Bilder von lustig drehenden Windrädern und glitzernden PV-Anlagen vor sommerlich schöner Landschaft sollen den Eindruck erwecken, dies sei unsere energetische Zukunft. Umweltneutral und emissionsfrei sei diese Art der grünen Stromerzeugung. Dieses Framing ist falsch. Die Umweltneutralität ist dreist gelogen. Erkenntnisse dazu werden ignoriert oder abgestritten.
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache
Die Erde erwärmt sich, daran besteht kein Zweifel. Menschen leben in verschiedenen Klimazonen und müssen sich an Klimaänderungen anpassen, heute wie früher auch.
Dabei interessiert sie eine globale Durchschnittstemperatur genauso wenig wie eine durchschnittliche Telefonnummer. Es geht konkret um das Leben am Ort. Meist wird der Klimawandel populistisch auf die Temperatur verkürzt. Wenn von „Klimazielen“ die Rede ist, so könnte es nur regionale Ziele geben, die in etwa so formuliert sein müssten:
Berlin 2050
- Hauptwindrichtung Westnordwest
- durchschnittliche Windgeschwindigkeit 8 Meter pro Sekunde
- Luftfeuchte im Jahresdurchschnitt 60 Prozent
- Jahresdurchschnittstemperatur 15 Grad
- Jahresniederschlagsmenge 700 mm
- Sonnenscheindauer pro Jahr 1.750 Stunden
(alle Zahlen sind erfunden und beispielhaft)
Mit „Klimazielen“ sind in der üblichen klimapopulistischen Weise seitens Medien und Politik aber Emissionsmengen an Treibhausgasen oder eine globale Erwärmung in Grad gemeint. Auch hier zeigt unklare Sprache unklares Denken.
Das regionale Klima kann sehr verschieden sein. In Oimjakon in Jakutien (Ostsibirien) schwankt die Temperatur zwischen minus 50 Grad, manchmal sogar minus 60, und über plus 30 Grad. Diese Temperaturspanne von etwa 80 Grad oder mehr ist außerordentlich, die Bevölkerung überlebt das offensichtlich.
In Burkina Faso in Äquatornähe sind mit einer Durchschnittstemperatur von 30,1 Grad die Schwankungen mangels ausgeprägter Jahreszeiten bei weitem nicht so hoch, aber die Wärme erfordert natürlich eine Anpassung. Die Straßen dort sind nicht gesäumt von Hitzetoten.
Der Klimawandel in den verschiedenen Regionen kann verschiedene Ursachen haben. Natürlicher Wandel, Waldverluste, vielleicht ein steigender CO2-Gehalt der Luft, urbane Verdichtung der Wohnbebauung mit entstehenden Wärmeinseln, ebenso industrielle Wärmeinseln. Auch ein umfangreicher Ausbau von Wind- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen (PV) bleibt nicht folgenlos. Welcher Einfluss sich quantitativ in welcher Weise ausdrückt, ist noch unklar.
Spiegelnde Heizkörper
Welcher Wärmeeintrag in die Umgebung entsteht durch die immer größer werdenden PV-Freiflächenanlagen? Betrachten wir eine überschlägige Bilanz der Wärmeemission einer großen Anlage in Deutschland bei Böhlen in Sachsen. Installiert sind 162 Megawattpeak (MWp). Die Maßeinheit bezieht sich auf die mögliche maximale Leistung bei optimalem Sonnenstand ohne Bewölkung und 25 Grad Umgebungstemperatur. Eine Fläche von 160 Hektar (1,6 km2) ist mit Modulen belegt.
Am 28. Juni 2026 gab es an mehreren Orten in Deutschland Temperaturen im Schatten von 40 Grad Celsius, nehmen wir der Einfachheit halber an, auch in und bei Böhlen. Sollten es dort nur 39 Grad gewesen sein, macht das in einer Abschätzung kaum einen Unterschied.
Nehmen wir weiterhin an, dass die PV-Anlage im Berechnungszustand ihre installierte Leistung beim höchsten Sonnenstand (12 Uhr) und 25 Grad Umgebungstemperatur auch erreicht hätte, also 162 MW Strom geliefert bei einem ebenfalls angenommenen Wirkungsgrad der Umwandlung der Sonnenenergie in Strom von 22 Prozent.
Der Wirkungsgradverlust bei steigenden Außentemperaturen beträgt etwa 0,35 Prozent pro Grad. Bei 40 Grad Außentemperatur (im Schatten) werden unter Sonneneinstrahlung 50 Grad erreicht. Die Paneel-Temperaturen liegen in der Regel etwa 25 Grad darüber, erreichen also etwa 75 Grad.
