Nicht die Maskenaffäre, sondern die Debatte um sein Familienmodell beendet Spahns Zeit als Fraktionschef. Für das nach eigener Anschauung lernfähige System Merz vergrößern sich damit die Probleme, aber auch die allerdings sehr unwahrscheinliche Möglichkeit, etwas dazuzulernen.
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Erwartet unerwartet trat Jens Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag zurück. Grund dafür ist, zurückhaltend ausgedrückt, die Debatte darüber, dass Jens Spahn und dessen Ehepartner ein Kind aus den USA über den hochumstrittenen und in Deutschland verbotenen Weg der Leihmutterschaft bekommen haben.
Am 15. Juli machte Spahn sein neues Familienglück über Instagram und einem ausführlichen Interview in der Bild öffentlich. Einen anderen Weg, als an die Öffentlichkeit zu gehen, gab es nicht, denn der Öffentlichkeit hätte wohl kaum Spahns wundersame „Vaterschaft“ verborgen werden können. Pikant daran ist, dass Spahn sich stets gegen die Leihmutterschaft vehement ausgesprochen hat. So sagte er als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU 2015 dem Männermagazin GQ: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut.“
Nun hat ihn offensichtlich die Demut verlassen, nun ist ihm plötzlich „bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt. Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte“, wie es im Brief an die Fraktion heißt.
Fragen über Fragen bleiben, vor allem, warum Spahn diesen riskanten und für ihn letztlich katastrophalen Weg gewählt hat, wo doch in der Szene auch andere „Arrangements“, stillere, geräuschlosere bekannt sind. Warum Jens Spahn va banque gespielt hat, ist vielleicht die größte Frage, die zu beantworten uns jegliches Interesse fehlt, und wohl eher in seiner Ehe begründet liegen könnte.
Da Spahn mit all den Skandalen von Masken-, bis Immobiliendeals immer unbeschadet durchgekommen ist, mag er sich in gewisser Weise in unserer Demokratie für demokratisch unverwundbar gehalten haben. Zudem könnte er auch gehofft haben, dass die Zeiten „liberaler“ geworden sind und hinter der Brandmauer in Neu-Versailles niemand mehr zurücktritt. Das Beispiel Weimer könnte ihn Hoffnung gegeben haben. Nur hätte Spahn dann übersehen, dass im Gegensatz zu Weimer Merz nicht Spahns Amigo ist. Hinzu kommt, dass bei all den Skandalen von Bas über Radovan, über Wadephul bis Weimer es an der Zeit war, dass einer stellvertretend für das Kuriositätenkabinett von Merz zurücktritt, sozusagen als politischer Sündenbock.
Den Ausschlag für den plötzlichen Rücktritt dürfte von Merz gekommen sein, der wahrscheinlich sich dem süßen Irrtum hingibt, durch Spahns Rücktritt gestärkt zu sein, denn Spahn, dem eigene Ambitionen nicht fremd sind, stellte für Merz immer eine Gefahr dar. Das Stück könnte von Molière sein, denn Merz, der geglaubt haben könnte, seine Position zu kräftigen und sich mit Ja-Sagern umgeben zu können, deren Aufgabe darin besteht, durch laute Lobgesänge Kritik von außen oder aus der Fraktion nicht mehr zu ihm durchdringen zu lassen, steht jetzt tatsächlich geschwächt dar. Wer wird jetzt die Fraktion für ihn zusammenhalten? Linnemann etwa, der als Generalsekretär so eklatant versagt hatte? Mein Gott, dann können sie doch gleich alle Tischtennis spielen gehen.
Man muss Spahn wirklich keine Träne nachweinen, einem Politiker, der für alles und nichts und eigentlich nur für sich selbst und sein „persönliches Glück“ steht, doch besser wird es nicht mehr.
Friedrich Merz nannte den Rücktritt des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn als „richtig“ und „unvermeidlich“. Und zu aller Erstaunen behauptetet er: „Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut.“ Wenn das so ist, stellt sich die Frage, weshalb Merz nicht bereits nach der Wahl 2025 zurückgetreten ist, nachdem er begann, zentrale Wahlversprechen zu brechen. Niemand in der Regierung ist unglaubwürdiger als der Augenblickskanzler.
