Ihre Welt ohne Mütter gelingt den Herzlosen und Sozialkalten nicht

Eine vaterlose Welt ist nicht nur für Kinder nicht schön. Eine gewollt mutterlose ist ein trauriger Irrweg. Wer das nicht weiß oder in dieser seelenlosen, technokratischen Scheinwelt nicht mehr empfinden kann, tut mir leid.

IMAGO / Pond5 Images
Symbolbild

Wer in einem Arbeiter- und Bauerndorf in den letzten Kriegsjahren und danach groß wurde, hat es besonders nahe erlebt. Lauter Mütter mit Kindern schmissen nicht nur ihre Familien, sondern das ganze Leben des Dorfes. Sie hielten die Fabrik, von der alle lebten, und das Dorf am laufen – und ihre Kinder an der ganz langen Leine, was allen zusammen gut bekam. Wir halfen in jüngsten Jahren mit, das lernten wir mit der Muttermilch. Morgens um fünf den Herd einheizen, Holz und Kohle am Vorabend aus dem Keller holen, nach dem Einheizen mit der Kanne die Milch beim Bauern im Stall an der Urquelle – Winter wie Sommer. Wir Buben prügelten und vertrugen uns, die Mädchen zogen sich an den Haaren, wir schielten heimlich rüber und taten so als nicht. Die Mütter dachten nicht im Traum daran, sich einzumischen.

Ich erinnere mich sehr gut, wie meine Gleichaltrigen später darunter litten, deren Väter nicht zurückkamen. Aber sie hatten wie ich alle eine Mutter, die nach dem heute verbotenen Wort ihren Mann stand. Und wie. Ich habe die Weihnachtsabende vor Augen, an denen sich noch bis Ende der 1940er dasselbe Dutzend Mütter jedes Jahr nach der Bescherung zusammensetzte und oft bis weit in die Morgenstunden zusammenblieb, eine verschworene Freundschaft, wo jede jeder half, wo immer nötig.

Eine vaterlose Welt ist nicht nur für Kinder nicht schön. Aber eine – gewollt –mutterlose ist ein trauriger Irrweg. Wer das heute nicht weiß oder in dieser seelenlosen, technokratischen Scheinwelt nicht mehr empfinden kann, tut mir leid. Wahrscheinlich haben die meisten von ihnen nie Muttermilch zu trinken bekommen, sondern nur Produkte der Lebensmittelindustrie. Schlimmer ist, den Wert einer Mutter nicht kennenlernen zu dürfen.

Männer können dem von einer Leihmutter (würdeloses Wort) geborenen Kind Vater sein, Mutter nicht. Ein Kind, das keine Mutter erlebte, kann einen liebevoll sorgenden Vater haben. Ich kannte eine Schwester, die das Kind, bei dessen Geburt die Mutter starb, wie eine Mutter aufzog. Das Kind suchte seine leibliche Mutter ein Leben lang, ohne lange nicht zu wissen, wonach es suchte.

Die Nabelschnur wird bei der Geburt durchtrennt, der seelische Nabelfaden reisst nie. Auch bei den Kindern einer „Leihmutter“ nicht. Beide Seiten landen gerissen im Nichts – ohne Chance, sich je zu finden. Die Lücke bleibt unbewusst. Es gibt zahlreiche Beispiele, wo groß gewordene Kinder in hohem Alter alles unternehmen, um rauszufinden, wer ihre leibliche Mutter ist.

Die gewollt mutterlose Familie und Gesellschaft gehört zu den Monstrositäten jeder Spielart von Kommunismus-Sozialismus. Frauen in die Produktion. Kinder austragen als Erwerbsart. Kinder abgeben in Kita und Schule, am liebsten auch in den Ferien – möglichst ganztags. Wohnen in Käfighaltung. Alte in die Wartehalle zum Tod namens Pflegeheim mit viel zu wenig Pflegern.

Forderungen nach gesetzlichen Verboten trete ich nie bei, auch nicht hier bei der „Leihmutterschaft“. Nicht beim Verbot von „Samenspenden“. Aus welchen Gründen Frauen Kinder für Fremde austragen, ist ihre Sache. Das geht mich nichts an. Warum Männer oder Frauen, Kinder auf diese Weise wünschen, geht mich nichts an, nur sie. Kindern die leibliche Mutter vorenthalten, ist aller Beteiligten Verantwortung.

