Wolken über Willy-Brandt-Haus: SPD streicht Stellen und verlängert Arbeitszeit

Das Land fährt in die Grütze, aber nun trifft es mit der SPD auch einen der Verursacher. Im Willy-Brandt-Haus werden Stellen abgebaut, die 37-Stunden-Woche soll fallen. Damit erklärt sich auch die zunehmende Rebellion gegen die SPD-Parteispitze. Wenn das Geld anderer Leute knapper wird, endet der Burgfrieden.

picture alliance / NurPhoto | Christian Marquardt

Die SPD entdeckt auf schmerzliche Weise die Marktwirtschaft:  Wenn die Kundschaft wegläuft, sinken die Einnahmen (die man zuvor anderen unter Zwang abgenommen hat wie ein Wegelagerer). Wenn diese Einnahmen sinken, wird der Laden halt kleiner. Diese uralte Erkenntnis hat nun auch das Willy-Brandt-Haus erreicht. Nach den verheerenden Wahlergebnissen muss die Partei nun massiv Personal abbauen. Für die verbliebenen Mitarbeiter soll zugleich die Arbeitszeit steigen.

Vor einigen Jahren beschäftigte die SPD-Parteizentrale noch rund 200 Vollzeitkräfte. Heute sind es 170. Bis 2029 sollen lediglich 145 Stellen übrigbleiben. Immer noch 145 zu viel.) Damit verschwindet mehr als jeder vierte Arbeitsplatz. Verträge wurden nicht verlängert, Mitarbeiter verabschiedet, Abteilungen umgebaut, Abfindungen gezahlt. Die Stimmung unter den Beschäftigten beschreibt BILD als „mies“.

Jetzt geht es also ans Eingemachte. Gehaltsregelungen sollen verändert, bestehende Vereinbarungen gekündigt werden. Auch Sonderzahlungen und Zuschüsse stehen auf dem Prüfstand. Besonders lustig fällt die geplante Arbeitszeitreform aus: Die bislang geltende 37-Stunden-Woche soll verschwinden. Man fragt sich ohnehin, mit was sich diese Leute beschäftigen, außer damit, den Steuerzahlern noch mehr in die Taschen zu greifen, um eine gigantische Umverteilungsindustrie zu bewirtschaften.

Noch 2023 freute sich die Berliner SPD über die Forderung nach einer 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich auf dem Bundesparteitag. Vier Tage Arbeit sollten genügen. Work Life Balance! Drei Jahre später tritt auch die ökonomische Wirklichkeit das Willy-Brandt-Haus in den Allerwertesten.

Der Grund für die harte Rosskur ist für die Spezialdemokraten besonders schmerzhaft. Schatzmeister Dietmar Nietan verweist ausdrücklich auf die Bundestagswahl 2025. Die „dramatische Wahlniederlage“ werde der SPD in den kommenden Jahren viele Millionen Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung kosten. Gemeinsam mit Generalsekretär Tim Klüssendorf müsse er deshalb gegensteuern. Packt die Taschentücher besser nicht ein, möchte man ihnen zurufen. Denn der Abstieg wird sich bundesweit fortsetzen.

16,4 Prozent bei der Bundestagswahl waren bereits das schlechteste Ergebnis der SPD in der Geschichte der Bundesrepublik. Heute landet sie in bundesweiten Umfragen vielfach bei zwölf Prozent, Ipsos meldete Anfang August diesen Wert als historischen Tiefstand für die Partei in seinen Erhebungen. Die Tendenz ist aber weiter fallend, Richtung zehn. Auf dem Weg dahin eilen sich Klingbeil, Bas und weitere SPD-Minister, den Bürgern ihr Leben noch weiter zu erschweren. Man ertrinkt ja geradezu in Wählern. Obwohl die Einbürgerungen wie am Fließband laufen, ist die Geschwindigkeit wohl immer noch nicht hoch genug. Man darf gespannt sein, was schneller geht: die Verlustigung weiterer SPD-Wähler oder die Hinzugewinnung durch Neubürger, die SPD wählen. Auch hier besteht einer der größten Späße darin, den Neubürgern Wahlkampf-Bilder der SPD zu zeigen, wer bei der Partei alles unter „Frau“ subsummiert wird. Was folgt, ist eine 100% Kehrtwende des Wahlvorhabens.

