Die USA gegen den iranischen Terrorstaat, Israel gegen Hamas und Hisbollah, Golfstaaten gegen Iran aber auch gegen weitere Eskalation. Im Nahen Osten überlagern sich Kriege, Interessen und Allianzen. Einen einfachen Frieden kann es nicht geben.
picture alliance / AP Photo/Mark Schiefelbein | Mark Schiefelbein
Ein halbes Jahr nach dem Beginn des Krieges gegen Iran befindet sich US-Präsident Donald Trump in großen Nöten. Zwölf Wochen vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress scheint die Lage in Nahost verfahren. In den USA sinkt das Vertrauen zum schillernden Milliardär im Weißen Haus.
Viele Amerikaner fürchten, dass die USA erneut in einen verheerenden Krieg hineingezogen werden könnten – oder dass eine Wirtschaftskrise droht, ohnehin steigen schon die Preise für Benzin und Lebensmittel. Die Weltwirtschaft zittert vor weiteren Nahost-Turbulenzen. Und in der Region bilden sich neue Allianzen.
Offenbar hat Trump das Mullah-Regime und seine Terroristen-Proxys unter-, die Macht der USA überschätzt. Trump sei in „die schlimmste Eskalationsfalle der Geschichte“ getappt, urteilte der Politikwissenschaftler und Militärexperte Robert Pape (Universität Chicago). Der Krieg sei unnötig gewesen und müsse zu den „größten außenpolitischen Katastrophen Amerikas seit Jahrzehnten“ gerechnet werden, urteilte der Stanford-Politologe und frühere US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul.
Manche Politiker und Kommentatoren in Europa frohlocken
In Europa frohlocken viele Politiker, die sich beim Thema Nahost traditionell vor allem durch Naivität und Illusionen auszeichnen – abgesehen von ihren offenen Taschen zum Verschwenden von Steuergeldern für fragwürdige Projekt und Organisationen. Diese Politiker, im Einklang mit oft hämischen Medien, fühlen sich in ihrer tiefen Abneigung gegen den US-Republikaner bestätigt – denn weder haben die USA die Allmacht einer wirklichen globalen Supermacht noch hat Trump ein geniales Zauber-Rezept für die Befriedung einer Region in brisanter Dauerkrise.
Aber der 80 Jahre alte US-Präsident hat gerade weil er die grundsätzliche Unlösbarkeit des „Nahost-Konflikts“ (der eigentlich aus einem ganzen Dutzend von Konflikten besteht) begreift, eine mutige, pragmatische und durchaus kreative Politik von Zuckerbrot und Peitsche in der Region betrieben: Geheimdiplomatie mit erstaunlichen Ergebnissen (Abraham-Abkommen Israels mit arabischen Staaten, 2020) ebenso wie den massiven Einsatz der US-Kriegsmaschinerie.
Letztendlich sind die Feinde der freien Welt seit dem Amtsantritt Trumps im Januar 2025 massiv geschwächt. Israel bekam lange Zeit von Washington freie Hand im Kampf gegen die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah, was beide massiv dezimiert hat. Irans Luftwaffe und Marine haben in den beiden Kriegen 2025 und 2026 enorme Verluste hinnehmen müssen. Auch die Sehnsucht der menschenverachtenden Islamisten in Teheran nach Atombomben haben offenbar einen heftigen Dämpfer bekommen.
Israel profitiert am meisten
Allerdings sollte Trump für diese Teilerfolge nicht mit viel Dankbarkeit rechnen. Selbst mit den Israelis, die am meisten von Trumps Realpolitik profitiert haben, droht Washington eine Konfrontation. Jerusalem fürchtet, dass der US-Präsident angesichts der Aussichtslosigkeit eines wirklichen Sieges über die Allianz der Islamisten und Terrororganisationen einige aus israelischer Sicht faule Kompromisse mit der Führung Irans eingehen werde, um den Kriegszustand erst einmal zu beenden und vor allem eine Freigabe der Straße von Hormus zu erreichen.
Der offene Widerstand des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gegen die Gaza-Pläne, die der von Trump eingesetzte „Friedensrat“ vorgelegt hat, verweist auf den aktuellen Zwist zwischen Washington und Jerusalem. Insbesondere will sich Israel nicht aus dem Gaza-Streifen zurückziehen, bevor die Hamas entwaffnet sei – die allerdings soll nach den bisher bekannt gewordenen Einzelheiten des Plans erst die Waffen abgeben, wenn Israel seine Truppen abgezogen hat.
Ohnehin verschärft sich der Ton gegen Israel: Die Vermittlerstaaten des „Friedensrats“, Katar, Ägypten und die Türkei, haben vergangene Woche Israels Militäraktionen im Gaza-Streifen als „Gefahr für die Deeskalation“ verurteilt. Israel müsse das Völkerrecht beachten, insbesondere die Zivilbevölkerung verschonen.
Israel-Feindlichkeit wächst auch in den USA
In den USA scheint zudem die Abneigung gegen die israelische Politik im Kampf gegen Hamas und Hisbollah im Libanon auch im konservativen Lager Trumps weiter zu wachsen. Populäre Kritiker Trumps von rechts, wie der Medien-Star Tucker Carlson beschuldigen den US-Präsidenten ohnehin schon seit langem, mehr den Interessen des jüdischen Staates zu dienen als denen der USA.
Trump verströmt unbeirrt Optimismus, aber die zahlreichen leeren Drohungen gegen Teheran in den vergangenen Wochen scheinen zu belegen, dass auch er desillusioniert ist. Seine Hoffnung zu Beginn des Iran-Krieges, mit massiven Luftschlägen und der Enthauptung der iranischen Führungsriege die schiitische Diktatur ins Wanken zu bringen, hat sich als Wunschdenken entpuppt.
Das Mullah-Regime in Teheran scheint trotz aller militärischen Verluste, trotz der amerikanischen Blockade von Häfen und scharfen Sanktionen mit gravierenden ökonomischen Folgen vor allem für die Bevölkerung relativ stabil den Iran zu beherrschen.
Auch deutet wenig darauf hin, dass die nuklearen Kapazitäten und die Lager mit angereichertem Uran in Iran von Bomben und Raketen weitgehend zerstört werden konnten. Dabei wurde der Krieg der USA und Israels wesentlich damit begründet, das mit allen Mitteln das theokratische System davon abgehalten werden müsse, Nuklearmacht zu werden.
Ex-Mossad-Chef: Iran weit von einer Atombombe entfernt
Welchen Erfolg die Luftangriffe auf die iranischen Atomanlagen 2025 und in diesem Jahr letztendlich hatten, lässt sich nur schwer einschätzen. Trump behauptete letztes Jahr zwar zuweilen, Irans Atomprogramm sei weitgehend „ausgelöscht“ und um Jahrzehnte zurückgeworfen. Das genaue Ausmaß des Schadens scheinen aber auch die amerikanischen und israelischen Geheimdienstexperten nicht zu kennen.
Der frühere Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Yossi Cohen, sagte laut der Online-Zietung „Times of Israel“ beim Galiläa-Forum in Safed vor einer Woche, die US-Bombardierung der iranischen Urananreicherungsanlage Fordo im Juni 2025 sei „die Erfüllung all meiner Träume“ gewesen; mit auf 60 Prozent angereichertem Uran sei Iran heute noch weit entfernt vom Bau einer Atombombe, so Cohen. Seine Einschätzung wird dem Bericht nach nicht von allen Nuklearexperten geteilt; viele fürchten, Teheran könne, wenn ungestört, schon sehr schnell Nuklearwaffen produzieren.
Zwar sind die Nuklear-Anlagen in Fordo, Isfahan und Natanz schon während des 12-tägigen Waffengangs gegen Iran vor mehr als einem Jahr schwer beschädigt worden, aber dem Iran ist es laut israelischen Medien gelungen, zumindest einen Teil der 440 Kilogramm hochangereicherten Urans in den unterirdischen Anlagen im Pickaxe-Berg nahe Natanz zu verstecken. Trump hatte erst vor zwei Wochen zum wiederholten Mal gedroht, genau diese stark befestigte Anlage in den Tiefen des Pickaxe Mountain anzugreifen.