Gesellschaften, in denen das von der Ausnahme zur Regel wird wie der Kaiserschnitt zur Schmerzvermeidung und die künstlche Geburtsterminverlegung nach Arbeitsplan des Krankenhauses, sind der Natur entsetzlich weit entfremdet, deren Klimawandel sie ebenfalls planen wollen. Aber ich kenne junge Familen ganz traditioneller Art, die von sich aus so sind wie es die in meiner Jugend waren. Sie kochen übrigens selbst, vorzugsweise mit Naturprodukten nach Jahreszeit und aus ihrer Nähe, verschmähen Fastfood und Industriegetränke und sind auch sonst erfrischend stinknormal. Am Salat stört sie nicht, wenn er vegan ist, und am Fleisch nur, wenn es nicht so gut schmeckt wie letztes Mal. Gesund sind sie, weil sie essen und trinken, was ihnen schmeckt, und nicht, was als gesund gilt. Den Sommer finden sie nicht zu heiß und den Winter nicht zu kalt, sie ziehen sich entsprechend an.

Jens Spahn und Hendrik Streeck, die sich herausnehmen, Gesetze zu ignorieren, wo es ihnen nicht passt, sind ein völlig anderers Thema. Sie gehören vor Gericht gestellt für die Nichtbefolgung eines Verbotes, für das ich nicht bin wie bei allen Verboten. Denn eines darf nicht sein: Quod licet Iovi, non licet bovi. Was sich OBEN erlaubt, steht UNTEN keinem zu.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 77 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

77 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Retlapsneklow
29 Tage her

Was, wenn das Kind schon reden könnte und sagt:
„Was wollt Ihr eigentlich? Mir geht es gut. Ich brauche Eure Rettung nicht.“

Der Sinn der Geschichte: Ihr redet über die Köpfe der Leute hinweg, und fragt sie noch nicht einmal, Ihr Besserwisser.

verblichene Rose
29 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

Unsinn ist, etwas als Besserwisserei ab zu tun, zu dem man aus guten Gründen eine andere Meinung haben kann. Und unstrittig sind die evolutionären Gegebenheiten, über die man zwar tüchtig streiten kann, aber deren Ergebnisse nunmal unerschütterlich feststehen! Von den moralischen Bewertungen ganz zu schweigen, die eigentlich ebenso unerschütterlich sein sollten! In diesen und in manch anderen gilt eben nicht: „alles kann, nichts muss“

Retlapsneklow
28 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

Wenn Sie auf „andere Meinung“ abheben, sollte darin mitgedacht sein, dass Ihre Meinung falsch sein kann.

Evolutionäre Gegebenheiten sind für das Besprochene noch nicht einmal belastbar korrelativ geschweige denn kausal. Was hier alles aus selbstkonstuierten Vorstellungswelten heraus geschnitzt wird❗

Dass ein Kind eigene Wahrnehmung hat, kommt gar nicht erst in den Sinn und darf natürlich keine Rolle spielen. Es gibt kein treffenderes Wort dafür als Besserwisserei. Das Kind gedacht wie einen Klumpen Fleisch. Bei so jemandem Kind zu sein, ist eine Katastrophe.

Sonja Dengler
28 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

das ist ja ein Widerspruch der bösartigen Art – das Kind wird ja überhaupt nicht gefragt und dementsprechend ist es richtig, es zu retten vor den sog.Baby-Käufern! Die fragen das Kind ja eben nicht und wenn es reden könnte, würde es selbstverständlich sein Naturrecht in Anspruch nehmen: „ich will zu meiner Mama!“

maru
29 Tage her

Am Ende der „bunten“ Regenbogenfahne steht der MENSCHENHANDEL.
Und der sollte unbedingt verboten werden, auch wenn Herr Goertgen noch so flauschig-liberal um die Ecke kommt.
Das ist nämlich KEINE Privatsache.

rijukan
29 Tage her

@Redaktion: ich wünsche mir mehr von Euch, als ein rechtes Pendant zur Linkspresse zu sein. Wer nur Tichy liest ist oft genauso einseitig geframed wie es einer, der bloß ZDF schaut oder Süddeutsche liest. Natürlich kann man ihn kritisieren, aber eine Bestrafung Spahns ohne Straftatbestand zu fordern ist kein Journalismus. Sondern billige Polemik. Das deutsche Verbot betrifft nur Vermittler und Ärzte. Und warum das so typisch sozialistische Neidargument, noch dazu unpassend? Klar, wer kein Geld hat, kann keine Leihmutterschaft bezahlen – aber wäre Leihmutterschaft in Deutschland zugelassen würde die auch nicht billiger sein. Und wer arm ist, kann sich auch… Mehr

