Brunnen zunageln, Klimaanlagen bekriegen: Krisendesign, einfach gemacht

Probleme sind für die Hysterie-Politik nicht zum Lösen da, sondern zum Verschärfen und Bewirtschaften. Münchens neuer OB zeigt, wie das aufmerksamkeitsökonomisch hoch profitabel funktioniert

IMAGO
Der stillgelegte Fischbrunnen auf dem Marienplatz, die Stadt hat das Wasser wegen anhaltender Trockenheit abgedreht, will Wasser sparen, München, Juli 2026 Deutschland, München, 6. Juli 2026, der stillgelegte Fischbrunnen auf dem Marienplatz, die Stadt hat das Wasser wegen vorgeblich anhaltender Trockenheit abgedreht

„Never let a good crisis go to waste“ – der Spruch stammt angeblich von Winston Churchill, Barack Obama benutzte ihn mit Sicherheit, sehr viele Träger politischer Ämter befolgen ihn in aller Stille oder auch laut. Krisen eignen sich wie kaum etwas anderes, um die eigene Agenda voranzubringen. Denn plötzlich gilt das Gebot der Dringlichkeit, von dem nur noch ein kleiner Schritt hin zum Ausnahmezustand führt. Wer dann noch die praktischerweise immer schon parat liegenden Maßnahmen durch Einwände oder auch nur Nachfragen verzögert, der steht automatisch auf der gefährlichen Seite. Churchill meinte eher die Gelegenheit, eine echte Krise für eigene Ziele zu nutzen. Die Steigerung der Krisenpolitik besteht darin, auf Notlagen nicht erst zu warten, sondern ihr Design gleich selbst in die Hand zu nehmen.

Münchens gerade erst gewählter grüner Oberbürgermeister Dominik Krause fiel in den ersten Amtsmonaten nicht auf; jetzt – im mal warmen, mal durchschnittlichen Juli – ergriff er die Gelegenheit mit beiden Händen, sich als Bekämpfer der Münchner Wasserkrise einen Namen zu machen. Dazu ordnete er ein Verbot der Befüllung von Pools an, auf die private Handwäsche von Autos (ein in Großstädten vor etwa zwanzig Jahren ausgestorbener Brauch) steht neuerdings eine Strafe von 50 000 Euro, auch auf die Rasen- und Blumenbewässerung ausgenommen morgens und abends, also zu den Zeiten, in denen Gartenbesitzer üblicherweise sowieso wässern. Weil diese Maßnahmen aufmerksamkeitsökonomisch noch nicht viel hergeben, ließ Krause außerdem den Fischbrunnen auf dem Marienplatz, also unmittelbar vor seiner Haustür, nicht nur abstellen, sondern mit Brettern vernageln. Warum das?, mag sich der eine oder andere denken. Fürchtet der OB, dass die Münchner sonst den Brunnen heimlich aus ihren Mineralwasserflaschen wieder auffüllen? Jedenfalls blieb er so auch nach dem ergiebigen Sturzregen in dieser Woche, der sich über der Wassermangelstadt an der Isar ergoss, knochentrocken. Es gibt auf die Frage nach dem Warum eine simple Antwort: Das grüne Stadtoberhaupt braucht dringend ein Symbol für die von ihm ausgerufene Krise. Denn ohne die Brunnenvernagelung würden die Münchner überhaupt nichts von einer Wasserkrise spüren.
Es gibt sie nämlich nicht.

Die Führung der Stadtwerke München (SWM) windet sich: Nein, von einem Wassermangel im Sinne der Knappheit könne man derzeit nicht sprechen, lässt man wissen. Allerdings kann das Unternehmen angeblich nur etwas zum aktuellen Wasserdurchsatz sagen, nichts aber über die vergangenen Jahre, so dass eventuell ein Vergleich zwischen Zeiten ohne und mit zugenageltem Brunnen möglich wäre. Der tägliche Wasserdurchsatz der Stadt München mit ihren 1,61 Millionen Einwohnern liegt nach Angaben der Stadtwerke zwischen 350 und 370 Millionen Liter pro Tag, an einem besonders heißen Samstag maßen die SWM 400 Millionen Liter. Interessanterweise findet sich im Archiv ein Bericht der Abendzeitung München aus dem besonders warmen Juli 1976. „Rund 600 Mil­lio­nen Liter Was­ser lie­fen gestern aus den Leitungen“, heißt es dort. Niemand kam seinerzeit auf die Idee, Brunnen abzustellen oder sogar mit einem Holzdeckel zu verrammeln.

