Chinesische Agentin im Rathaus: Bürgermeisterin tritt zurück

Die Bürgermeisterin von Arcadia, einer wohlhabenden Vorstadt von Los Angeles, musste nun ihr Amt aufgeben: Eileen Wang, eine eingebürgerte Chinesin, hat jahrelang als Agentin der Volksrepublik China agiert. Bei einem Schuldspruch drohen bis zu zehn Jahre Haft.

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Eileen Wang (58), die im Februar 2026 turnusmäßig zur Bürgermeisterin des Fünf-Personen-Stadtrats gewählt worden war, trat nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Anklage zurück. Stadtmanager Dominic Lazzaretto betonte zwar, dass die Vorwürfe Handlungen vor ihrer Vereidigung im Dezember 2022 betreffen, es gebe auch keine verdächtige Finanzausgaben oder Personal-Entscheidungen. Dennoch bleibt der Skandal ein schwerer Schlag für das Vertrauen in die Demokratie auf kommunaler Ebene, kommentiert dazu die Los Angeles Times.

Laut dem US-Justizministerium und der Bundesstaatsanwaltschaft Central District of California arbeitete Wang von Ende 2020 bis mindestens Ende 2022 eng mit chinesischen Regierungsbeamten zusammen. Gemeinsam mit ihrem damaligen Verlobten Yaoning „Mike“ Sun betrieb sie die Website „U.S. News Center“, ein scheinbar lokales Nachrichtenportal für die chinesisch-amerikanische Community. In Wirklichkeit diente es als Propagandakanal Pekings. Wang erhielt direkte Anweisungen per WeChat, Artikel zu veröffentlichen oder zu teilen, die die offizielle Linie der KPCh widerspiegelten, darunter etwa die Leugnung des Uiguren-Genozids in Xinjiang.

Sun, der auch als Wangs Wahlkampfberater und Schatzmeister fungierte, wurde bereits im Februar 2026 zu vier Jahren Bundesgefängnis verurteilt. Er hatte sich desselben Vergehens schuldig bekannt. Die enge persönliche und politische Verbindung zwischen beiden macht den Fall besonders brisant: Eine lokale Politikerin ließ sich offenbar von ihrem Partner und der chinesischen Regierung instrumentalisieren.

Langzeit-Projekt von Chinas kommunistischer Partei

Arcadia, eine Stadt mit 56.000 Einwohnern im San-Gabriel-Valley, gilt als besonders stark von chinesischstämmigen Bürgern geprägt: Über 42 Prozent der Bevölkerung sind ethnisch chinesisch, fast 60 Prozent asiatisch. Genau solche Enklaven sind seit Jahren Ziel der „United Front Work“-Strategie der KPCh, also einer subtilen Einflussnahme durch Propaganda, Wahlbeeinflussung und die Rekrutierung von „Freunden“ im Ausland. Experten des FBI und Think-Tanks wie das Center for Strategic and International Studies (CSIS) warnen seit Langem vor systematischen Versuchen Pekings, auf kommunaler Ebene in den USA Fuß zu fassen. Von Fake-News-Portalen über Spenden an Kandidaten bis hin zu Überwachung taiwanesischer Aktivisten reicht das Spektrum.

Wang selbst kam vor 30 Jahren aus China nach Südkalifornien. Ihre Eltern waren Ärzte, sie selbst betrieb jahrelang die Nachhilfeschule „Little Stanford Academy“ und engagierte sich in Rotary Club, Lions Club und Elternvereinen. Nach außen eine vorbildliche Immigrantin und Community-Leaderin, gleichzeitig aber offenbar eine Agentin Pekings. Ihr Anwalt Brian Sun – er ist nicht mit Mike Sun verwandt – sprach von „persönlichen Fehlern“ und „falschem Vertrauen“. Und: Die Liebe der Ex-Bürgermeisterin zur Gemeinde sei ungebrochen.

FBI-Direktor Kash Patel sagte zu dem Fall: „Mayor Wang hat zugegeben, von 2020 bis 2022 als ausländische Agentin Propaganda der Volksrepublik China verbreitet und deren Interessen vertreten zu haben.“ Die Behörden wollen weiterhin „aggressiv“ gegen chinesische Einflussnahme in US-Institutionen vorgehen. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Verurteilungen: Von New York über Kalifornien bis hin zu Kongresskandidaten konnten KPCh-Netzwerke aufgedeckt werden.

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