CDU Baden-Württemberg: Manuel Hagel küsst den Grünen den Ring

Die AfD schlägt CDU-Mann Manuel Hagel als Ministerpräsident vor. Hagel lehnt ab und will lieber Cem Özdemir wählen. Baden-Württemberg sieht damit im Zeitraffer, was aus der CDU geworden ist.

picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Die CDU hatte einmal den Anspruch, das bürgerliche Lager zu führen. Das klingt heute wie eine sehr ferne Erinnerung aus Schwarzweißzeiten. In Baden-Württemberg wurde nun vorgeführt, was von diesem Anspruch übrig geblieben ist: ein CDU-Spitzenkandidat, der zum Ministerpräsidenten vorgeschlagen wird und sofort versichert, dass er für dieses Amt selbstverständlich nicht zur Verfügung steht.

Die AfD schlug Manuel Hagel im Stuttgarter Landtag als Ministerpräsidenten vor. Miguel Klauß begründete das mit dem Satz: „Die Bürger von Baden-Württemberg haben Mitte-Rechts gewählt.“ Der Vorgang war wirksam: Die AfD legte der CDU die Machtfrage direkt auf den Tisch. Hagel hätte sie politisch aufnehmen, kontern oder mit einem letzten Funken Machtinstinkt nutzen können. Stattdessen sprang er sofort zur Seite, als habe man ihm nicht das Amt angeboten, sondern eine ansteckende Krankheit. Die CDU trat nicht nach vorn. Sie zeigte den Fluchtreflex einer Partei, die für nichts mehr steht. Nicht einmal für sich selbst.

Hagel meldete sich umgehend und erklärte, er stehe nicht zur Verfügung. Stattdessen verwies er auf die Koalitionsvereinbarung mit den Grünen, nach der Cem Özdemir Ministerpräsident werden soll. Das ist die christdemokratische Staatsräson: Wenn Bürger Mitte-Rechts wählen, sorgt die CDU zuverlässig dafür, dass am Ende Grün regiert. Küss den Ring Deines grünen Bischofs, Manuel.

Besonders schön war Hagels Satz: „Es gibt eine Verantwortung, die ist größer wie man selber, und mit der deutschen Christdemokratie und mit diesem Parlament machen sie keine Spielchen.“ Man hört darin den ganzen Schmodder einer Partei, die ihre Würde längst gegen Koalitionsfähigkeit eingetauscht hat. Mit der deutschen Christdemokratie macht niemand Spielchen. Die Reste der Partei erledigen ihre eigenen Leute schon selbst, effizienter und nachhaltiger als das jemand anderes könnte.

Formal konnte Hagel den Vorschlag gar nicht ablehnen. Die Wahlordnung des Landtags sieht das nicht vor. Politisch aber war die Geste eindeutig. Die CDU wollte nicht einmal mehr den Eindruck erwecken, sie könne aus eigener Kraft führen wollen. Lieber betont sie ihre Treue zu den Grünen, bevor auch nur ein Verdacht aufkommt, sie habe noch irgendeinen eigenen Machtwillen.

Nun ist dieser Ereignis aus Baden-Württemberg zwar aktuell, aber gewiss kein Sonderfall. Es ist die Bundes-CDU im Brennglas. Die Merz-CDU macht noch jedes Mal den Kotau vor der Klingbeil-SPD, nennt es staatspolitische Verantwortung. Sie hat sämtliche ihrer Positionen für eine warme Linsensuppe ausverkauft, in die ihr die SPD voll Wonne immer wieder reinspuckt. Und die CDU löffelt diese Spuckesuppe liebend gerne immer wieder aus – bis zum Grund. Die SPD zeigt der CDU immer wieder, wo ihr Stuhl ist und was sie noch zu melden hat, während wahlweise sie selbst oder das ganze Land unter rotrotgrüner Politik gefistet wird. Anschließend wundern sich die CDUler, dass niemand mehr weiß, wofür sie eigentlich noch stehen und warum man sie denn dann überhaupt noch wählen soll.

