Grüne schließen auf: Milliardärssteuer soll angebliche Gerechtigkeitslücke schließen

Steuerpolitische Debatten in Deutschland kennen im Prinzip nur einen Vektor: Die Abgaben müssen steigen. In der seichten Gerechtigkeitsdebatte fließen deutsche Obrigkeitshörigkeit, Misstrauen gegenüber Unternehmern und Vermögenden sowie langsam emporkriechendes Ressentiment zusammen.

picture alliance/dpa | Michael Brandt

Wann ist in der deutschen Politik eigentlich genug? Geht es um das Verhältnis von Staat und freier Wirtschaft, herrscht Einigkeit im Brandmauer-Kartell: Der Staat kann niemals mächtig genug sein. Zudem bedarf das gemeine Volk ideologischer Korrekturarbeit – man weiß ja nie, was der „Souverän“ im Schilde führt.

Für viele Deutsche ist dieses Prinzip zur ideologischen Gewissheit geronnen, weshalb sich Gerechtigkeitsdebatten mit angeschlossener Steuerpolemik größter Beliebtheit erfreuen. Das gilt quer über die linkssozialistische Front hinweg bis zur Union, die, stehen Steuererhöhungen an, immer wieder als Stichwortgeberin auffällt.

Pars pro toto steht die Debatte über die Ausweitung der Erbschaftsteuer. Sie war der initiierende Diskussionsbeitrag von Leihmuttervater und Ferienweltmeister Jens Spahn – und damit die letztgültige Einordnung der Union in das linke Establishment. Der Grund liegt in der gruseligen Brandmauerdoktrin: Sie kettet die Partei an Rot und Grün, verhindert die Rückkehr zur bürgerlichen Politik und macht sie zur Vollstreckerin linksgrüner Vorhaben, vom Atomausstieg bis zur Neubesiedelung des Sozialsystems durch anhaltende Massenmigration. Noch immer wähnen sie sich im Adenauer-Haus, ganz links auf der Überholspur. Anders lässt sich der CDU-Vandalismus an der politischen Kultur dieses Landes wahrlich nicht mehr erklären.

Dass die Grünen nun mit einer Milliardärssteuer-Debatte aufwarten, dürfte in Unionskreisen daher mit einem Schulterzucken quittiert werden. Denn was bedeutet schon der Milliardär in einem Land, das seine erfolgreichen Individuen, Unternehmer, Top-Wissenschaftler und Investoren letztlich nur wie ökonomische Plünderungsmasse behandelt?

Caroline Otte, Finanzpolitikerin der Grünen im Bundestag und Mitinitiatorin der Milliardärssteuer-Idee, setzt zur Erklärung dieser famosen Idee wie gewohnt die Segel in den seichten rhetorisch-intellektuellen Gewässern der Grünen: „In Deutschland zahlt der Milliardär, dem die ganze Supermarktkette gehört, weniger Steuern und Abgaben als die Frau an der Kasse. Das ist nicht gerecht.“

Was Otte nicht weiß: Ihr Milliardär von nebenan betreibt zwar eine Supermarktkette, vertreibt sich aber noch lange nicht die Zeit wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher. Unternehmer oder Vermögensverwalter tragen Verantwortung für viele Beschäftigte, treffen strategische Entscheidungen, die unmittelbaren Einfluss auf die Existenz vieler Familien haben. Eine jährliche zusätzliche Vermögensabgabe würde einem solchen Betrieb Kapital entziehen und möglicherweise im Extremfall zu Standortverlagerungen mit Jobabbau führen. Aber was kümmert das einen politischen Karrieristen, dessen strategisches Ziel die Wiederwahl und letztlich die Pensionsversorgung ist, die es mit dem sozialpolitischen Füllhorn zu erobern gilt?

Otte liefert die moralische Rechtfertigung für die Sondersteuer gleich mit und bemüht einen gähnenden Klassiker: Wer über ein besonders großes Vermögen verfüge, solle nach Ansicht der grünen Zentralplaner nun einmal stärker zur Finanzierung des Staates herangezogen werden.

