Seit dem Umzug nach Berlin frisst sich der Zentralismus immer tiefer in die Republik. Die Hauptstadtblase macht aus föderaler Vielfalt politische Einfalt, aus regionaler Eigenverantwortung Berliner Bevormundung und findet in Brüssel den passenden Verstärker.
Zu den unerfreulichen, wenn auch bewusst in Kauf genommenen Begleiterscheinungen des DDR-Beitritts gehört in der Berliner Republik die Tendenz zum Zentralismus. Das ist so, obwohl sich das Grundgesetz in dieser Hinsicht nicht groß geändert hat. Was sind die Ursachen?
I.
Die Hilfsbedürftigkeit der Neuen Bundesländer verlangte nach einer nationalen Anstrengung. Das Gebot der „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ – die hierzulande noch immer oft mit Gleichheit verwechselt wird – gebot das Engagement des Bundes. Mittlerweile hat auch der Länderfinanzausgleich absurde Züge angenommen. Die letzten finanzstarken Länder (vor allem Bayern) werden ausgenommen. Aber zu sagen haben sie nichts, wenn das Land Berlin das Geld für Pop-up-Radwege oder verschwendet. Mit der Schuldenkrise wird sich das nicht ändern, sondern die Schwäche von Ländern und Kommunen den Bund weiter stärken. Wenn Berlin nach der nächsten Landtagswahl einen weiteren Linksrutsch erleben wird, bleibt Bayern und Baden-Württemberg nichts anderes übrig, als das Umverteilungssystem vor dem Verfassungsgericht anzufechten.
II.
Das wahre Elend heißt Berlin. Seit Deutschland aus einer „Hauptstadt“ regiert wird, schleicht sich zentralistisches Denken in die Politik. Das genau war der Vorzug der provinziellen Verwaltungsstadt Bonn. Mit Bonn wollte und sollte niemand das Land identifizieren. Es war ein brauchbarer Firmensitz., mehr nicht. Der „Reichstag“ lässt selbst die Brust von Hinterbänklern aus jwd stolz schwellen. Das Übergewicht des urbanen Milieus, die Arroganz der Stadt gegen das Land gab es immer, aber in der Berlin Politblase ist es unerträglich geworden. Die Spaltung des Landes in Stadt und Land ist neben anderen Spaltungslinien ein ernstes Problem. Die Waage senkt sich in Berlin zu Lasten des Landes. Das war in der Bonner Republik nicht so. Besonders die Grünen, die Sozis und die Linke sind zu Kiezparteien verkommen, die in Kreuzberg ein Modell sehen. Selbst die Berliner CDU ist linker als der Rest der Partei. Irgendwie sind fast alle Regierenden zu Berlinern degeneriert.
III.
Bonns bescheidenes Ambiente hatte einen segensreichen Einfluss auf den politischen Alltag. In Berlin leider auch. Es tut dem Land nicht gut. Großmannssucht und Größenwahn kamen mit dem Umzug zurück. Am deutschen Wesen soll (etwa in Sachen Klima, Kernenergie, Migration) die Welt genesen. Die ewige Merkel war im Grunde eine Berlinerin, der Uckermark in ihrem Wesen längst entfremdet. Nach Berlin passte sie. Schon, weil auch die DDR ein zentralistischer Staat war.
IV.
Berlin dominiert auch kulturell. Jeder Furz, der Unter den Linden gelassen wird, gilt als wertvoll, weil er Unter den Linden gelassen wird. Ein grobes Missverständnis. Der Reichtum der deutschen Kultur kommt aus der Blüte des Duodezfürstentums und der Bundesländer. Der Magnetismus Berlins schwächt diese Vielfalt. All der woke, durchgegenderte Schwachsinn feiert in Berlins Kulturszene Carneval – unter gnädiger Mithilfe des Bundes. Mit Kohle aus den Ländern: Der Irrsinn der postkolonialen Selbstbeschämungsshow im überflüssigen Schlossimitat des Humboldt-Forums ist nur ein Beispiel. Auf so etwas kommt man nur in Berlin.
V.
Deutschlands Geschichte glänzt durch seine regionale Vielfalt. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kannte keine Hauptstadt. Der Kaiser wurde von den Fürsten gewählt, er befehligte sie nicht, er moderierte. Alle Versuche Deutschlands, als Zentralmacht Großmacht zu sein, endeten in der Katastrophe. Föderalismus ist eine unverzichtbare, urdemokratische Methode, Macht zu teilen und zu kontrollieren. Es ist auch eine ureuropäische Eigenheit. Die große Chance der EU wäre die Stärkung weitgehend autonomer Regionen. Aber das geschieht nicht. Die EU ist ein Staatenbund, der den Irrweg eines bürokratischen Bundesstaats geht. Ein Paradox: Berlin und Brüssel stärken sich gegenseitig, weil beide auf Zentralismus setzen.
VI.
Umfragen ergeben regelmäßig, dass die Mehrheit der Bürger nichts gegen mehr Zentralismus haben. Im Gegenteil. Sie wollen klare Zuständigkeiten, wünschen Einheitlichkeit, z.B. in der Bildungspolitik. Doch Konkurrenz durch Vielfalt ist das einzige Mittel gegen die weitgehend ideologisch verursachte Bildungskatastrophe. Auch eine von der AfD geführte Regierung würde sich vermutlich nicht die Stärkung des Föderalismus auf die Fahne schreiben, so wenig wie die Linke. Wer das Lied des Nationalen singt, hat für die Eigenverantwortung der Länder nur Verständnis, solange ihm der Wahlsieg in einzelnen Ländern als Instrument zur Stärkung des bundespolitischen Einflusses dient. Zentralismus heißt immer mehr Staat. Notwendig wäre weniger Staat.