Trumps kühne Versprechungen weichen neuer Bescheidenheit
Vieles spricht dafür, dass Trump inzwischen kaum noch die großen Kriegsziele wie Regimechange in Teheran und Beendigung des iranischen Atomprogramms im Visier hat. Nicht zuletzt angesichts einer drohenden Pleite der Republikaner bei den Kongresswahlen Anfang November sucht Trump einen Ausweg mit zwei zentralen Zielen: die Öffnung der Straße von Hormus und ein gesichtswahrendes Abkommen mit Iran, das ihn nicht als krassen Verlierer dastehen lässt.
Eine erneute massive Eskalation des Krieges gegen Iran, insbesondere der Einsatz größerer amerikanischer Bodentruppen, erscheint aus vielen Gründen unwahrscheinlich. Umfragen in den USA belegen, dass der Krieg nur begrenzt unterstützt wird, eine große Mehrheit der Bürger lehnt vor allem den Einsatz von US-Bodentruppen ab. Auch im Kongress gibt es kaum eine Mehrheit für die Ausweitung des Krieges.
Die arabischen Golfstaaten drängen Washington nachdrücklich auf Deeskalation, weil sie bei einer Fortsetzung der Kämpfe um ihre Energie- und andere kritische Infrastruktur fürchten. Hinzu kommen militärische Engpässe: Der Iran-Krieg hat die amerikanischen Bestände wichtiger Raketenabwehrsysteme und weitreichender Präzisionswaffen erheblich reduziert.
Für das Mullah-Regime ist das Überleben ein großer Erfolg
Es ist die Tragik der Geschichte, dass die menschenverachtende islamistische Diktatur in Teheran den schlichten Machterhalt als enormen Erfolg feiern kann, ebenso wie die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah die Perspektive einer vollen Restrukturierung trotz aller verheerenden Verluste, trotz der Zigtausend toten Zivilisten in diesen asymmetrischen Kriegen, durchaus zufrieden macht. „Tod Amerika, Tod Israel“ kann weiter das historische Ziel ihres Dschihad bleiben, nur wenige Gotteskrieger scheint der Tod als „Märtyrer“ zu schrecken.
Demgegenüber müssen sich die USA und Israel trotz aller militärischen Erfolge fast als Verlierer fühlen. In Jerusalem beklagen vor allem rechte und nationale Kräfte, dass die historisch seltene Chance droht vertan zu werden, den Feinden des jüdischen Staates – und damit des freien Westens – eine wirklich vernichtende und nachhaltige Niederlage zu bereiten. Dafür aber müsste Israel den Krieg gegen Hamas und Hisbollah mit unverminderter Härte fortsetzen.
Sprache der Macht wird in Nahost am besten verstanden
Denn nach dem barbarischen Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel, das die wahren Absichten der Palästinenserorganisationen nach einer Vernichtung Israels schonungslos offenbarte, und einem konservativen Politiker im Weißen Haus, der die Gefahren aus der islamischen Welt für den Westen ähnlich einschätzt wie die Israelis, konnten die USA und Israel wohl die einzige Karte ausspielen, die im Nahen Osten tatsächlich zählt: die Option militärischer Überlegenheit.
Angesichts der Aussichtslosigkeit auf einen dauerhaften Frieden sind aus israelischer Sicht ohnehin nur zeitlich begrenzte Teilerfolge möglich. Bisher sei schon viel erreicht worden, aber noch dürften die Waffen nicht schweigen.
In Washington und Jerusalem wird mit Sicherheit intensiv und kritisch analysiert werden, was man alles hätte besser machen können, militärisch, taktisch, politisch. Eine besondere Rolle wird dabei wohl auch die heftige Kritik und massive Ablehnung bei den westlichen Bündnispartnern spielen.
Kanzler Merz wählte besonders kränkende Worte
Trump hat mehrfach den Mangel an Solidarität und Unterstützung in Europa beklagt; Länder wie Frankreich, Spanien und Italien haben den USA nicht einmal Zwischenlandungen ihrer Bomber auf dem Weg nach Nahost erlaubt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) wird den US-Präsidenten mit seinen Formulierungen über die „Demütigung der USA“ und einem Krieg „ohne Plan“ besonders geärgert haben.
