parteien zum Ausschalten der größten Opposition.

Begründet wird es wie im untergegangenen Sozialismus dialektisch: Man wolle die „Arbeitsfähigkeit der Organe des freiheitlich-demokratischen Verfassungsstaates Sachsen-Anhalt auch unter den Bedingungen einer zunehmenden Fragmentierung und Polarisierung im politischen System des Landes“ gewährleisten, heißt es in der Antragsbegründung der Blockparteien.

Vor allem die Berufung politisch genehmer Verfassungsrichter will man absichern. Im Landtag Sachsen-Anhalts werden sie bisher per Zweidrittelmehrheit gewählt. Mit einer Sperrminorität von über einem Drittel der Landtagssitze konnten Abgeordnete bislang eine Wahl von umstrittenen Richtern blockieren. Die vorgeschlagene Neuerung in der Landesverfassung sieht jetzt aber vor: Scheitert die Wahl im Landtag über sechs Wochen nach Ende der Amtszeit eines Richters, soll das Verfassungsgericht eigene Personalvorschläge machen – die wiederum das Parlament per einfacher Mehrheit beschließen kann.

Zudem wird auch noch der Ministerpräsident durch die „Parlamentsreform“ entmachtet: Denn die Kündigung sowie der Abschluss von Staatsverträgen wie den Rundfunkstaatsvertrag soll nur noch durch Zustimmung des Parlaments möglich sein.

Aktuell ist hierfür die Unterschrift des Ministerpräsidenten ausreichend, wie die von Vorgänger Reiner Haseloff oder Nachfolger Sven Schulze (beide CDU).
Die Entmachtung soll den durch Zwangsgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Staatsfunk absichern, weil die AfD mit ihrem Spitzenkandidat Ulrich Siegmund den Rundfunkstaatsvertrag aufkündigen will.

Auch die Wahl des Landtagspräsidenten wollen die Blockparteien entdemokratisieren. Bisher hat die stärkste Fraktion des Parlaments das Vorschlagsrecht. Findet der jedoch im ersten Wahlgang keine Mehrheit, sollen künftig im zweiten Wahlgang auch andere Fraktionen vorschlagsberechtigt sein.

So wollen die sogenannten Demokraten wie in Thüringen einen Landtagspräsidenten der größten Fraktion wie der AfD verhindern. Volkes Wählerstimme spielt da für die selbst ernannten Demokraten keine Rolle.

In Sachsen-Anhalt weigert sich der Landtag in undemokratischer Regelmäßigkeit, einen Vize-Präsidenten der AfD zu wählen wie auch in Thüringen den Präsidenten, Mecklenburg-Vorpommern und im Deutschen Bundestag die Stellvertreter. Dabei ist die AfD die zweitstärkste Kraft und größte Oppositionspartei. Ausnahmen sind bei Vize-Präsidenten bislang nur Brandenburg und Sachsen.

Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche!

Künftig soll auch der Termin der nächsten Landtagswahl fest geregelt werden. Derzeit bestimmt der Landtag den nächsten Wahltermin. Angeblich um vermeintlichen Missbrauch zu verhindern, soll laut Entwurf im Falle der Nicht-Einigung im Landtag die Wahl „am letzten Sonntag des sechzigsten Monats nach Beginn der Wahlperiode“ stattfinden.

Allerdings haben sich hierbei ausgerechnet die etablierten Parteien jeweils einen zeitlichen Nachschlag für den längeren Macht- und Mandatserhalt gewährt. Schon zwei Mal haben sie den Wahltermin in Sachsen-Anhalt um drei Monate verlängert (LTW 13.03.2016 / LTW 06.06.2021 / LTW 06.09.2026)!

Zusätzlich soll die Beschäftigung von Familienmitgliedern im Landtag erschwert werden. Wer „mit dem Abgeordneten verheiratet ist, mit diesem in einer Lebenspartnerschaft lebt oder mit ihm bis zum dritten Grad verwandt oder bis zum zweiten Grad verschwägert ist“, dürfe nicht von Steuergeldern bezahlt in dessen Büro arbeiten. Auch das richtet sich gegen die AfD, die einige Beschäftigungsverhältnisse mit Geschmäckle in ihren Büros hat, auch um Personen des Vertrauens einzustellen.

Doch wird diese Anti-AfD-Kampagne die Blockparteien zum Wahlsieg führen? Sicher nicht. Der undemokratische Vorgang wird eher die AfD bei ihren Wählern stärken.
Grüne und FDP fliegen laut Umfragen wohl ohnehin aus dem Parlament, und der Einzug des BSW scheint im Herbst eher unwahrscheinlich, weil die Truppe ihre Ikone Sahra Wagenknecht kaltstellt und sich in Brandenburg und Thüringen als Mehrheitsbeschaffer diskreditiert hat.

Die frühere Rechtsstaatspartei FDP heute als Kampfreserve linker Politik

Warum selbst die FDP Sachsen-Anhalts um Fraktionschef Andreas Silbersack im Heimatland des großen Liberalen Hans-Dietrich Genscher kurz vor ihrem Rauswurf aus dem Parlament – sie liegt in Umfragen nur noch bei fast drei Prozent – den verbleibenden Parteien für ihren Machterhalt bei einem demokratiefeindlichen Ausgrenzungsakt hilft, macht selbst erfahrene Freidemokraten der ehemaligen Rechtsstaatspartei fassungslos.

