Substanzbesteuerung: Finanzministerium will Sonderregeln bei GmbH-Investmentfonds abschaffen

Im Kampf gegen die sich verschärfende Haushaltskrise gerät zunehmend das Ersparte der Bürger ins Visier der Politik. Nun folgt ein Schlag in einer ganzen Reihe von Maßnahmen zur Substanzbesteuerung: das Ende der Sonderregelung der GmbH-Investmentfonds.

picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Der Staat braucht Geld, sehr viel Geld. Und er braucht es schnell, da sich die Kassen angesichts der lahmenden Ökonomie und des überteuerten Staatsapparats nicht mehr so rasch auffüllen lassen, wie es sich Friedrich Merz und Lars Klingbeil erhofft hatten. Nach der Anhebung der CO₂-Abgaben, der Maut, der Grundsteuer sowie der Sozialbeiträge (die Liste ließe sich fortsetzen, etwa um die Tabaksteuer) ist nun ein Finanzvehikel auf das Radar des Finanzministeriums geraten, das gerade erst vor acht Jahren eingeführt wurde: der sogenannte GmbH-Investmentfonds.

Bei diesem Konstrukt handelt es sich um ein spezielles Vehikel des deutschen Steuerrechts, bei dem eine vermögensverwaltende GmbH als eine Art Familienholding und Anleger steuerlich in Erscheinung tritt. Es wird vermutet, dass einige hundert sehr vermögende Familien dieses Vehikel zur Thesaurierung und zur Vermögensbildung nutzen, da das Konstrukt infolge der Investmentsteuerreform von 2018 auf thesaurierte, also nicht ausgeschüttete Gewinne wie Dividenden, Zinserträge und Kursgewinne eine Stundung der Kapitalertragsteuer ermöglicht.

Man kann das Volumen des auf diese Weise kumulierten Kapitals nur schwer schätzen. Als Richtschnur lässt sich jedoch die Vermögensverwaltung in sogenannten Family Offices heranziehen; bei einer groben Kalkulation des gesamten Volumens ergibt sich daraus ein Anlagevermögen von etwa 100 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung üblicher Kapitalgewinne von rund 8 Prozent und der geltenden Kapitalertragsteuer von 26,4 Prozent entspricht dies in einer Modellrechnung einem jährlichen Steuervolumen von etwa einer Milliarde Euro.

Allerdings bildet diese Betrachtung lediglich einen linearen Effekt ab und blendet den kumulativen fiskalischen Effekt aus, der im Zeitverlauf bei wachsenden Vermögen entsteht und die potenziellen Steuerzahlungen weiter erhöht. Tatsächlich handelt es sich damit über die Jahre um einen deutlich höheren steuerlichen Betrag, den der Fiskus nun ins Visier nimmt.

Berlin muss in den kommenden Wochen Vorschläge vorlegen, wie die aufreißende Finanzlücke im Haushalt geschlossen werden kann. Die jüngste Steuerschätzung hat ergeben, dass allein im laufenden Jahr etwa siebzehn Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen zu erwarten sind, als bislang kalkuliert wurde. Das Problem dürfte sich in den kommenden Jahren angesichts der katastrophalen ökonomischen Entwicklung im Land weiter verschärfen.

Nun an zahlreichen kleinen Steuerschrauben zu drehen, macht also aus Sicht der Bundesregierung durchaus Sinn. Der Mechanismus des GmbH‑Vehikels, das bislang von der Besteuerung abgeschirmt wurde, ist schnell beschrieben:

Die im Fonds erzielten Erträge werden akkumuliert und verbleiben vollständig innerhalb des Rechtsmantels. Für die Anteilseigner bedeutet dies, dass kein unmittelbarer steuerpflichtiger Vorgang ausgelöst wird und das Kapital auf diese Weise ohne Substanzverlust reinvestiert werden kann – ein Effekt, der sich im Zeitverlauf ganz erheblich auswirken kann.

Zur Begrenzung eben dieser dauerhaften Steuerstundung führte der Gesetzgeber im Rahmen der Investmentsteuerreform vor acht Jahren die sogenannte Vorabpauschale ein. Sie soll dem Fiskus eine Mindestbesteuerung auch bei thesaurierenden Konstruktionen ermöglichen. Grundlage für ihre Berechnung ist der Rücknahmepreis – vereinfacht gesagt der Wert eines einzelnen Fondsanteils, der sich ergibt, indem das gesamte Fondsvermögen durch die Anzahl der Anteile dividiert wird.

