Die sogenannte Energiewende ist gescheitert. Sie war das allerdings schon, als man sich diesen unsinnigen Marketingbegriff ausgedacht hatte. Statt das einzugestehen, versucht man mit immer absurderen Versuchen den Anschein zu Erwecken, man würde das Chaos, dass man angerichtet hat, noch kontrollieren.
IMAGO / dts Nachrichtenagentur
In Schwedt ist Jahrmarkt. Dort steht eine Raffinerie, will Benzin, Diesel und andere Raffinerieprodukte weiter produzieren, allein, es fehlt immer mehr an Rohöl. Bis Ende Mai kann die Raffinerie noch mit rund 80 Prozent Auslastung laufen. Danach droht eine Drosselung. Rund 20 Prozent des Rohöls kamen zuletzt aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline; 2025 waren es etwa 2,1 Millionen Tonnen. Seit Anfang Mai sind diese Lieferungen durch Russland unterbrochen – offiziell wegen technischer Probleme, ein gern genutztes Narrativ.
Ausgleichen sollen nun Lieferungen über Rostock und das polnische Danzig. Doch Rostock arbeitet bereits an der Kapazitätsgrenze; ein Ausbau im Ölhafen wird geprüft. Mit Polen laufen Gespräche. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von „europäischer Solidarität“ und nannte die Versorgung stabil, wenn auch zu höheren Preisen.
In Schwedt geht es um rund 1.000 direkte Arbeitsplätze und mehrere Tausend Jobs in der Region. Die Beschäftigungsgarantie wurde bis Jahresende verlängert. Die Opposition warnt vor neuen Abhängigkeiten: Die Linke fordert eine staatliche Pipeline von Rostock nach Schwedt, das BSW will wieder Gespräche mit Russland über Druschba. Das neue Kerosinprojekt soll Schwedt langfristig sichern – kurzfristig bleibt die Raffinerie abhängig von teuren und unsicheren Ersatzrouten.
Aufgrund der prekären Lage fuhr Reiche also selbst mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nach Schwedt und stellte dort ein Förderprojekt über 350 Millionen Euro vor. Damit soll ab 2030 synthetisches Kerosin auf Wasserstoffbasis produziert werden. Reiche sprach von einem „Zukunftszeichen“.
Doch synthetisches Kerosin ist kein „Energielieferant“, sondern ein Speicherprodukt. Der entscheidende Punkt bleibt dabei offen: Woher kommt die Energie für das neue synthetische Kerosin wirklich? Offiziell soll „Brandenburg eSAF“ ab 2030 mehr als 30.000 Tonnen synthetischen Flugkraftstoff pro Jahr auf dem Gelände der PCK-Raffinerie herstellen. Die Anlage soll aus sogenanntem „grünem Wasserstoff“ und biogenem CO₂ über Power-to-Liquid beziehungsweise Fischer-Tropsch synthetisches Kerosin erzeugen. Das CO₂ soll vom Schwedter Papierhersteller LEIPA kommen.
Die Dimension ist erheblich: 30.000 Tonnen synthetisches Kerosin entsprechen rund 360 Gigawattstunden chemischer Energie. Wegen der Verluste bei Power-to-Liquid dürfte der reale Strombedarf deutlich höher liegen, grob bei 0,7 bis über einer Terawattstunde pro Jahr. Zum Vergleich: Das ist etwa der Jahresstromverbrauch einer Stadt mit 250.000 Einwohnern – nur für diese relativ kleine Menge Kerosin.
Schwedt bekommt damit kein gelöstes Energieproblem, sondern ein neues energiehungriges Industrieprojekt. Es steht und fällt mit billigem grünem Strom, funktionierenden Wasserstoffleitungen und bezahlbarem Wasserstoff.
Nach Angaben der Projektpartner soll der grüne Wasserstoff „zum Großteil“ über das Wasserstoff-Kernnetz, konkret die FLOW-Pipeline von Gascade, bezogen werden; zusätzlich ist eine Elektrolyse vor Ort vorgesehen. ENERTRAG soll dabei die Expertise für sogenannte „erneuerbare Energien“ und Wasserstoffelektrolyse liefern.
Die Energie entsteht also nicht einfach in Schwedt. Sie muss vorher als erneuerbarer Strom erzeugt, in Wasserstoff umgewandelt, transportiert und dann wieder chemisch in Kerosin eingebaut werden. FLOW soll Wasserstoff unter anderem aus dem Raum Lubmin, Rostock, Offshore- und Onshore-Erzeugung sowie über künftige Importwege transportieren. Die Pipeline-Route führt über Rostock, Lubmin, Schwedt, Berlin, Leipzig und Leuna weiter Richtung Süden; erste Abschnitte wurden 2025 umgestellt, der weitere Ausbau läuft bis 2029.
Die Größenordnung ist erheblich. Jet-Kerosin hat eine Energiedichte von rund 43,2 Megajoule je Kilogramm. 30.000 Tonnen entsprechen also etwa 360 Gigawattstunden chemischer Energie im fertigen Kraftstoff. Da Power-to-Liquid verlustreich ist, dürfte der reale Strombedarf grob eher bei 0,7 bis über 1 Terawattstunde pro Jahr liegen; allein für Elektrolyse rechnet die IEA typischerweise mit etwa 50 Kilowattstunden Strom pro Kilogramm Wasserstoff.
