USA integrieren Öl- und Gasvorkommen Venezuelas in ihr Machtschema

Wenige Wochen vor dem Staatsbesuch Xi Jinpings in Washington schafft US-Präsident Trump Fakten: Ein Konglomerat aus US-Firmen wird künftig die Exploration und Vermarktung venezolanischer Öl- und Gasvorkommen vornehmen. America First gilt auch auf dem internationalen Ölmarkt und setzt die Konkurrenz unter Druck.

IMAGO / ZUMA Press Wire

Am Ende kam es so, wie es kommen musste: Die USA werden wohl künftig die Entwicklung und Vermarktung der Öl- und Gasvorkommen Venezuelas entscheidend mitbestimmen. US-Präsident Donald Trump verkündete am Freitag einen entsprechenden Deal auf seiner Plattform Truth Social, den er selbst als „THE BIGGEST OIL DEAL IN WORLD HISTORY“ bezeichnete. Nach Angaben des US-Präsidenten sicherten sich die USA „mehrheitliche Kontrolle durch die USA“ über mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven in Venezuela, verteilt auf 17 Förderfelder – und das, wie Trump betonte, „ohne Kosten für den amerikanischen Steuerzahler“.

Venezuela verfügt über die weltweit größten Ölreserven. Der überwiegende Teil davon besteht jedoch aus Schwerst- und Schwerölen, die in einem aufwendigen Verfahren verdünnt und aufbereitet werden müssen. Vor allem in Texas befinden sich Raffineriekapazitäten, die exakt auf diesen Verarbeitungsprozess ausgelegt sind – ein Umstand, der Amerikas Rolle als größter Ölproduzent der Welt zusätzlich festigt. Im venezolanischen Boden befinden sich etwa 20 Prozent der Ölreserven der Welt, was das Land zum bislang größten Mitglied des Ölförderkartells OPEC machte.

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Die OPEC gerät durch den Vertrag mit den USA in eine ihrer schwersten Erosionsphasen: Bereits im April hatten die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Austritt aus dem Kartell erklärt, wirksam zum 1. Mai – nun droht mit Venezuela ein zweites Gründungsmitglied aus dem Jahr 1960 die gemeinsame Förderlogik zu unterlaufen. Ausgehandelt wurde der Vertrag mit der von Washington gestützten Übergangsregierung unter Präsidentin Delcy Rodríguez in Caracas. Rodríguez, ehemalige Vizepräsidentin des Landes, führt die Amtsgeschäfte als Interimspräsidentin, nachdem Nicolás Maduro im Januar 2026 von US-Spezialkräften festgenommen und in die Vereinigten Staaten verbracht wurde, wo er seither wegen Drogenvorwürfen inhaftiert ist.

Wie könnte der Deal in der Praxis aussehen? Näheres ist nicht bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass die USA eine Zweckgesellschaft gründen werden, mit Beteiligung bekannter Ölförderunternehmen wie ExxonMobil, ConocoPhillips oder Chevron, die einzige US-Firma mit operativer Präsenz im Land. Noch steht die Vereinbarung allerdings auf verfassungsrechtlich tönernen Füßen, da die venezolanische Verfassung staatliche Kontrolle über die Kernaktivitäten der Ölindustrie vorschreibt. Kommt es also zunächst zu einer Rechtsreform in Caracas?

Ökonomisch klingt das Projekt interessant. Nach Angaben von Rodríguez soll die Vereinbarung Investitionen von rund 100 Milliarden US-Dollar in den venezolanischen Ölsektor initiieren. Caracas profitiert ebenfalls: Über die Vertragslaufzeit von 25 Jahren hinweg kalkuliert das Land mit Steuereinnahmen von wenigstens 209 Milliarden US-Dollar – ein gigantischer Sprung nach vorn, hatten die Sozialisten unter Maduro doch auch diesen für das Land so eminenten Wirtschaftssektor zu einer Selbstbedienungsmaschine aus Korruption und Vetternwirtschaft heruntergewirtschaftet.