Im Falle der GmbH-Investmentfonds liegt genau hier das Problem: Bei vielen dieser Vehikel wird oder kann ein solcher Rücknahmepreis nicht regelmäßig ermittelt werden. Fehlt diese zentrale Berechnungsgröße, ist es unmöglich, die Vorabpauschale im Einzelfall korrekt zu ermitteln – und die vom Fiskus vorgesehene Mindestbesteuerung läuft ins Leere.

Doch wie kann es dazu kommen, dass in vielen Fällen ein Rücknahmepreis nicht ermittelt werden kann? Anders als klassische Publikumsfonds mit täglicher Börsenbewertung investieren zahlreiche dieser GmbH-Vehikel in illiquide oder schwer bewertbare Vermögenswerte. Sie bieten in der Regel keine regelmäßige Rücknahme von Anteilen an. Es existiert daher in vielen Fällen kein einheitlicher Marktpreis für diese Produkte. Genau hier liegt die steuerliche Lücke, die das Finanzministerium nun schließen will.

Was Steuerberater als politisch bedenkliche Schlitzohrigkeit auffassen, gilt im Bundesfinanzministerium, das fiskalisch unter starkem Druck steht, als Steuerschlupfloch, das nun geschlossen werden soll. Medientaktisch dürfte es der Politik leichtfallen, hier eine rasche Gesetzesänderung herbeizuführen. Die Angelegenheit bietet Berlin geradezu eine Steilvorlage, um in die anstehende Runde höherer Substanzsteuern einzusteigen und zugleich das öffentliche Ressentiment gegenüber Vermögenden zu schüren.

Einigkeit herrscht zwischen Union und SPD darin, im Bereich der Vermögenswerte, Erbschaften und Kapitalerträge künftig wesentlich stärker zuzugreifen, als es bislang der Fall ist. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass ausgerechnet Berlins regierender Bürgermeister und CDU‑Politiker Kai Wegner in dieser Woche den Auftakt machte und die Einführung einer bundesweiten Vermögenssteuer empfahl.

Jeglicher Transfer ökonomischer Substanz aus Anlagevermögen wie Immobilienbesitz, Portfolioerträgen und was es auch immer sein mag, wirkt sich auf die bestehende Kapitalstruktur des privaten Sektors aus und führt zur Erosion der Produktivität der deutschen Wirtschaft. Kapital gehört in die Hände von Unternehmen und Privatpersonen – und nicht in die zittrigen Hände des Staates.

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Kommentare ( 32 )

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na sowas
29 Tage her

hohle Birnen, gehören in die Biotonne -:)

Axel Fachtan
30 Tage her

Umverteilung ist mehrheitsfähig. 1,7 Billionen neue Schulden im Grundgesetz. CDU CSU Linkspartei Grüne und SPD haben das mit Zwei Drittel Mehrheit im Bundestag und -rat beschlossen und verbrezeln jetzt das Geld. Die sind irre haben aber nach wie vor eine satte Mehrheit im Bundestag. Eine Zwei Drittel Mehrheit um diese Sauereien zu beenden, ist weder im Bundestag noch im Bundesrat in Sicht. Du kriegst das Grundgesetz nicht so geändert, dass die Klimaneutralität per 2045 gestrichen wird. Die Schuldenbremse wird nie wieder so wirken wie sie zum Schutz der nachfolgenden Generationen wirken sollte. Deutschland wird systematisch zerstört. So arbeiten Merz, Söder,… Mehr

teanopos
30 Tage her

Der gierige Fettsack namens deutscher Staat, der nicht genug kriegen kann, bezeichnet ein von ihm nicht genutztes Vehikel um an mehr Geld für seine tägliche, völlig überfettete Mahlzeit zu kommen, als Steuerloch.
Auch jene die er abzieht und auspresst haben sich daran gewöhnt und bezeichnen es schon als Loch.

Hört bitte endlich auf damit.

