7000 Migranten noch immer in Ceuta: EU soll nun bei Asylanträgen helfen

Noch kürzlich behaupteten einige Medien und sogar EU-Politiker, dass „alle“ Migranten, die Spaniens nordafrikanische Exklave Ceuta erstürmt haben, diese wieder verlassen haben – und jetzt soll die EU dabei helfen, dass 7000 der Invasoren Asylanträge stellen können.

picture alliance/dpa | Sven Kaeuler
Migranten demonstrieren am Strand Playa Del Trampolin in Ceuta für Asyl in Spanien

Spanien hat die Europäische Kommission um Unterstützung durch Frontex und Europol bei der Überprüfung von Migranten gebeten, die sich irregulär in Ceuta aufhalten. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hat die EU ersucht, dass Frontex, Europol und die Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) „die Behörden vor Ort verstärken, um die Steuerung der Sichtung und die anschließende Bearbeitung der Personalakten der Einwanderer zu bewältigen, die sich noch irregulär in Ceuta aufhalten“.

Das Innenministerium forderte außerdem die Verlängerung der Operation Minerva, einer gemeinsamen Initiative der spanischen Polizei und der EU-Grenzschutzbehörde Frontex.

„Praktisch alle“ weg?

Dieses Ersuchen um eine massive EU-Unterstützung bei der Ceuta-Krise zeigt, was von den Aussagen des österreichischen EU-Migrationskommissar Magnus Brunner vom 31. Juli zu halten ist – Brunner damals wörtlich:

„Ich hatte ein Telefonat mit Minister Albares. Er informierte mich, dass nach den anhaltenden Bemühungen praktisch alle, die nach Ceuta eingereist waren, zurückgekehrt sind. Nicht eine einzige Person ist ins Festland der EU übergetreten. Wir bleiben in engem Kontakt und sind mit Ministern in ganz Europa in Verbindung.“

7000 der Ceuta-Invasoren sind jetzt also noch immer in der 80.000-Einwohner-Stadt, dass „praktisch alle“ (Brunner) wieder zurück nach Marokko gegangen wären, entspricht wohl kaum der Wahrheit. Die Darstellung des EU-Kommissars wurde übrigens damals auch gern von mehreren bekannten Medien übernommen, obwohl Video-Berichte auf Youtube eine ganz andere Situation zeigten.

Migranten attackierten auch Polizeifahrzeug

Wie berichtet, haben am 30. und 31. Juli etwa 80.000 Menschen aus Marokko die kleine Exklave gestürmt, viele von ihnen schwammen um die Grenzzäune herum. Nach Schätzungen der spanischen Regierung befinden sich jedoch noch 7000 Migranten in Ceuta; lokale Angaben liegen teilweise höher.

Ceuta und Melilla sind die einzigen Gebiete des EU-Territoriums mit einer direkten Landgrenze zu Afrika. Die Lage in der nur 18 Quadratkilometer großen Stadt hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verschlechtert: Einen Monat nach dem Ansturm kam es am Donnerstag auch zu gewaltsamen Zusammenstößen. Demonstranten, die die Abschiebung der Verbliebenen forderten, blockierten Hilfstransporte des Roten Kreuzes und setzten provisorische Unterkünfte von Migranten an den Stränden Trampolín und Benítez in Brand. Die spanische Polizei setzte Tränengas ein und feuerte mit Gummigeschossen auf die protestierenden Landsleute.

Und es werden immer mehr Straftaten der Migranten bekannt: In den frühen Morgenstunden des Donnerstags umzingelten Dutzende Männer – nach Angaben der Behörden marokkanische Staatsangehörige, die bei dem Ansturm Ende Juli eingereist waren – ein spanisches Militärfahrzeug im Stadtteil Benzú und bewarfen es mit Steinen und anderen Gegenständen. Dabei wurden Soldaten leicht verletzt; die Scheiben des Fahrzeugs zerbrachen. Die Militärs mussten zu Fuß flüchten und Verstärkung anfordern. Die Polizei nahm daraufhin zwölf Personen fest, sämtlich marokkanische Staatsbürger. Einige Beteiligte versuchten, sich schwimmend der Festnahme zu entziehen.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 0 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen