Bundeswirtschaftsministerin Reiche zweifelt an starren „Klimazielen“ der EU

Wirtschaftsministerin Reiche warnt davor, energieintensive Industrien durch zu ambitionierte Vorgaben zu gefährden. Wenn Klimaziele zentrale Faktoren wie bezahlbare Energie und Versorgungssicherheit ausblendeten, müsse der Kurs angepasst werden.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr

Bemerkenswerte Worte von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bei der Energiekonferenz CERAWeek in Houston. Sie hat dort ausdrücklich vor Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoff gewarnt. „Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai“, sagte Reiche. Aktuell gebe es keine Engpässe beim Volumen, also bei der verfügbaren Menge an Kraftstoffen.

Weiterhin hat sie deutliche Zweifel an den starren Klimazielen der Europäischen Union geäußert. Insbesondere das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 stelle Europa vor erhebliche wirtschaftliche Risiken.

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Reiche warnte davor, energieintensive Industrien durch zu ambitionierte Vorgaben zu gefährden. Wenn Klimaziele zentrale Faktoren wie bezahlbare Energie und Versorgungssicherheit ausblendeten, müsse der Kurs angepasst werden. „Wenn Nachhaltigkeit die Wirtschaft zum Einsturz bringt, muss man umdenken“, sagte sie. Es sei „naiv“, langfristig ausschließlich auf Wind- und Solarenergie zu setzen. Stattdessen plädierte sie für mehr technologische Offenheit. Sie stellte eine mögliche Zielverfehlung von fünf bis zehn Prozent bis 2050 als realistisch dar und forderte flexible Lösungen statt starrer Vorgaben.

Zugleich kündigte sie eine deutliche Ausweitung von Gaskraftwerken an: Bis 2027 und 2029 sollen zusätzliche Kapazitäten von bis zu 25 Gigawatt entstehen, bereits in diesem Jahr werden 12 Gigawatt ausgeschrieben.

Darüber hinaus sprach sich Reiche für den Ausbau von LNG-Infrastruktur und langfristige Gasverträge aus, etwa durch Unternehmen wie Uniper und Sefe. Auch heimische Gasförderung in der Nordsee solle geprüft werden, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Und sie betonte die Bedeutung der Kernenergie – sowohl bei neuen Reaktortechnologien als auch bei der Kernfusion.

Auch Shell-Chef Wael Sawan warnt, dass bereits in den kommenden Wochen Versorgungsengpässe drohen könnten, wenn der Konflikt im Nahen Osten anhält. Auslöser ist vor allem die Blockade der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels laufen.

Die Folgen sind spürbar: Energiepreise sind in wenigen Wochen um bis zu 60 Prozent gestiegen, während asiatische Staaten ihren Verbrauch teils drastisch senken. Dieser „Dominoeffekt“ könne bald Europa erreichen. Regierungen könnten gezwungen sein, Maßnahmen wie Homeoffice, Tempolimits oder Einschränkungen beim Energieverbrauch einzuführen – ähnlich wie in der Krise 2022, so Sawan.

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Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um knappe Lieferungen. US-LNG wird verstärkt nach Asien umgeleitet, da dort höhere Preise gezahlt werden. Europa droht dadurch noch mehr ins Hintertreffen zu geraten. Noch handelt es sich um ein mögliches Worst-Case-Szenario.

Die Energiekrise infolge des Iran-Konflikts führt weltweit zu einer Entwicklung: Kohle erlebt ein Comeback. Denn durch die Blockade der Straße von Hormus und Schäden an wichtigen Gasanlagen ist das Angebot an Erdgas massiv eingeschränkt, die Preise steigen stark. Vor allem in Asien erhöhen Staaten wie China, Indien, Japan und Südkorea ihre Kohlenutzung oder bauen sie sogar aus. Auch Europa könnte folgen: Länder wie Deutschland und Polen verfügen noch über Kohlereserven und entsprechende Kraftwerke. Experten sehen darin eine kurzfristige Absicherung gegen Gasengpässe.

Großbritannien hingegen steht vor einem Problem: Dort wurden die letzten Kohlekraftwerke 2024 abgeschaltet. Eine Rückkehr ist kurzfristig kaum möglich. Das zeigt die Kehrseite einer einseitigen Energiepolitik.

Zentrale Lehre der Krise: Wer sich zu stark auf einzelne Energiequellen verlässt, macht sich verwundbar. Kohle wird damit wieder zur strategischen Reserve. Energiepolitik wird erneut zur Frage von Sicherheit und Krisenfestigkeit von Staaten.

Und: Der Konflikt im Nahen Osten entwickelt sich zunehmend zu einem energiepolitischen Machtspiel. Die EU sieht dabei allerdings alles andere als gut aus.

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Kommentare ( 35 )

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BKF
23 Tage her

Und sie betonte die Bedeutung der Kernenergie“ An welche deutsche Firma dachte Freu Reiche da, welche jetzt noch neue Kernkraftwerke in Deutschland bauen soll? Oder soll das eine Einladung an die Konkurrenz aus dem Ausland sein, nachdem man die deutsche Kernindustrie kaputt gemacht hat?

