Israels Wirtschaft boomt

Der israelische Schekel ist im Wert gegenüber Euro und US-Dollar gestiegen, die Börse in Tel Aviv boomt. Trotz Krieg. Dennoch: Israel braucht Ruhe und eine berechenbare Zukunft, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Das Land sucht sicher keine Rolle als Besatzer im Libanon, wie es suggeriert wird. Aber wen interessieren schon Fakten?

picture alliance / SIPA | RONEN ZVULUN/POOL

Wer der Spur des Geldes folgt, kommt der Wahrheit näher. Diese verbreitete Erkenntnis trifft auch aktuell auf die Lage im Nahen Osten mit dem Zentrum Israel zu. Zu Beginn des Monats Juni ist erstmals seit mindestens 30 Jahren der Höchstpreis pro Liter bleifreies 95-Oktan-Benzin für Selbstbedienung (einschließlich Mehrwertsteuer) um 27 Agorot (aktuell 7,96 Euro-Cent) auf 7,80 NIS (2,30 Euro) gefallen. Der vorrangige Grund: Trotz 33 Monate Krieg ist der israelische Schekel im Wert gegenüber Euro und US-Dollar deutlich gestiegen. Die Börse in Tel Aviv boomt. Der Laie wundert sich, Experten suchen hinter den Kulissen nach den Ursachen.

Fakten, obwohl sie kostenfrei mehrsprachig zugänglich sind, interessieren die üblichen Verdächtigen, die gerne als Nahost-Experten figurieren und die Massenmedien fluten, herzlich wenig. Sie schwadronieren und fabulieren gerne von einem Groß-Israel, das sich am liebsten weite Teile des Libanons, den Gaza-Streifen und die gesamte Westbank einverleiben möchte. Markus Lanz hatte kürzlich (28. Mai) zur späten Stunde im ZDF sogar die Landkarte Jordaniens auf dem Schirm und einen 82-jährigen israelischen Historiker (Prof. Dr. Moshe Zimmermann) im Studio, der felsenfest, unwidersprochen behaupten durfte: Netanyahu und seine rechtsradikalen Koalitionspartner wollen auch König Abdullah II vertreiben. Denn auch Jordanien gehöre zum biblischen „Eretz Israel“.

Niemand im Studio kommt auf die Idee einzuwerfen, dass beide Länder seit 1994 einen – wenn auch kalten – Frieden vertraglich vereinbart haben und diplomatische Beziehungen unterhalten. Allgemein bekannt ist: Jerusalem liefert seit Jahren lebenswichtige Energie nach Amman und hilft den ständigen Trinkwasser-Mangel zu beheben. Außerdem bewacht Israels Militär die Grenze zwischen Westjordanland und Jordanien nicht nur im Einverständnis, sondern auf Bitten des Haschemiten-Thrones. Denn auch im Westjordanland lauern Terror-Kräfte, die König Abdullah II mindestens ebenso gerne abschaffen würden wie Benjamin Netanyahu.

Nirgendwo wütet der politische Irrsinn heftiger als in den Köpfen mancher Staatslenker Europas, die sich gerne und regelmäßig zum Hexen-Sabbat gemeinsam mit 57 muslimischen Staaten am East River in New York treffen. Es muss nur das Wort „Israel“ auftauchen und es haken sich Gruppierungen unter, die sich sonst nicht leiden können. Vereint sind die Vereinten Nationen fast nur, wenn es gegen Israel und ums Geldkassieren geht. Die Massenmedien befeuern das Thema mehrsprachig in Schrift, Bild und Ton ausgiebig. Keine Theorie, mag sie noch so billig oder durchsichtig arglistig sein, wird ausgelassen.

Ja, Israel hat Extremisten und Radikale. Das gehört zum demokratischen Spiel, auch wenn es ans Unappetitliche grenzt. Polizeiminister Itamar Ben Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich reiten auf der Hasswelle gegen Araber, die seit dem 7. Oktober 2023 den äußersten rechten Rand des politischen Spektrums erfasst hat. In Israel wird in vier Monaten gewählt. Allen Umfragen zufolge wird die Smotrich-Partei die 3,5-Prozent-Hürde nicht mehr überwinden und Ben Gvirs „Otzma Yehudit“ („Jüdische Stärke“) landet mit acht von 120 Sitzen aller Voraussicht auf den Oppositionsbänken.

Ja, der Staatsanwalt ist hinter Benjamin Netanyahu her. Das hat er mit mehreren demokratisch gewählten Ministerpräsidenten wie zum Beispiel in Spanien gemein. Aber bei Spanien kommt keiner auf die Idee, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die Frau von Pedro Suarez und die Verurteilung seines früheren Verkehrsministers und engen Vertrauten José Luis Ábalos wegen Korruption mit der Politik des Landes zu verbinden.