Damit würde der Wirkungsgrad auf 18 Prozent sinken und die Leistung der Anlage auf 133 MWel (Megawatt elektrisch). Die nicht umgewandelte Menge beträgt dann 606 MWth (Megawatt thermisch). Ziehen wir davon noch 10 Prozent für die Albedo (Rückstrahlung) ab, so bleiben 545 MWth an Wärmeemission, die an die Umgebung abgegeben wird.
Die Umgebungsluft über und auch unter den Modulen wird aufgeheizt und bildet eine Warmluftglocke, wie hier beschrieben. Die warme Luft steigt nach oben und zieht kältere und feuchtere Bodenluft aus der Umgebung nach. Die Folge ist also nicht nur eine örtliche Erwärmung, sondern auch eine Trocknung der Umgebung.
Stellen wir dazu ein Gedankenexperiment an und nehmen die Sonne weg. Wo könnten wir dann die Wärmeleistung von 545 MW herbekommen? Zum Beispiel von den Stadtwerken Halle/Saale, wenn dort das Kraftwerk Dieselstraße und das Heizkraftwerk Halle-Trotha mit voller Fernwärme-Leistung betrieben würden (555 MWth). Das wird eher im Winter der Fall sein, aber diese Wärmeleistung ginge über die PV-Anlage Böhlen analog eines riesengroßen Plattenheizkörpers in eine ohnehin schon heiße Umgebung. Die maximale Wärmeleistung zweier Heizkraftwerke würde gezielt die Umgebung von Böhlen zusätzlich zu den herrschenden hohen sommerlichen Temperaturen aufheizen.
Die klimatischen Folgen sind in ihrem Ausmaß unklar, sie werden nicht untersucht. Dazu gibt es keine Forschungen, keine Gelder und auch kein staatliches Interesse. Es bestünde die Gefahr, dass sich der Schatten des Zweifels auf die so vermeintlich umweltneutrale Photovoltaik legt.

PV-Anlage bei Böhlen (Screenshot: GoogleEarth)
Es bräuchte in und um Böhlen ein Messnetz, mit dem im Jahresverlauf Temperaturen und Luftfeuchte aufgezeichnet und ausgewertet werden. Möglicherweise gibt es dann sogar Entwarnung, weil die Folgen überschaubar sind, vielleicht sind aber auch Änderungen im kommunalen Klima von Böhlen und Gaulis ersichtlich, denen man begegnen könnte durch mehr Bewässerung, mehr öffentliche Brunnen, mehr Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden und weiteres. Zahlen müsste das natürlich der Verursacher, der Betreiber der Anlage.
Fossile Wärmeleistung
„Mooooment“, sagen jetzt beflissene Energiewender und argumentieren, dass die 133 elektrischen Megawatt zu diesem Zeitpunkt sonst vielleicht fossil erzeugt worden wären, wodurch auch Abwärme entsteht. Wenn wir vom 28. Juni 12 Uhr ausgehen, wäre dies nun gerade nicht der Fall gewesen. Etwa 16 Gigawatt Strom wurde zu diesem Zeitpunkt exportiert bei einem Börsenpreis von minus 19 Euro pro Megawattstunde. Dieser Strom wäre also nicht fossil erzeugt worden, weil er am Markt platziert werden müsste. Da die „Erneuerbaren“ aber auf Grund des Einspeisevorrangs völlig sinnlos und am Bedarf vorbei einspeisen dürfen, haben alle Stromkunden die künstliche Erwärmung in der Nähe von Böhlen auch noch teuer in Form negativer Strompreise über die Stromrechnung bezahlt. Allerdings: Würde die Anlage abgeschaltet wegen des Überangebots an Strom, gingen sogar 90 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung, also 678 MWth, in die Wärmeemission!
Es hätte aber sein können, dass die 133 MWel aus einer fossilen Anlage gebraucht worden wären. Bei einem angenommenen Wirkungsgrad von 30 Prozent (ohne Kraft-Wärmekopplung und bei unwirtschaftlichem Teillastbetrieb) wären 310 MW Verlust eingetreten, überwiegend als Wärme, also MWth. Abgesehen von etwas Wärmeabstrahlung der Anlage, vielleicht 10 MWth, würde die Abwärme zum größten Teil bei der Kondensation des Abdampfes anfallen. Dafür gibt es verschiedene Technologien:
- Nur bei einer reinen Trockenkondensation mit Luftkühlung würde die Abwärme unmittelbar in die Umgebung gelangen. Dieses Verfahren ist in Deutschland eher selten und wird vorwiegend in Ländern mit knappen Wasserressourcen angewendet.