verblichene Rose
29 Tage her
Antworten an  rijukan

Es geht nicht um billig, oder teuer. Herr Spahn hat den „Georg“ zusammen mit seinem Partner kreiert! Und so etwas muss man sich schlicht leisten können. Und da eine Leihmutterschaft nunmal in Deutschland verboten ist, kauft man in Amerika gleich inkl. der „Fahrzeugpapiere“. Spahn wollte, wie Streeck, einfach seinen Kopf durchsetzen. Aber es geht nicht um ein Fahrzeugkauf, sondern um einen Menschen! Da haben die Wünsche dieser reichen Schwulen zurück zu stehen!

Gerro Medicus
29 Tage her

Sehr geehrter Herr Goergen, Sie schreiben: Forderungen nach gesetzlichen Verboten trete ich nie bei, auch nicht hier bei der „Leihmutterschaft“. Nicht beim Verbot von „Samenspenden“. Aus welchen Gründen Frauen Kinder für Fremde austragen, ist ihre Sache. Das geht mich nichts an. Warum Männer oder Frauen, Kinder auf diese Weise wünschen, geht mich nichts an, nur sie. Kindern die leibliche Mutter vorenthalten, ist aller Beteiligten Verantwortung. Es ist zwar schön, dass Sie sich hier (wieder einmal) ultraliberal zeigen, aber Freiheit hat da Grenzen, wo sie in Unfreiheit und gravierende Nachteile der Betroffenen mündet. Dies ist hier mehr als gegeben. Nicht nur,… Mehr

Last edited 29 Tage her by Gerro Medicus
Retlapsneklow
30 Tage her

Nachdem ich Artikel und Kommentare gelesen habe, frage ich mich, wo die mütterliche Wärme geblieben ist, die man getankt hat.

Ich sehe in erster Line, wie Leute auf einen Sack hauen, der ihnen angeboten wurde, und weitere Säcke ausfindig machen. Wo soll da Wärme sein?

Es ist vom Kaufen des Kindes die Rede. Aber die Rede ist kalt.
Heiß ist nur die Kritik.

Und so weiter. Nirgends Wärme.

Last edited 30 Tage her by Retlapsneklow
Retlapsneklow
30 Tage her

« höchstwahrscheinlich finanziell bedürftige [Leihmutter] Frau »

Womit sollte diese höchstwahrscheinlich keine konventionelle Arbeit bekommende Frau ihr Geld verdienen? Mit Diebstahl? Mit Prostitution?

maru
29 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

Das ist doch bereits eine moderne Form der Prostitution. Mit dem Unterschied, daß die Prostituierte nicht ihre Seele mitverkaufen muss, die „Leihmutter“ (was für ein Wort!) aber schon.

Retlapsneklow
28 Tage her
Antworten an  maru

« Das ist doch bereits eine moderne Form der Prostitution. »

Das ist dafür nicht nur eine definitionsfremde, falsche Bezeichnung sondern auch eine dreckige.

Last edited 28 Tage her by Retlapsneklow
Retlapsneklow
30 Tage her

Im Alter erscheint das Frühere besser als es war.

Dr.KoVo
30 Tage her

Man gönnt sich ja sonst nichts. Und was halt nicht irgendwie geht, wird gekauft. Bin aber irritiert. Gibt es wirklich nur zwei Geschlechter?

HDieckmann
30 Tage her

In einem Münchner Park: Zwei junge Ehepaare sind mit ihren Neugeborenen und Verwandten/Freunden unterwegs. Die Frischgeborenen werden von den beiden Ehemännern in Tragetaschen vor der Brust getragen. Die beiden Mütter sind sichtlich stolz – ihre beiden Männer in der Mutterrolle präsentieren zu können. Das Kind wird nicht gesehen.

Landdrost
29 Tage her
Antworten an  HDieckmann

Also wenn der leibliche Vater das eigene Kind in einer Trage vor der Brust trägt tut er so als wäre er die Mutter? Mein Gott, was fehlt Ihnen? Vielleicht kann die Mutter ihr Kind nicht tragen weil sie sich noch schonen muss? Vielleicht ist es gut für die Bindung des Kindes an den Vater und andersherum? Ein Kind wird nach einem Kaiserschnitt heute übrigens direkt dem Vater auf die Brust gelegt, so lange die Mutter noch im OP und nicht im Kreissaal ist.

Franz Guenter
30 Tage her

Jedes Ihrer Worte kann ich unterschreiben.