Die Münchner Kiesebene im Alpenvorland gehört zu den wasserreichsten Gegenden Deutschlands. Der 2017 begonnene Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke zieht sich auch deshalb bis voraussichtlich 2037 hin, weil zu der Konstruktion, die gleich hinter dem Münchner Rathaus und dem Fischbrunnen 45 Meter in die Tiefe geht, Spundwände das Wasser draußen und gleichzeitig den extrem nassen Sand- und Kiesboden in Form halten müssen, damit die Häuser ringsum nicht ins Rutschen geraten. Bayerns Hauptstadt steht buchstäblich auf einer riesigen, von lockeren Sedimenten durchsetzten Wasserblase. Trotzdem zapfen die Stadtwerke dieses Tiefenwasser nicht an; auch das oberflächennahe Grundwasser trägt gerade einmal zehn Prozent zur Versorgung der Stadt bei. Die Kommune kann so großzügig auf die Ressourcen direkt unter den Füßen der Münchner verzichten, weil der frische Nachschub von bester Qualität seit Mitte des 19. Jahrhunderts ganz überwiegend aus anderen Quellen stammt: aus den natürlichen Wasserspeichern des Mangfall- und Loisachtals, jeweils zu 75 und 15 Prozent. Weder die Durchflussdaten der Mangfall noch irgendwelche anderen Zahlen zeigen irgendeine außergewöhnliche oder gar bedrohliche Entwicklung.

Zwar stammt das Münchner Wasser nicht direkt aus der Mangfall, sondern aus unterirdischen Speichern des Mangfalltals. Aber Fluss und Tiefenspeicher existieren nicht in völlig verschiedenen Welten; es spricht nichts dafür, dass oben das Nass ganz normal rauscht, in den Kavernen unter dem Strom aber Staubtrockenheit herrscht. Denn beide speisen sich aus dem gleichen alpinen Wasserkreislauf. Bis Mai 2026, dem Monat, in dem der grüne OB sein Amt antrat, warben die Stadtwerke München auf ihrer Webseite noch mit ihren praktisch unerschöpflichen Tiefenwasserquellen im Süden, die sich auf natürliche Weise erneuern.

Dann verschwand die Passage wundersamerweise. Auf Nachfrage erklärte das Unternehmen, man wolle durch die Löschung verhindern, dass der Bürger die (völlig korrekte) Aussage „missversteht“.

In der politisch-medial zusammengebastelten Wasserkrise zwischen Isar, Eis- und Glockenbach lässt sich ein bemerkenswertes Phänomen beobachten: Je weiter entfernt die Berichterstatter von München sitzen, desto dramatischer fallen ihre Schilderungen aus der Beinahesteppe aus. 
Die Süddeutsche fragt zwar in ihrer Überschrift dramatisch: „Sitzt München bald auf dem Trocknen?“ Im Text selbst heißt es unter Vermeidung irgendwelcher konkreter Zahlen: „Der Wasserchef der Stadtwerke (SWM) spricht im Stadtrat von Pegeln ‘im Tiefflug‘, von ‘Notfallplan‘ und dass man bereits ‘weitere Eskalationsschritte‘ gegangen sei. Diese aber dürfe er nicht benennen, weil es sich um kritische Infrastruktur handle.“ Ansonsten schlagen vermutlich Saboteure aus dem Osten zu. Im selben Artikel heißt es auch unter Berufung auf den Stadtwerkchef, es gebe zwar keine Wasserkrise. „Aber es sei Zeit, Wasser zu sparen, um eine echte Krise zu vermeiden.“ Damit rutscht dem kommunalen Manager heraus, worum es sich in wirklich handelt: eine Krise per Design. Denn nur echte Krisen fallen überhaupt unter die Rubrik Krise.

