Der Dreamboy des Niedergangs. Vom Glück, ein Habeck zu sein.

Inzwischen hat Herr Habeck bewiesen, dass er noch ganz andere Wunder bewirken kann. Er wandelt den Wein des Wohlstands in Wasser. Und gilt noch immer als Erlöser. Es lohnt sich, zurückzublättern.

Bereits als er vor vier Jahren zum Bundesvorsitzenden seiner Partei gewählt wurde, und ihn außerhalb Schleswig-Holsteins noch kaum einer kannte, wurde Herr Habeck von den meisten Medien wie ein Messias empfangen. Er verströmte das schimmernde Licht der Hoffnung auf der öligen Oberfläche einer verkommenen politischen Kultur. Über dies modrige Wasser gegangen ist er zwar nicht, aber man traute es ihm zu. Inzwischen hat Herr Habeck bewiesen, dass er noch ganz andere Wunder bewirken kann. Er wandelt den Wein des Wohlstands in Wasser. Und gilt noch immer als Erlöser. Es lohnt sich, zurückzublättern.

I.

Als Redner ohnegleichen erschien Habeck den wendegierigen Bürgern von Beginn an. Als leibhaftige „Zeitenwende“ wurde er begrüßt. Jetzt, mitten in der Energiewende, der Pflugscharen-zu-Schwertern-Wende, der Wachstum-zu-Schrumpfung-Wende, klingt das einstige Hosianna-Singen geradezu prophetisch. Ein angesehenes bürgerliches Blatt formulierte es damals so: „Er kam einfach locker daher und schrieb auch noch ein Buch, das davon erzählte, wie sehr Politik eine fröhliche Sache sei.“ Die einst gutbürgerliche Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte ihn mit der Fanfare begrüßt: „Was für ein Anfang! Wie spannend. Und vielleicht: Wie erleichternd.“ Wirklich, so stand es da. Ein anderer rühmte seine „Frische“ und belehrte die Leser: „Verantwortung kann auch Spaß machen. Das war seine Botschaft.“ Der Dreamboy des neuen Biedermeiers war dieser Herr, und jetzt, da die Zeitenwende überhaupt keine fröhliche Sache mehr ist und nur noch Bußpredigern Spaß macht, ist er es wohl noch immer. Weil self-fulfilling prophecy. Weil, ja, genau deshalb: weil er eine Illusion verkörpert. Die Illusion, einem Land gut zu tun, das vergessen hat, was ihm gut tun würde. Dafür kann der Herr Habeck nichts. Für Habeck können die etwas, die ihre apolitischen Träumereien auf ihn projizieren.

II.

Habeck zog nach Berlin. Dort hatte er Glück. Dreimal sogar. Das erste Mal, als er mangels rechtzeitiger Geschlechtsumwandlung nicht Kanzlerkandidat werden durfte, und nur wegen Frau Baerbocks nassforscher Beschränktheit alle glaubten, er könnte und wüsste alles besser. Dann, als nur dank eines Herrn Laschet unvermutet ein Herr Scholz Kanzler wurde, und schon wieder alle glauben, der Herr Habeck könnte das besser, ohne dass er dafür irgendeinen Grund gegeben hätte außer siehe I. Das dritte Mal, als die Energiesorglosigkeit des Landes jäh in ruinösem Energiemangel mündete. Als Mangelmanager erntet Herr Habeck erneut den Beifall ahnungsloser Adoranten. Und er wirkt sein nächstes Wunder: Als lebendes Zeichen der Hoffnung und des Untergangs zugleich predigt er Wasser und Blut zugleich – die seine Deutschen bald schwitzen werden. Sollte man ihn nicht besser zum Papst wählen? Die Gläubigen der Habeck-Kirche trauen es ihm längst zu. Dann könnte er nicht halb so viel Schaden anrichten.

III.