Abgesehen davon, dass diese Pauschalisierung statistisch widerlegter Unfug ist, leisten Vermögende in der Regel erhebliche fiskalische Beiträge: von Körperschaft- und Gewerbesteuern über die an ihre Mitarbeiter ausgezahlten Löhne bis hin zur Mitfinanzierung der Sozialversicherung. Damit tragen sie große Teile der Finanzierung des Gemeinwesens und des Luxus-Wohlfahrtsstaats, den sich dieses Land noch immer erlaubt. Eine simple Tatsache, die im ressentimenttriefenden deutschen Etatismus jedoch keine Rolle spielt.

Und selbst im Falle steinreicher Glückspilze oder fauler Erben: Da müssen wir emotional gleichgültig bleiben. Denn jeder Euro, der im privaten Sektor verbleibt und nicht in die Schmutzhände des Staatsapparats herabsinkt, ist ein Gewinn für die Freiheit und die Gesellschaft.

Deutsche Politik ist inhaltlich zunehmend weltfremd geworden. Sie ist das Ergebnis politischer Funktionäre, die nicht wissen wollen, wie schnell Kapital und Investoren auf ideologischen Unfug reagieren. Dort, wo Vermögensteuern eingeführt wurden, etwa in Frankreich oder Norwegen, wurden Vermögen schneller ins Ausland verlagert, als Sozialisten zugreifen konnten. Auch Berlin riskiert mit seiner Katastrophenwahl diese Abwanderung – doch das Milieu aus Islamo-Kommunisten, Sozialfaulenzern und NGO-Abstaubern hat noch einmal einen Pyrrhussieg errungen und wird sich für kurze Zeit im Gefühl des Triumphes suhlen.

Otte und ihre Grünen rühren daher kräftig im Ressentiment-Eintopf mit, aus dem immer dieselbe verdorbene Brühe überschäumt: Die Bevölkerung wird darauf vorbereitet, dass ihr Pleitestaat künftig verstärkt auf die Substanz der Bürger zugreifen wird, um liquide zu bleiben. Dabei spielt selbstverständlich keine Rolle, dass das Bundesverfassungsgericht vor drei Jahrzehnten der Vermögensteuer aufgrund der Berechnungsproblematik die rote Karte zeigte. Das ist lange her, und der Parteienstaat, der mit ungeheurer Geschwindigkeit in eine Staatsschuldenkrise gleitet, wird alles daran setzen, um das Geld seiner Bürger zu aktivieren, wie es so schön heißt.

Bundeskanzler Friedrich Merz schweigt zu dieser Debatte. Ein bekanntes Muster: Der Regierungschef ließ bislang sämtliche Abgabenerhöhungen ohne jeden Widerstand passieren – von den höheren CO2-Kosten über die Zuckersteuer und die erhöhten Alkohol- und Tabakabgaben bis zum höheren Spitzensteuersatz und allem, worauf sich diese Katastrophenkoalition sonst noch geeinigt hat. Auch Merz braucht für sein Leib-und-Magen-Projekt, den Aufbau einer neuen riesigen Militärmaschine, jeden Cent.

Triefende Gerechtigkeitsrhetorik ist daher nur ein medialer Türöffner: Entscheidend beim Substanztransfer wird die Armut sein, die die wachsende Staatswirtschaft vor sich herschiebt – ein bekanntes Muster, dem sich auch die Bundesrepublik nicht entziehen wird.

Es ist bezeichnend: Ausgerechnet dort, wo tatsächlich noch Werte geschaffen werden, wo sich Erfolg in Vermögensbildung niederschlägt, wird möglicherweise das finale Kapitel des sozialistischen Comebacks aufgeschlagen. Sozialisten verbrauchen ökonomische Substanz bekanntlich schneller, als die schrumpfende Leistungsklasse sie ersetzen kann – sie sind die Schlange, die sich vom Schwanz her selbst verspeist.