Aus genau diesem Grund reichte es auch nicht, den kleinen Fischbrunnen auf dem Marienplatz einfach nur abzustellen. Der Deckel musste drauf, damit es richtig nach Notfall aussieht, gerade deshalb, weil er sich ja sonst nirgendwo zeigt. Vermutlich heißt es in einigen Monaten, das berühmte Präventionsparadox hätte auch hier wieder einmal gewirkt; der schlimmste Fall sei also dank weiser staatlicher Maßnahmen nicht eingetreten. Deshalb noch schnell ein Blick auf die Wirkung der Krause-Maßnahmen, die er mit einer nichtexistenten Notlage begründet: Alle zehn derzeit abgeschalteten Brunnen der Stadt zusammen vermindern den Wasserdurchsatz pro Tag nach Stadtwerkangaben um „fast eine Million Liter“ – also weniger als eine Million. Bei einer Durchschnitts-Wassernutzung von 350 Millionen Litern macht das also eine Ersparnis um die 0,25 bis 0,28 Prozent aus, eine Größe im Bereich der Messunschärfe.

Viele Münchner sehen, dass die meisten Brunnen munter weitersprudeln, beispielsweise die schöne Anlage am Friedensengel.

In ihren privaten Pflanzgefäßen steht noch immer das Wasser aus zwei Wolkenbrüchen, die seit der Brunnenvernagelung über der Stadt niedergingen, bis oben an den Rand. Das erspart ihnen immerhin für die nächsten Tage das Gießen und damit den Besuch der Gießpolizei.

Viele dürften auch von den besonderen Bauschwierigkeiten der neuen S-Bahnstrecke wegen des nassen Untergrunds gehört oder gelesen haben. Kurzum, den Lokalbürgern muss man die Geschichte vorsichtiger verkaufen als dem auswärtigen Publikum. Die Augsburger Allgemeine dichtet der Stadt und ganz Bayern schon eine „Wassernot“ an.

Relotiusiert berichtet Spiegel Online: „Die bayerische Landeshauptstadt muss ihre Wasserreserven sichern. Deshalb ruft Oberbürgermeister Krause erneut zum Sparen auf.“ Ein Zappelpeter – oder, wie es heute heißt, Influencer – von Zeit Online schwatzt kontrafaktisch und ohne den Hauch irgendeiner Ortskenntnis: „München geht das Trinkwasser aus“

Die ebenfalls in Hamburg fabrizierte ARD-Tagesschau schickt sogar ein Kamerateam in die Wüstenei. „In München hat der Wassermangel bereits direkte Auswirkungen. Einige Brunnen sind stillgelegt“, lürmt die Kommentatorin aus dem Off. (Bei dem hier erstmals eingeführten Neologismus „lürmen“ handelt es sich um eine Fusion aus „lügen“ und „framen“.) Natürlich liegt es nicht an einem imaginären Wassermangel, wenn der Fischbrunnen jetzt ein Holzdach trägt. Sondern an der Verfügung des Oberbürgermeisters und den Hammerschlägen der Handwerker.

Der ARD-Tonfall wirkt vertraut: In der Corona-Zeit hieß es in Medien und Politikerverlautbarungen tausendfach, „das Virus“ hätte die monatelange Schließung von Schulen und Läden erzwungen. „Das Virus“ traf damals natürlich genauso wenig politische Entscheidungen, wie jetzt eine herbeigebogene Wasserkrise aus der PR-Küche einen Brunnen verrammelt. Auch die Kombination aus schrillen Katastrophenbeschwörungen und einem erstaunlichen Datenmangel kommt einem bekannt vor. Außerdem der offenbar unbezähmbare Drang, irgendetwas dichtzumachen.

Nicht weil es irgendeinen praktischen Sinn ergäbe, sondern um Normalbürgern den Ausnahmezustand unter die Nase zu reiben. In politisch beschworenen und medial aufbereiteten Krisen im Allgemeinen und in durchdesignten Kriseninszenierungen erst recht fällt nicht nur ein völliger Mangel an Pragmatismus auf, sondern geradezu eine Abneigung gegen alles, was wirklich auf der Hand liegt. Für Münchens Wassernetz kursieren unterschiedliche Daten darüber, wie viel aus den alten Rohren im Boden versickert. Aber sämtliche Zahlen dazu liegen im zweistelligen Bereich, zwischen 10 und 15 Prozent. Sollte der Oberbürgermeister wirklich den Wasserverbrauch langfristig senken wollen, könnte er hier ansetzen. Seine Grünen bestimmen übrigens nicht erst seit gestern oder vorgestern die Rathauspolitik. Aber das wäre eine Aufgabe für Ingenieure, nicht für Krisentheaterregisseure. Die einen suchen nämlich nach Lösungen. Die anderen wollen, dass die Vorstellung endlos weitergeht.

