Weltweiter Pädophilie-Skandal Epstein: Weiterer Mitwisser tot

Der französisch-schwedische Modelagent Daniel Siad war eng mit US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet: Nun wurde seine Leiche in seinem Haus in Colombes bei Paris entdeckt. Er ist der sechste Tatverdächtige oder Mitwisser im Pädophilie-Skandal, der Suizid beging oder sehr plötzlich verstarb.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gina M Randazzo

Die Staatsanwaltschaft von Nanterre bestätigte den Fund der Leiche und leitete eine Untersuchung zur Klärung der Todesursache ein. Eine Obduktion wurde angeordnet. Siad wurde 68 Jahre alt. Nach Angaben der französischen Zeitung Le Parisien fand seine 28-jährige Mitbewohnerin den Toten in der Küche. Sie berichtete, sie sei in ihrem Zimmer gewesen und habe telefoniert, nichts gehört und ihn später entdeckt. Die Anwältin des Verstorbenen, Ménya Arab-Tigrine, geht von einem möglichen Herzinfarkt aus und führt den Tod unter anderem auf den enormen medialen und rechtlichen Druck der vergangenen Monate zurück. Offizielle Ergebnisse der Obduktion stehen noch aus.

Siads Name taucht in den freigegebenen Epstein-Akten des US-Justizministeriums mehr als 2000 Mal auf. Die Dokumente zeigen ihn als langjährigen Kontakt und mutmaßlichen Recruiting-Partner Epsteins. In E-Mails aus den Jahren nach Epsteins erster Verurteilung im Jahr 2008 bot er dem bekannten US-Finanzier, der auch einen österreichischen Pass hatte, sehr junge Models an, darunter Mädchen aus Skandinavien, Osteuropa und anderen Regionen. In einer Nachricht verglich er seine Tätigkeit mit der eines Fischers: „In this busyness I feel like a fisherman sometimes I catch quick, sometimes no fish.“ Er kündigte Listen mit Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren an und organisierte Treffen. Epstein soll ihn dafür finanziell unterstützt haben.

Ermittlungen wegen Menschenhandel

Gegen Siad liefen in Paris Ermittlungen wegen Menschenhandels und weiterer Delikte, nachdem die Epstein-Files öffentlich wurden. Mehrere Frauen, darunter das schwedische Ex-Model Ebba P. Karlsson, hatten ihn der Vergewaltigung und sexuellen Ausbeutung beschuldigt. Siad bestritt alle Vorwürfe vehement, betonte seine Unschuld und forderte, angehört zu werden. Die Pariser Staatsanwaltschaft stellte die Verfahren gegen ihn nun nach seinem Tod ein, setzt die Ermittlungen zum mutmaßlichen kriminellen Netzwerk jedoch fort.

Der Fall Siad reiht sich in eine Serie von Todesfällen von Personen ein, die mit dem Epstein-Komplex in direkter Verbindung standen:
• Jeffrey Epstein starb am 10. August 2019 in seiner Zelle im Metropolitan Correctional Center in New York. Die Behörden und auch spätere Prüfungen des US-Justizministeriums und des FBI stuften den Tod als Suizid durch Erhängen ein.
• Jean-Luc Brunel, ebenfalls französischer Modelagent und mutmaßlicher Beschaffer von Frauen und Mädchen für Epstein, starb im Februar 2022 in seiner französischen Untersuchungshaft. Offiziell war es Suizid. Er war wegen Vergewaltigung Minderjähriger angeklagt.
• Virginia Giuffre, eine der bekanntesten Klägerinnen und Zeuginnen gegen Epstein sowie gegen Ghislaine Maxwell und unter anderem gegen Prinz Andrew, starb am 25. April 2025 im Alter von 41 Jahren auf ihrer Farm in Westaustralien. Die Familie bestätigte Suizid, die Polizei behandelte den Fall als nicht als verdächtig.
• Steven Hoffenberg, früherer Geschäftspartner und Mentor Epsteins aus der Zeit eines großen Betrugsfalls, wurde im August 2022 tot in seiner Wohnung in Derby, Connecticut, aufgefunden. Die Leiche war bereits stark zersetzt; die Autopsie ergab keine Verletzungen. Die Todesursache wurde als natürlich eingestuft.
• Efrain Reyes, Epsteins letzter Zellengenosse im Metropolitan Correctional Center, starb im November 2020 im Alter von 51 Jahren an Komplikationen nach einer Covid-19-Erkrankung, die er sich in Haft zugezogen hatte. Er hatte kurz zuvor mit Ermittlern gesprochen.

