Gefallener „Professor“ Jason Arday: Plagiate, Flunkereien und die korrumpierte Universität

Der schwarze Ex-Professor Jason Arday steht unter massivem Plagiatsverdacht und hat Teile seines Lebenslaufs schlicht erfunden. Auf kritische Fragen reagierte er mit Anzeigen. Der Fall zeigt den intellektuellen Verfall an unseren Hochschulen, wo Identitätspolitik immer öfter akademische Standards schlägt.

Screenprint via X

Eigentlich müsste nun seit Tagen ein Aufschrei durch das akademische Milieu gehen, egal ob im Ausland oder hierzulande. Der Fall des an der Universität Cambridge zurückgetretenen Soziologie-Professors Jason Arday hat zumindest die britischen und englischsprachigen Medien einigernaßen beschäftigt. Nun schreibt sogar die woke New York Times darüber und wundert sich über den tiefen Fall eines „Star-Gelehrten“. War er das? Vielleicht eine Zeit lang und für einige wenige. Hier ist seine Geschichte.

Jason Atta Kwei Arday wurde am 9. Mai 1985 als Kind ghanaischer Eltern im Süden Londons geboren. Die Mutter war Psychiatrie-Krankenschwester, der Vater Koch. Bei Arday wurden viele Handicaps festgestellt: Autismus, Dyslexie, globale Entwicklungsstörungen, Epilepsie. Doch er überwand sie alle – so die Heldenerzählung. Er selbst hat behauptet, dass er bis zum Alter von elf Jahren nicht sprechen konnte. Das Schreiben lernte er angeblich erst mit 18. An der Universität St Mary’s in London, seiner Alma Mater, glaubt man diese ganze unglaubliche Geschichte bis heute und hat sie stolz auf der eigenen Seite veröffentlicht.

Seine Epilepsie entwickelte Arday angeblich erst nach einem körperlichen Angriff im Alter von 18 Jahren. Vor Gericht bat er darum, dass seine Angreifer nicht ins Gefängnis gehen sollten. 2005 begann er ein Studium zum Sportlehrer und Pädagogen. Er wurde Sportler und sammelte angeblich marathonmäßig Spenden für verschiedene Organisationen. 2015 schrieb er eine Doktorarbeit, doch nachdem er die Dissertation zu einem Gutteil geschrieben hatte, will Arday an einem gutartigen Gehirntumor erkrankt sein. Die OP kostete ihn die Erinnerung an seine Forschung – vielleicht war das aber auch eine psychosomatische Begleiterscheinung. Arday musste seinen Stoff angeblich noch einmal lernen.

Das BAME-Ticket, das Arday an die Uni Cambridge brachte

Später arbeitete er mit einer Labour-Politikerin zusammen in der „Operation Black Vote“. Arday hatte einen wissenschaftlichen (?) Artikel veröffentlicht, in dem es um die „Schwierigkeiten“ ging, denen BAME-Doktoranden sich gegenüber sehen. BAME ist die gebräuchliche Abkürzung für „Black, Asian and Minority Ethnic“, was Schwarze, Asiaten und alle übrigen ethnischen Minderheiten umfasst. Titel der Untersuchung: „Fighting the Tide“ – im Kampf gegen die Gezeiten. Damit galt Arday als Experte für die Repräsentation von Minderheiten in der britischen Universitätslandschaft. Er beklagte, dass die „schwarze britische Geschichte“ im Lehrplan zu weig vorkommt und dass sogar ethnische Minderheiten dem „dominanten eurozentrischen Ansatz“ folgten, während sie zugleich Diskriminierung an ihren Fakultäten erlebten. Es gibt heute die pseudo-wissenschaftliche Kategorie der „Autoethnographie“, unter dem Arbeiten laufen, die etwa heißen mögen: „Eine kurze Geschichte meines gegenderten Körpers“. Das wird sich auch in Deutschland ohne Probleme auf rassisch oder islamisch „gelesene“ Körper übertragen lassen.