Wie keine andere Partei verdanken die Grünen ihren Aufstieg, der Etablierung und schließlich ihrer beherrschenden Stellung innerhalb eines weiten und tiefen Geflechts aus Stiftungen, Organisationen und Medien der Gefahrenbeschwörung bei dem gleichzeitigen Versprechen, die Schützlinge gegen das Übel zu beschirmen, von Elektrosmog und Atom bis zu Klimahölle, toxischer Männlichkeit, Faschismus und neuerdings eben Wassernot. Die Gefahrenerzählung befestigt die eigene gesellschaftliche Stellung, vor allem, wenn sie sich mit dem zentralen Klimakatastrophennarrativ verknüpfen lässt, das dringend einer Auffrischung bedarf. Denn dass sich hier nach dreißig Jahren unerfüllter Endzeitprognosen allmählich ein Ende des Panikzyklus ankündigt, bleibt der Partei und ihrer großen Allianz nicht verborgen. Maßnahmen verfolgen außerdem immer den Nebenzweck, die Bürger auf weitere Maßnahmen vorzubereiten.

Das von Nagelkrause regierte Wassernotistan nahm in den vergangenen Tagen medial eine Sonderstellung ein, zumal nichtgrün regierte Gemeinden im Münchner Umland hartnäckig erklärten, dass sie über reichlich Wasser verfügen und keinen Brunnenlockdown bräuchten. Die angeblichen Juni-Hitzetoten versuchen Politiker und Medienschaffende allerdings in ganz Deutschland und für ganz Deutschland zum Großthema zu machen. Der grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss zog sogar ausdrücklich eine Parallele zum Corona-Regime: Damals, so klagte er auf X, habe das Wir, dem er angehört, „den Laden zurecht dicht gemacht“ – womit er die nachweislich gegen das Virus wirkungslosen und gesellschaftlich extrem schädlichen Maßnahmen wie Schul- und Einzelhandelsschließungen meint, das Maskentragegebot im Freien und Ausgangssperren.

Wegen der vorgeblich 5000 Hitzetoten, so seine Anklage, würde jetzt nichts Vergleichbares passieren. Vermutlich basteln Vertreter des Bloss-Wir längst an Plänen für Sommer-Lockdowns. In Deutschland sterben jeden Tag im Schnitt 2900 Menschen; bei den angeblich 5000 Juniopfern handelt es sich ganz überwiegend nicht um Menschen mit der Sterbeursache Hitzschlag. Die Zahl 5000 schätzte das Robert-Koch-Institut lediglich als temporäre Übersterblichkeit. Auch beim RKI dürfte man erstens wissen, dass hohe Temperaturen die Mortalität bei ohnehin schon chronisch kranken Menschen erhöht, und dass zweitens die Zahl der Sterbefälle im Zusammenhang mit Kälte etwa achtmal höher liegt. Es gibt allerdings einen faktischen Kern in der Todesfallzahl mit Hitzekontext: Wenn in Krankenhäusern wie in der Uniklinik Düsseldorf und anderswo 38 Grad herrschen, in Alten- und Pflegeheimen ebenfalls, dann fordert das mit Sicherheit in einer heißen Juniwoche dutzende zusätzliche Tote. Die Leute sterben allerdings nicht als Klimaopfer. Sondern weil in Deutschland Klimaanlagen selbst dort fehlen, wo sie absolut nötig wären.
Parallel zu den Hitzetotenschlagzeilen ging aber nicht etwa eine Kampagne für mehr Klimaanlagen durch die grünennahen Medien, sondern das exakte Gegenteil: eine große Warn- und Verdammungswelle. Klimaanlagen machen es nämlich „schlimmer“, verkündet beispielsweise die Deutschlandfunk-Umweltredakteurin Ann-Kathrin Büüsker.

Denn: Diese Anlagen verbrauchen Strom. Das trifft tatsächlich zu, sie laufen elektrisch, genauso wie die technisch sehr eng verwandten Wärmepumpen, die laut Robert Habeck jeder deutsche Haushalt einbauen soll. Logik darf man im Krisentheater so wenig erwarten wie von einem Ionesco-Stück. Laut WDR heizen Klimaanlagen außerdem die gesamte Erde auf.