Ja, Israel befindet sich in einem sichtbaren Prozess der kontrollierten Implosion. Neu ist das allerdings auch nicht. Die Lavon-Affäre 1954 – staatlich geplanter jüdischer Terror in Ägypten – und die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Itzhak Rabin 1995 durch einen jüdischen ultra-orthodoxen Terroristen sind nur zwei Beispiele, die Israels Existenz von innen ernsthaft bedroht haben.

Die Geschichte beweist aber: Der Judenstaat ist lernfähig und geht seit 78 Jahren gestärkt aus seinen Affären hervor. Alles spricht aktuell dafür, dass man in Jerusalem gerade dabei ist, aus den Fehlern Netanyahus Konsequenzen zu ziehen. Im Herbst geht die Ära „Bibi“ allen Prognosen zufolge dem Ende entgegen. Es geht nicht mehr ums Ob, sondern nur noch darum, wer die neue Nr. 1 wird. Das Personal-Angebot ist qualitativ reichhaltig. Die Demokratie funktioniert.

Die Wirtschafts-Fakten erklären die politischen Entwicklungen überzeugend: Das israelische Verteidigungsministerium hat gerade bekannt gegeben, dass der bisherige Rekord bei Rüstungsexporten zum fünften Mal in Folge gebrochen wurde: 19,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – ein Anstieg um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am 6. Oktober 2023 – am Tag vor dem Massaker an mehrheitlich israelischen Zivilisten – stand der Euro bei 4,09 Schekel, der US-Dollar bei 3,86. Heute bekommt der Israeli für einen Euro nur noch 3,39, für einen US-Dollar 2,99 Schekel. Das bedeutet einen Wertanstieg seiner Währung von 15 bis 20 Prozent.

Anfang dieser Woche schrieb Tower Semiconductor Geschichte. Für kurze Zeit war der israelische Chiphersteller mit einer Marktkapitalisierung von 37,7 Milliarden US-Dollar der wertvollste Konzern. Er profitierte vom positiven Aufschwung auf dem Chip-Markt dank der riesigen Investitionen in die KI-Infrastruktur. Der Aktienkurs von Tower ist in den letzten fünf Jahren – davon über die Hälfte Kriegsjahre – um fast 900 Prozent gestiegen.

Es gibt auch schlechte Nachrichten: Ein Überangebot von rund 85.000 Wohnungen sucht zurzeit Käufer. Die gute Nachricht: Die Preise sinken im Wesentlichen nur geringfügig, weil die Verkäufer Luft haben, auf die neue Regierung zu warten („hoffentlich“) ohne Netanyahu, ohne Rechtsradikale und ohne Ultra-Orthodoxe. Die unmittelbare Kriegsgefahr mit täglichen Angriffen aus dem Libanon könnte dann auch der Vergangenheit angehören.

Man muss kein Wirtschaftsstudium abgeschlossen haben, um zu erkennen, was Israel und die Nahost-Region dringend benötigt. Ruhe und eine berechenbare Zukunft. Genau daran mangelt es seit dem 7. Oktober 2023. Damals haben Hamas-Terroristen den Süden Israels überfallen, 1200 Menschen aus über 40 Nationen und unterschiedlichen Glaubens teilweise bestialisch ermordet und 251 Geiseln genommen. Am Tag darauf begann die Hisbollah aus dem Libanon den Norden Israels zu beschießen. Die Drahtzieher des Krieges sitzen erklärtermaßen in Teheran. Dort steht seit 2017 die überdimensionale, digitale Uhr, die das Ende des „zionistischen Gebildes“ herbeiticken soll.

Nach 33 Kriegs-Monaten ist die Lage verwirrter denn je. Der Iran, seit dem 28. Februar 2026 von den USA und Israel durch 14.000 Luftschläge schwer verwundet, will einem langfristigen „Deal“ mit Donald Trump nur zustimmen, wenn Israel den Krieg im Libanon beendet und sich zurückzieht. Eben jenen Krieg, den die Terror-Organisation Hisbollah – der Staat im Staat Libanon – im Auftrag der Mullahs am 8. Oktober 2023 vom Zaun gebrochen hat. Mit einem Wink aus Teheran an die Hisbollah würde das Schießen umgehend beendet sein.

