Keine Überraschung: Deutschland fällt auch bei der neunten PISA-Studie zurück

Erfahrene Grundschullehrerinnen sagen: In der vierten Klasse kann ich heute Dinge machen, die ich früher in der zweiten Klasse machen konnte. Will sagen: Ein erheblicher Teil der Probleme der (Ex-)Bildungsnation ist importiert.

picture alliance / imageBROKER | Udo Herrmann

Die konkreten Ergebnisse der seit 2000 mittlerweile neunten Pisa-Studie werden heute am späten Vormittag in Berlin vorgestellt. Aber es ist bereits durchgesickert, dass es mit Deutschlands Schülern weiter bergab geht. „Bild“ hat vorab einige Details in Umlauf gebracht.

Danach schneiden die getesteten Fünfzehnjährigen bei der neuen PISA-Studie vom Frühjahr 2025 der OECD noch einmal schlechter ab als bei der Erhebung 2022. Das heißt: Deutschlands Schüler können immer schlechter lesen und rechnen, und auch in Naturwissenschaften geht es abwärts.

Die konkreten Punktezahlen und Rangplätze folgen noch. Bekannt ist aber bereits folgendes:

  • Die ohnehin leistungsschwachen Schüler („Kompetenzstufe I“; unterste Stufe von 6 bzw. 9 Stufen) sind in allen Testbereichen (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) seit 2022 noch einmal abgefallen.
  • Die sogenannte Risikogruppe ist seit der letzten Erhebung gewachsen. Dazu gehört mittlerweile jeder dritte Schüler beim Lesen und Rechnen, jeder vierte in Naturwissenschaften.
  • Deutschland kommt in allen getesteten Bereichen inzwischen nur noch auf das Niveau des OECD-Mittels. Bei PISA 2022 lagen die Leistungen in den Naturwissenschaften dagegen noch leicht über dem Durchschnitt der OECD-Staaten.
  • Beim Lesen stürzte Deutschland bereits zwischen 2018 und 2022 um 18 Punkte ab. Von 2022 bis 2026 fällt der Rückgang laut den neuen PISA-Ergebnissen ähnlich stark aus.

Fakt ist: Nach dem ersten PISA-Test im Jahr 2000 („PISA-Schock“) hatten sich die Leistungen deutscher Schüler zunächst verbessert. Beim Lesen stieg der Wert von 484 Punkten im Jahr 2000 auf 509 Punkte 2015. In Mathematik kletterte Deutschland von 503 Punkten 2003 auf den Höchstwert von 514 Punkten 2012. Auch in den Naturwissenschaften ging es zunächst aufwärts: von 516 Punkten 2006 auf 524 Punkte 2012.

Danach aber ging es bergab. Bis 2022 fiel der Wert in Mathematik auf 475 Punkte, beim Lesen auf 480 Punkte und in den Naturwissenschaften auf 492 Punkte. Damit erreichte Deutschland in allen drei Bereichen den schlechtesten Wert seit Beginn der jeweiligen PISA-Erhebung. (Zur Erklärung: Der Wert 500 ist als Durchschnittswert definiert.)

Hintergrund

Der PISA-Test finden alle drei Jahre in rund 90 Ländern statt. Wegen Corona gab es einmal eine vierjährige Pause. Für die aktuelle Studie wurden in Deutschland im Frühjahr 2025 insgesamt 6.656 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren in grundlegenden Kompetenzen wie Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet. Weltweit nahmen mehr als 760.000 Gleichaltrige teil.

Um die Ergebnisse einzuordnen, werden die Leistungen in sogenannte Kompetenzstufen eingeteilt. Wer Kompetenzstufe 1 oder darunter erreicht, kann nur sehr einfache Aufgaben bewältigen – etwa eine grundlegende Rechnung nach einer klaren Anleitung durchführen oder eine Information aus einer Tabelle ablesen. Erst ab Kompetenzstufe 2 gilt das grundlegende Kompetenzniveau als erreicht. Schüler, die darunter bleiben, werden von der OECD als leistungsschwach beziehungsweise Risikogruppe bezeichnet.

Ursachen für den Absturz

Deutschland ist schon lange keine Bildungsnation mehr: im Schulsektor nicht und im Hochschulsektor nicht. Die Gründe sind vielfältig; sie hatten ihren Anfang schon vor Jahrzehnten in der Ideologie der Gleichmacherei und Leistungsfeindlichkeit. Da der Absturz aber nicht als solcher wahrgenommen werden sollte, wurden die Ansprüche laufend gesenkt und der Niveauverfall mit immer höheren Abiturientenquoten und besseren Noten zugedeckt. Mit einem Wort: Die 68er Pädagogik wirkt unvermindert fort.

Potenziert wird der Verfall durch eine Schülerschaft, der es zu erheblichen Teilen an den sprachlichen und motivationalen Voraussetzungen für Schulerfolg mangelt. Es ist kein Geheimnis, dass bei einer Klasse mit einem Anteil von mehr als einem Fünftel Schülern nicht-deutscher Herkunftssprache („NDH“) das gesamte Klassenniveau sinkt. Da es sich aber sehr häufig nicht um EIN Fünftel, sondern oft um mehr als VIER Fünftel handelt, wird man sich nicht wundern dürfen, wenn etwa erfahrene Grundschullehrerinnen sagen: In der vierten Klasse kann ich heute Dinge machen, die ich früher in der zweiten Klasse machen konnte. Will sagen: Ein erheblicher Teil der Probleme der (Ex-)Bildungsnation ist importiert.

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