„KI-Müll“ von Klöckner: Bundestagspräsidentin gönnt sich 15 Medienmitarbeiter

Das jüngste Schulstart-Posting von Julia Klöckner sehe aus, "als hätte jemand zum ersten Mal ChatGPT benutzt", wird auf Social-Media-Kanälen kritisiert. Die Anzahl der Mitarbeiter, die der Bundestagspräsidentin für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stehen, ließe mehr erwarten.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) veröffentlichte Anfang dieser Woche auf ihrem privaten Instagram-Account ein mit KI erzeugtes Bild: Die Politikerin steht lächelnd zwischen vier Kindern mit Schultüten, darüber der Wunsch „Alles Gute zum Schulstart!“. Und: „Freude, Neugier und Erfolg für das kommende Schuljahr wünsche ich allen!“. Der Beitrag war als KI-generiert gekennzeichnet, doch es setzte prompt Kritik.

Quelle: Julia Klöckner / Instagram

Grafikdesigner und Kreative warfen der CDU-Politikerin sofort den Einsatz von „KI-Müll“ vor. Der Künstler Oliver Schäfer kommentierte: „Ganz ehrlich, Ihre Posts sind ein Schlag ins Gesicht jedes Kreativschaffenden in Deutschland. Warum dieser KI-Mist?“ Er forderte echte Fotos oder die Beschäftigung eines Grafikdesigners.

Kurze Zeit später war sein Kommentar gelöscht, Schäfer blockiert und die Kommentarfunktion deaktiviert. Die FAZ berichtete, dass Klöckners Büro den Verzicht auf reale Schulkinder mit dem Schutz von Persönlichkeitsrechten begründete und den Beitrag als „bewusst fast in Comicform überzeichnet“ bezeichnete. Später bot die Bundestagspräsidentin Schäfer ein Gespräch an und hob die Sperre auf.

Medienmitarbeiter mit 8000 Euro Gehalt

Dabei hat die Bundestagspräsidentin nicht wenige Mitarbeiter, die sich um ihren Social-Media-Auftritt kümmern sollen: So hatte bereits im März der Spiegel über eine Stellenausschreibung für einen Social-Media-Referenten mit Schwerpunkt TikTok berichtet. Die Position war direkt im Präsidialbereich angesiedelt und sollte je nach Besoldungsstufe mit bis zu mehr als 8000 Euro monatlich vergütet werden. Klöckner repostet dienstliche Inhalte regelmäßig auf ihrem privaten Profil, dem derzeit 259.000 Nutzer folgen. Der offizielle Account der Bundestagspräsidentin kommt auf etwa 168.000 Follower.

Nun hat die Welt dazu über das Informationsfreiheitsgesetz Unterlagen der Bundestagsverwaltung erhalten, darunter einen Stellenplan des Referates Presse und Kommunikation im Präsidialbereich (PräsB1). Daraus geht hervor, dass im Bereich „Soziale Medien“ insgesamt 15 Dienstposten vorgesehen sind – so viele wie nie zuvor. Das Organigramm listet sechs Redakteure für Soziale Medien, zwei Community-Manager, einen Kameramann, einen Film- und Videoeditor, eine Redaktionsassistenz sowie mehrere Stellen für Bildbearbeitung, Fotografie, Grafik und Motion Design. Mehrere Positionen sind bis zur Besoldungsgruppe A15 beziehungsweise Entgeltgruppe E15 bewertet; die monatlichen Bruttobezüge liegen deutlich über 6000 Euro und können 8000 Euro überschreiten.

Dazu betont die Bundestagsverwaltung, dass „nicht alle“ Beschäftigten ausschließlich für Klöckners Instagram-Auftritt tätig seien. Für den Amtskanal stehe eine Vollzeitstelle im höheren Dienst zur Verfügung, unterstützt bei Bedarf durch Kameraleute und Cutter, die grundsätzlich für sämtliche Social-Media-Kanäle des Bundestages arbeiteten. Seit Amtsantritt Klöckners im März 2025 seien im Gesamtbereich Kommunikation fünf Stellen geschaffen worden. Ein eigener TikTok-Kanal des Bundestages befinde sich in Vorbereitung.

Auf der Plattform X kritisierte die Linken-Abgeordnete Nicole Gohlke den gewaltigen Personalbedarf: „15 Menschen arbeiten im Social-Media-Team von Julia Klöckner und verdienen dort bis zu 8.000 Euro brutto – und das alles, damit am Ende Posts rauskommen, die aussehen, als hätte jemand zum ersten Mal ChatGPT benutzt.“

Andere User errechneten jährliche Personalkosten von mehr als einer Million Euro und fragten, warum bei Normalbürgern gespart werde, während im Präsidialbereich derart aufgerüstet werde.

Österreichs Vizekanzler hat 23 Medienmitarbeiter

Über 15 Medienmitarbeiter kann der sozialdemokratische Vizekanzler im Nachbarland Österreich nur lächeln: Medien- und Kultur-Minister Andreas Babler (SPÖ) beschäftigt für die mediale Verwertung seines politischen Daseins sogar 23 Mitarbeiter. Die sind derart kompetent, dass der Sozialdemokrat für die gezeigten Instagram-Postings immer wieder kritisiert wird – erst kürzlich wurde etwa ein Bild veröffentlicht, auf dem Babler in der Gemeinde Wiesen mit der Erdbeer-Königin posiert.



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