Israel ist es schon lange gewohnt, nur noch sehr wenig Zuspruch aus Europa zu bekommen, sehr viele, vor allem linke Politiker beschuldigen Netanjahu sogar, für einen „Völkermord“ im Gaza-Streifen verantwortlich zu sein. Dank der Unterstützung Israels durch Trump kann Jerusalem mit diesen Vorwürfen relativ gelassen umgehen.
Netanjahu wird sich mit Sicherheit heftig dagegen sträuben, dass sich das israelische Militär aus dem Gaza-Streifen und dem Südlibanon zurückzuzieht. Das wiederum dient Iran, aber auch anderen Regierungen dazu, in Israel den größten Hemmschuh für einen „dauerhaften Frieden“ und eine „Zwei-Staaten-Lösung“ zu sehen.
Wunschdenken und Appeasement-Politik
Dabei sind beide Vorgaben vor allem Resultate von Wunschdenken und des vagen Vertrauens auf eine Appeasement-Politik – und sei der Gegner noch so barbarisch, zeige die jüngere Geschichte noch so nachdrücklich, wie aussichtslos die Suche nach Kompromissen und wirklichem Friedenswillen ist.
Die Situation in Nahost nach fast 20 Monaten Trump-Präsidentschaft lässt im schlimmsten Fall auch besonders düstere Szenarien befürchten: die nachhaltige Stärkung des Mullah-Regimes in Iran, das auf die mehr oder minder offene Unterstützung Pekings und Moskaus zählen kann. Das neue Bündnis von Pakistan, Saudi-Arabien und dem NATO-Mitglied Türkei scheint die Machtverhältnisse in Nahost neu zu ordnen, könnte zu einer schwierigen Herausforderung für Israel und den Westen werden.
Das Wiedererstarken von Hamas und Hisbollah würde neue Unsicherheiten und viel Unruhe in den Palästinensergebieten und an den Grenzen Israels bedeuten. Israels internationale Isolation angesichts der enormen, weltweiten Ausbreitung des offenen Antisemitismus – unter dem Deckmantel der Kritik an Israel und „Anti-Zionismus“ – wird für die Juden in aller Welt ebenso wie für die Regierung in Jerusalem zu einer besonders schweren Last.
Trumps „Versagen“ und „Kinderdiplomatie“
Trump und Netanjahu haben auch wegen des Irankriegs einen schweren Stand im eigenen, westlichen Lager. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez lästerte bereits im März über den angeblich unfähigen US-Präsidenten, der den Krieg „als Rauchvorhang“ benutze, um „eigenes Versagen zu verbergen.“ Spanien verweigere sich „blindem und unterwürfigem Gehorsam“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Krieg als Verstoß gegen internationales Recht.
Vernichtend äußerte sich auch der Historiker Timothy Snyder in „Le Monde“ Anfang Juli: Trumps Krieg zeige, dass „das Böse und die Torheit Hand in Hand gehen können.“ Auch viele Medien verfolgen Trumps wachsende Probleme mit Genugtuung. Der britische „Telegraph“ formulierte schon früh korrekt: Europa reagiere auf den Iran-Krieg mit „einer eigentümlichen Mischung aus Panik und Schadenfreude“. Kürzlich machte sich das Blatt über die „Kindergarten-Diplomatie“ Trumps lustig.
Wie sähe der Nahe Osten ohne den Irankrieg aus?
Wie sähe die Lage aus, hätten Trump und Netanjahu Iran nicht angegriffen? Der Gottesstaat hätte weiter massiv aufgerüstet, hätte insbesondere schon durch die schiere Quantität von Raketen und Drohnen eine nicht bewältigbare Bedrohung für alle Staaten der Region bedeutet. Es wäre wohl nur eine Frage der Zeit, wann Teheran über eine Atombombe verfügen würde, um den expliziten Traum der Ayatollahs nach Ausmerzung des jüdischen Staates auch umsetzen zu können.
Mit recht großer Sicherheit lässt sich aber sagen, dass Untätigkeit und Ignoranz im Westen gegenüber den stetig wachsenden Gefahren aus der islamischen Welt kaum zu einem besseren Ergebnis als die Waffengänge Israels und der USA geführt hätten. Zumindest werden die anti-westlichen Mächte etwas Zeit zur Regeneration brauchen. Und noch hofft Trump, mit der Kombination von Verhandlungen und enormen wirtschaftlichen Druck noch mehr Teilerfolge zu erzielen.