Bereits im März wurde bekannt, dass eine weitere Etage des Willy-Brandt-Hauses vermietet werden soll. Das ist doch nett. Die Sozialdemokratie zieht sich damit inzwischen auch räumlich aus sich selbst zurück.

Für Bas und Klingbeil kommt diese Meldung wieder einmal zur denkbar ungünstigsten Zeit. Der Absturz steht im eigenen Haus und erklärt auch die zunehmende Hysterie der Spezialdemokraten. Irgendwann ist das Geld anderer Leute ausgegeben. Wußte schon die von Sozialdemokraten so verhasste Maggie Thatcher.

Parallel dazu verliert die Parteiführung ihre ohnehin eher spärlich vorhandene Autorität. Die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt verlangte gerade erst einen Sonderparteitag im Herbst und erklärt die gegenwärtige Führungsstruktur für gescheitert. Parteivorsitz und Regierungsamt sollen künftig getrennt werden. Bärbel Bas und Lars Klingbeil stehen damit unmittelbar zur Disposition.

Aus Groß-Gerau kam zuvor ein Brandbrief mit der Forderung nach einem verbindlichen Mitgliedervotum über die Parteiführung. Der dortige SPD-Unterbezirk spricht selbst vom „freien Fall“. Aus Bielefeld folgte die Aufforderung an Bas und Klingbeil, sich zwischen Ministeramt und Parteivorsitz zu entscheiden. Sieben hessische Arbeitsgemeinschaften gingen ebenfalls gegen den Kurs der Bundespartei auf die Barrikaden.

Die Septemberwahlen werden aus dieser Revolte einen offenen Machtkampf machen, an dessen Ende Klingbeil und Bas werden gehen müssen. In Sachsen-Anhalt bewegt sich die SPD gefährlich an der Fünfprozenthürde. Mecklenburg-Vorpommern ist mit einer starken AfD auch kein echter Trost. Die Menschen haben einfach die Nase voll und möchten einen Wechsel, den die SPD und die Union aber mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Kein Wunder. Als ob diese Nichtskönner außer Steuergeld verschleudern und sich selbst die Taschen vollmachen sonst noch irgendwas könnten.

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Kommentare ( 39 )

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Teide
22 Tage her

Ob die SPD „ihren“ Raum behält ist egal. Die AfD bekommt dann sowieso den größeren der CDU.

DDRforever
23 Tage her

Wird nur nichts nutzen, der so überaus kluge BRD Bürger wird Rot Grün wählen bis alles in Scherben fällt.

Phil
24 Tage her

Der Sozialismus, oder der dem Sozialismus nahen Etatismus einer CDU, funktioniert eben nur so lange, wie anderer Leute Geld vorhanden ist, oder man auf deren Kosten Schulden machen kann. Die Wählerabwanderung bei den „moderaten“ Sozialisten findet immer dann statt, wenn der moderate Sozialismus niemand mehr findet, der ihre Rechnung bezahlt, weil er den Mittelstand, mittels Sozialstaat, Migration und Bürokratie, weitgehend ruiniert hat. Es ist nicht etwa so, dass deren Wähler irgendwie verstanden hätten, dass ihre Wahl diesen Niedergang eingeleitet hat, daher wechseln sie auch zu den Linken, Grünen oder zum BSW, sprich zu den Kommunisten, welche angetreten sind um die… Mehr

DDRforever
23 Tage her
Antworten an  Phil

Krieg und die BRD war allerdings noch nie so eine richtig gute Idee. Aber das ficht den klugen BRD Bürger natürlich nicht an.

