Fehlende Raffineriekapazitäten: Jetzt rächt sich der CO2-Furor auch an den Tankstellen

An den Zapfsäulen entscheidet sich in diesen Tagen Wohl und Wehe von Politik, Wirtschaft und Haushaltsfinanzen. Inflationsbereinigt liegt der Rohölpreis weit unter dem Krisenniveau zur Zeit der russischen Invasion in der Ukraine. Dass die EU ihren CO2-Furor auch auf die Raffinerien ausgedehnt hat, rächt sich nun.

t IMAGO / Jochen Eckel

Der Ärger an Deutschlands Zapfsäulen erreichte zuletzt den Siedepunkt. Nicht einmal die Phlegmatiker der Koalition konnten den Stress der Autofahrer, Logistikunternehmen, Handwerksbetriebe und Pendler ignorieren, den die turmhohen Preise an den Zapfsäulen auslösten – man gewährte dem Volk schließlich einen kleinen Spritpreisrabatt von 17 Cent, um der immer hitzigeren Debatte die Spitze zu nehmen.

Dabei war klar, dass die Preise für fossile Energien und deren weiterverarbeitete Produkte vor allem in den Staaten der Europäischen Union immer weiter steigen würden. Dies war einkalkuliert, da das Rahmenwerk, der Green Deal, auf der einen Seite erneuerbare Energien mit Subventionen vollpumpt, um auf der anderen Seite die relativen Kosten für die Nutzung von Öl, Gas und Kohle und deren Derivate massiv zu verteuern. Ein Weg, dies zu gewährleisten, ist die Überregulierung und zusätzliche Belastung der Raffinerien, die die Brückenfunktion zwischen dem Rohstoff und dem Endprodukt einnehmen. Dieser Flaschenhals ist zuletzt breit diskutiert worden, als sich die ukrainische Kriegstaktik darauf verlagerte, die russischen Raffineriekapazitäten Schritt für Schritt zu eliminieren, was letzten Endes zu einem handfesten Krach mit dem Weißen Haus führte.

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Wie hoch der Benzinpreis an deutschen Tankstellen heute läge, wäre es nicht zu dieser radikalen Reduktion verfügbarer Raffineriekapazitäten gekommen, lässt sich nur erahnen. Was aber auffällt: Der Rohölpreis, der derzeit um die Marke von 90 bis 100 Dollar pro WTI-Barrel pendelt, liegt real betrachtet – also bereinigt um das Geldmengenwachstum der vergangenen Jahre – wesentlich niedriger als zu Beginn der Ukraine-Krise. Dass sich diese Tatsache nicht in niedrigere Spritpreise an den Tankstellen übersetzt, eröffnet der Politik den simplen und populistischen Weg, den Mineralölkonzernen die Schuld in die Schuhe zu schieben und mit Regulierungsmaßnahmen zu drohen. Schuld haben bekanntlich stets die anderen.

Aber die Wahrheit ist: Die CO2-Steuerung, die seit 2005 auch die Raffineriebetriebe in der EU in ihr Regime integriert hat, sowie die unzähligen Regulierungen haben die Betriebe zu einem Teil unrentabel gemacht. In Wilhelmshaven wurde eine Raffinerie der Firma ConocoPhillips mit einer Jahreskapazität von 13,5 Millionen Tonnen im Jahr 2010 geschlossen, Wesseling bei Köln schloss 2025 seine Kapazität von 7,3 Millionen Tonnen.

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Unterm Strich kostete die CO2- und Regulierungspolitik der EU etwa ein Fünftel der unionsweiten Raffineriekapazitäten. Noch 2007 importierte Deutschland 3,14 Millionen Tonnen Diesel und exportierte 9,39 Millionen Tonnen – ein gutes Exportgeschäft, möglich gemacht durch ein hochmodernes Raffineriesystem. Im vergangenen Jahr betrug der Import dann 12,46 Millionen Tonnen, wobei noch 9,74 Millionen Tonnen exportiert wurden. Deutschland ist damit, ähnlich wie schon im Energiebereich, auch bei den Raffinerie-Endprodukten vom Nettoexporteur zum Importeur geworden. Der Klimaablass hat eben seinen Preis. Klar, dass im Verbund mit den höchsten Steuern die Spritpreise an deutschen Tankstellen die Pole Position im europäischen Vergleich einnehmen.

