7.500 Kilometer hin, 7.500 Kilometer retour, um angeblich den "Flugbetrieb unter extremen klimatischen Bedingungen" zu testen: Deshalb sei die Bombardier Global 5000 der Bundeswehr-Flugbereitschaft aktuell auf den Seychellen.
picture alliance / Zoonar | Oliver Boehmer
Der Regierungs-Jet mit seinen 13 Executive-Sitzplätzen verbraucht pro 1.000 Kilometer etwa 1.100 Liter Treibstoff, bei den 15.000 Kilometern zu den Seychellen und retour werden somit mehr als 16.500 Liter Sprit verflogen. Allein das verursacht Kosten in der Höhe von 41.000 Euro. Dazu kommen noch die Ausgaben für die Besatzung, die nun auch schon seit Tagen im Inselparadies im Indischen Ozean ausharren muss.
Mit diesem Aufwand soll angeblich die „Aus- und Weiterbildung der Piloten und Besatzungen“ trainiert werden. Geübt würden unter anderem „Verfahren im unkontrollierten Luftraum, besondere Anflugmanöver sowie der Flugbetrieb unter extremen klimatischen Bedingungen – etwa in Äquatornähe, in der innertropischen Konvergenzzone und bei hohen Temperaturen“, erklärt dazu ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.
Und nach Angaben des Ministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur war die Maschine auf einem Übungsflug von Ägypten zur französischen Insel Réunion im Indischen Ozean unterwegs. Wegen eines technischen Problems habe sie am 11. August außerplanmäßig auf den Seychellen zwischenlanden müssen. „An der Behebung des Problems wird aktuell gearbeitet“, teilte der Sprecher mit. An Bord sei ausschließlich die Crew gewesen, keine Regierungsmitglieder. Die Besatzung sei wohlauf.
„Wer glaubt denn so einen Unsinn?“
„Übungsflug, Notlandung auf den Seychellen? Mit Verlaub, wer glaubt denn so einen Unsinn?“ – so zweifelt Hans-Georg Maaßen auf X an der nun vom Verteidigungsministerium verbreiteten Version zur Seychellen-Landung des Regierungsjets. Maaßen hatte zuvor bereits in einem X-Posting auf die strengen Richtlinien für den Einsatz der Flugbereitschaft hingewiesen.
Demnach dürfen die Maschinen grundsätzlich nur für amtliche Reisen genutzt werden, private Urlaubsflüge sind ausgeschlossen. Das kritische Posting von Maaßen wurde sofort von zahlreichen Social-Media-Usern kommentiert: Ein Regierungsjet, der mitten im indischen Ozean auf einer der teuersten Urlaubsdestinationen der Welt wegen eines technischen Defekts strandet – und das ausgerechnet auf einem angeblichen Trainingsflug von Ägypten nach Réunion – wirkt für viele etwas konstruiert. Auch dass die Bundeswehr bei der miesen finanziellen Situation der Streitkräfte knapp 50.000 Euro für eine derartige Übung ausgibt, sorgt für Kopfschütteln.


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