Die Rettung der Marke Gillette naht nun aus der Ferne: Wo Männer noch Männer sein dürfen. Australien. Der dortige Unternehmensableger nimmt sich den Mann aller Männer zum Rollenmodell: den Feuerwehrmann.
Screenprint: YouTube/Gillette
Vor einer kurzen Ewigkeit kam das Buch „Die geheimen Verführer“ auf den Markt. Endlich hatte ein Wissenschaftler die Systematik der Werbung kausal hergeleitet und den großen Wurf gewagt: Werbung ist böse! Es nutzt die Schwächen des Menschseins gezielt aus, um uns zu Sklaven der Warenwelt zu machen. Nicht der einzelne ist schuld, sondern es ist „das System“, wahlweise „die Gesellschaft“ mit ihren perfiden Ausprägungen, das das Denken in Bahnen lenkt, in denen das „freie Menschengeschlecht“ gar nicht denken würde. Die Kollektivierung des Blödsinns nicht individuell immanent, sondern konspirierend gesteuert. Ecce homo – seht da der arme Mensch. Die Transformation von Verantwortlichkeiten ist ein Wesensmerkmal der Postmoderne. Sie geht dahin, dass der Einzelne das Produkt seiner Umstände ist. Von Rousseau über Kant, Marx bis hin zu Konstantin Wecker gibt es eine possierlich-handliche Vorbereitung dieses Gedankens über die Schaumkronen unserer Geschichte.
https://www.youtube.com/watch?v=CbaLCoZY7wo
Die Rettung der Marke naht nun aus der Ferne: Dort, wo Männer noch Männer sein dürfen. Australien. Der dortigen Unternehmensableger nimmt sich den Mann aller Männer zum Rollenmodell: den Feuerwehrmann. Weltweit handelt es sich um die Berufsgruppe mit dem höchsten Berufsprestige. Zurecht. Der aktuelle Werbespot zeigt uns ein Prachtexemplar mit einem anglophilen Kinn, das leichterdings ganz Berlin-Marzahn zermalmen könnte. Sein Gang ist bestimmt, sein Gesichtsausdruck klar. Pflichtbewusstsein prägt die Präsenz. Er geht unerschrocken, bedächtig und furchtlos durch das Feuer … für uns alle und macht uns klar, dass die glatte Rasur Voraussetzung für den einwandfreien Sitz der Atemmaske ist. Als Mann rettet er, als Vater der seine süße Tochter umarmt, zeigt er uns, dass Heldentum eine asymmetrische Architektur kennzeichnet.
All das ziemlich unkorrekt: Keine Feuerwehrfrauen weit und breit, keine Diskussionsrunde mit dem Töchterchen, keine „Work-Life-Balance“ … Rückschritt. Was soll man auch von ehemaligen Sträflingen anderes erwarten. Sie sind einfach hinter der Zeit und ihr dadurch voraus.



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