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„bleibt Bayern und Baden-Württemberg nichts anderes übrig, als das Umverteilungssystem vor dem Verfassungsgericht anzufechten.“ und das BVerfG braucht dann mehrere Jahre für eine Prüfung, währenddessen die Gelder weiterhin sprudeln. Beste Beispiele: die gKVs klagen gegen die einseitige Finanzierung der Kosten für die Krankenversicherung der Bürgergeldempfänger zu Lasten der gKVs. Bis diese Klage überhaupt verhandelt wird, ist eine Zeit von 3-4 Jahren im Gespräch. der VDK klagt gegen die einseitige Finanzierung der Kosten für Lauterbachs Krankenhausreform zu Lasten der gKVs (von den geplanten 50 Milliarden, sollen die Ländeer 25 Milliarden und die gKVs 25Milliarden bezahlen). Bis diese Klage überhaupt verhandelt wird,… Mehr
Föderalismus ist eine notwendige Voraussetzung, direkte Demokratie und ein Minimalstaat sind die anderen für eine wirklich freiheitliche Republik. Nichts dergleichen wird es im BRD-Staat mehr geben. Daran ist nicht die Stadt Berlin schuld. Dieses Berlin-Bashing geht am Thema vorbei, auch wenn diese Stadt sicherlich zu den degeneriertesten in Deutschland gehört. Auch in dem ‚hübschen‘ Bonn würde heute keine andere Politik gemacht werden, in dem übrigens der Migrantenanteil auch schon bei 30 % liegt. Das ist eine typische Herles-Illusion. Die Degeneration ist bundesweit zu beobachten, oder sind Genosse Günter und der schwarzgrüne Wüst etwa Helden der Freiheit? Was ist mit Hamburg… Mehr
> Umfragen ergeben regelmäßig, dass die Mehrheit der Bürger nichts gegen mehr Zentralismus haben.
Damit gibt es keinen Ausweg, bis es kräftig knallt. Wenn es wenigstens weit weg knallen würde, am Dnepr zu Beispiel…
> Wenn Berlin nach der nächsten Landtagswahl einen weiteren Linksrutsch erleben wird, bleibt Bayern und Baden-Württemberg nichts anderes übrig, als das Umverteilungssystem vor dem Verfassungsgericht anzufechten.
Diese beiden Länder werden doch stark linksgrün regiert?
Sehr geehrter Herr Herles, bis Abschnitt V stimme ich Ihnen zu, zum VI. möchte ich bemerken: Ich war Lehrer in Ost und nach Ausreise in West. Leider mußte ich feststellen, daß das Bildungsniveau West mit dem aus Ost nicht mithalten konnte. Der Ursachen gab es viele, es würde zu weit führen, sie alle aufzuzählen. Aus meiner praktischen Erfahrung heraus komme ich zu dem Schluß, daß gerade im Bildungssystem der Födera- lismus seine Grenzen hat. 16 Bundesländer und jedes macht das, was es meint, tun zu müssen. In der Bildung des Volkes, hier besonders der Kinder und Jugendlichen hat, nach meiner… Mehr
Unterschiedliche Strukturen und Lebensentwürfe stärken die Demokratie, weil sie den Druck von oben aus dem Kessel nehmen was Raum für menschliche Verbindungen und damit Stabilität schafft. In einer Demokratie ist Platz für Erzkonservative, national Gesinnte, Liberale, Linke, Waldorfschulenanhänger, Esoteriker usw. ebendas ganze Spektrum. Einheitlichkeit dagegen zerstört ab einem gewissen Grad die Demokratie, weil sie zu viel Druck auf das Individuum aufbaut, sodass das das Individuum beginnt zu hassen und das System dem Untergang geweiht ist. Nur in Freiheit gedeihen Leistungswille, Kreativität, Humor, Zuversicht, Menschenliebe, Toleranz, man kann diese guten Zutaten niemals in Menschen erzwingen. Nur in Freiheit kann eine Ordnung… Mehr
„Herles fällt auf – Zentralismus kommt aus Berlin“
Immerhin – nach mehr als 30 Jahren…….😱🤔
Wo waren Sie während dieser Zeit, Herr Herles?
Der Ö-Michel rebelliert offen: https://tkp.at/2026/08/15/es-ist-hoechste-zeit-diesen-staat-zu-delegitimieren/
> „… Vor unseren Augen hat das System in einer Demokratiesimulation den Staat zu einem Monster umgebaut, ein Monster das wir nicht mehr als Souverän kontrollieren, sondern dem wir alle als Untertanen dienen! Das uns als Draufgabe sieben von zehn Euro Einkommen abknöpft – und trotzdem weiter Richtung Staatsbankrott driftet! … Der Staat hat weder Legitimation noch Anspruch dermaßen viel Macht über unsere Leben zu haben, hat keinerlei Recht uns zu entmündigen und zu Untertanen zu degradieren! …“