Frankreichs Finanzverwaltung wurde gehackt, Hunderttausende Datensätze gestohlen. Die Behörde bemerkte den Zugriff schon Ende Juni, öffentlich wurde der Fall erst, nachdem die mutmaßlichen Täter selbst damit prahlten. Es ist nur der jüngste Fall in einer ganzen Serie beim französischen Staat.
picture alliance / maxppp | Julio PELAEZ
Bei einem Cyberangriff auf die französische Steuerverwaltung sind persönliche und finanzielle Daten von vermutlich um die 700.000 Steuerzahlern gestohlen worden. Das Wirtschafts- und Finanzministerium in Paris hat den Hack inzwischen bestätigt.
Ein unter dem Namen „ZeroBytes“ auftretender Akteur erklärte am 12. August, dass man bereits Ende Juni 2026 in Systeme der Direction générale des Finances publiques (DGFiP) eingedrungen sei. Die Generaldirektion verwaltet unter anderem das französische Steuerportal. Nach Darstellung von ZeroBytes gelang der Zugang über gestohlene Identitäten beziehungsweise persönliche Zugangsdaten.
Die Untersuchungen des Ministeriums bestätigten inzwischen, dass ein Unbefugter tatsächlich in die Systeme gelangt sei und persönliche sowie berufliche Steuerdaten einsehen und herunterladen konnte. Die Öffentlichkeit erfuhr davon zunächst nichts. Erst nachdem der Hacker ZeroBytes Wochen später in einem kriminellen Forum mit dem Einbruch an die Öffentlichkeit ging, bestätigte der französische Staat den Datendiebstahl massiven Umfangs.
Wie groß der Schaden genau ist, untersucht das Ministerium gemeinsam mit der nationalen Cybersicherheitsbehörde ANSSI. Geklärt werden soll, welche Informationen abgerufen wurden und wie viele Steuerzahler tatsächlich betroffen sind. Jeder Betroffene soll individuell informiert werden und erfahren, welche seiner Daten möglicherweise eingesehen oder kopiert wurden und welche Vorsichtsmaßnahmen notwendig sind.
Die auf Cyberangriffe spezialisierte Plattform FrenchBreaches nennt unter Berufung auf Angaben der mutmaßlichen Täter rund 678.000 entwendete Datensätze. Etwa 393.000 davon sollen Privatpersonen betreffen, weitere 286.000 gewerbliche beziehungsweise berufliche Steuerpflichtige. Die Regierung hat diese Zahlen bislang nicht bestätigt. Nach den bislang bekannt gewordenen Angaben befinden sich darin Namen und Adressen, Geburtsdaten und steuerliche Referenzeinkommen. Hinzu kommen Quellensteuersätze, Angaben zur Familiensituation und teilweise Informationen über Immobilienbesitz. Eine von FrenchBreaches untersuchte Stichprobe enthielt außerdem interne Steuerkennungen, die Zahl unterhaltsberechtigter Personen sowie Angaben über frühere Kontakte und Vorgänge mit der Finanzverwaltung. Der Datensatz soll inzwischen für mehrere Tausend Euro zum Verkauf angeboten worden sein.
Die Behörde hat ihre Zugangskontrollen inzwischen verschärft. Das Finanzministerium will den Vorgang außerdem der französischen Datenschutzbehörde CNIL melden und Strafanzeige erstatten.
Parallel kursiert bereits die nächste Meldung über einen möglichen Hack bei derselben Behörde. Dabei soll am 29. Juli der Server der DGFiP für professionelle Katasterdaten kompromittiert worden sein. Nach Behauptung umfasst dies 252.149 Datensätze zu etwas mehr als zwei Millionen Immobilieneigentümern. Eine Bestätigung durch französische Behörden liegt dafür nicht vor. Bislang.
Der Steuerdaten-Hack trifft auf einen Staat, dessen digitale Infrastruktur bereits seit Monaten von einer Serie schwerer Sicherheitsvorfälle erschüttert wird. Im Dezember 2025 musste das französische Innenministerium bestätigen, dass Hacker Zugriff auf E-Mail-Server und eine begrenzte Zahl vertraulicher Dateien erhalten hatten. Darunter befanden sich Bestandteile von Systemen mit Informationen aus Strafregistern. Auch die polizeiliche Datensammlung und das Register gesuchter Personen wurden eingesehen. In diesem Zusammenhang wurde ein 22 Jahre alter Verdächtiger festgenommen.
Im Februar 2026 folgte der nächste Großangriff. Ein Täter nutzte gestohlene amtliche Zugangsdaten, um auf Informationen zu rund 1,2 Millionen Bankkonten im nationalen FICOBA-Register zuzugreifen. Auch dieses Register fällt in den Zuständigkeitsbereich der Finanzverwaltung. Die DGFiP erklärt, zwischen diesem und dem aktuellen Steuerdaten-Hack sei bislang keine Verbindung bekannt.
Im April traf es die Agence nationale des titres sécurisés (ANTS), jene staatliche Stelle, die für Personalausweise, Reisepässe und Führerscheine zuständig ist. Millionen persönliche Datensätze wurden dabei kompromittiert. Das Innenministerium bezifferte die Zahl der betroffenen Konten schließlich auf 11,7 Millionen. Ein 15-Jähriger wurde später festgenommen und angeklagt.
Premierminister Sébastien Lecornu reagierte am 30. April mit der Ankündigung eines Cybersicherheitsprogramms mit einem Volumen von über 200 Millionen Euro. Bisschen knapp bemessen an dem, was immer wieder auf dem Spiel steht. Finanziert werden soll es aus dem staatlichen Investitionsprogramm France 2030. Gleichzeitig stellte Lecornu die Schaffung einer neuen staatlichen Digitalbehörde in Aussicht.


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