- Verbreitet kommen bei uns Nasskühlverfahren zur Anwendung, entweder als Durchflusskühlung aus natürlichen Gewässern oder als Rückkühlverfahren über Kühltürme.
Auch Durchflusskühlungen, die die Abwärme komplett abführen, sind bei uns selten, wir sind kein wasserreiches Land und im Sommer ist die zugelassene Aufwärmung des Flusswassers begrenzt, was zur Leistungseinschränkung führen kann.
Geschlossene Systeme mit Kühltürmen sind verbreitet und brauchen nur das verdampfte Wasser ersetzen, im Fall der Braunkohle ist das nur eine Teilmenge des ohnehin für den Betrieb der Tagebaue gehobenen und gereinigten Grubenwassers.
Die Kühltürme wiederum geben die Wärme weniger über den Kontakt mit dem Kühlwasser ab (Konvektion), sondern vor allem über die Verdunstung desselben, so dass auch hier nur ein Teil der Abwärme in die Umgebung gelangt.
Fazit: 133 fossil erzeugte elektrische Megawatt hätten einen Wärmeeintrag von 10 MWth (Durchflusskühlung) bis 310 MWth (Luftkondensation) zur Folge, weniger als die beschriebene PV-Anlage. Diese elektrische Leistung stünde aber fast ganzjährig, wetterunabhängig und regelbar zur Verfügung.
Aber das CO2! Aus der Punktbetrachtung 28. Juni 12 Uhr lässt sich keine Emissionsmenge herleiten. Selbst die Annahme von ganzjährig gelieferten 133 MWel, was etwa dem siebenfachen des Jahresertrags der Böhlener Anlage entspricht, würden bei 1,1 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde Strom aus Braunkohle insgesamt etwa 1,3 Millionen Tonnen emittiert. Das sind Peanuts.
Zum Vergleich: Um eine globale Temperaturerhöhung von 0,1 Grad zu verhindern, müssten nach offizieller Lesart 220 Gigatonnen oder 220.000 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden. Die Böhlener Anlage rettet das globale Klima jedenfalls nicht, trägt aber zu regionalem Klimawandel bei.
Wo bleibt der Wind?
Dazu kommt ein in Zeiten der Hitzeflaute verringertes Windstromaufkommen, auch Ergebnis eines aus internationaler Forschung bestätigten „terrestrial stilling“. 2025 war das windärmste Jahr seit 80 Jahren. Die über PV-Anlagen im Hochsommer entstehenden Hitzeglocken werden zunehmend schlechter weggeweht. Der weitere Zubau an Windkraftanlagen führt zu weiterer gegenseitiger Verschattung und trotz Repowering mit immer höheren Anlagen zu geringeren spezifischen Erträgen.

Quellen: Rolf Schuster, Vernunftkraft, AG Energiebilanzen, eigene Darstellung
Diplom-Physiker Klaus-Dieter Böhme hat zum Energieentzug des Windes durch Windkraftanlagen Berechnungen durchgeführt (Anhang), um die Menge der abgeschöpften Energie darzustellen. Im Jahresdurchschnitt würde danach täglich ein Energie-Äquivalent von 20 Hiroshima-Bomben dem Luftraum über Deutschland entzogen. Wer behauptet, dies sei alles folgenlos für Wetter und Klima, sollte den Nachweis führen und das mit eigenen Berechnungen belegen.
Keine lichte Zukunft
Eine noch größere PV-Freiflächenanlage Deutschland befindet sich im ebenfalls sächsischen Witznitz, sie bringt es auf über 600 MWp auf über 500 Hektar Fläche, das wären etwa 700 Fußballfelder. Deutschland insgesamt verfügte Ende 2025 über rund 40 GWp installierte Freiflächen-PV auf insgesamt etwa 52.000 Hektar (520 km2) und es soll noch viel mehr werden. Man sollte die Folgen zunächst erforschen, dann bedenken und Natur und Umwelt nicht grünen Kapitalisten bedenkenlos ausliefern.
Zudem wären die Kosten für das erforderliche Backup den Schönwetter-Stromerzeugern zu übertragen.
Nicht betrachtet sind die Entwertung landwirtschaftlicher Nutzflächen, die Zerstörung ihrer Eigenschaft als CO2-Senke, also verhinderter Photosynthese, sowie ihre Wirkung als Wasserspeicher.
Die Erde erwärmt sich, ohne Zweifel. Welchen Anteil daran haben massenhaft installierte Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung, mit denen wir eigentlich eine Erwärmung vermeiden wollen? Eine fundierte Antwort auf diese Frage könnte Zweifel am global einmaligen Kurs der deutschen Energiewende säen und die Bevölkerung verunsichern. Deshalb braucht es ein spezielles deutsches Klima in Politik und Medien.


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