Dabei hätte selbst dem letzten klar sein müssen, wie erledigt und entkernt diese Partei ist, als man sich entschloss, keinen Gegenkandidaten zu Frank-Walter Steinmeier aufzustellen. Sie hat auf klare Gegnerschaft verzichtet, sie hat sich selbst zur Begleitmusik des rotrotgrünen Betriebs gemacht.

In Berlin unterwirft sich Kai Wegners CDU längst einem linken Milieu, das sie verachtet, aber duldet, solange sie brav mitmacht. Nun plädiert diese CDU sogar für das linke Lieblingsprojekt der Vermögensbesteuerung. Früher kämpfte die Union gegen sozialistische Begehrlichkeiten. Heute reicht sie ihr wie ein artiger Sub die Räuberleiter.

Der Kern ist einfach: Die CDU will nicht mehr führen. Sie will nur noch dabei sein dürfen. Dieses „dürfen“ ist entscheidend. Es ist der Gnadenakt von SPD, Grünen und Linken, die der Union gelegentlich ein paar Posten lassen, solange sie sich zuverlässig kleinmacht. Dafür küsst sie bei jeder Gelegenheit die Füße derer, die sie politisch längst entkernt haben.

In Stuttgart war nun die perfekte Szene dazu zu sehen. Ein CDU-Mann wird vorgeschlagen um Ministerpräsident zu werden. Ein CDU-Mann erklärt sofort, dass er lieber einem Grünen den Weg freimacht. Mehr muss man über den Zustand dieser Partei nicht wissen.

Die Bürger haben es verstanden. Im Bund wußte man es längst. In Baden-Württemberg wurde es nur noch einmal protokolliert: Die CDU steht für gar nichts mehr außer für die Hoffnung, im Vorzimmer der Macht noch einen Stuhl zu finden. Aber wie bei Musical Chairs ist auch das Spiel bald vorüber.

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Kommentare ( 82 )

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82 Comments
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simon
1 Monat her

Frau Taxidis, Ihre messerscharfe Analyse ist Pflichtlektüre! Voll auf die Zwölf, hervorragend!

Enrico
1 Monat her

Ich stufe diesen Vorschlag der AfD als einen klug gewählten Schachzug ein. Ein bißchen (freche) Bauernschläue steckt da mit drin, aber das passt schon. Man darf einfach die Gelegenheit nicht versäumen, einen dermaßen bornierten blasierten Gegenüber zu blamieren.
Leider bekommt diese unsägliche (bizarre!) Reaktion von Hrn. Hagel kaum jemand in der Öffentlichkeit mit.
Und das ist doch das eigentliche Dilemma.
Im SWR z.B. knallen die Champagnerkorken. Ist bis auf die Filderebene hier zu hören, ehrlich.

maps
1 Monat her

Die CDU ist eine Täterpartei und hat dieses Land zerstört, sie beweist es tagtäglich auch hiermit wie skrupelos diese CDU Verbrecher sind.

Or
30 Tage her

„Manuel Hagel küsst den Grünen den Ring“

Chapeau, Frau Taxidis !
Hervorragende Formulierung !
Mir wäre eine etwas deftigere, vulgärere Paraphrase eingefallen, die aber dann natürlich nicht zitierfähig ist.

Aber so oder so, beschreibt es doch, wie Ihre anderen Beispiele, das nur noch jämmerliche, anbiedernde Verhalten der Klatschhäschenpartei.

Klaus Uhltzscht
30 Tage her

Sehr lächerlich im anatolischen Schwabenland sind auch die Grauen Wölfe, die faschistische türkische Partei in der BRD. Jeder weiß, daß z.B. 20% der Arbeiter an den Montagebändern von Porsche Zuffenhausen die wählen.
Und, hört man etwas von denen? Nein. Schlafschafe, genau wie die Deutschen.
Mit denen kann man alles machen.
Es stimmt wohl, daß Faschismus Links ist.

Der kleine Muck
30 Tage her

Und was wäre passiert, hätte Hagel sich mit den Stimmen der AfD zum MP wählen lassen? Das Schicksal von Kemmerich wollte er sich wohl ersparen.

