Autofahrer rast nach Streit in Menschenmenge – zwei Tote in Caen

Ein russischer Staatsbürger tschetschenischer Herkunft fährt nach einem Streit vor dem Bahnhof von Caen gezielt in eine Menschengruppe. Zwei Männer sterben, neun werden verletzt. Die Ermittler vermuten einen Racheakt.

picture alliance / MAXPPP | Léopold Picot

Ein 26 Jahre alter russischer Staatsangehöriger tschetschenischer Herkunft soll am Mittwochabend vor dem Bahnhof der nordfranzösischen Stadt Caen mit hoher Geschwindigkeit gezielt in eine Gruppe von Männern gefahren sein. Zwei Menschen starben, neun weitere wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer. Das teilte Staatsanwalt Joël Garrigue am Donnerstagvormittag mit.

Die Tat ereignete sich gegen 22.15 Uhr vor dem Bahnhof von Caen. Dort hielten sich zahlreiche Menschen vor einem Lokal sowie unter einem Wartehäuschen auf. Nach bisherigen Ermittlungen war der Tatverdächtige zuvor von mehreren Männern angegriffen worden. Er entfernte sich, stieg in sein Auto und kehrte zurück. Anschließend fuhr er über eine Busspur gezielt auf die Männer am Wartehäuschen zu. Dabei erfasste er auch Unbeteiligte, die dort auf einen Bus warteten.

Der Präfekt des Départements Calvados, David Clavière, erklärte noch in der Nacht, das Fahrzeug sei „vorsätzlich auf Fußgänger zugerast“. Augenzeugen berichteten, der Wagen sei mit sehr hoher Geschwindigkeit herangerast; mehrere Menschen seien auf die Motorhaube geschleudert worden.

Ein 35 Jahre alter Afghane starb noch am Tatort. Ein zweiter, 28 Jahre alter Mann, nach Angaben der Staatsanwaltschaft vermutlich ebenfalls afghanischer Staatsangehöriger, wurde mit Herz-Kreislauf-Stillstand in das Universitätsklinikum von Caen eingeliefert und starb dort in der Nacht. Neun weitere Männer im Alter zwischen 17 und 36 Jahren wurden verletzt. Mehrere erlitten Brüche an den Beinen. Unter den Opfern befinden sich nach Polizeiangaben außerdem Franzosen sowie Staatsangehörige Ägyptens, Bangladeschs und des Sudan. 45 Feuerwehrleute und 25 Polizisten waren im Bahnhofsviertel im Einsatz.

Nach dem Angriff raste der Fahrer davon. Anhand der Aufnahmen der Überwachungskameras konnten die Ermittler seinen Fluchtweg nachvollziehen. Gendarmen nahmen ihn wenig später rund 20 Kilometer nördlich von Caen an der Kanalküste in Ouistreham fest. Der 26-Jährige befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam.

Der mutmaßliche Täter lebt nach Angaben des Staatsanwalts mit gültigem Aufenthaltstitel in Frankreich und ist bislang nicht strafrechtlich verurteilt worden. Den Nachrichtendiensten war er nicht bekannt; bei der Polizei war er lediglich wegen Verkehrsdelikten registriert. Zum Zeitpunkt der Tat war er nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht alkoholisiert.

In seiner ersten Vernehmung gab der Mann an, er sei zuvor auf dem Bahnhofsvorplatz angegriffen worden. Ob diese Darstellung zutrifft und wer an der vorausgegangenen Auseinandersetzung beteiligt war, wird anhand von Zeugenaussagen und Aufnahmen der Überwachungskameras geprüft.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes („assassinat“), versuchten Mordes und vorsätzlicher Gewalt mit einer Waffe. Der französische Begriff „assassinat“ bezeichnet eine vorsätzliche Tötung mit vorheriger Planung oder Überlegung, das Auto wird dabei juristisch als Waffe eingestuft.

Mit den Ermittlungen wurde die auf schwere und organisierte Kriminalität spezialisierte Abteilung des Départements beauftragt. Derzeit gehen die Ermittler weder von organisierter Kriminalität noch von einem terroristischen Hintergrund aus. Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Untersuchungen erst begonnen hätten. Vorerst deutet alles auf einen Racheakt nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung hin: Der Tatverdächtige soll nach dem Streit weggegangen, mit dem Auto zurückgekehrt und bewusst in die Gruppe gefahren sein.

Caens Bürgermeister Aristide Olivier sprach von einem „absoluten Drama“. Zugleich räumte er ein, dass es aus dem Bahnhofsviertel bereits zuvor Beschwerden und Warnungen gegeben habe. Die Stadt sei dort wegen Drogenhandels und anderer Sicherheitsprobleme täglich im Einsatz. Nach der tödlichen Tat müsse die Zusammenarbeit mit der nationalen Polizei verstärkt werden, erklärte der Bürgermeister. Das klingt reichlich hilflos.

Ganz normales Zusammenleben also, auch in Frankreich – es muss täglich ausgehandelt werden.

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Kommentare ( 3 )

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Siggi
30 Minuten her

In der Näher von Berlin ist ja auch gerade wieder ein Amoklauf passiert. Jeden Tag die grenzenlose Gewalt der Schutzsuchenden.

karlotto
39 Minuten her

Tschetschene , ich dachte das sind unsere Freunde ?

Deutscher
42 Minuten her

Sieht nach einem innermigrantischen Problem aus. Für mich soweit ok, nur wäre es mir recht, wenn sie es in ihrer Heimat täten.