Beziehungsweise laut einem Experten in der Süddeutschen heizen Klimaanlagen „die Stadt als Ganzes“ auf.

Man kommt an dem Eindruck nicht vorbei, dass Dachgeschossbewohner nach dem Willen der Klimafront bei 40 Grad schmoren müssen, so wie sie Tote in unklimatisierten Kliniken als eigentlich gar nicht so unwillkommene Kollateralopfer in Kauf nimmt. Denn beides hilft wie der zugedeckelte Brunnen beim Inszenieren einer Krise, die gar nicht bekämpft, sondern bewirtschaftet werden soll. Wie diese Bewirtschaftung aussehen kann, zeigt die ausdrücklich für halal und vorbildlich erklärte Hitzebekämpfungsmethode in Städten: steuerfinanzierte Cooling Points. Diese Einrichtungen bestehen aus zusammengenageltem Holz mit spärlichem Pflanzendekor, sie strahlen gediegene Sperrmüll-Ästhetik aus, kühlen nichts und niemanden, noch nicht einmal die eigene traurige Flora, und kosten wie dieses Exemplar am Berliner Mauerpark schon mal 45 000 Euro.

Im Mauerpark gleich nebenan spenden Bäume reichlich Schatten – aber daran verdient leider kein Angehöriger des Klima-Profiteursnetzwerks auch nur einen einzigen lausigen Cent. Wer jetzt ausrechnet, wie viele Klimaanlagen man für 45 000 Euro in Krankenhauszimmern installieren könnte, über den fallen die gleichen grünen Hetzfeuerwehrleute auf X her, die auch jeden für rechtsradikal erklären, der sich vorsichtig nach dem Sinn der Krause-Maßnahmen in München erkundigt.

Wem es wirklich um Hitzeschutz und CO2-Vermeidung ginge, der würde flächendeckend alle Orte, an denen sich Kranke und Alte aufhalten, mit Klimaanlagen ausrüsten, am besten auch Schulen und andere öffentliche Gebäude, und für den Strommehrbedarf die stillgelegten Kernkraftwerke wieder in Betrieb nehmen. Aber Pragmatismus, das bedeutet, aus der Welt der Permanenzpanik zu desertieren – ein schwerer Straftatbestand, der vor dem virtuellen Standgericht endet.

Pragmatismus würde es auch nahelegen, die Wohnungskrise in den Städten zum einen durch Rückführung aller nicht aufenthaltsberechtigten Migranten und zum anderen durch Wohnungsbau zu bekämpfen. Bekanntlich kommt für die große Linksallianz in Berlin weder das eine noch das andere in die Tüte. Die wehrt sich beispielsweise erbittert gegen den Plan, wenigstens am Rand des Tempelhofer Feldes Wohnungen zu errichten. Eigentlich spricht alles dafür; das Gelände liegt in öffentlicher Hand und verkehrsgünstig, es handelt sich außerdem um eine Brache ohne sonderlichen ökologischen beziehungsweise Freizeitwert. Umso nachdrücklicher machen Grüne und Deutsche Umwelthilfe die Idee aus Prinzip nieder.

Hier schält sich der Kern der Krisen- und Konfliktpflege in aller Deutlichkeit heraus: neue Wohnungen, womöglich noch eine Rücknahme bürokratischer Bauvorschriften im Gleichschritt mit einer anderen Migrationspolitik würde den Wohnungsmarkt deutlich entspannen – und damit sämtliche Argumente der Immobilienenteignungs- und Umverteilungspolitiker kaputtmachen. Denn darauf läuft das Krisendesign in jedem Fall hinaus: Rationierung, ob nun von Wohnraum, Energie, Wasser oder demnächst anderen Ressourcen. Und Besteuerung, im Fall von CO2 längst praktiziert, für „zu großen Wohnraum“ gefordert, für Wassernutzung geplant.

