Mehr als 10.000 Hektar Wald und Buschland gingen in Flammen auf. Während Politiker erneut die Klimakrise beschwören, finden Ermittler eine sehr konkrete Spur: eine private Stromleitung von Windkraftanlagen. Zwei Unternehmer sitzen in Untersuchungshaft. Der Fall reiht sich in eine lange Serie menschengemachter Waldbrände ein.
picture alliance/dpa | Socrates Baltagiannis
Der Klimawandel ist ein bemerkenswerter Verdächtiger. Er wird regelmäßig öffentlich überführt, noch bevor die Brandermittler den Ausgangspunkt eines Feuers abgesperrt haben. Brennt im europäischen Sommer ein Wald, steht die politische Diagnose häufig schneller fest als die kriminalistische: Klimakrise. Klimawandel. Schickt mehr Geld.
Der jüngste Fall aus Griechenland zeigt, warum man vielleicht erst die Feuerwehr löschen und anschließend die Ermittler arbeiten lassen sollte, bevor Politiker die Schuldfrage für ihre Zwecke erledigen. Nach dem verheerenden Waldbrand westlich von Athen sitzen der Chef einer Elektro-Installationsfirma und ein weiterer Unternehmer in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts auf Brandstiftung beziehungsweise eines Branddelikts. Nach den bisherigen Erkenntnissen brach das Feuer nahe Agios Vassilios aus, nachdem an einer privaten Stromleitung Funken entstanden waren. Reuters zufolge transportierte diese Leitung Strom von Windkraftanlagen. Mehr als 10.000 Hektar Vegetation verbrannten, in Porto Germeno wurden über 120 Gebäude beschädigt.
Reuters berichtet unter Berufung auf die Feuerwehr, dass vibrierende Leiterseile der privaten Stromleitung nach vorläufigem Stand die Funken erzeugten. Ein Elektroingenieur und ein Unternehmer wurden festgenommen. Bemerkenswert ist noch eine andere Angabe: Defekte Stromleitungen seien in Griechenland in den vergangenen Jahren die häufigste Ursache großer Waldbrände gewesen – noch vor Brandstiftung und Fahrlässigkeit.
Das hinderte den stellvertretenden griechischen Klimakrisenminister Kostas Katsafados während der Löscharbeiten nicht daran, den Kampf gegen die Feuer als Kampf gegen die Auswirkungen der Klimakrise zu beschreiben oder Grüne Hysteriker hierzulande, Waldbrände als Folgen des Klimawandels wie antike Schlangenbeschwörer für ihre Zwecke nutzen zu wollen. Trockenheit und starke Winde können einen einmal entstandenen Brand erheblich verschärfen. Nur beantworten sie eine andere Frage als die nach seiner Entstehung.
Genau diese Unterscheidung verschwindet im politischen Betrieb erstaunlich zuverlässig.
Die deutschen Grünen bezeichnen Waldbrände auf ihrer eigenen Internetseite seit Jahren als „eines der sichtbarsten Zeichen der Klimakrise“. Die unseriöse Grünen-Chefin Franziska Brantner nahm die verheerenden Feuer in Frankreich und Spanien am 25. Juli dieses Jahres zum Anlass, stärkeren Klimaschutz zu fordern. Drei Tage später erklärte Grünen-Fraktionschefin Terry Reintke im Europaparlament angesichts der Brände: „Europe is burning“. Das sei kein normales Sommerwetter; verantwortlich seien auch jahrelange politische Untätigkeit und geschwächte Klimaambitionen.
Das Muster ist praktisch. Das Feuer wird zum Bildbeweis für die politische Botschaft. Was genau den ersten Funken erzeugte, rutscht anschließend in die zweite Reihe.
Ausgerechnet die Europäische Umweltagentur liefert die notwendige Korrektur. Nach ihrer Schätzung werden 95 Prozent der Waldbrände in Europa direkt oder indirekt durch menschliches Verhalten verursacht, darunter Fahrlässigkeit oder konkrete Brandstiftung. Zugleich erklärt die EEA ausdrücklich, dass klimatische Bedingungen darüber entscheiden, wie heftig sich solche Feuer entwickeln und welche Schäden sie anrichten.