HansKarl70
30 Tage her

Mit dem Mann wird die cdu nicht weit kommen,

Klaus Uhltzscht
30 Tage her
Antworten an  HansKarl70

Doch.
Sie hat Posten, Staatsknete und Zugriff auf das staatliche Gewaltmonopol.

Wilhelm Rommel
1 Monat her

„Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Das, was Erich Kästner seinerzeit (1932) als absolutes No-Go beschrieb, ist doch bei dieser seit Jahrzehnten durchgesiebten und weichgespülten Kapaunen-Combo inzwischen ganz und gar ‚gesellschaftsfähig‘ und überaus karrierefördernd – man schaue sich nur mal all diese Schnullis an, die das ‚Lange Elend‘ ebenso umschwärmen wie seinerzeit (und möglicherweise heimlich noch immer) die gottgleiche ‚Aniela Soljanka‘ aus der Uckermark! Und wenn Sie so köstlich-spitze Sprachbilder einsetzen wie den Ring- und Fußkuss, verehrte Frau Taxidis: Ich kann mir vorstellen, dass… Mehr

Last edited 1 Monat her by Wilhelm Rommel
Eddy08
1 Monat her

Wenn diese angebliche Elite in D und Eulanden ihre Arbeit fertig erledigt habt,werden nicht nur Cduler ihr hab und gut für ein Schälchen warme Linsensuppe geben. Wir werden froh sein wenn sie uns die Linsen noch erlauben.

Chrisamar
1 Monat her

Baden – Württemberg die erste Generation hat nach dem Krieg die Industriearbeitsplätze geschaffen und ihren Kindern, den heutigen „Boomern“, in die Arbeit in der Industrie verbracht. Auch viele Einwanderer haben die Chance auf Arbeit und Wohlstand durch Industriearbeitsplätze damals genutzt. Die Kinder und Enkel der „Boomer“ wollten nicht am Industrieroboter in ungeheizten Werkshallen „schaffen“. Weil mit den hohen Steuereinnahmen, auch der Beamtenstand immer weiter ausgebaut wurde, fanden sehr viele Kinder und Enkel der „Boomer“ Arbeitsplätze im ÖD. Die besten und begabtesten Kinder und Enkel der „Boomer“, wanderten ab ins Ausland. Z.B. in die Schweiz. Wo noch bessere Löhne gezahlt wurden… Mehr

Last edited 1 Monat her by Chrisamar
Konradin
1 Monat her

Die groteske Karikatur des CDU-Klassenstrebers ist nun doch kein Minischterpräschident geworden – aber keine Sorge, er strebt weiter. Aber nur mit den Grünen an seiner Seite! Derweil sind die Grünen bei CDUCSU so hoch im Kurs wie noch nie und wie keine andere Partei. Sogar Seehofer hält Lobeshymnen auf den scheidenden Kretschmer. In Berlin trifft man sich vermehrt. Schwarzgrüne ind Grüngrüne sind fast schon am sondieren. Die nächste schwarzgrünrote Linkskartellparteienkoalition wird als Plan B schon vorbereitet. Wenn´s nicht reicht, steht Kubicki parat wie ein Specht – vorausgesetzt er ködert genügend tumbe FDP-Wähler für 5% über´n Durst. Hagel und Özdemir erinnern… Mehr

HansKarl70
30 Tage her
Antworten an  Konradin

Das ist vermutlich schon sowas wie ein Koalitionskoller. Mein Beileid!

Last edited 30 Tage her by HansKarl70
maps
1 Monat her

Die Täterpartei CDU wählt lieber den grünen Sozialismus als den eigenen Mann und den eigenen Sozialismus! Keiner braucht mehr diese Verbrecher von der CDU.

Siggi
1 Monat her

Für gewöhnlich trägt man den Ring etwas höher. Diese Leckerei der CDU/CSU bei den Grünen, ist mittlerweile unerträglich. Diese unglückliche Allianz bringt uns nur weiter in den Abgrund. Was muss noch passieren, bis die CDU/CVSU begreift, dass es mit ihr sehr schnell vorbei sein kann?

Die Wahl in Sachsen-Anhalt wird von einem Warnschuss zur Atombombe für diese Koalition der Uneinsichtigen und Unfähigen.