Genauso wenig wie es ein Haushaltsloch gibt, gibt es auch kein (Steuer)Schluppfloch

teanopos
30 Tage her

Ich bin immer überrascht, irgendwie scheinen sich alle an dieses Loch-Narrativ des Staates gewöhnt zu haben. Es existiert doch garkein Loch! Das bzw. ein nicht existierendes „Loch“ muss/müsste also auch nicht aufgefüllt werden! Das einzige was in Berlin als „Loch“ existiert ist die maßlose Frechheit zu besitzen, als völlig überfetteter, dreister, sich nicht im Griff habendender, Deutscher, nimmersatter Staat und Parteien der Schande vor der Brandmauer, sich überall, immer wieder und immer mehr an Fremden Eigentum, nämlich dirch Steuergeld & Co. zu bedienen; also nicht haushalten zu können, und diese Gier dann so auszulegen als entstünde oder als sei hier… Mehr

Last edited 30 Tage her by teanopos
ThomasP1965
30 Tage her

Schon die Basisanalyse ist falsch. Der Staat hätte mehr als genug Geld, wenn Klingbeil und Co. endlich beginnen würden die Steuerhinterziehung durch die reichen und superreichen energisch zu bekämpfen. Strafen für Cum Ex, Cum Cum und wie diese illegalen Betrügereien alle heißen sollten endlich auch diejenigen, die davon profitierten treffen. Knast. Über 100 Milliarden Jahr um Jahr könnte man ohne jede Steuererhöhung so einsammeln, statt sie diesem außerhalb der Gesellschaft stehenden widerlichen Volk in den Rachen zu werfen. Aber da diese Personen ordentlich mit Lobby gegenhalten und SPD und CDU/CSU/FDP keine Cujones haben, sich mit der Finanzlobby anzulegen, wird da… Mehr

JamesBond
30 Tage her

Fiasko auf Fiasko, jedes Gesetz ein Rohrkrepierer für die Bevölkerung ob arm ob reich egal sofern nicht Beamter, Politclown, Gewerkschafter oder Chef von Staatsbetrieben, Großkonzernen oder ÖRR.
Neuestes Beispiel: Rürup bleibt trotz neuer Gesetzgebung bei Volks- und Raiffeisenbanken wie es ist … nix passive ETF = Indexabhängige Rendite, nein es wird „aktiv gesteuert“ und das kostet, finanziert wie bisher die Versicherer.
Fazit: Für die Rente genauso gut geeignet wie meine Rürupverträge … Seit Erstauszahlung in 2017 und 2021 keine, null,null Erhöhung .. nix,nix,nix … Wer kassiert bei den steigenden Renten die Erträge, wer hat uns betrogen?

Heptamer
30 Tage her

Leistung und unternehmerisches Handeln war den Sozialisten unter den sog. Sozialdemokraten immer schon suspekt.

Wilhelm Roepke
30 Tage her

Das ist eine gute Idee, denn das betrifft genau die Bevölkerungsschicht, die öffentlich ständig vor der AFD warnt. Sie wollten „Unsere Demokratie“, sie bekommen „Unsere Demokratie“.

Last edited 30 Tage her by Wilhelm Roepke
HansKarl70
1 Monat her

Macht es nur schön kompliziert und unübersichtlich für den Normalbürger auf das es ohne Berater in Finanz-Fragen nicht mehr geht, ähnlich wie bei den Anwälten. Man fragt sich wirklich manchmal für wen die Verwaltung eigentlich arbeitet?

Laurenz
1 Monat her

Ja, der Antifa-Larsi mit der Erfahrung des Kegelkasse, weiß nicht, was Sparen ist, obwohl so einfach. Ich brauche nur einen Tag im Lars-Ministerium um 100 Mrd. p.a. einzusparen & keiner merkt was.

JamesBond
30 Tage her
Antworten an  Laurenz

Einen Tag? So lange 😎:

– Entwicklungshilfeministerium abschaffen = 30 Mrd. eingespart.
– Lars entlassen: Einsparungen unbezifferbar, aber enorm
– ÖRR abschaffen = 9 Mrd. € uns Bügern gespart.
– Zahlungen an die EU einstellen wegen illegaler Kriegsfinanzierung dürfte ein Federstrich sein und spart x Mrd. im Jahr die bei EU und Ukraine versickern.
Bürgergeld, Illegale Migrantenversorgung ….

Wir kommen nach beide nach einem Tag auf bestimmt 300 Mrd. Einsparungspotential …

Laurenz
30 Tage her
Antworten an  JamesBond

Sie müssen ja erstmal mit den Abteilungen kommunizieren, die Zahlen anfordern, Anweisungen & Verordnungen diktieren. Da Ihnen das nicht bewußt ist, scheinen Sie eher zu den Klingbeils unter unseren Mitbürgern zu gehören.