Das ABC von Energiewende und Grünsprech 115 – Hitzeflaute

Viel Sonne bedeutet viel Solarenergie, aber auch starke Schwankungen. Doch anstatt die Grenzen der Erneuerbaren in Sachen Energiesicherheit einzusehen, versucht man es mit einem argumentativen Ablenkungsmanöver.

picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER

Täglich werden wir mit Begriffen konfrontiert, die im Ergebnis einer als alternativlos gepriesenen Energiewende verwendet werden oder durch sie erst entstanden sind. Wir greifen auch Bezeichnungen auf, die in der allgemeinen Vergrünung in den Alltagsgebrauch übergehen – in nichtalphabetischer Reihenfolge.

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Hitzeflaute, die

Die Energiewende, mit der wir Vorausreitende sein wollen, beschert uns einen neuen Spezialbegriff der Flaute. Flaute beschreibt Windstille oder sehr schwachen Wind, daraus wurde bei Dunkelheit die allseits bekannte Dunkelflaute. Die ist dem progressiven Ansatz abträglich, mit Licht und bewegter Luft die energetische Grundlage eines Landes zu sichern. Dann stellte sich heraus, dass auch das Gegenteil, die Hellbrise, der Versorgungssicherheit nicht zuträglich ist.

Aktuell erscheint bei hohen Temperaturen die Hitzeflaute, sie führt zu hohen Schwankungen im Stromangebot und zu hohen Preisen, zum Teil bis zum Zehnfachen des Durchschnitts. Die Photovoltaik (PV) wurde ausgebaut auf heute 122 Gigawatt (GW), das ist der eineinhalbfache Bedarf im Netz. Dieser Strom muss nach EEG zwingend abgenommen werden (Einspeisevorrang), egal, ob er gebraucht wird oder nicht. Das bringt Stress ins Netz, weil die Frequenz gehalten werden muss, der Sonnenstrom aber jeden Abend wieder verschwindet. Konventionelle Kraftwerke müssen ständig hin- und herregeln, einen erheblichen Teil regeln inzwischen Export und Import. Wir sollten unseren Nachbarn stets dankbar sein, ein deutsches Inselnetz wäre nicht mehr betreibbar oder nur mit kostenpflichtiger, stark gedrosselter Einspeisung der „Erneuerbaren“.

Tagsüber powern die PV-Anlagen ins Netz, wenn auch mit temperaturbedingtem schlechteren Wirkungsgrad. Kritisch ist die zweite Tageshälfte. Innerhalb von 10 Stunden (12 bis 22 Uhr) verschwindet dieser Strom aus dem Netz, von mittags etwa 55 GW auf null. Der Bedarf sinkt hingegen nur um 15 GW (Werte vom 25. Juni). Vor allem für Kohlekraftwerke lohnt sich der Stop-and-go-Betrieb nicht. Im Sommer befinden sich viele Kraftwerke auch in Revision und die meisten kraft-wärmegekoppelten Anlagen stehen wegen fehlendem Wärmebedarf ohnehin. Die Beschaffung des Ersatzstroms wird dann teuer. Auch dies ist Ergebnis einer fehlgesteuerten Wende, den Ausbau der Photovoltaik hätte man verpflichtend mit dem Speicherbau verbinden müssen.

Die Windkraftanlagen pausieren in einem großen Hochdruckgebiet. Verschärfend kommt hinzu, dass der Verbrauch höher ist als an normalen Sommertagen. Klimaanlagen und Ventilatoren in Haushalten, Handel und Industrie, mehr Betrieb von Trinkwasserpumpen, von Grundwasserpumpen zur Bewässerung und auch die abends beginnenden WM-Spiele sind die Ursache.

Nun ist es wieder Zeit für beflissene Energiewender, vom Problem abzulenken und auf Frankreich zu zeigen. Dort sind angeblich wegen der großen Hitze die Kernkraftwerke am Ende und wir sollten also glücklich sein, keine mehr zu betreiben. Schauen wir genauer hin:

Die Nachbarn betreiben 57 Kernreaktoren, von denen acht an Flüssen liegen und mit Durchflusskühlung betrieben werden. Sie müssen aus ökologischen Gründen die Leistung einsenken, wenn die Temperatur des Wassers zu stark steigt. Die Grenztemperatur des Flusses nach der Kühlwassereinleitung aus dem Kraftwerk sollte 25 Grad nicht überschreiten.

34 weitere Reaktoren stehen auch an Flüssen, verfügen aber über ein Rückkühlsystem in Form von Kühltürmen. Hier wird die Abwärme über die Verdunstung des umgewälzten Kühlwassers abgegeben, die Abhängigkeit von der Außentemperatur ist gering. 15 Reaktoren liegen an der Küste und werden durch Seewasser gekühlt.

