Merz erklärt nach dem CDU-Wahl-Waterloo den Kurs für richtig – nur die „Erzählung“ müsse besser werden. Schuld sind das verängstigte Volk, die Junge Union und Kritiker in den eigenen Reihen.
IMAGO / Bernd Elmenthaler
Friedrich Merz hat sehr lange gebraucht, um eine Stellungnahme zur Wahlkatastrophe von Magdeburg abzugeben, und man muss zugeben, dass sie, um ein von vielen überstrapaziertes Wort zu benutzen, historisch ist. Im wirklichen Sinn historisch allerdings, denn sie erinnert in Stil und Tonalität an eine andere Rede, die am 18. Oktober 1989, also vor fast genau 37 Jahren, gehalten wurde, als Egon Krenz sagte: „Mit der heutigen Tagung werden wir eine Wende einleiten, werden wir vor allem die politische und ideologische Offensive wieder erlangen.“ Inzwischen hatten sich die Bürger in großer Zahl von der Regierung abgewandt, ihre Herrschaft zerfiel, sodass die SED sich durch Reformen zu retten versuchte. Vor allem wollten die hohen Damen und Herren fürderhin dem dummen Volk noch besser erklären, was die hohen Damen und Herren doch Gutes für das undankbare Volk schufen. Die Politik war nicht schlecht, sie war nur schlecht erklärt, der Kampf um die Herzen und Hirne unserer Menschen muss geführt werden – und die Fehler, die wir gemacht haben, werden wir überwinden.
Man kann die Agonie der DDR nicht mit der krisenhaften Entwicklung der Bundesrepublik vergleichen, doch erinnert die Stellungnahme des Parteivorsitzenden der CDU, Friedrich Merz, sehr an den Verlust der Wirklichkeit einer dysfunktionalen Elite, die sich selbst in ihrem Bild von der Welt verfangen hat. Friedrich Merz hat nicht einmal im Ansatz begriffen, was sich in Sachsen-Anhalt ereignet hat und was sich langsamer und noch etwas weniger krass auch in anderen Bundesländern vollzieht. In Sachsen-Anhalt hat die CDU kein einziges Direktmandat geholt, sie hat fast 20 Prozentpunkte, mehr als die Hälfte ihrer Wähler im Vergleich zur vorherigen Wahl verloren, also mehr Wähler verloren als Stimmen insgesamt gewonnen. Dass es eine krachende Niederlage wird, war vorauszusehen, dass sie so krachend ausfällt, vielleicht nicht.
Dass Friedrich Merz nicht begreift, nicht begreifen will und nicht begreifen kann, was geschieht und welche Verantwortung er trägt, ist für den Historiker als der Moment identifizierbar, in dem eine wirtschaftliche Krise auf die Politik und die Gesellschaft überspringt. Friedrich Merz versteht nicht, dass er, dass seine gebrochenen Wahlversprechen, dass seine Floskeleien, dass seine Unterordnung unter die SPD, dass die Talfahrt in allen Bereichen der Gesellschaft, von der Bildung über die innere Sicherheit bis hin zum Treibstoffpreis und zur Wirtschaft durch seine Politik, die die Wähler der CDU in die Flucht treibt, eine der wesentlichen Ursachen der Wahlniederlage der CDU ist.
Statt Analysen werden Verschwörungstheorien zelebriert. Man könnte die Auswertung des Parteivorsitzenden Friedrich Merz zum Wahl-Waterloo der CDU so zusammenfassen: Der Kurs der CDU ist richtig. Wir müssen unseren Kurs den Menschen nur besser erläutern. Wir benötigen keine bessere Politik, die ist richtig, sondern eine „bessere Erzählung“, einen „besseren Überbau“, warum wir diese Reformen für notwendig und für richtig halten. Was früher Propaganda hieß, kommt nun hochtrabend als „Erzählung“ daher. Vor allem müssen wir Helden der CDU herausfinden, wer daran schuld ist, dass die armen Menschen so viel Angst haben. Und dann kam auch noch der Dolchstoß aus den eigenen Reihen hinzu. Ende der Fehleranalyse. Merz muss, findet Merz zerknirscht, eben etwas emotionaler werden.