Israel braucht Ruhe und eine berechenbare Zukunft auch aus wirtschaftlichen Gründen, sucht aber sicher keine Rolle als Besatzer im Libanon. Das ist auch eine Lehre aus dem 18-jährigen Krieg, den Ministerpräsident Ehud Barak im Mai 2000 beendete. Aber wen interessieren Fakten? Der Streit zwischen Trump und Netanyahu („f… you Bibi“) mundet emotional den Massen.

Auf der aktuellen ZDFheute-Internetseite versteigt sich der sogenannte Nahost-Experte Daniel Gerlach zu der Aussage: „Alles, auch wie Netanjahu jetzt gesprochen hat, deutet darauf hin, dass Israel eine dauerhafte militärische Präsenz im Süden des Libanon durchsetzen möchte.“ Welchen Sinn das für Israel machen soll, bleibt das Geheimnis des Stammgastes im heute-Journal und in Talkshows.

Netanyahu hat tatsächlich gesprochen: „…wenn die Hisbollah nicht aufhört, auf unsere Städte und Bürger zu schießen – greift Israel terroristische Ziele in Beirut an. Diese Position von uns bleibt unverändert. Kein Staat der Welt würde sich auf weniger einlassen. Es geht immerhin um eine Kornkammer Israels in Galiläa mit den Städten Kiryat Shmoneh (25 .000 Einwohner), Nahariya (68.000 Einwohner) und Metulla (2.200 Einwohner).

Mit allen Mitteln angestrebt wird wirtschaftliche Stabilität, ohne die kein hochentwickelter Industrie-Staat agieren kann. Israels Erfolg lässt sich auch an der Börse in Tel Aviv ablesen. Der Index TA-125 ist innerhalb eines Jahres um mehr als 35 Prozent gewachsen. Der Parqet Portfolio Tracker listet aktuell die 43 beliebtesten Aktien auf, von denen 19 bis zu 350-Prozent-Gewinne in den letzten zwölf Monate aufweisen. Finment fasst zusammen: „Der israelische Aktienmarkt ist geopolitisch gesehen ein Hochrisikogebiet – aber wirtschaftlich ein Hotspot.“

An der Begründung der 27-jährigen israelischen Geisel, Elijahu C., der 505 Tage und Nächte angekettet in den Hamas-Tunnels in Gaza überlebte, warum so viele Araber Israel vernichten wollen, könnte etwas Wahres dran sein: „Die Muslime sind uns neidig, auch wegen unseres Erfolges.“

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Kommentare ( 6 )

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Haba Orwell
24 Minuten her

> Das Land sucht sicher keine Rolle als Besatzer im Libanon, wie es suggeriert wird.

Aber klar doch, die wollten ja nur Bonbons an libanesische Kinder verteilen. Ostblock-Staatsmedien waren etwas geschickter.

Waehler 21
25 Minuten her

Solange Israel sein Grenzen nicht definiert, solange wird die Salamitaktik fortgesetzt. Zum Schaden der Nachbarländer und Europas.

Haba Orwell
16 Minuten her
Antworten an  Waehler 21

Die sind doch definiert – vom Nil bis zum Euphrat, nach 3800 Jahre alten Schriften. Man will es in Westeuropa nur nicht hören.

Dundee
36 Minuten her

„Das Land sucht sicher keine Rolle als Besatzer im Libanon, wie es suggeriert wird. Aber wen interessieren schon Fakten?“

Das ist das faszinierendste, an den Semiten. Ihre kaltschnäuzige, ja eiseskalte Dreistigkeit, Tatsachen (Fakten) ins Gegenteil zu verkehren.

Peter Gramm
28 Minuten her
Antworten an  Dundee

die head line war verdreht. Richtig sollte es heißen..“Israels Wirtschaft bombt“….kann schon mal vorkommen.

Last edited 23 Minuten her by Peter Gramm
Haba Orwell
18 Minuten her
Antworten an  Dundee

Eigentlich nicht Semiten, sondern Einwanderer aus Osteuropa, vorwiegend Polen und Südrussland. Wäre es passende Gelegenheit, über einen fundierten Bericht zu reden? >>>Israel schießt gezielt auf lebenswichtige Organe von Kindern<<< > „… Eine UN-Untersuchungskommission hat festgestellt, dass „Israel weiterhin Völkermord und andere Gräueltaten begeht, indem es palästinensische Kinder gezielt ins Visier nimmt“, und kommt zu dem Schluss, dass israelische Behörden und Sicherheitskräfte in Gaza Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen haben sowie Kriegsverbrechen im besetzten Westjordanland. …“ Kürzlich schrieb hier einer, jede Entität, die sowas tut, habe ihr Existenzrecht verloren? Die >Brutkastenlüge< und ähnliche haben sich mittlerweile als Fakes… Mehr