So kompliziert ist die Wahrheit also gar nicht: Ein trockener, heißer Wald brennt leichter und heftiger. Aber irgendetwas muss ihn in aller Regel trotzdem anzünden.
Griechenland: 2023 kam die Ernüchterung
Dass Griechenland dieses Problem kennt, ist nicht neu. Im Katastrophensommer 2023 gingen die Bilder der brennenden Inseln um die Welt. Rhodes wurde teilweise evakuiert, die Klimakrise beherrschte die internationale Berichterstattung. Dann trat ausgerechnet Griechenlands Minister für Klimakrise und Zivilschutz Vassilis Kikilias vor die Presse. Innerhalb weniger Wochen seien 667 Feuer ausgebrochen. Die Mehrheit davon sei „von Menschenhand“ entzündet worden, entweder durch kriminelle Fahrlässigkeit oder vorsätzlich.
Bis Anfang August waren in Griechenland bereits mehr als 100 Menschen wegen des Verursachens von Bränden festgenommen worden. In zehn Fällen ging es nach Angaben der Feuerwehr um vorsätzliche Brandstiftung. Die griechischen Statistiken zeigen zugleich seit Jahren hohe Zahlen fahrlässig ausgelöster Feuer.
Noch drastischer ist der Fall Mati. Das Feuer vom Juli 2018 tötete 104 Menschen und wurde zu einer der schlimmsten Brandkatastrophen in der Geschichte Griechenlands. Zunächst wurde öffentlich auch über Brandstiftung gesprochen. Die Brandermittler kamen jedoch zu einem banaleren Ausgangspunkt: Ein Anwohner hatte nach ihren Erkenntnissen Holz und Äste verbrannt. Das Feuer geriet außer Kontrolle. 2024 wurde der Mann wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt. Die meteorologischen Bedingungen machten Mati zur Katastrophe. Hinzu kamen schwere Versäumnisse bei der Gefahrenabwehr. Aber die Zündquelle war weder ein abstraktes Klimamodell noch der globale CO2-Gehalt der Atmosphäre. Am Anfang stand nach den Ermittlungen ein Mensch mit Feuer.
Spanien: Während über Klima geredet wird, findet die Polizei die Funken
Besonders aufschlussreich ist Spanien in diesem Sommer. Am 25. Juli forderte Brantner angesichts der Feuer in Frankreich und Spanien verstärkten Klimaschutz. Wenige Tage später präsentierten spanische Ermittler bei zwei gewaltigen Bränden sehr konkrete Antworten auf die Frage nach deren Entstehung. Der Brand von Burgohondo in der Provinz Ávila gilt mit mehr als 50.000 betroffenen Hektar als größter Waldbrand der jüngeren spanischen Geschichte. Nach den Ermittlungen der Guardia Civil entstand er durch schwere Bauarbeiten mit einem Bagger. Die Maschine wurde eingesetzt, obwohl solche Arbeiten wegen der extremen Brandgefahr ausdrücklich verboten waren. Beim Brechen von Gestein entstanden Funken, die die ausgetrocknete Vegetation entzündeten. Der Besitzer der Maschine wurde festgenommen, gegen den Fahrer wird ermittelt.
Beim Großbrand von Almorox, der bis in die Region Madrid hineinlief, führte die Spur ebenfalls nicht zum Weltklima, sondern auf ein Grundstück. Dort sollen zwei Männer Schweißarbeiten durchgeführt haben – ebenfalls an einem Tag, an dem solche Tätigkeiten wegen extremer Brandgefahr verboten waren. Die Ermittler fanden nach Angaben von El País eindeutige Spuren frischer Schweißarbeiten am Ausgangspunkt des Feuers. Rund 30.000 Hektar waren betroffen, 43 Häuser wurden vollständig zerstört. Zwei Männer wurden festgenommen; die Ermittlungen dauern an.
Auch hier gilt: Die extreme Trockenheit erklärt, weshalb ein Funke Zehntausende Hektar verwüsten konnte. Sie erklärt nicht, weshalb dieser Funke überhaupt entstand.
Und manchmal ist die Ursache noch prosaischer. Auf Mallorca löste 2013 ein Grillabend einen der schlimmsten Waldbrände der Insel seit Jahrzehnten aus. Ein 44-Jähriger gestand, die vermeintlich erkaltete Grillglut auf trockenem Gras entsorgt zu haben. Rund 2.000 Hektar verbrannten, etwa 700 Menschen mussten aus Estellencs evakuiert werden. Keine komplizierte Klimasimulation war nötig. Ein Einkaufswagen diente als Grill, die Glut landete im Gras.
