Wenn Terroristen als Journalisten gelten – die BBC und ihre Gaza-Liste

Die BBC muss erneut erklären, wen sie als Journalisten bezeichnet – und wen besser nicht: Recherchen des „Telegraph“ deckten auf, dass der arabischsprachige Dienst des öffentlich-rechtlichen Senders Dutzende Palästinenser als getötete Medienvertreter geführt hat, doch für die Hamas oder den Islamischen Dschihad sind diese Personen eigene Kämpfer oder „Märtyrer“.

Trauerfeier der Hamas in Gaza Imago Medien-ID 0867847605
Trauerfeier der Hamas in Gaza

Auf einer seit dem Kriegsbeginn fortgeschriebenen Liste von getöteten „Journalisten“ mit mehr als 180 palästinensischen Namen und vier Israelis weisen 53 Einträge Verbindungen zu terroristischen Organisationen auf. Einige der nun toten Medienmitarbeiter waren am Massaker vom 7. Oktober 2023 beteiligt.

Diese Liste steht weiterhin auf der Website von BBC Arabic: Zehn der umstrittenen Namen erschienen auch auf der englischsprachigen BBC-News-Seite, 43 ausschließlich im arabischen Angebot. Zwölf Personen hat das unabhängige Committee to Protect Journalists (CPJ) nach einer Überprüfung im Juni 2026 von seiner eigenen Opferstatistik gestrichen. Das Komitee kam zu dem Schluss, sie seien tatsächlich keine Journalisten oder Medienmitarbeiter gewesen – Terrorgruppen veröffentlichten sogar Nachrufe zu diesen genannten Palästinensern. Die BBC hat nun in einer ersten Reaktion dem „Telegraph“ mitgeteilt, sie prüfe nun, wer in dem Bericht genannt werde.

Kameramann machte bei Massaker am 7. Oktober mit

Die irritierenden Fälle sind eindeutig dokumentiert: Abdullah Darwish wurde von BBC Arabic als Kameramann des Hamas-Senders Al-Aqsa TV geführt. Später stellte sich heraus, dass er als Mitglied der Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden am Massaker am 7. Oktober teilnahm und mit dem grünen Stirnband der Miliz fotografiert wurde. Er starb im Dezember 2023 bei einem gezielten Luftschlag. Yaqoub Al-Barsh, von BBC Arabic als Geschäftsführer des Radiosenders Namaa vorgestellt, erscheint auf der Hamas-„Märtyrer“-Seite als Angehöriger dieser Brigaden. Rizq Abu Shakian, laut BBC Journalist bei Palestine Now, ist in einem Video in Hamas-Kampfkleidung mit Sturmgewehr zu sehen. Auch ihn und Darwish löschte das CPJ von seiner Liste.

Weitere 20 Namen stehen auf der BBC-Liste, obwohl Hamas oder der Islamische Dschihad Todesanzeigen veröffentlichten. Mohammed Al-Zaq wurde vom Islamischen Dschihad geehrt, Mustafa Bakir von der Hamas als Feldkommandeur der Rafah-Brigade beschrieben, Abdullah Iyad Baris als Held der Khan-Yunis-Brigade, Ahmed Abu Sakheel als „Märtyrer“. Bei den übrigen einundzwanzig Personen kursieren Aufnahmen, auf denen sie Waffen tragen, militärische Tarnkleidung anhaben oder an einem Granatwerfer ausgebildet werden – darunter Ahmed Samir Muhammad Washah und Amr Abu Odeh, den die Al-Qassam-Brigaden als Helden feierten.

Privileg Terror-Unterstützung
BBC Arabic: 215 Korrekturen in zwei Jahren, immer wieder Hamas-nahe Reporter
Redaktionen aus Europa oder den Vereinigten Staaten sind auf lokale Mitarbeiter angewiesen – und genau deshalb gilt dort eine besonders strenge Pflicht zur Unterscheidung: Wer kämpft, ist kein unbeteiligter Berichterstatter. Eine öffentlich-rechtliche Anstalt, die Unparteilichkeit gesetzlich schuldet, darf diese Grenze nicht verwischen.

Der „Telegraph“ und der frühere BBC-Berater Michael Prescott warfen BBC Arabic auch vor, einfach und ungeprüft Hamas-Angaben zur Zahl der Todesopfer zu übernehmen, das israelische Leid herunterzuspielen und Kommentatoren eine Plattform zu geben, die Juden als „Teufel“ bezeichneten oder forderten, sie zu verbrennen „wie Hitler es tat“. Einzelne Freelancer mit solchen Äußerungen sollen Hunderte Male aufgetreten sein. BBC Arabic musste nach britischen Berichten mehr als zweihundert Korrekturen an Gaza-Texten vornehmen. Ofcom stufte zudem den Film „Gaza: How to Survive a Warzone“ als irreführend ein, weil der Erzähler der Sohn eines Hamas-Funktionärs war.

Kulturministerin Lisa Nandy konfrontierte den neuen Generaldirektor Matt Brittin nach dessen Amtsantritt im Juni 2026 mit der anhaltenden Kritik an BBC Arabic. Die konservative Schattenkulturministerin Rebecca Paul nannte die jüngsten Enthüllungen Teil eines „langjährigen Problems mit Unparteilichkeit und Rechenschaftspflicht“. Die BBC müsse aufhören, Antisemiten und Terroristen ungebührliche Glaubwürdigkeit zu verleihen, wenn sie das Vertrauen der Gebührenzahler zurückgewinnen wolle.

Danny Cohen, früherer Fernsehdirektor der BBC, warf dem Sender vor, bei der Israel-Berichterstattung weiter in Balance und Genauigkeit zu versagen. Auch angesichts der Finanzierung der Rundfunkanstalt sei das nicht hinnehmbar.

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