Wäre Merz wenigstens ein Patriarch, könnte man mit Gabriel Garcia Márquez noch vom Herbst des Patriarchen sprechen, das hätte noch eine gewissen Restgröße. Doch nicht einmal das ist Merz. So kommt der Herbst ohne Ernte.
Und Spahn? Genießt sein Familienglück. Erstmal.




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Alles richtig, aber: jetzt bewahrheitet sich die alte Erkenntnis, dass Politiker über was auch immer stürzen oder gestürzt werden, wenn es ohnehin „passt“.
Was ist zB mit dem akademischen Betrüger Ministerpräsident Mario Voigt?! Da passt es offenbar nicht. Soweit zu dem jetzt anstimmenden Selbstlob aus Unionskreisen, man sei wertbeständig, glaubwürdig(!!), usw., usw.
Es ist ein erbärmlicher Opportunismus…
Man könnte sagen: “ Ein Wunder ist geschehen!“. Aber vielleicht ist es auch der Schneeball, der eine Lawine ins Rollen bringt. Man wird ja noch Wünschen dürfen!
Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender weg, Diskussion um die Maskenaffäre weg.
Gutes Timing vor den Wahlen.
Gute Inszenierung für den Michel.
„Denn Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut“…schreibt Merz, wie berichtet wird, in einem Dankeswort an Spahn zu dessen Rücktrittsentscheidung.
Offenbar hält er sich selbst für glaubwürdig, denn er tritt ja nicht zurück.
Damit ist wohl sein Realitätsverlust einmal mehr bewiesen.
Für mich viel zu glatt, zu schnell, dieser Rücktritt. Es wurde ja bereits spekuliert, ob die eigentliche Absicht hinter dieser PR-Kampagne nicht die ist, den „Rücktritt“ auf nützliche Weise hervorzurufen, die später alle Optionen offen hält.
Der politische Betrieb „opfert“ Einen der Seinen, der zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht um weiter ungestört seine potemkinschen Bürgerverarschungs Dörfer zu bauen.
Spahn wird weich fallen.
Immer dran denken, dass Herr Spahn nicht wegen mutmaßlich krimineller Aktivitäten in der Coronazeit im Zusammenhang mit der Maskenbeschaffung, nicht wegen dem illegalen Grundrechtsentzug der deutschen Bevölkerung oder wegen mutmaßlicher Korruption zurücktrat, sondern weil einigen Moralaposteln seine persönlichen Entscheidungen nicht passten, an denen ausschließlich freiwillig zustimmende Erwachsene beteiligt waren und es kein Opfer zu beklagen gibt.
Man erkennt, in was für einem Staat man lebt, in dem schwerste Verbrechen gegen 80 Millionen Menschen geringere Konsequenzen als persönliche Entscheidungen haben, die keinerlei Opfer kannten, aber die moralischen Vorstellungen irgendwelcher Konservativer berührten.
Es ist so ekelerregend, man möchte im Strahl kotzen.
Spahn wird sicherlich saft im Netz der gescheiterten Politiker aufgefangen und dann wohl auf einen hoch dotierten Posten gehievt werden. Z.B. könnte er einen neu geschaffenen Vorstandsposten bei der EZB übernehmen, was auch ausgezeichnet passen würde, da er doch als gelernter Bankkaufmann dort seine überragende Kompetenz einbringen könnte.
Das Kind ist der Mutter zurück zu geben, die Immunität des Elter Jens aufzuheben, Elter 1 und Elter 2 strafrechtlich zu behandeln, die Mutter unterhaltsrechtlich bis zum 25. Lebensjahr des Kindes durch die Verursacher zu entlasten.
Alles andere ist Verrat am Bürger.
Kernproblem:
Die CDU und Herr Spahn selbst lehnen Leihmutterschaft ab.
Herr Spahn bricht für sich selbst die Regel und schädigt zusätzlich
seine Partei.
In „alten“ Zeiten hätte man ihn aus der Partei geworfen.