Die Stimme des anerkannten Soziologen und Migrationsforschers Ruud Koopmans hat hier einiges Gewicht. Er beklagt die große Kriterienlosigkeit in den heutigen Sozial- und Geisteswissenschaften, die unter anderem durch einen hohen Zuwachs von Studenten geprägt sind. So wurden aus einstigen „Orchideenfächern“ Massenstudiengänge, für die es außerdem keine große Nachfrage am Berufsmarkt gibt. Koopmans kritisiert, dass man heute „Quacksalber, Alchemisten, Wünschelrutengänger, Astrologen und Homöopathen in unseren Fachgebieten frei herumtollen“ lässt. „Das Ergebnis: Große Teile unserer Universitäten sind zu einer Irrenanstalt geworden.“

Das ist allerdings ein vernichtendes Urteil. Im Hintergrund stehen dabei auch immer öfter Befindlichkeits-Studien, die sich mit der je eigenen „Identität“ befassen, egal ob Queer, Black oder Trans – all das ist der akademische Ausfluss der Identitätspolitik und „Intersektionalität“, die wiederum ein schlecht verhüllter Aufruf zur Bildung eines neuen revolutionär gesinnten „Proletariats“ ist. In diesem Fall wäre das offenbar das „Proletariat der geistig Armen“.

Es war offenbar dieses BAME-Ticket, das Arday letztlich an die hochangesehene Universität von Cambridge brachte, die ihn 2023 zum Professor für Bildungssoziologie (Sociology of Education) berief, obwohl er nie auch nur einen Kurs in Soziologie belegt hatte! Arday war mit 37 Jahren der jüngste schwarze (Junior-) Professor, den die Universität je hatte. So folgte ein Hindernis auf das andere – und alle konnte Arday überwinden. Ja, eigentlich häckselte Arday jede einzelne klein, bis nichts mehr davon übrig war, und zwar durch seine schiere Präsenz als schwarzes autistisches Wunderkind.

Doch dann gab es erste Meldungen von Plagiaten und Unkorrektheiten in seinen Arbeiten. Der Plagiatsjäger und „race realist“ Nathan Cofnas hatte wörtliche oder sehr ähnliche Übernahmen aus fremden Werken in Ardays Veröffentlichungen gefunden. Andere Stellen bestätigten diese und andere Plagiate. Die Universität Cambridge und das Jesus College haben eine Untersuchung gestartet – das war letztlich der Grund für Ardays Rücktritt.

— Donna-Louise (@NoLongerTheFuzz) August 7, 2026

Die Belästigungsanzeige gegen einen Reporter

Das wirklich Merkwürdige passierte aber nach dieser Entdeckung: Das angesehene Fachmagazin Times Higher Education (THE) wollte über den Plagiatsfall berichten – aber der Brief der Anwaltskanzlei Carter-Ruck verhinderte das Erscheinen eines Artikels. Arday hatte sich an die Anwälte gewandt. In deren Brief stand der „Angriff“ auf Arday sei eventuell „rassistisch motiviert“. Offenbar ein Totschlagargument im UK von 2026. Der THE-Reporter Jack Grove wurde von der Polizei kontaktiert. Ihm wurde gesagt, dass er keinen Kontakt mehr zu Jason Arday aufnehmen solle oder dürfe. Safe-space-mäßig sagte die Polizei dem Journalisten, die kritischen Fragen hätten die „mentale Gesundheit“ Ardays beeinträchtigt. Außerdem hatte es eine formelle Anzeige wegen Belästigung gegen Grove gegeben – wer sie stellte, bleibt unklar, aber es können wohl nur Arday oder seine Anwälte gewesen sein.

Jack Grove war erstaunt, dass ihm die Polizei verbot, seiner Arbeit nachzugehen. Vier Monate ermittelten die Beamten, bevor sie den Fall gegen Grove einstellten. Es war eben ein „non-crime“, ein „Nicht-Verbrechen“ gewesen. In einem Artikel stellt Grove klar: „Bei Times Higher Education berichten wir regelmäßig über solche Themen“  – in den unterschiedlichsten Fällen. Es hatte also nicht direkt etwas mit Ardays Hautfarbe zu tun.