Angstmanagement plus Ressourcenkontrolle – mit dieser Formel lassen sich Mandate holen, neue Steuerquellen anbohren und es lässt sich Steuergeld in private Taschen leiten. Außerdem verhilft sie Funktionären zu einem Status, der sich mit Geld gar nicht beziffern lässt. Anderen Güter zuzuteilen (oder eben nicht) – ein reineres Machtgefühl gibt es nicht auf Erden. Das wussten schon Welt- und Kirchenfürsten, das weiß man in Neuversailles an der Spree und in den gehobenen Zirkeln ehemals stolzer Städte wie München, in denen Schrumpfbürger einen Vernagler nicht nur wählen, sondern ihm für seine Härte und Konsequenz die Hand küssen. Früher ging ein wohlhabender Schwabinger zur Domina, wenn ihm danach war. Heute verschafft er sich eine ganz ähnliche Genugtuung in der Wahlkabine. Das Dauerkrisentheater braucht vieles, um weiterzubestehen.
Aber vor allem Publikum, das freiwillig zahlt und anschließend klatscht.

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Kommentare ( 20 )

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Fieselschweif
3 Stunden her

„Alle zehn derzeit abgeschalteten Brunnen der Stadt zusammen vermindern den Wasserdurchsatz pro Tag nach Stadtwerkangaben um „fast eine Million Liter“ – also weniger als eine Million.“

Mal ne blöde Frage. Der Fischbrunnen ist, wenn ich das Bild richtig intepretiere, ein Art Zierbrunnen ohne tatsächliche Wasserentnahme, oder? Warum muss man den überhaupt dicht machen? Wie viel Wasser verdunstet da pro Tag und m²?
1 Mio./10, also 100000 l oder gleich das Äquivalent des halben Chiemsees?

MeHere
3 Stunden her

Der unfähigste Kandidat wurde OB … Idiocracy wird Realität

Klaus Uhltzscht
4 Stunden her

Interessant wäre, ob die Firma, die die Hitzelockdown-Holzabdeckungen auf den Münchner Brunnen liefert, auch immer die Aufträge für diese Holz-Blumenkübel bekommt, die in den Tempo-20-Bereichen der grünen Innenstädte herumstehen.
Kann da mal bitte jemand an den betroffenen Brunnen schauen? An den Blumenkübeln ist immer so ein Messingschild der Firma.

hansgunther
4 Stunden her

„Partei -GRÜN“ ist wie eine Seuche die über das Land kommt!

A-Tom
5 Stunden her

Die Bevölkerung könnte dem Spuk ein Ende bereiten. Sie tut es aber nicht – ganz im Gegenteil, jede neue Idiotie wird akzeptiert.

Raul Gutmann
5 Stunden her

Einer schreibmächtigsten lebenden Deutschen, Herr Thorsten Hinz, nutzt seine Sommerferien, um Klassiker zu rezipieren. Stellvertretend für jene hinterließ Friedrich Schiller die Analyse, welche die aktuelle Situation in der bayerischen Landeshauptstadt abbildet:
„Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn. / Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen. (…) Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen – / Der Staat muß untergehn, früh oder spät, / wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet“
„Demokratie hält nie lange. Sie verschwendet, erschöpft und ermordet sich selbst. Noch jede Demokratie beging Selbstmord.“ – John Adams. Genau das erleben wir aktuell.

Last edited 5 Stunden her by Raul Gutmann
alter weisser Mann
5 Stunden her

Es gibt ja Brunnenvergifter, heute kommen noch Brunnenvernagler dazu.
Gibt es „Krisendesign“ eigentlich schon als Studienfach?

Last edited 5 Stunden her by alter weisser Mann
haqus b.
5 Stunden her

Das Springbrunnen das städtische Mirkroklima bei warmen Sommerwetter verbessert ist bei den Grünen nicht bekannt. Warum hat man in Dubai, Almaty, Tashkent etc. Springbrunnen in der neueren Bebauung? Alles Städte wo es regelmäßig mehr als 40 Grad werden kann. Und dort gibt es sicher weniger Wasser als in München.

Johny
5 Stunden her

Sorry, aber die paar Münchner, die ich persönlich kenne, sind rotgrün angehaucht – die brauchen das.

Haba Orwell
5 Stunden her

Die Hintergründe der Geschichte: https://uncutnews.ch/weltwirtschaftsforum-diskutiert-bepreisung-von-wasser-luft-und-boden-als-wirtschaftliche-vermoegenswerte/

> „… Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat im Rahmen einer internationalen Konferenz vorgeschlagen, grundlegende natürliche Ressourcen wie Wasser, Luft und Boden stärker in wirtschaftliche Modelle zu integrieren und ihnen einen messbaren finanziellen Wert zuzuweisen. …“

Jetzt wird es mit Hysterie um Wasser vorbereitet. Wie machen die das mit der Luft zum Atmen?