Und schon im Dritten Reich wußten die Chemiker, daß diese Synthese extrem energieaufwendig ist und nur unter autarken, hochsubventionierten Bedingungen „rentabel“ ist. Die historische Fischer-Tropsch-Erfahrung zeigt: Synthetische Kraftstoffe sind technisch möglich, aber Energie- und kostenintensiv. Damals lief dies unter „Kriegswirtschaft“.
In Schwedt wird also kein Energieproblem gelöst, sondern ein neues energiehungriges Industrieprojekt aufgebaut. Es steht und fällt mit billigem, dauerhaft verfügbarem grünem Strom, funktionierenden Wasserstoffleitungen und bezahlbarem Wasserstoff. Doch all dies gibt es nicht.
Technisch ist synthetisches Kerosin möglich; politisch läßt es sich gut als Zukunftsprojekt verkaufen. Wirtschaftlich aber bleibt die entscheidende Frage offen: Wer liefert die Energie, wer bezahlt die Verluste der Umwandlung? Und wer garantiert, daß daraus am Ende nicht nur ein weiterer subventionierter Jahrmarkt der Energiewende wird?

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Kann sie doch jetzt russisches und kasachisches Öl zum Billigpreis einkaufen. Auch eine Art Entwicklungshilfe.
„Und wer garantiert, daß daraus am Ende nicht nur ein weiterer subventionierter Jahrmarkt der Energiewende wird?“
Also ich garantiere schonmal, daß daraus am Ende auch wieder nur „ein weiterer subventionierter Jahrmarkt der Energiewende“ geworden sein wird, mit dem Reiche andere Reiche noch reicher gemacht haben wird.
It´s the economy, stupids!
Wie im Artikel erwähnt, kann man machen. Es gibt da nur ein kleines rechtliches Problem – ausgerechnet die EU-Mitgliedschaft und das Beihilferecht, sieht man von Luftschlössern nicht vorhandener Pipelines ab, die nicht vorhandenes Öl transportieren. Zu Recht hat sich die Regierung wegen Wettbewerbsverzerrung in den Bereichen Industriestrompreis und zu subventionierender Gaskraftwerke eine blutige Nase geholt. Es geht eben laut Wettbewerbsrecht nicht, sich erst ins Knie zu schiessen und dann nach einem subventionierten Rollstuhl zu schreien. Denn Rollstuhl bekommt man nur, wenn man f[r die Verletzung nichts kann.So weit reicht die Macht vdLs nun auch nicht, das Ganze zu genehmigen. In… Mehr
Das ist das Ergebnis, wenn entsprechend des Peter-Prinzips Nichtskönner in höchste Staatsämter gespült werden, die zudem ideologisch verblendet sind, denn sie wissen nicht, was sie tun oder vielleicht doch? Vielleicht ist es genau so gewollt?
Wenn den Deutschen wieder Kunstbenzin als Wunderlösung vorgegaukelt wird, krieg‘ ich irgendwie ein ganz mieses Gefühl. Zudem: Wie viele Flieger kann man mit 30.000 Tonnen betanken? Neulich hat ein Jet über Brandenburg allein 14 Tonnen ‚abgeblasen‘. Bei der herrschenden Flugfrequenz in DE ist die angestrebte Produktionsmenge also eher der Tropfen auf den berühmten heißen Stein. Da fällt mir aber ein: Wollten die Grünen nicht mal Inlandsflüge verbieten? Dann passt’s wieder im deutschen Öko-Wiedertäuferreich.
Jetzt habe ich doch glatt Wiederkäuerreich gelesen. Hätte allerdings auch gepasst, denn vielleicht gewöhnt man sich das demnächst besser an, damit man immer mal wieder was zu beißen hat 🤪
Die gute Nachricht ist, wenn Deutschland wieder auf synthetisches Benzin angewiesen ist, dauert es nicht mehr lange.
warum dann nicht auf bewährte alte Technik zurückgreifen und Kohle zu Sprit machen? wenn wir schon im „Krieg gegen Russland“ sind,können wir auch alte Techniken wiederbeleben 🙂
In Schwedt gehen jedesmal die Alarmsignale an, wenn die Totengräber aus der Regierung wieder zur Visite vorbeikommen.
Vielleicht sollten sie auch einfach nur aufhören zu produzieren, man muss ja nicht gleich Insolvenz anmelden, wie ein großer Wirtschaftsphilosoph vor gar nicht allzu langer Zeit mal von sich gab.
Ich weiss nicht, warum die Bundesregierung rumeiert; https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptonit
Ansonsten gab es bereits früher Hydrierwerke, aber die waren nazi. Mehr Lastenräder und die Diskussion ist obsolet.
Da werden bestimmt ein paar der verhießenen neuen Gaskraftwerke neben Schwedt gebaut, um dann festzustellen, dass für die on top schon gar nicht genug grünes Gas rankommt.
Biogenes CO₂, na wenigstens das haben wir selbst, wenn der Papierhersteller durchhält. …
Was mich irgend wie wundert ist eines: Es geht doch nicht nur um Benzin, Diesel, Kerosin. Was ist mit den ganzen „Abfallprodukten“ aus Erdöl. Wie z.B. Kunststoff, Grundstoffe für die chemische Industrie, … . Verzichtet Deutschland zukünftig auf all die Produkte? Macht die chem. Industrie in DE dann ganz dicht? Warum akzeptiert das der ganze Industriekomplex und hält still, vor allem die Gewerkschaften und die Arbeitnehmerschaft? Der große Subventionstopf ist irgendwann leer. Dann wird man merken, dass man nur von Ideologie nicht leben kann.