Die Entscheidung wurde wenige Wochen vor dem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping veröffentlicht, der am 24. September in Washington erwartet wird. Xi steht damit vor vollendeten Tatsachen: Die beiden wichtigen Bezugsquellen für Chinas Öl – Venezuela und nun auch der Iran – scheinen blockiert und befinden sich unter politischer Kontrolle der USA. Donald Trump schafft also Fakten im Ringen der beiden Supermächte – die Kontrolle über Öl ist Verhandlungsmasse, gemessen in Millionen von Barrel täglicher Ölproduktion.

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Im Hinblick auf den Konflikt mit China und die zunehmend problematische Beziehung zur EU folgt Trumps Geopolitik der Logik des Vorschlaghammers: America First, Debatten sind unerwünscht. Man kann diese Strategie kritisieren, möglicherweise muss man dies sogar. Allerdings sollte man, um ein vollständiges Bild zu erhalten, die Ereignisse aus der amerikanischen Perspektive betrachten: Bis zur energiepolitischen Wende, der Deregulierung der fossilen Energien und der Entfesselung der in den USA vorhandenen fossilen Potenziale dominierte die EU-Klimapolitik in Washington. Vor allen Dingen war es Barack Obama, der sich im Jahr 2009 dem CO2-Diktat der ideologischen Schreibtischtäter aus Davos, Brüssel und Berlin unterwarf. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus gilt die Devise: Drill, Baby, Drill – nun auch per Staatsvertrag auf den Gas- und Ölfeldern Venezuelas.

Die USA teilen die Welt manichäisch ein – gut sind die, die ihnen zur Seite stehen, sei es im Falle des Irankonflikts, beim Zugriff auf die seltenen Erden Grönlands und bei der Entfernung des Diktators Maduro in Venezuela. Schlecht sind die, die sich nicht unterordnen. Zu denen gehört ganz ohne Zweifel die Europäische Union, die in Washington zunehmend als Feindbild wahrgenommen wird.

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Für die energiepolitisch abhängige EU kann Trumps aggressive Energiepolitik zu einem großen Problem werden. Mit Russland überworfen und angesichts der Krise in der Straße von Hormus ohnehin ohnmächtig, hängt Europa am Tropf amerikanischer Flüssiggaslieferungen. Genau aus diesem Grund muss eine Frage gestellt werden: Was hindert die Europäer daran, die eigenen Energiereserven zu aktivieren? Eine rhetorische Frage: Brüssel und Berlin haben sich im ideologischen Wahn und in der Hoffnung verhakt, dass der Spuk im Weißen Haus in zweieinhalb Jahren wieder endet und man zur Tagesordnung übergehen kann. Tagesordnung bedeutet in diesem Falle, dass auch die USA sich wie zuvor den europäischen Klimaregeln unterwerfen werden.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Und die Rolle des ewigen kindischen Antagonisten steht vor allem den Deutschen nicht gut zu Gesicht. Zerstörerische Klima- und Energiepolitik, deren vorläufiger Höhepunkt die Flutung der Kohleschächte des Ruhrgebiets sein wird, wirkt im internationalen Kontext kindisch – ökonomisch ist sie schlicht eine Katastrophe. Dies alles wiegt schwer – es lastet auf der politischen Kultur im Land, es zersägt die Ökonomie und macht den immer tieferen Graben zwischen Bürgern und Politik sichtbar. Im Nachhinein erweist es sich als tragisch, die entscheidenden Staatsgeschäfte, die Energiepolitik und das Wirtschaftsgeschehen allgemein linksgrünen Degrowth-Fanatikern und Sozialisten in die Hände gelegt zu haben.

Es verwundert nicht, dass die Wege zur Zukunftstechnologie der Kernkraft versperrt scheinen, dass sich niemand ans Fracking und die Erschließung der eigenen Gasfelder in Nord- und Ostsee heranwagt. Das Land ist intellektuell und ideologisch gelähmt und zahlt nun ökonomisch den Preis für seine voraufklärerische Ideologie.

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