Merz ruft pathetisch aus, dass es grundlegender Reformen bedarf. Es gehe „um nicht mehr als die Zukunft unseres Landes und die Chancen unserer Kinder und Enkelkinder“. Die dürfe man nicht verspielen. „Deswegen ist meine Entschlossenheit, den Reformkurs fortzusetzen, ungebrochen.“ Vorwärts immer, rückwärts nimmer.
Welche Reformen eigentlich? Bitte keine Details, wir denken gerade in Gesamtkunstwerken. Die Reformen müssen wir den Menschen nur besser erklären.
Bürger kennt Merz nicht, nur Menschen, „unsere Menschen“ in „unserer Demokratie“. Wähler wohl auch nicht, sondern nur Untertanen. Wenn man Merz zuhört, wie er über die Bürger, den Souverän des Grundgesetzes, spricht, dann beschleicht einen das Gefühl, der Mann aus dem Sauerland glaubt, es mit einem Volk mit achte-Klasse-Teilabschluss zu tun zu haben, das von allen und jedem beeinflusst werden kann, weshalb Zensur vonnöten ist.
Was man in der Rede von Merz vermisst, ist der Adressat des Gesagten, ist der mündige Bürger. Merz sieht statt mündiger Bürger nur verängstigte Kinder vor sich: „Was ist da an Angst vorhanden in der Bevölkerung, die wir möglicherweise unterschätzt haben.“ Nicht „Angst“ ist in der Bevölkerung, sondern in immer größeren Teilen eine realistische Einschätzung der Situation. Hat Herr Merz einen Blick auf Klingbeils Verschuldung geworfen, auf die Zahl der Insolvenzen, begriffen, dass wir inzwischen in einer strukturellen Insolvenz sind, auf die Zahl der verlorenen Arbeitsplätze und die Verlagerung von Wertschöpfungsketten ins Ausland? Das sind alles keine Daten, die der russische Geheimdienst streut, sondern die Herr Merz beim Statistischen Bundesamt abfragen könnte. Eigentlich müsste Herr Merz doch hören, wenn es inzwischen fast in jeder Nacht in Berlin zu einem Schusswechsel kommt. Das sind alles keine diffusen Ängste, nicht die Ängste vorm Plumpsack oder vorm schwarzen Mann, das alles ist Realität in Deutschland im Jahr 2026.
Sven Schulze versichert brav, dass es in der Fraktion der CDU im Landtag von Sachsen-Anhalt keine „Überläufer“ zur AfD geben wird. Man kann auf Merzens treuen Roland, sorry, standhaften Sven, wirklich stolz sein. So viel Servilität dem Mann gegenüber, der ihm zu einem gewissen Teil dieses Wahlergebnis eingebrockt hat, zu zeigen, kennt man in Luthers Sachsen-Anhalt eigentlich sonst nicht. Aber was soll er machen, dankbar hat er zu sein, wo Friedrich Merz gerade die Schuldigen an dessen Desaster an den Pranger stellt: das einfältige Volk, das nicht in der Lage ist, Merzens Gedanken und, wie er es beurteilt, zu folgen, außerdem die Junge Union von Sachsen-Anhalt und der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der CDU/CSU, Sepp Müller.
Auf eine Kritik der Jungen Union von Sachsen-Anhalt, mit der Merz von einem ZDF-Journalisten konfrontiert wurde, teilte Merz aus: „Also dieselbe Junge Union“, die es gewagt hatte, ihn zu kritisieren, „in Sachsen-Anhalt beteiligt sich gerade und zwar schon seit ein paar Tagen an der systematischen Demontage ihres Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten, Sie werden verstehen, wenn ich das nicht eins zu eins“, also die Kritik an ihm, „für bare Münze nehme.“
In Nordkorea geht das gar nicht, den großen Vorsitzenden zu kritisieren. Aber nicht nur die Junge Union hat Sven Schulze, den geborenen Wahlkämpfer, demontiert, den Dolch quasi in den Rücken gestoßen, als er sich gerade in schimmernder Wehr im Kampf gegen die neunköpfige Hydra befand. Vom Beifall im Olymp, im Bundesvorstand, vom langanhaltenden, nordkoreanisch anmutenden Beifall berichtet Merz, weil es „niemand von uns verstanden hat, dass wenige Tage vor dem Wahltermin ein stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion dem eigenen Spitzenkandidaten so in den Rücken fällt, wie das drei Tage vor der Wahl bis zum gestrigen Tag anhaltend geschehen ist. Dafür hat es kein Verständnis gegeben und auf meine dahingehende Bemerkung anhaltenden Beifall.“
Der Parteivorsitzende der CDU trägt eine hohe Mitschuld an dem schlechtesten Wahlergebnis, das ein Landesverband der CDU jemals eingefahren hat, und der Bundesvorstand spendet dem Parteivorsitzenden mehrmals langanhaltenden Beifall? CDU 2026. Die Partei scheint tot zu sein und nur noch durch Propaganda, Zensur und Repression zu überleben.