Unternehmer, Investoren und vermögende Familien sollten in den kommenden Jahren in Deutschland auf der Hut sein. Es ist nicht nur die völlig entgleiste Linke in Berlin, die sich mit offenen Enteignungsfantasien trägt. Sollte sich erst einmal ein Umverteilungsnarrativ verfestigt haben und eine verarmende Mittelschicht an die Seite der neuen Volkstribunen getreten sein, könnte es ungemütlich werden in einem Land, das sowieso traditionell zu einer fatalen Staatsgläubigkeit neigt.

Kommt es zur Kapitalflucht, wird es für viele eng, die jetzt noch das Hohelied der sozialen Gerechtigkeit anstimmen. Und auch die Kassiererin im Supermarkt des Milliardärs wird höchstwahrscheinlich ein Billet zur Arbeitslosigkeit gezogen haben.

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Kommentare ( 46 )

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K. Sander
9 Tage her

Vor 25 Jahren wurde Frau Schickedanz mit dem „Vermögen“ von 10 Mrd. Euro als reichste Milliardärin Deutschlands bezeichnet. Weil das Geld nicht da war, musste sie jedes Jahr Kredite beantragen. Zweimal hat sie es bekommen. Im dritten Jahr bekam sei keinen Kredit und die Firma Quelle ging in Insolvenz. Diese 10 Mrd. „Vermögen“ waren überhaupt nicht auf ihrem Konto. Das für die Firma gezahlte und schon versteuerte Geld wurde als „Vermögen “ bezeichnet. Mit zusätzlicher Vermögenssteuer wäre sie schneller in Insolvenz gegangen. Wenn eine Firma nicht ausreichend Geld hat, ist die schnell weg, die Arbeitnehmer werden zu Arbeitslosen und die… Mehr

Ich will Frieden
10 Tage her

Ab wann gilt im Sozialismus mit ehrlicher Arbeit, Fleiß, unermüdlichem Einsatz und etwas fortune erworbenes Vermögen eigentlich als ungerecht (vielleicht demnächst sogar als strafbar?) und wer entscheidet darüber? Mich kotzt – obwohl ich nicht zu der vermögenden Klasse gehöre – diese ewige Neid-debatte der Habenichtse, Schulabbrecher und Leistungsverweigerer/Faulenzer maßlos an!

Ralle002
10 Tage her

Das Wahlprogramm der Grünen besteht eher nur aus Worthülsen. Die Grünen wollen etwa das Rennen um den ersten klimaneutralen Wirtschaftsstandort gewinnen. Es müsste zudem in den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft investiert werden. Annalena Baerbock und Robert Habeck prägten etwa den Begriff der sozial-ökologischen Marktwirtschaft. Der Markt solle den Klimaschutz nicht allein regeln, sondern durch klare Gesetze und CO₂-Preise gelenkt werden. Dass es in Wirklichkeit gar keinen Markt gibt, weil wir ein Kreditgeld- bzw. Schuldgeldsystem haben, erfahren wir von den Grünen eben gerade nicht. Frau Baerbock war für das Programm der Young-Global-Leaders des WEF nominiert. Cem Özdemir engagiert sich für mehrere… Mehr

verblichene Rose
10 Tage her

Wie schön war es doch noch, als sich die Grünen um den Sauren Regen und die Wälder kümmerten…😆✊🤮

Ich will Frieden
9 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

war das vielleicht die Zeit bevor sich die Grünen mit dem „Bündnis 90“ vereint haben? Mit dem „Bündnis 90“ wurden die Grünen vom Sozialismus-Virus infiziert mit dem Ergebnis, daß der Natur- und Umweltschutz nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.- Aber man muß die „Öko-Platte“ ab und zu abspielen (insbesondere vor anstehenden Wahlen!), damit die Altwähler der Grünen nicht realisieren, wie sich diese Partei inzwischen in Richtung links verändert hat!

Petra G
10 Tage her

Abgesehen davon, dass die Grünen ganz normale Kommunisten waren, die niemand leiden konnte, bevor sie den Umweltschutz für dich entdeckten, unterliegt ihre ansonsten brilliante Analyse einem kleinen Irrtum.
„…über die an ihre Mitarbeiter ausgezahlten Löhne bis hin zur Mitfinanzierung der Sozialversicherung….“

DAS sind für den AG Lohnkosten. Ihm ist es egal, ob er es an den AN, oder an die Sozialkassen überweist, daher trägt der AN die Sozialversicherungskosten ganz alleine! Die Formulierung erweckt zudem den Eindruck einer Freiwilligkeit, was nicht der Fall ist.
Seinen Lohn erhält der AN aufgrund eines Arbeitsvertrages= Zeit gegen Geld.

Jens Frisch
10 Tage her

„Wer über ein besonders großes Vermögen verfüge, solle nach Ansicht der grünen Zentralplaner nun einmal stärker zur Finanzierung des Staates herangezogen werden.“
Zu Erhards Zeiten begann der Spitzensteuersatz beim 18-fachen des durchschnittseinkommens – heute beim 1,5 fachen:
Die Mittelschicht wird ausgerottet!

Ich will Frieden
9 Tage her
Antworten an  Jens Frisch

Wohl den Habenichtsen, Schulabbrechern und Leistungsverweigerern/Faulenzern! Denn wo nichts zu holen ist, „hat der Kaiser sein Recht verloren“! Dafür können diese Leute dann in Talk-shows damit prahlen, wie clever sie es in ihrem Leben angestelllt haben, um ohne große Anstrengung (ok, vielleicht gelegentlich beim Kinder zeugen!) in der gesellschaftlichen Hängematte ein schönes Leben genossen zu haben! -Übrigens „besonders großes Vermögen“ ist nur eine Frage der Definition! Mit solchen Formulierungen führt man den „Otto Normalverbraucher mit kleinem Häuschen und Garten“ hinter die Fichte!

curryculum
10 Tage her

Grüße aus Zypern. Ich bin zwar kein Milliardär, aber Zwangsrentenbeitrag und Reichsfluchtsteuer reichten mir als K.O.-Kriterien. Startup ist als Limited gegründet in einem Land, wo ich das meiste, was ich erwirtschaften werde, behalten darf.

Thorsten
10 Tage her

Für jeden Milliardär ist dann „flüchten“ billiger als die Steuern zu bezahlen.

Werner Geiselhart
10 Tage her

Vom deutschen Wahlmichel ist da wenig zu erwarten. Ich mache viel bei Civey Rundfragen mit und habe langsam die Hoffnung aufgegeben, dass der Wähler irgendwie eine Ahnung hat, welches die wirklichen Ursachen der Misere sind. Beispiele: Eine Übergewinnsteuer befürworten 80%, eine Reichensteuer 75%, den verstärkten Ausbau der „Erneuerbaren“ 65%, die Abschaffung der Privaten KV 70%, usw. Also alles Forderungen, die dem deutschen Neidbürgertum zu eigen sind, die aber genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich getan werden müsste. Viel ist natürlich der Dauerpropaganda des Mainstreams geschuldet, das entbindet aber nicht von der Möglichkeit, selbst zu denken und sich in… Mehr

Deutsche
10 Tage her

Die einzige Frage für diese Leute.
Von wessen Geld können wir sonst noch leben. Bald gehen denen die Möglichkeiten aus.
Alles ruinieren, denn Werte schaffen können sie offensichtlich nicht und dann „wegen der Gärächtigkeit“ anfangen zu enteignen.
Wann schnallen die Deutschen es endlich, dass manchmal nette Sprüchlein direkt in die „Hölle“ führen.

Last edited 10 Tage her by Deutsche