Frankreich: Neun von zehn Feuern sind menschengemacht
Frankreichs Regierung formuliert die Sache inzwischen selbst bemerkenswert nüchtern. In ihrer Präventionskampagne für den Sommer 2026 heißt es: Neun von zehn Waldbränden haben eine menschliche Ursache, die Hälfte geht auf Unachtsamkeit zurück. Als typische Auslöser nennt der französische Staat unter anderem Zigaretten und Grillfeuer in der Nähe von Vegetation. Im selben Informationsblatt wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass häufigere Trockenperioden infolge des Klimawandels die Ausbreitung erleichtern.
Genau so sieht eine seriöse Ursachenbeschreibung aus. Der Mensch entzündet das Feuer, die Bedingungen entscheiden mit darüber, was daraus wird.
Frankreich kennt daneben handfeste Fälle vorsätzlicher Brandstiftung. Im Sommer 2022 gestand ein Feuerwehrmann im Département Hérault, mindestens fünf Brände gelegt zu haben. In der Ardèche räumte ein weiterer Mann nach seiner Festnahme ein, für zwölf Brandherde verantwortlich gewesen zu sein.
Auf Sizilien wurden nach der Brandsaison 2023 drei Männer festgenommen. Unter ihnen befand sich ausgerechnet ein saisonaler Mitarbeiter der Waldbrandbekämpfung, dem vorgeworfen wurde, einen Brand gelegt zu haben, der zwölf Hektar Vegetation vernichtete. Die Ermittler stützten sich unter anderem auf Videoaufnahmen.
Portugal erlebte im September 2024 eine verheerende Serie von Waldbränden mit mindestens sieben Toten. Innerhalb einer Woche nahm die Polizei 14 mutmaßliche Brandstifter fest. Reuters verwies zugleich auf eine Untersuchung zu den portugiesischen Feuern von 2017: Damals wurden fast 36 Prozent der untersuchten Brände auf Brandstiftung zurückgeführt; fahrlässiger Umgang mit Feuer lag in einer ähnlichen Größenordnung.
Die wirklichen Brandursachen sind keine Klimakrise
Der Fehler besteht deshalb nicht darin, darauf hinzuweisen, dass sich Waldbrandrisiken durch höhere Temperaturen verändern können. Das tun sie. Wer das bestreitet, macht es sich ebenso einfach wie diejenigen, die bei jedem brennenden Wald sofort „Klimakrise“ auf die politische Anklageschrift setzen.
Der eigentliche Taschenspielertrick beginnt dort, wo aus einem Risikofaktor für die Ausbreitung stillschweigend die Ursache des Brandes wird.
Politisch ist das außerordentlich praktisch. Gegen den Klimawandel kann man neue teure Programme beschließen, panische Wählerstimmen von Gutgläubigen sowie geistigen Leichtgewichten einsammeln und zusätzliche Milliarden verlangen. Gegen den Mann, der im Hochsommer seine Grillglut ins dürre Gras kippt, hilft keine Weltklimakonferenz. Gegen Schweißarbeiten trotz höchsten Brandrisikos hilft zunächst die Durchsetzung bereits bestehender Regeln. Und gegen marode Stromleitungen braucht man Wartung statt Weltrettungsrhetorik.
Gerade die Zahlen der europäischen Behörden zeigen, wie absurd die reflexhafte Ein-Ursachen-Erzählung ist. Wenn nach Schätzung der EEA rund 95 Prozent der europäischen Waldbrände direkt oder indirekt auf menschliches Handeln zurückgehen, müsste bei jedem Großfeuer die erste journalistische Frage lauten: Was hat es entzündet?
Stattdessen lautet die politmediale Antwort allzu oft bereits: Klimawandel.