Allerdings stehen Trump wie Netanjahu nicht nur vor äußerst wichtigen und für sie bedrohlichen Wahlen, beide tragen auch schwer an der Last persönlicher Schwächen. Der US-Republikaner bietet besonders viele Angriffsflächen: angefangen von seinem prahlerischen, selbstherrlichen und zuweilen aggressiven Auftreten bis hin zu den milliardenschweren Geschäften seines Familien-Clans, die von seiner Präsidentschaft mannigfaltig profitieren.
Netanjahu trägt Mitverantwortung für den 7. Oktober 2023
Netanjahu, dessen klarer politischer Leitfaden während seiner insgesamt 20 Jahre als Premierministerseiner die Bewahrung des jüdischen Staates ist, trägt für die Katastrophe des 7. Oktober 2023 erhebliche Mitverantwortung. Seine fatale, krasse Fehleinschätzung der Hamas hat das schlimmste Massaker an Juden seit dem Holocaust erst möglich gemacht.
Wobei es auch da wichtig ist, den kulturellen und historischen Hintergrund der Akteure im Nahen Osten zu berücksichtigen. Es gibt gute Gründe, Politikern und Organisationen, die sich explizit zum Islam bekennen, zu misstrauen – ein sehr wichtiger Aspekt, den zumindest der angeblich so oberflächliche und erratische US-Präsident offensichtlich kennt.
Israelische Medien haben kürzlich aus einem Geheimdienstbericht zitiert, dem zufolge „ein arabisch-muslimisches Land in unserer Region“ der Führung eines anderen arabischen Staates empfohlen hat, „taktische Flexibilität“ zu zeigen und ein Abkommen mit Israel zu unterzeichnen, um das Land „einzuschläfern“ – mit dem Ziel, im Geheimen weiter aufzurüsten und sich auf einen Krieg vorzubereiten, mit der klaren Absicht, das Abkommen mit Israel später zu brechen.
Der trügerische Vertrag von Hudaybiyyah
Rechte und nationale Politiker in Israel verweisen gerne auf die Geschichte der islamischen Welt, in der angeblich Regeln und Konventionen des Westens – wie auch Vertragstreue – wenig gelten. Entlarvend sei das erste Abkommen im Islam, der Vertrag von Hudaybiyyah, das ein Täuschungsabkommen gewesen sei.
Im Jahr 628 hatte Religionsbegründer Mohammed in Hudaybiyyah einen zehnjährigen Waffenstillstand mit dem stärkeren Stamm der Quraisch zu Bedingungen vereinbart, die viele seiner Anhänger als demütigend empfanden. Mohammed aber nutzte die Atempause, um seine Streitmacht zu stärken, mit die er zwei Jahre in Mekka eroberte und die Quraisch besiegte.
Der prominente israelische TV-Journalist und Islam-Experte Tzvi Yehezkeli meinte, Israel müsse sich stets der Fragwürdigkeit von Friedens-Abkommen in der Region bewusst sein. Solche Verträge könnten auch im Geiste Hudaybiyyah geschlossen worden sein, zumal wenn sie nur aus Schwäche geschlossen worden seien.
Israelis feiern – während die PLO den Krieg vorbereitet
Yehezkeli zitierte als Beleg den früheren PLO-Chef Jassir Arafat, der sich nach der Unterzeichnung der Friedensverträge in Oslo vor kritischen Muslimen im Mai 1994 in Johannesburg damit rechtfertigte, dass er sich an Mohammeds Vertrag von Hudaybiyyah halte.
„Während die Israelis Friedenslieder sangen und an Ruhe, Alltag und Hummus in Ramallah dachten, brachte Arafat unter dem Deckmantel des Abkommens eine Armee bewaffneter Männer nach Judäa und Samaria, und dann brach im Jahr 2000 der Krieg aus“, so der israelische Journalist etwas verkürzend und vereinfachend den Ausbruch von Intifada II beschreibend. Selbst die Abkommen, die Israel heute mit arabisch-muslimischen Ländern hat, erforderten große Aufmerksamkeit: „auf Ägyptens ungewöhnlichen militärischen Aufbau, auf Jordaniens Instabilität und auf die türkische Arena“.


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