Britsch
24 Tage her

Wenn Andere zahlen müssen,und immer mehr lasten sollen, ist keine Forderung unverschämt genug. Wenn man selbst etwas zahlen, etwas leiisten muß ist selbst das Kleinste zu viel. Was du machen darfst bestimme ich, was Dir gehört. gehört selbstverständlich auch mir und was mir gehört und ich mache geht dich überhaupt nichts an

Axel Fachtan
24 Tage her

Ihr könnt das Willy Brandt Haus ja einfach an die AfD verkaufen. Die suchen gerade. Benennen es dann in Alexander Gauland Haus um. Weitsichtige Mitarbeiter bewerben sich jetzt schon bei der AfD, trotz 40 Stunden Woche. Jedenfalls alle, die nicht für die Frühverrentung taugen. Für Sachsen Anhalt wäre jetzt auch gerade eine ganz gute Finanzstaatsekretärin frei geworden. Lars Klingbeil hat Corinna Westermann in den einstweiligen Ruhestand geschickt. Weil sie mehr kann mehr weiß und mehr versteht, als er. Sachsen Anhalt ist eine Oase in der Wüste. Nicht für die SPD, aber für die Menschen schon. Die SPD wird dort hoffentlich… Mehr

Orlando M.
24 Tage her

Mit ihren Umverteilungsorgien haben die Sozialisten einen Großteil des Volkes restlos verdorben! Anstatt nach besseren Bedingungen zu verlangen, um selbst etwas zu verdienen, wird nach mehr Umverteilung geplärrt, so wie ein schlecht erzogenes Kind an der Supermarktkasse, sobald es etwas Süßes erblickt. Das lässt sich nur in den Griff bekommen, indem der Transfer massiv beschränkt wird und es sich wieder lohnt in diesem kaputten Land zu arbeiten und zwar für jene, die die Arbeit leisten, also weder für den menschenverachtenden Ausbeuterstaat noch die viel zu vielen Sozialschmarotzer!

Ralph Martin
24 Tage her

Zitat: „… und verlängert Arbeitszeit“ muss richtig heissen „… und verlängert Anwesenheitszeit“.
Niemand, bis auf die Putzfrau und der Hausmeister, arbeitet in diesem Haus.

Michael W.
24 Tage her

Das ist wie bei der Gerwerkschaft. 1% vom Gehalt ist der Beitrag. Da die Gehälter aber immer niedriger wurden und werden und die Arbeitslosenzahlen anstiegen, hatten die immer weniger Geld und mussten ihre großen Häuser verkaufen und in gemietete Büroetagen umziehen. Der Zusammenschluss der ÖTV mit anderen zu verdi geschah ebenfalls genau aus diesem Grund. Dem DGB selber ging es nicht anders.

U.S.
24 Tage her
Antworten an  Michael W.

So lange Vize Kanzler Lars Kl….noch über 900 Milliarden Euro 💰💰💰 hat für die lebenslange Versorgung von Asylanten, solange sitzen zig 100te Millionen analphabetische Fachkräfte auf gepackten Koffern und warten auf ihre Schleusungen nach Germoney,💰💰 direkt hinein in Bärbel B’s Sozialsysteme mit lebenslanger Versorgung mit Wohnung und Geld und Familien Nachzug für 4 Hauptfrauen und deren jeweils 10 Kinder pro Frau plus sonstige Familien Angehörige .

Juergen P. Schneider
24 Tage her

Die SPD wird es voraussichtlich in wenigen Jahren nicht mehr geben. Und das ist auch gut so. Diese Genossen braucht nun wirklich niemand mehr.

Britsch
24 Tage her
Antworten an  Juergen P. Schneider

ES ist nur zu wünschjen, daß SPD und cduu sowie auch die anderen „Brandmauerparteien“ Sterben, Diese derzeitigen Politiker, Funktionäre, Verantwortlichen sind doch alles Demokratie und Verfassungsfeinde.
All diese weg, dann besteht eine Chance für einen Neuanfang

Anne W
24 Tage her

Es ist wirklich an der Zeit, dass diese geschrumpfte und sterbende, einstige „Volkspartei“ sich nun auch praktisch und personell diesem Trend anpasst. Und sich auf die minimale Grösse stutzt, die sie nur noch an Bedeutung hat.

Die geschassten „Genossen“ werden schon irgendwo im Netzwerk oder bei NGOs unterkommen.