Der aktuelle Fall aus Griechenland könnte dafür kaum symbolträchtiger sein. Während Europas Grüne in Politik und Medien wieder eilig die tote Klimakrise reanimieren wollen, untersuchen die Ermittler eine Stromleitung, die Energie aus Windkraftanlagen transportierte. Zwei Unternehmer sitzen in Untersuchungshaft. Ob sie strafrechtlich verantwortlich sind, müssen die Gerichte klären. Eines steht dagegen schon jetzt fest: Der Klimawandel hat an dieser Leitung keine Funken geschlagen. CO2 kann einen Wald nicht mit Grillglut entzünden. Es führt auch keine verbotenen Schweißarbeiten aus.


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„Griechenland“, „Private Stromleitung“, „Unternehmer“ – Da kann ich mir die Sicherheits- und Qualitätsstandards lebhaft vorstellen.
Und zur Brandbekämpfung braucht man Llschflugzeuge und keine Feuerwehrleute mit C-Rohr oder gar Gartenschlauch und auch keine Helikopter mit wassergefüllten Luftballons, die den Brand ebenfalls nur punktuell bekämpfen.
All dies ist Versagen der Politik, die das üppig sprudelnde Steuergeld lieber an anderer nicht notwendiger Stelle (Stichworte Ukraine und Migration) raushauen. Es hat nichts mit einem Klimawandel zu tun, auf den der Mensch keinen Einfluss hat, sondern lediglich was mit unfähigen Politikern.
Wann begreift dies endlich der Wähler?
„Mehr als 10.000 Hektar Vegetation verbrannten, […] über 120 Gebäude beschädigt.“ Offiziell geht es immer bloß um Flächen und materielle Schäden. Verbrennt dann noch eine Stallung mit Viehhaltung wird das auch genannt, wie jüngst in Sachsen-Anhalt. Niemand scheint zu ahnen, welch ungeheures Leid unter den Tieren in Wald und Flur verursacht wird. Bei weitem nicht alle können weglaufen oder -fliegen. In den wenigsten Fällen lassen sich die Täter ermitteln und wenn, werden die nicht bei lebendigem Leibe verbrannt. Kriminelle Fahrlässigkeit: Zu den Ursachen möchte ich erwähnen, dass das Bewusstsein für Brandursachen (Zigaretten, heiße Katalysatoren, Grillen mit Holzkohle, handwerkliche Arbeiten, klare… Mehr
Hoffentlich wird dieser Effekt auch bei der Ökobilanz der Windkraftanlagen berücksichtigt…
Natürlich nicht. Die Entsorgung wird ja auch nicht mitgerechnet. Dafür erhöhen diese Zerstörungen das BIP!
Es ist doch logisch: Solche High-Voltage-Anlagen haben inmitten zündel-trockener Wälder nichts, aber auch gar nichts veroren. Immer öfters hört man von brennenden Industriewindanlagen – das sind tickende Zeitbomben.
Wer den Klimawandel leugnet , der leugnet auch, dass es Corona gab/gibt. Nur ist DAS eben überhaupt nicht das Problem! Das Problem ist, wie beim Flüchtlingstsunami, wie erklärt wird, warum das alles so teuer ist. Und wenn das schlicht nicht funktioniert, dann sind einfach alle konträren Meinungen entweder total NAZI, oder noch simpler: BULLSHIT…
Die ÖRR haben alle noch nichts von den Brandstiftern in Frankraich, Spanien und Griechenland gehört. Der Fakt wird unter den Teppich gekehrt. Keine einzige Info ans Volk. Warum? Weil unbedingt das Klima Schuld sein MUSS!! Lügenmedien eben.
Soweit ich mich erinnere, ist es „gute“ Sitte,von Südfrankreich über Italien bis nach Griechenland,aus ökologischen oder naturschutzrechtlichen Gründen für Bebauung gesperrte Bereiche per „Brandrodung“ von den störenden Restriktionen zu befreien und im Anschluss als teures Bauland zu verkaufen….
ich(jetzt knapp 60) höre und lese diese Hintergrundgeschichten seit den frühen achzigern und die haben alle nichts mit „Klimawandel“,sondern mit einer bestimmten Einstellung zu tun
Griechenland, Spanien, Frankreich – alle Jahre wieder menschengemachte Waldbrände.
Über 80 % Brandstiftungen und zum Schuldi9gen wird das Klima gemacht. Daran kann man sehen, wie krank die jetzige Politik und ihre geschmierten Machterhalter sind.
Da hilft nur ein neuer Besen, ein Stahlbesen.