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Merz sucht nach einer besseren Erzählung, also einer MERZählung anstelle eines NARRativs, wie zuvor verlautete.
Man meint, der Herr spiele noch immer in der Puppenkiste und versuche Kinder mit seinen Fantasiegeschichten einzulullen, diesmal mit einer emotional geprägten Komponente, damit die Kinder es besonders gut verstehen.
Nachdem was man so liest, dreht Merz jetzt völlig frei und hat der AfD „Machtergreifung“ vorgeworfen. Demnach waren seine Worte wohl: „Bei uns wird Macht erteilt, nicht ergriffen“. Jetzt spinnt er offenbar komplett.
Wenn man den Vorhang, der vor diesem ganzen grotesken Schauspiel hängt, auch nur ein wenig anlüpft, dann eröffnet sich das ganze Elend dieser Partei in epischer Breite: Der komplette Parteikader besteht ausschließlich aus auf Linie getrimmten, vollkommen eierlosen und rückgratlosen Komparsen dieses Schmierentheaters, das schon lange vor Merkel einstudiert wurde, mit Merkel zum ersten Mal zur Aufführung kam („diese Wahl ist unverzeihlich und muß rückgängig gemacht werden“), unter Scholz zumindest geduldet und mit Merz dann mit dem schalen Ruch eines Wiederaufgusses unter anderen Vorzeichen perfektioniert wurde. Die Gestalten blieben die gleichen. Egal ob Amthor, Wüst, Günther, Schulze, Kretschmer, Rein und… Mehr
Böses Medium zitiert heute Ficos Warnung: „Slowakischer Premier Fico: Hoffentlich kein Krieg gegen Russland zur Ablenkung vom AfD-Sieg“
Immer wieder wird deutlich, das die selbsternannte Elite das „Volk“ einschätzt wie unreife Kinder. Kinder, die nicht wissen, was gut für sie ist, die erzogen werden müssen. Man wird auch nach dieser Wahlniederlage nicht den Kurs ändern. Die AfD muss vollständig siegen, bevor sich etwas ändern kann. Ich bin skeptisch, ob das passieren kann. Die Karawane zieht einfach weiter.
Ach ja und sein stärkster Verbündeter, den dieser Demente noch hat ist der Kindgreis… der noch nie in seinem Leben auch nur irgendwas produktives gearbeitet hat! DAS DREAMTEAM… Kindgreis und Dementitis retten Absurdistan…
Ja, so isser ämd, der Merz. Alle anderen sind dumm, nur er ist die erlauchte Persönlichkeit, die ganz allein weiß, was für eine weise Politik seine Regierung macht. Nur das dumme Volk will seine Erlauchtheit einfach nicht verstehen, also muss es ausgewechselt werden. Vor allem die frechen Lümmel aus dem Osten sollten doch endlich diszipliniert werden. Mir kommt Merz vor, wie einst Biden. Merz vergisst die Namen von Personen, die er in der Rede benennt und muss nachfragen, ob er denn mit dem Namen richtig liege, aber er lag falsch. Er verwechselt Termine, wo wann eine Wahl stattfinden. Biden hat… Mehr
Merz ist die Personifikation der CDU und ihrer Wähler!
Ein demenzkranker Mensch der bemitleidenswerte Auftritte absolviert, den man am liebsten zurufen möchte wo ist dein Pfleger und warum macht die Familie das mit dir?!
Die CDU ist genau so wie Merz im Kopf….
Das kann man gar nicht mehr sinnvoll kommentieren.
Außer – vielleicht ginge es so:
Nehmen Sie das Foto oben.
Drucken Sie es aus.
Schreiben Sie darunter:
„Ceci n’est pas une pipe.“
Es gibt keine „Erzählung“, die stärker sein könnte als unsere tägliche Realität, Herr Merz. Also lassen Sie einfach stecken. Wir wollen ihre Agenda nicht, niemand kann das wollen.