Xi Jinping überraschte in der Großen Halle des Volkes gleich zu Beginn des Gipfeltreffens, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt könnten „Partner und keine Rivalen“ sein. Donald Trump erwiderte, die Beziehung zwischen den USA und China sei „besser als je zuvor“.
Screenshot X / The White House
Der US-Präsident war mit einem großen Tross von Regierungsvertretern und Top-Managern der US-Wirtschaft angereist. Die Bilder vom roten Teppich auf dem Tiananmen-Platz zeigten Xi, wie er die Treppe der monumentalen Halle hinabschritt, um seinen Gast persönlich zu begrüßen. Trump fuhr in einer Kolonne schwarzer Limousinen vor, begleitet von einer pfeilförmigen Formation chinesischer Polizeimotorräder – dieser Empfang soll hohen Respekt signalisieren.
In seinen einleitenden Worten sprach Xi von der Notwendigkeit eines „neuen Paradigmas“ für die Beziehungen zwischen den Großmächten. „Die zwei Länder sollten einander zum Erfolg verhelfen und den richtigen Weg für das friedliche Zusammenleben großer Nationen finden“, sagte er. Trump lobte die „fantastische Beziehung“ zwischen beiden Staaten und nannte Xi einen „großen Führer“.
Besonders hervorgehoben wurde von Trump die starke amerikanische Wirtschaftsdelegation: „Wir haben die besten Geschäftsleute der Welt dabei, und sie sind heute hier, um China und Ihnen Respekt zu erweisen.“
Auch Elon Musk, Tim Cook und Jensen Huang in der Delegation
Unter den US-Teilnehmern befanden sich Außenminister Marco Rubio, Kriegsminister Pete Hegseth, Finanzminister Scott Bessent und der US-Botschafter in China, David Perdue. In der zweiten Reihe standen prominente CEOs wie Apples Tim Cook, Nvidias Jensen Huang, Teslas Elon Musk und Citigroups Jane Fraser.
Auf chinesischer Seite nahmen unter anderem Cai Qi, Xis enger Vertrauter im Ständigen Ausschuss des Politbüros, Außenminister Wang Yi und der einflussreiche Wirtschaftsstratege He Lifeng teil.
Die Agenda des Gipfels ist breit – und geopolitisch hoch brisant. Im Mittelpunkt stehen der Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormuz, die Taiwan-Frage, der Handel mit Seltenen Erden, die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz sowie neue Geschäftsmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen in China. Trump hatte bereits am Vortag angekündigt, dass sein „allererster Wunsch“ an Xi die Schaffung eines deutlich freundlicheren Umfelds für US-Firmen sei. Gleichzeitig hofft Washington, dass Peking als größter Abnehmer iranischen Öls Druck auf Teheran ausüben könnte, um die lebenswichtige Seestraße wieder freizugeben.
Für Xi Jinping bietet der Gipfel die Gelegenheit, eigene Prioritäten voranzutreiben. So wird erwartet, dass er Konzessionen bei US-Waffenlieferungen an Taiwan und eine zurückhaltendere Haltung Washingtons zur Unabhängigkeit der Insel fordern wird. Die Taiwan-Frage gilt seit Jahren als gefährlichster Konfliktherd zwischen den beiden Mächten.
Am Abend lud Xi den US-Präsidenten zu einem Staatsbankett ein, an dem auch Trumps Sohn Eric teilnahm. Bis Freitag sind weitere Gespräche bei Tee und einem Arbeitsessen geplant, bevor Trump nach Washington zurückfliegt.
Neue National Security Strategy wird sichtbar
Die chinesischen Staatsmedien, die sonst oft scharf die US-Regierung attackieren, schlugen im Vorfeld einen auffallend positiven Ton an. Das nationalistische Blatt Global Times schrieb: „Die Diplomatie auf höchster Ebene spielt eine unersetzliche Rolle bei der strategischen Führung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen. Die Zukunft dieser Beziehungen ist hell.“
Nach Jahren des Handelskriegs, technologischer Entkopplung und militärischer Spannungen im Indo-Pazifik suchen beide Seiten offenbar nach Wegen der Deeskalation. Für Trump, der stets betont hat, starke bilaterale Deals zu bevorzugen, ist der Besuch eine Chance, konkrete Ergebnisse für die amerikanische Wirtschaft mitzunehmen. Für Xi geht es darum, die Stabilität in den Beziehungen zu sichern, während China mit großen wirtschaftlichen Herausforderungen im Inland und um seine Versorgungssicherheit mit Treibstoffen kämpft.
Die Präsenz so vieler Tech- und Finanz-Schwergewichte unterstreicht pragmatische Wirtschaftsinteressen vor ideologischer Auseinandersetzung. Der Ton in Peking ist versöhnlich. Nach Jahren der Rivalität überwiegt das Bewusstsein, aufeinander angewiesen zu sein. Medien, die das als überraschend und vielleicht nur momentan hinstellen, hätten in der National Security Strategy der USA lesen können, wie und wo Trump den Kurs früherer US-Regierungen ändert.


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