In dieser Woche lauschte ihm die „Elite“ in Davos. Zugegeben, die Wirtschaftselite ist vor allem in Deutschland schon immer vor allem durch Konformismus aufgefallen. Nur weil sie investieren, haben Unternehmer meist kein Gran mehr politischen Verstand im Kopf als gewöhnliche Stammtischbrüder. Ob einst unter den Nazis oder heute unter den chinesischen Machthabern: Immer haben sich Wirtschaftsführer am schamlosesten und schnellsten unterworfen und sich dabei für besonders weitblickend gehalten. Die kaputte Elite scharwenzelt nun auch um Habeck herum. Bloß warum? Sie will keinen Ärger, ist sich für politische Konflikte zu fein, Hauptsache der Rubel, pardon, die Subventionen rollen, und der Staat sozialisiert die Risiken auf dem Rücken der kleinen Leute. Habeck fördert die Planwirtschaft nach Kräften, behindert die Technologieoffenheit einer verfehlten Energiepolitik. Er vergisst noch immer, dass er Wirtschafts-, nicht bloß Energieminister ist. Das Land rauscht in die tiefste Krise, die schärfste Geldentwertung seiner Geschichte. Herr Habeck schaut mit Wohlgefallen zu, wie der Wohlstand der breiten Massen zerbröselt, und salbadert dazu gescheit herum. Kaum jemand will zur Kenntnis nehmen, dass er ein führender Ideologe des erwünschten Niedergangs der Automobilwirtschaft ist, dem früheren Rückgrat des Industrielands. Er vergreift sich am Eigentum der kleinen Eigenheim- und Wohnungsbesitzer mittels erzwungener Sanierung und sinnloser Wärmepumpen. Er zerstört das materielle Fundament der Mitte – und niemand fällt ihm in den Arm.

IV.

Aber noch immer wird Herr Habeck für einen Glücksfall gehalten. Nur weil er so tut, als könne man ihm beim Denken zuschauen. Ja, täte man’s nur! Nähme man ihn nur beim Wort! Die gläserne Politikmanufaktur Habeck produziert Sprüche wie für die Sendung mit der Maus. Er profitiert vom Unvermögen des Kanzlers und dessen lachhafter Damenriege. Und Christian Lindner, der ihm Paroli bieten müsste, ist nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst und fällt selbst auf Habecks „liberales“ Getue herein. Auch in graue Anzüge gesteckt, ist dieser Herr nur ein Wolf im Wolfspelz, der mehr Kreide frisst, als in ihn hineinpasst. Nein, er reißt die Lämmer nicht, er lässt sie scheren. In drei Jahren, wenn das Fell der lammfrommen Deutschen geschoren ist, wird er das Wollespinnen noch immer als Zukunftsprojekt, als fällige Umstrukturierung verkaufen. Dann koaliert er eben mit den Schwarzen. Verantwortung kann auch Spaß machen.

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Kommentare ( 91 )

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Carl51
1 Monat her

Herles hat alles 100% richtig beobachtet: „Das Land rauscht in die tiefste Krise, die schärfste Geldentwertung seiner Geschichte. Herr Habeck schaut mit Wohlgefallen zu“. Habeck hätte längst ein Feldbett in seinem Ministerbüro aufschlagen und einen 24Stunden-Krisenstab seiner besten Beamten, keine Ohrenbläser und Speichellecker! – um sich scharen müssen. Was hat er in diesen ernsten, Führung fordernden Wochen, über den Wolken beim WEF in Davos, zu suchen? Fahnenflucht, wohin man schaut. Das Ahrtal war der Beginn.

Riffelblech
1 Monat her

Wenn man sich nach einem schwarzen Loch in der Politik seht dann ist man wohl bei Habeck am Besten aufgehoben . Er zieht „lles in seinem Umfeld an sich ,atomisiert es und lässt es dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden .so die Kernindustrien dieses Landes, die Energieversorgung ,die allgemeine Versorgung der Bevölkerung . Um es dann noch abzurunden begreift sich dieser Kinderbuchautor noch zu der Frechheit uns eine Zukunft in Blut,Schweiß und Tränen zu versprechen ,weil er einen schlimmen Grünen Traum hatte.

H. Priess
1 Monat her

Habeck ist ein Blender! Ein Luftsack ohne Luft! Wie man diesem Rattenfänger überhaupt folgen konnte ist mir ein Rätsel. Andererseits wundert es mich widerum nicht denn wenn ich mir ansehe was da in der Politik rumspringt ist der Habeck noch die hellstes Kerze auf der Torte. Er redet zwar gequirlte Sch**ße aber er ist wenigstens der deutschen Sprache mächtig. Das ist in diesen Zeiten schon keine Selbstverständlichkeit mehr. Er war für mich gestorben als er sagte er könne mit Deutschland nichts anfangen. Wer wählt solche Volksverräter! Es waren 14% aber die restlichen 86% tanzen nach deren Pfeife. In Ungarn wählen… Mehr

struwwel
1 Monat her

Schön, lieber Herr Herles, Ihnen beim Denken und der Fabulari zuzusehen. Apropos Spinnen, weil davon auch und besonders die Rede ist, und auch davon, wie man dieses ehrbare Handwerk total in Mißkredit bringt. Mich erinnert das an die Grimms, die ja die Urahnen Ihres Protagonisten sind, nur mit dem Unterschied, daß diese ihr Handwerk noch verstanden und auch beherrschten, und im Gegensatz zu jenem nicht zu dem Zweck der Manipulation zweckentfremdeten. Um das Positive zu betonen, bei dem Brüderpaar wird uns bewußt, daß es Zeiten gab, in denen man noch die Fähigkeit besaß, „Stroh in Gold“ zu verwandeln, also die… Mehr