Noch weitere Personen aus dem Umfeld Epsteins starben in den vergangenen Jahren, darunter der ehemalige Hausmanager Alfredo Rodriguez (2014 an Mesotheliom, einer bösartigen Tumorerkrankung) und der KI-Forscher Marvin Minsky (2016 an einer Hirnblutung). Diese Todesfälle werden von Behörden überwiegend als natürlich oder unverdächtig eingestuft.


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Kommentare ( 8 )

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Teiresias
21 Tage her

Im Dutroux-Fall gab es 27 Todesfälle unter Zeugen und Prozessbeteiligten – vor allem Selbstmorde und Autounfälle. Einer hat sich sogar erst erschossen und dann erhängt!

Im Epstein-Fall fällt auf, daß so gut wie niemand angeklagt oder gar verurteilt wurde. Angesichts des Ausmasses des Falles eine Meisterleistung des öffentlichen Empörungsmanagements und der Vertuschung.

Ghislaine Maxwell ist die einzige im Gefängnis.
Ihre Haftbedingungen wurden maximal gelockert.

PaulKehl
21 Tage her
Antworten an  Teiresias

Von Ghislaine und ihrem Bruder in Kanada gibt es ein yt-video. Sehr irritierend, als jemand sie anspricht.

murphy
21 Tage her

Der Fall Epstein belastet viele Prominente. Eine organisierte Zeugenbeseitigung muss natürlich untersucht werden. Falls das eine Auftragstötung war wurde diese aber sicherlich auch mit professioneller Spurenbeseitigung durchgeführt. Andererseits ist auch jahrelanger emotioneller Stress ein zuverlässiger Killer, und welcher Epstein-Partner wird den jetzt nicht haben? Ghislaine Maxwell dürfte ebenfalls „Einiges“ wissen oder ist sehr vorsichtig. Auf jeden Fall lebt sie noch.

Vati5672
22 Tage her

Was mir auffiel:
Epstein wurde schon 2008 wegen eines

___________________________ !!! EINES !!! ________________________

Falles angeklagt. Es gab aber über 30 Fälle. WER hat darüber entschieden
das nur EIN Fall angeklagt wurde?

Plus sein hüstel, hüstel „Deal“ mit Acosta. WAS hatte Epstein zu bieten?
Zwei 16 jährige?
+
Die „Promis die auch danach Epstein kontaktieren.
Den Mann hätte man nicht einmal mit einer 3 Meter langen Feuerzange und
Hitzeschutz kontaktieren dürfen.

Es riecht 4.987.875 Lichtjahre gegen den Wind.

Thomas
22 Tage her

So manche Model Agentur im In- und Ausland wurde Knall auf Fall geschlossen.

November Man
22 Tage her

Der Epstein-Skandal betrifft nicht nur die USA, Trump und Konsorten und andere böse Menschen. Dieser furchtbare Skandal betrifft auch viele anderen Staaten, dortige Politiker und Wirtschaftsgrößen. Deshalb muss jetzt so viel wie nur möglich vertuscht werden. Die Beseitigung von möglichen Zeugen gehört dazu.

PaulKehl
21 Tage her
Antworten an  November Man

Bei einem Land glaube ich sogar, daß kein Kontakt zu Epstein bestand und das ist DE. Wer will denn solche sauertöpfischen Politiker auf seiner Insel haben. Die sollen lieber Heuschreckenschnittchen am Tegernsee futtern.

Monostatos
21 Tage her
Antworten an  November Man

Die Verbindungen nach UK und insbesondere in den Buckingham-Palast, dessen Hausherr ja bekanntlich ein „Philanthrop“ ist, wären auch zu untersuchen. Suizide und plötzliche Herztode von wichtigen Zeugen insbesondere während der Haft sind ja sicherlich gänzlich unverdächtig. Hier gibt es nichts zu sehen. Und bei MI6, CIA und Mossad arbeiten ausschließlich smarte Leute, die unterhaltsamen Aktivitäten mit hohen Einschaltquoten nachgehen.