Brüssel macht den Raffineriebetreibern seit zwei Jahrzehnten das Leben schwer. Vor allem der immer tiefer greifende CO2-Zertifikatehandel lastet auf den Bilanzen der Betreiber wie Blei. Seit 2005 müssen Raffinerien in der EU für ihre Emissionen Zertifikate vorhalten, deren Preis von nahe null in der Anlaufphase über die Marke von 100 Euro pro Tonne im Februar 2023 bis auf aktuell rund 65 bis 75 Euro geklettert ist. Zwar erhalten die Betriebe einen Teil ihrer Zertifikate noch kostenlos, doch dieser Anteil wird bis 2034 planmäßig auf null gefahren. Die Konkurrenz in den USA, im Nahen Osten oder Asien lacht sich angesichts des ideologischen Alleingangs der Europäer ins Fäustchen. Vergleichbare CO2-Bepreisung existiert dort schlichtweg nicht. Wer auf die verwegene Idee kommt, in der EU zu raffinieren, zahlt also den Klimaablass, kämpft mit einer ungeheuerlichen Bürokratie und verliert Jahr für Jahr an Boden im internationalen Wettbewerb.

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In Europa fehlen insbesondere sogenannte Mitteldestillate, vor allem Diesel. Die Ökonomie des Kontinents ist historisch dieselgeprägt: Pkw, Lkw, Landwirtschaft, Baumaschinen und Teile der Schifffahrt hängen an eben diesen Kraftstoffen. Viele europäische Raffinerien waren jedoch traditionell eher auf die Benzinproduktion ausgelegt, eine rasche Umstellung ist aus technologischen Gründen schlicht nicht möglich. Fallen Kapazitäten weg, muss die Lücke anderweitig geschlossen werden, durch Importe aus dem Nahen Osten, Indien, den USA oder Asien. Mit Russland will man ja kein Geschäft mehr betreiben, also bleiben im Grunde derzeit nur die Amerikaner, die ihrerseits massive Raffinerieengpässe zu überwinden haben. Selbst die Drohung eines Diesel-Exportstopps steht bereits im Raum – ein scharfes Schwert, das die Amerikaner da führen könnten.

Wie weltfremd, ideologisch verbohrt und geostrategisch verzweifelt die Klimapolitik der EU ist, zeigt ein schneller Blick auf die globale Primärenergieerzeugung. Noch immer funktioniert die Weltökonomie auf der Basis fossiler Energieträger, von denen Öl mit rund 34, Kohle mit rund 28 und Gas mit rund 25 Prozent Anteil den unbestreitbaren Löwenanteil unter den großen Energielieferanten stellen.

Brüssels Strategie der Verdrängung fossiler Brennstoffe würde nur funktionieren, zögen alle mit: China, Indien und die USA. Die Welt ließ vor allem den Deutschen den klimapolitischen Vortritt, rollte zeitgleich den leidgeplagten Unternehmen und Investoren den roten Teppich aus und freut sich nun über eine reiche Ernte.

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Kommentare ( 64 )

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Britsch
11 Tage her

Man sollte sich doch klar sein, daß das von „serr EU“, den Regierenden beabsichtigt ist. Man will fossile Treib und Brennstoffe los werden, aus welchem Blödsinn heraus auch immer. Je Teuerer die Treib und Brennstoffe um so mehr ist das Subvention für Elektromobilität und die Wärmepumpe nicht zu vergessen. Die Stromversorgung, das Stromnetz ist aber keineswegs dafür ausgelegt. Die Zufallsstromerzeugung? Strom den man nicht braucht, Überstrom, wird in Wasserstoff umgewandelt um gespeichert zu werden und dann eventuell wieder in Strom umgewandelt? Als erstes die Erzeugung, dann Lagerung Transport usw. Wieviel Energieverlust und Kosten kommen da auf den Strom, die Energie… Mehr