Seine Biographie kuratiete Arday ebenfalls in durchaus baerböckischer Manier: Er behauptete, ein Buch veröffentlicht zu haben, unter dem Titel „Being Young, Black and Male: Challenging the Dominant Discourse“. Der Verlag bestritt das. Das Projekt war nie zum Abschluss gekommen. Außerdem gab Arday verschiedene Studiengänge und Gastprofessuren an, die von den betroffenen Unis dementiert wurden.

Auch auf dem sportlichen Gebiet beweist Arday allenfalls eine „Inselbegabung“ als professioneller Flunkerer und Seemannsgarnerzähler. Er war nämlich nicht, wie behauptet, fast 1.000 Kilometer in nur sechs Tagen gelaufen (die letzten neun Meilen mit einem gebrochenen Bein), hatte keine 30 Marathons in 35 Tagen hinter sich gebracht, und er war nicht schon als Siebenjähriger in einer TV-Dokumentation aufgetreten. Ärzte könnten an dieser Stelle von Pseudologia phantastica sprechen, dem zwanghaften Aufstellen unwahrer Behauptungen.

Man fühlt sich daneben fatal erinnert an den Fall des Simbabwers Maxwell Chikumbutso, den die hiesige ARD-Tagesschau im September 2022 als „Erfinder“ eines Wunder-Fernsehers präsentierte, der angeblich Strom erzeugte, statt ihn zu verbrauchen. Und natürlich kommen einem auch Hochstapler wie der Gert Postel (alias Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy) in den Sinn. Arday kombiniert dieses Modell allerdings mit der kritischen Rassentheorie, wonach ein Schwarzer nur als diskriminierte Person vorzustellen ist. Das lässt sich in einem Land wie Großbritannien, in dem auch die Polizei einem sicher zu Diensten ist, weidlich ausnutzen.

Auch dass seinen Eltern in einem rassistischen Akt ein Schweinskopf geliefert worden sei, bleibt insofern eine unbestätigte Erzählung Ardays, ebenso dass er immer wieder von einem messerbewaffneten Eindringling in seinem Büro bedroht worden sei. Dem kritisch nachfragenden (aber linken) Guardian sagte Arday dazu: „Um ehrlich zu sein, dachte ich, Sie würden mir einfach glauben. Warum sollte ich lügen?“

Der Fall Arday ist größer – Memoiren sollen erscheinen

In Wahrheit ist der Fall Jason Arday viel größer als seine Person oder auch nur seine Herkunft als Schwarzer in Großbritannien. Durch seine Berufung nach Cambridge wird sicher auch der Ehrgeiz offengelegt, möglichst multikulturell und antidiskriminatorisch unterwegs zu sein. Aber daneben offenbart der Fall auch die absolute Prinzipienlosigkeit dieser neueren „Geschwätzwissenschaften“, in denen ein Sportstudent mit einer Dissertation zum „Peer-Mentoring unter Lehramtsstudierenden“ und einer undefinierbaren „Aktionsforschung“ zum Soziologie-Professor avancieren kann. Es muss klar gesagt werden: Arday hatte keinen Abschluss in Soziologie, auch seine Doktorarbeit stieß nicht auf dieses Feld vor. Er wurde schlicht als schwarzer BAME-Kandidat mit guten Verbindungen auf einen Lehrstuhl berufen. So stellt sich der Fall heute dar.

Für den Moment bleibt der Verlag Simon & Schuster bei seinem Plan, die Memoiren Ardays zu veröffentlichen. Arbeitstitel: „Great and Unfortunate Things“ – großartige und bedauerliche Dinge. Man kann sich ausrechnen, dass das Buch sich nach den nun erzeugten Wellen nicht unbedingt schlecht verkaufen wird. Es wird, wie man liest, all die phantastischen Geschichten über und (vor allem) von Arday enthalten, die Arday so hartnäckig in die Welt hinausposaunt.

Nicht wirklich leiser werden in Großbritannien die Stimmen, die sagen, Arday sei nur als Schwarzer zum Opfer einer Diffamierungskampagne geworden. Eine solche Behauptung ist an sich unfassbar unangemessen angesichts der nachgewiesenen Plagiate und zeigt einmal mehr, dass heute in bestimmten Milieus sämtliche akademische, aber auch allgemein-moralische Standards getilgt werden.

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