Fralarovi
24 Tage her
Budgie
24 Tage her

Der Wahn greift immer mehr um sich. Weder starre noch bewegliche „Klimaziele“ können irgendwie sachlich und fachlich als vom Menschen verursacht, begründet werden. Seit 5 Milliarden Jahren ändert sich das Klima. Genau die gleiche Voodoo Wissenschaft wie vor 500 Jahren bei den Alchemisten beeindruckt heute offensichtlich die Eliten Europas . Aber auch noch vor 6 Jahren betrieben diese von einer Denkphobie betroffenen Demagogen mit ihren Modellrechnungen „wissenschaftlichen“ Glaskugel-Hokuspokus um Corona Gefahren „vorherzusagen“.

Last edited 24 Tage her by Budgie
norbertb783
24 Tage her

Die Regierung in NRW läßt Rheinwasser in die Braunkohle-Tagebaue einleiten, damit bloß niemand auf den Gedanken kommt, sie wieder weiter verwenden zu wollen.
Wir werden von den vorausschauensden Geistesriesen regiert, die es welt weit gibt.

Jan Usko
24 Tage her
Antworten an  norbertb783

Offenbar gilt immer noch der Ausspruch Richard Wagners: „Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen treiben.“ Und sei es der eigene Untergang!

Jan Usko
24 Tage her

„Und sie betonte die Bedeutung der Kernenergie – sowohl bei neuen Reaktortechnologien als auch bei der Kernfusion.“ So Frau Reiche. Erneut „Ach was!!“ Wo war denn auch nur ein einziger Vertreter aus Deutschland, als in der Nähe von Paris vor kurzem 33 Länder aus Europa diesen neuen Weg und seine gemeinsame Gestaltung miteinander besprachen und sich einig waren, dass selbst die abstrusen Klimaziele anders keinesfalls erreichbar seien? „Trotzland“ blieb einfach zu Hause, die hiesigen Medien berichteten einfach kaum und unser Bundeskanzler belehrte uns, dass unser Sonderweg (in den Abgrund) irreversibel sei (was natürlich völlig unsinnig ist). Aber man habe das… Mehr

Icarus
24 Tage her

Wenn Reiche tatsächlich „Zweifel an den starren Klimazielen der Europäischen Union“ hat, dann soll sie darauf hinwirken, dass diese umgehend verworfen werden. Ansonsten sind ihre Aussagen nichts anderes als Geschwafel.

greenman
24 Tage her

Zweifel sind grundsätzlich angebracht,
speziell an der 13. Etage der Brüsseler Zentrale
und deren selbstherrlicher Residentin mit kaiserlichem Sendungsbewusstsein.

Orlando M.
24 Tage her

Reiche warnte davor, energieintensive Industrien durch zu ambitionierte Vorgaben zu gefährden.“
Die Industrie weiß sich auch ohne die Gurkentruppe in Berlin zu helfen. Das Unternehmen für das ich arbeite investiert jetzt bevorzugt in die Zweigstellen in Indien und China. In meiner Position als leitender Entwicklungsingenieur unterstütze ich die Kollegen in Indien und China so gut ich kann, indem ich auf deren Wünsche eingehe und sie priorisiere. Beide Zweigstellen laufen sehr erfolgreich und gleichen die absurd hohen Staatskosten in Deutschland in der Gesamtbilanz aus.
Die Politiker schwätzen nur dummes Zeug, wir handeln.

yeager
24 Tage her

„Wenn Nachhaltigkeit die Wirtschaft zum Einsturz bringt …“, dann ist das ein ziemlich merkwürdiges Verständnis von Nachhaltigkeit.

Rainer Schweitzer
24 Tage her
Antworten an  yeager

„Nachhaltigkeit“ ist doch eh mehr eine modische Nebelwand als ein klar definierter Begriff. Nach dem Motto: Kaufen Sie zwei Kilo Kaffee, dann bekommen Sie ein Pfund Nachhaltigkeit gratis dazu.

Rainer Schweitzer
24 Tage her

Ich frage mich, wie jemand, der diese Zusammenhänge erkennt und versteht, morgens in den Spiegel schauen kann, ohne sich zu schämen, um danach zur Arbeit zu gehen und weiter zu machen, wie bisher. In dem sicheren Wissen, daß mit der aktuellen Koalitionsregierung, in der man die Wirtschaftsministerin spielt, keine Kursänderung möglich sein wird? „Energiepolitik wird erneut zur Frage von Sicherheit und Krisenfestigkeit von Staaten.“ Nicht „erneut“, das ist einfach falsch. Energiepolitik war immer eine strategische Frage von nationaler Sicherheit und Krisenfestigkeit. Das war die zentrale Lehre aus der Ölkrise der 1970er Jahre. Deshalb galt das eherne Prinzip der möglichst breiten… Mehr