Last edited 1 Monat her by struwwel
MariaundJosef
1 Monat her

Bravo, Herr Herles, mit spitzer Zunge und Feder haben Sie dieses Individuum „ nackig“ gemacht. Und noch einmal:!!!….es ist die „ Presse“, die solche „ Leichtmatrosen“ am Leben halten!! Zu Davos diese Woche: …..ich hatte „ pöseste“ Gedanken als ich diese blond gefärbte „ Kurtisane“ und diesen „ Bilderbuch-Autor“ gesehen und gehört habe. Der liebe Gott wird mir verzeihen…

Franz Grossmann
1 Monat her

Den Grünen ist es gelungen, die Mehrheit der Medien auf ihre Seite zu ziehen, den Bildungs- und Wissenschaftsbereich informell zu übernehmen und sich einen festen Prozentsatz an Wählern vor allem von Angehörigen des öffentlichen Diensts zu sichern. Die Mehrheit der jungen Menschen ist mittlerweile komplett „grün“. Das Wahlalter wird/wurde in den Bundesländern schrittweise auf 16 Jahre reduziert. Das bedeutet die Zukunft wird noch grüner bis irgendwann der Karren an die Wand gefahren ist. Aber dann sind die restlichen Altparteien schuldig, die mittlerweile zu billigen Kopien der Grünen degeneriert sind.

merlin999
1 Monat her

Hochmut kommt vor dem Fall!

Auch bei einem Herrn Habeck wird dies zutreffen. Ganz sicher!! Und die Geschichte wird ihn und seine Schwergen verdammen.

Johann Thiel
1 Monat her

Ein schöner Artikel über Habeck, gewissermaßen stellvertretend für unser gesamtes politisches Personal. Einen Lübecker ausgerechnet zum Wirtschaftsminister machen, kann man nur, wenn man diese nicht kennt oder selber einer ist. Wie aber ein Doppelnull-Agent namens Lindner, nach des Autors Meinung es erreichen kann sogar noch ein Schatten seiner selbst zu werden, ist mir völlig schleierhaft.

Odysseus JMB
1 Monat her

Der neueste Clou unter dem Vorsitz von Sch’land : „das Bekenntnis der G7″ „Die nach dem Ausschluss Russlands seit 2014 wieder als G7 operierende Arbeitsgemeinschaft gilt nicht als internationale Organisation, sondern als internationales Netzwerk, welches zwar auch auf Normen und Regeln beruht, allerdings keine inhaltlichen oder substanziellen Vorschriften besitzt. Ihre Treffen sind informell, um in „entspannter Runde“ globale Themen und Probleme zu beraten. Den Vorsitz übernimmt jeweils ein Land für die Dauer eines Jahres.“ (Quelle wiki) Habeck hätte sich wenigstens vor dem Vorsitz der G7 in D für dieses Jahr über den Status „der Gruppe der Sieben“ informieren können, bevor… Mehr

Jan
1 Monat her

Völlig richtige Charakterisierung unserer Wirtschaftsführer. Auch ich hatte mich in ihnen getäuscht. Den Ausstieg aus Atom und Kohle hatte ich anfangs nicht ernst genommen, da ich dachte, diese Herren würden irgendwann auf den Tisch hauen. Pustekuchen. Allein wie sich die Autoindustrie von Merkel diese Hildegard Müller als Verbandsvorsitzende hat reindrücken lassen und schon war der Verbrennungsmotor sang- und klanglos Geschichte. Dass man Wirtschaftsführern die Macht über den wirtschaftspolitischen Kurs überlassen sollte, sehe ich mittlerweile kritisch. Im Moment haben die Abrissbirnen von der Grünpartei die Macht über den Kurs der Wirtschaft. Die Wirtschaft beklatscht deren Stuss auch noch, dient sich dieser… Mehr