Der frühere FDP-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag Gerhard Papke kommentiert gegenüber Tichys Einblick die Pläne der sogenannten demokratischen Parteien kritisch: „Mit dieser Methode sollen fundamentale parlamentarische Regeln außer Kraft gesetzt werden, die für den Erhalt demokratischer Entscheidungen unverzichtbar sind.“ Mehr noch: „Dass ausgerechnet die frühere Rechtsstaatspartei FDP dazu ihre Hand reicht, ist ein politisches Armutszeugnis.“

Eine Bitte um Stellungnahme per Mail und SMS ließ die FDP-Fraktion bis Redaktionsschluss verstreichen.

AfD-Fraktionschef und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beschreibt hingegen für Tichys Einblick die vermeintliche „Parlamentsreform 2026“ der politischen Konkurrenz wie folgt:

„Bezeichnend bleibt unterm Strich die Art und Weise, wie man hier panisch alles versucht, um einer starken AfD Steine in den Weg zu legen. In diesem Land gibt es offenbar nur noch zwei Parteien: die Alternative für Deutschland und alle anderen – die neue Einheitspartei – gegen Deutschland.“

Zudem können sich die Maßnahmen bei einer parlamentarischen AfD-Mehrheit auch gegen die Blockparteien selbst richten, indem die AfD sie selbst nutzt. Oder: „Vieles von dem, was jetzt geändert werden soll, kann durch einfache gesetzliche Regelungen wieder zurückgenommen oder später erneut angepasst werden“, erklärt Siegmund.

Zum Schluss sei den Blockparteien noch eine politische Erfahrung mit auf den Weg gegeben: „In Zeiten der Krise bauen die Weisen Brücken, während die Narren Mauern errichten!“

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 63 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

63 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Haeretiker
8 Tage her

Im Grunde ist das alles unerheblich. Ob die Altparteien oder die AfD regieren, das wird der brd nicht mehr helfen.Einerseits ist die AfD schon in erheblichen Maße „glattgeschliffen“ und andererseits hinterlassen die Altparteien ein derartiges Chaos, dass niemand mehr ohne Gewaltausbrüche Korrekturen vornehmen könnte.

albert deutsch
8 Tage her

Ein Fischbrötchen 5€ ,ein Liter Benzin 2€ ,der soziale Abstieg breitester Bevölkerungsgruppen ist nur mit Hilfe „Unserer Demokratie“ zu verkraften !

Juergen P. Schneider
8 Tage her

Die Patentdemokraten werden eines Tages mit den Werkzeugen bekämpft werden, die sie sich selbst geschaffen haben, um die AfD zu bekämpfen. Sie werden hoffentlich schon bald das Gift trinken müssen, das sie anderen so gerne verabreichen. Diese Blockflöten können eigentlich nur hoffen, dass die AfD nach dem Erkämpfen der Macht sich demokratischer verhält, als das links-grüne Antidemokraten-Kartell. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung geht schweren Zeiten entgegen und wenn wir nicht aufpassen, werden die Altparteien sie gänzlich abschaffen, um an der Macht zu bleiben.

schmittgen
9 Tage her

Unseredemokratie in ihrer verkommensten Form

Lotus
9 Tage her

Antidemokraten bei ihrer hochbezahlten Arbeit. Wobei mit Nancy Faeser nicht nur eine Antidemokratin, sondern eine Verfassungsfeindin über Jahre Innenministerin war. Gedeckt vom vergesslichen Olaf, der damit ebenfalls als Verfassungsfeind entlarvt ist.

weihnachtsmann_frau_lein
9 Tage her

Dreist, abstoßend, durchsichtig, erbärmlich … … … … … … und demokratiefeindlich/-verachtend.
Und sich dann über radikalisierung wundern …

Protestwaehler
9 Tage her

Wenn das so weiter geht sitzt irgendwann nur noch die AfD im Parlament 😉

MiSa63
9 Tage her

Was in diesem Land nicht nur in Sachsen-Anhalt durch die Linksparteien mit Hilfe von CDU/CSU und FDP errichtet wurde, ist nicht nur ein antidemokratischer, sondern nach Aussage einiger Grün/Linken ein antifaschistischer Schutzwall und damit nichts anderes, als die neu errichtete Berliner Mauer bzw. innerdeutsche Grenze, die unser Land nicht wie damals geographisch, sondern geistig spaltet. Betroffen ist die gesamte Gesellschaft mit Parteien, Verbänden, Kirchen, Familien, Vereinen und Unternehmen, letztlich allen sozialen Zusammenschlüssen. Dieser „Schutzwall“ schützt nicht, sondern grenzt aus, diskriminiert, moralisiert und spaltet. Diese Eigenschaften sind nicht nur negativ, sondern abgrundtief böse und gefährlich. Dass dem so ist wird dadurch… Mehr

boese
9 Tage her

Hab ich die Wende eigentlich nur geträumt?

November Man
9 Tage her

Die Altparteien stehen egal wo mit dem Rücken an der Wand. Die Bürger wählen immer mehr die AfD. Nun sind die Linksextremisten bereit sich offen und dreist wie sie sind zu ihrer linksextremen, antidemokratischen Gesinnung zu bekennen. Gut das der Wähler nun leicht erkennen kann, was das für üble und hinterhältige Politiker sind.