Belgien: Waldbrand offenbar durch Mäharbeiten ausgelöst

Belgiens größter Waldbrand seit 1911 begann offenbar bei Mäharbeiten im staatlich verwalteten Hohen Venn. Trotz extremer Trockenheit ließ die Naturbehörde dort Maschinen einsetzen, die bei Kontakt mit Stein Funken schlagen. Politik und Medien sprachen natürlich aber wieder früh von Klimawandel.

picture alliance/dpa | Christoph Reichwein

Belgiens größter Waldbrand seit mehr als hundert Jahren hat einen sehr wahrscheinlichen Ausgangspunkt, der für die zuständigen Behörden hochproblematisch ist. Nach Recherchen des öffentlich-rechtlichen Senders RTBF begann das Feuer offenbar auf einer Fläche des wallonischen Département de la Nature et des Forêts (DNF). Dort arbeitete am 14. August ein privater Auftragnehmer mit einer Mähmaschine.

Das Feuer brach gegen Mittag im Hohen Venn nahe der deutschen Grenze aus. Das Natura-2000-Gebiet liegt auf der Hochebene von Lüttich. Bis zum 20. August verbrannten mehr als 3.366 Hektar. Die Behörden sprechen vom schwersten Brand dieser Art in Belgien seit 1911.

RTBF rekonstruierte den Ursprung mit Satellitenbildern des Copernicus-Programms und Amateuraufnahmen von Fallschirmspringern. Der mutmaßliche Ausgangspunkt liegt auf einer rechteckigen Parzelle an der Allée du Grand Fossé, rund 300 Meter westlich von Croix Mockel. Auf den Satellitenbildern ist die Fläche am 10. August noch grün. Am 14. August erscheint ein Teil grau. Das entspricht dem Bild einer kurz zuvor gemähten Fläche.

Die Parzelle gehört zur DNF-Direktion Malmedy. Die Behörde bestätigte, dass dort an diesem Tag Pfeifengras entfernt wurde. Die Arbeiten dienen der Wiederherstellung der Artenvielfalt im Schutzgebiet. Früher erledigte die Behörde diese Aufgabe selbst. Seit zwei Jahren werden private Firmen damit beauftragt. Das Unternehmen, das am 14. August vor Ort arbeitete, wollte sich gegenüber RTBF nicht äußern.

Die eingesetzte Technik könnte für die Ermittlungen entscheidend werden. Jean-Luc Evrard, Geschäftsführer eines Unternehmens, das entsprechende Mähmaschinen verkauft und repariert, erklärte gegenüber RTBF, Schlegelmäher arbeiteten mit rund 2.000 Umdrehungen pro Minute. Und beim Kontakt mit Steinen können Funken entstehen.

Evrard bezeichnete den Einsatz einer solchen Maschine unter den bekannten Dürrebedingungen als absolut „skandalös“. Mechanisierte Arbeiten auf derart trockenen Flächen seien ausdrücklich nicht empfohlen gewesen.

Für das Hohe Venn galt zu diesem Zeitpunkt eine hohe Brandgefahr. Ein Mähverbot bestand dennoch nicht. Der Gouverneur der Provinz Lüttich, Hervé Jamar, hatte zuvor eine Polizeiverordnung mit Verboten für brandgefährliche Tätigkeiten erlassen. Der Einsatz entsprechender Fahrzeuge wurde darin nicht erfasst. Fähigkeit zum Mitdenken offenbar auch nicht.

Gerade bei einem Moor wie dem Hohen Venn ist der Zustand des Bodens entscheidend. Intakter Torf ist stark wassergesättigt. Die obere Schicht enthält normalerweise rund 90 Prozent Wasser. Ein hydrologisch gesundes Hochmoor entzündet sich nur schwer. Das Hohe Venn war über Jahrzehnte entwässert worden. Auch Fichtenanpflanzungen veränderten den Wasserhaushalt. Die sommerliche Trockenheit trocknete die Oberfläche zusätzlich aus. Das Feuer konnte dadurch in den Torf eindringen und dort weiter schwelen. Solche Brände sind besonders schwer zu löschen. Glutnester können tief im Boden erhalten bleiben und später erneut aufflammen. Die Wiederherstellung zerstörter Moorflächen dauert häufig Jahrzehnte. Bei der Verbrennung von Torf wird gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt. Messungen ergaben zudem hohe Feinstaubkonzentrationen in Windrichtung des Brandes. Eine vollständige Bilanz der Emissionen liegt bislang nicht vor.

Politische Reaktionen folgten allerdings reflexhaft wieder einmal sehr schnell. Regierungsvertreter und Klimaaktivisten erklärten den Brand zu einem Warnsignal für den Klimawandel. Innenminister Bernard Quintin kündigte einen nationalen Resilienzplan an, in dem die Gefahr klimabedingter Waldbrände stärker berücksichtigt werden soll. Es ist immer der gleiche immer durchschaubare Sermon.

Die Staatsanwaltschaft Lüttich hat ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung eröffnet. Untersucht wird die mögliche Verursachung durch ein landwirtschaftliches Fahrzeug. Zwei Sachverständige wurden mit der Klärung beauftragt. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit monatelangen Ermittlungen. Walloniens Ministerpräsident Adrien Dolimont hat angekündigt, die Präventionsmaßnahmen nach vollständiger Sicherung des Gebiets überprüfen zu lassen.

Für die wallonische Politik ist der Fall besonders heikel, weil bereits die Flutkatastrophe von 2021 Fragen nach staatlicher Mitverantwortung ausgelöst hatte. Damals kritisierte Damien Ernst, Professor an der Universität Lüttich, den Umgang mit der Eupener Talsperre scharf. Er sprach von einem „kolossalen Fehler“ und warf den Verantwortlichen vor, den Stausee vor den angekündigten Regenfällen nicht ausreichend abgesenkt zu haben.

Nun steht erneut die Frage im Raum, ob eine Naturkatastrophe durch behördliche Entscheidungen erheblich verschärft oder sogar ausgelöst wurde. Im Hohen Venn führt die entscheidende Spur ausgerechnet auf eine Fläche jener Verwaltung, die das Schutzgebiet bewahren soll.

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Kommentare ( 1 )

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Kassandra
44 Minuten her

Heute früh schrieb zudem ein Mitkommentator:
„Der Hürtgenwald ist auf gut 300 ha abgebrannt. Traurig.
Es trifft sich aber vortrefflich, das auf 222 ha dieser Fläche der Windpark „A Rennweg“ errichtet werden soll.
Gegen diesen Windpark gab es erheblichen, der Wald muß weg, Wiederstand.
Das hat sich nun erledigt. Der Wald ist weg. Braucht niemand mehr protestieren. „A Rennweg“ kann kommen.“    https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/bei-prognos-44-prozent-afd-in-sachsen-anhalt-was-bahnt-sich-bei-der-briefwahl-an/#comment-3554534