Britsch
11 Tage her
Antworten an  Britsch

Man denke auch an den so genannten „Tankrabatt“. Wieviel ist die Teuerung und wieviek macht alleine dafür die Mehrwertsteuer aus? um wieviel hat sich Heizöl verteuert? Die Weltlage ist Schuld, oder nicvht viel mehr das Regierungskonstrukt Eu und die Regierenden der BRD? Ideologien, die in fast der gesamten übrigen Welt als nicht stimmend, falsch und verlogen erkannt wurden werden weriter verfolgt. Man bildet sich ein im Gegensatz zur gesanmten übrigen Welt hätte man recht und willes Allen zeigen Größenwahn zum Schaden der Bevölkerung. Wann wacht die Bevölkerung endlich auf und glaubt nicht mehr was die selbst ernannte so genannte „Elite“… Mehr

fluffy_bird
12 Tage her

Die großen Mineralölkonzerne gehören wohl ohne jede Frage zu den dümmsten Unternehmen, die die Menschheit hervorgebracht hat. Denn was hier im Artikel dargestellt wird, ist ja alles faktisch korrekt. Und genau das, natürlich zusammengefasst und vereinfacht, könnten sich die Mineralölkonzerne problemlos zu Nutze machen und den Bürgern bei einem jeden Tankvorgang deutlich erklären, warum das Benzin oder der Diesel so teuer sind. Aber nichts davon geschieht. Schweigen im Wald. Und in vielen Fällen wird artig Männchen gemacht vor der Politik. Mir ist es absolut unverständlich, warum die Eigentümer dieser großen Mineralölkonzerne, die Aktionäre, die dafür verantwortlichen Manager nicht längst gefeuert… Mehr

Haba Orwell
12 Tage her

> An den Zapfsäulen entscheidet sich in diesen Tagen Wohl und Wehe von Politik, Wirtschaft und Haushaltsfinanzen Es könnte noch schlimmer kommen: >>>EU Energie Lockdown voraus<<< > „… Brüssel bereitet den Energie-Lockdown vor: Weniger heizen, weniger Licht, weniger Verbrauch – die nächste Runde der Mangelwirtschaft. Sanktionen, Nord Stream Sprengung, AKW-Stilllegungen und Demolierung von Kohlekraftwerken wirken. … Nach dem Ausfall großer Teile der katarischen LNG-Exporte durch die Angriffskrieg der USA im Persischen Golf und dem parallelen, politisch gewollten Ausstieg aus russischem Pipelinegas und LNG hat sich Europa in eine strukturelle Abhängigkeit von einem angespannten Weltmarkt manövriert. …“ Das Imperium wirkt genauso… Mehr

Freigeistiger
12 Tage her

Das Motto von Linken und Grünen: je teurer die fossile Energie, desto besser fürs Klima (und natürlich die Klimaindustrie). Das ist natürlich Schwachsinn und nichts weiter als üble Abzocke von Bürgern und Unternehmen.
Brüssel und Berlin sind Vorreiter bei der ökosozialistischen Plan- und Umverteilungswirtschaft.
Dem kann in Deutschland nur die AfD einen Riegel vorschieben, was impliziert, dass Brüssels Macht stark gestutzt werden muss.

Last edited 12 Tage her by Freigeistiger
olympos
12 Tage her
Antworten an  Freigeistiger

Brüssel ist Berlin, das sollte sich langsam durchgesprochen haben.

Adler Horst
12 Tage her

Ich muss mich mittlerweile vor jedem Tankstellenbesuch durch kurze Meditation kalmieren, um keinen Wutanfall zu bekommen und Sachschaden anzurichten.

HRR
13 Tage her

„Unterm Strich kostete die CO2- und Regulierungspolitik der EU etwa ein Fünftel der unionsweiten Raffineriekapazitäten.“
—
Die Globalisierung der Wirtschaft ließ die Armut weltweit schrumpfen und verbreitete Wohlstand.
Das Gegenteilige lässt sich infolge der Globalisierung politischer und ökonomischer Inkompetenz  behaupten.

MachiavelliNiccolo
13 Tage her

Kein Mitleid! Diese Politik wurde jahrzehntelang bei vollem Bewußtsein von der Mehrheit gewählt. Clever war nur das Ganze in kleinerer Dosierung durchzuführen. So konnte der grünaffine Wähler immer von Jahr zu Jahr sagen. Noch kann ich mir das leisten, noch hab ich Reserven auf dem Konto. Man schlägt sich quasi von Jahr zu Jahr weiter durch weil die Katastrophe grad noch so auszuhalten ist (Das Froschprinzip). Jetzt plötzlich sind wir einen Schritt zu weit nach vorne gerutscht und das edle Vorhaben bringt uns jetzt um – wie zu erwarten!

olympos
12 Tage her
Antworten an  MachiavelliNiccolo

Ein sehr treffender Kommentar

Kassandra
13 Tage her

Russland hat schon im Juli 2026 einen Exportstopp für Diesel verhängt: https://www.berliner-zeitung.de/article/diesel-exportverbot-russland-weitet-stopp-auf-produzenten-aus-weltmarktpreise-ziehen-an-10180976 Keine Ahnung, ob das inzwischen wieder aufgehoben wurde. Aber Trump wird auch nicht liefern – und aus dem Iran kommt, bis auf die Schiffe, die jetzt unterwegs sind, auch nichts mehr: @POTUS on Iran: „They have no economy. The value of their money is, as they say, valueless. They have inflation now of close to 300%… Their money is shot. Their economy is shot. Their military is shot. They’re in trouble.“   https://x.com/RapidResponse47/status/2104563896564793613 . Aber ist nicht interessant, dass wir uns durch die Zahlung von Steuergeldern an Selenskyj, ohne… Mehr

Egge940
13 Tage her

Wie übrig nichts Neues: Der Blick ausschließlich auf Primärenergie (in der Energiewirtschaft der Zukunft ist hpts. die Endenergie entscheidend, da nicht mehr zwei Drittel durch Verbrennung durch den Auspuff gejagt werden) und zwanghaftes Ignorieren der Erneuerbaren und der Elektrifizierung, die in der ganzen Welt dank der irren Kriege der Orange und des Kriegsverbrechers im Kreml beschleunigt ausgebaut werden.

Kassandra
12 Tage her
Antworten an  Egge940

:
Speziell für Sie hier die Kurzchronik dessen, was in der Ukraine seit 1990 angezettelt wurde: https://ansage.org/verpasste-chancen-und-tragoedien-die-unerzaehlte-geschichte-des-ukraine-konflikts-als-kurzchronik/
Denn der Konflikt besteht beileibe nicht erst seit Februar 2022.
Erwähnt wird dort auch:
„Wie der ehemalige ukrainische Präsident Poroschenko, die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Hollande, die alle an den Verhandlungen teilnahmen, Jahre später zugaben, diente Minsk-II es lediglich dazu, Zeit zu gewinnen und die Ukraine auf einen offenbar geplanten Stellvertreterkrieg gegen Russland vorzubereiten.“
.
Hier noch einmal von anderer Seite kurz erklärt, wie und seit wann sich die NATO ausbreitete und Russland sich dadurch bedroht fühlte: https://x.com/WallStreetMav/status/1895850260024668325

Egge940
12 Tage her
Antworten an  Kassandra

Selbst Gorbatschow hat später gesagt, dass die Zusage damals nicht so getroffen wurde, außerdem ist Sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen.
Die NATO hat sich nicht aktiv ausgebreitet, die ehemaligen Ostblockstaaten wollten Unabhängigkeit von dem Verbrecherregime in Russland. Schauen Sie sich doch z.B. mal Polen an. Die sind jetzt endlich wirtschaftlich aus der Versenkung und möchten niemals mehr zurück zum alten russischen Großreich wie der Kriegsverbrecher aus dem Kreml.
Russland und Putin sind der Agressor, zunächst in Georgien, dann die Krim und zunächst der Angriff der „grünen Männchen“ inkl. dem Abschuss von zivilen Flugzeugen.

Musteridiot
13 Tage her

Unverschämt finde ich, dass man so tut, als ob dieser Tankrabatte den Staat Geld kosten würde. Mit jedem Liter Benzin verdient der Staat immer noch circa einen Euro und wenn man jetzt nicht mehr zum Tanken ins Ausland fährt, weil die Spanne zwischen dem deutschen und dem ausländischem Sprit geringer ist, dann nimmt er sogar bei diesen Autofahrern mehr ein. Und der reiche SUV Fahrer, der 100 Liter in seinen Tank füllt, füllt immer noch die Kasse des Staates. Wenn ich dagegen ein chinesisches Elektroauto lease, um Sprit zu sparen, dann kostet das den Staat Geld. Mit Elektroauto-Prämie, EEG Subventionen,… Mehr

Kassandra
12 Tage her
Antworten an  Musteridiot

„Der Staat“ sind wir alle.
Und mit Ihrem Verhalten wie dem Kauf eines ElektroAutos mit Subventionen schröpfen Sie den Mitbürger – und mehr, als das der von Ihnen als „reich“ titulierte SUV-Fahrer tut.

Egge940
12 Tage her
Antworten an  Musteridiot

Gleichzeitig fördert der SUV-Verbrennerfahrer auch noch den bei Ihnen sicher recht unbeliebten radikalen Islamismus…