Aus der sommerlichen Temperatur-Abhängigkeit der acht flusswassergekühlten Reaktoren meinen unsere Anti-Atom-Bewegten eine grundsätzliche Untauglichkeit der Kernkraft zu sicherer Versorgung ableiten zu können. Das ist die typische Ablenkungsdiskussion von den Unzulänglichkeiten des eigenen Systems. Als ich kürzlich einen Vortrag zur Windkraft hielt, war der erste Einwand einer SPD-Landtagsabgeordneten: „Sie haben gar nicht über die Braunkohletagebaue gesprochen.“

Es wird nicht gelingen, unser Noch-Industrieland mit Strom aus Licht, Luft, Kompost, Müll und etwas fließendem Wasser zu versorgen. Dunkelflaute, Hellbrise, Hitzeflaute und Kälteflaute (durch ein stationäres Hochdruckgebiet im Winter) werden uns bei weiterem unkontrolliertem Zubau von Wind- und Solaranlagen zwingen, unser Leben wie im Mittelalter nach den Launen der Natur zu richten.

Der grüne Wasserstoff soll künftig helfen. Ein Fragezeichen scheint angemessen. Hier eine nicht abschließende Aufzählung bisher gescheiterter Wasserstoffprojekte:

  • ArcelorMittal verfolgt das Thema grüner Stahl nicht mehr.
  • Uniper „streckt“ seine Projekte.
  • LEAG stoppt sein grünes H2-Projekt in Boxberg.
  • HH2E stoppt Projekte in Lubmin und Borna.
  • Die H2-Produktion am Klärwerk Hannover ist gescheitert.
  • Das Projekt in Schwäbisch Gmünd ist gescheitert.
  • enviaM zieht sich aus dem Projekt Green Bridge zurück.
  • Die Wasserstofffabrik am Kraftwerk Fenne (Völklingen) wird nicht gebaut.
  • Das Projekt Sines (Portugal) ist gescheitert, damit kein H2-Export.
  • Eon zieht sich nach 3 Jahren aus einem australischen H2-Projekt zurück, BP ebenso.
  • Das Wasserstoffprojekt Hyphen in Namibia verläuft nicht wie geplant, Rückzug von RWE, Einheimische wehren sich gegen 700 Windkraftanlagen im Nationalpark.
  • Hadag beendet ein Projekt für H2-Schiffsantriebe.
  • Das Westküstenprojekt in Schleswig-Holstein ist gescheitert.
  • Der Bau einer H2- Pipeline von Dänemark nach Schleswig-Holstein wurde verschoben.
  • Zahlreiche Wasserstofftankstellen wurden wieder geschlossen.

Die vorgesehenen 10 GW Elektrolyseurskapazität bis 2030 werden wir nicht erreichen, derzeit gibt es eine Kapazität von 0,18 GW. Solange es keine belastbaren Angaben gibt zu Lieferterminen, -mengen und -preisen sollte man den Ball sehr flach halten und nicht noch weitere Milliarden an Geld den flüchtigen Wasserstoffprojekten hinterherwerfen.

Mit neuen Begriffen wie der Hitzeflaute bereichern wir die Welt. Die Dunkelflaute hat es bereits wie auch Kindergarten und Blitzkrieg in den englischen Sprachraum geschafft. Auch die Übernahme der „Hitzeflaute“ wäre denkbar, die Erklärung in englischer Sprache wäre nicht schwer. Anderen Energiewende-Beiträgen zur Sprachbereicherung wie Biotreppe, Referenzertragsmodell oder Kraftwerksstilllegungsanzeigenliste dürfte hingegen mangels schwieriger Übersetzung, vor allem aber wegen globaler Irrelevanz der Weg in andere Sprachräume verwehrt bleiben.

Wir werden mit den verschiedenen Flauten und Brisen leben müssen. Frühling. Sommer, Herbst und Winter sind das heutige Extremwetter und werden noch deutlicher unser tägliches Leben bestimmen.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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ThomasP1965
28 Minuten her

Der Autor hat überhaupt keine Ahnung, aber viel Meinung. Schon der erste Satz: Viel Sonne bedeutet viel Solarenergie, aber auch starke Schwankungen. Ist schlichter Mumpitz. Jeder, der eine Solaranlage auf dem Dach und einen Speicher im Keller hat, weiß das. Natürlich ist der Ertrag am höchsten zur Mittagszeit und schwankt stark über den Tag. Aber dafür gibt es Speicherlösungen! Egal ob bei der privaten Solaranlage oder der großen auf dem Feld. Natürlich bedingt das Investitionen. Aber trotz dieser ist der so erzeugte Strom konkurrenzlos günstig. Wenn … man investieren lässt und diese Möglichkeit nicht aktiv behindert – siehe Fr. Reiche.… Mehr

Bernd Bueter
32 Minuten her

Physik schlägt Ideologie. Immer!

Maunzz
44 Minuten her

Die solidarische Angleichung an ärmere Länder wird Deutschland keine Sympathiepunkte bringen, da der sogenannte globale Süden sich entwickeln und nicht auf jetzig schlechten Niveau verharren will. Da kann man verstehen, dass der globale Süden andere Partner sucht.

Bernd Simonis
46 Minuten her

Nochmal: Die Leute interessieren sich vielleicht, wer der neue Bundestrainer wird. Aber nicht für Fakten und Argumente, die fast täglich hier bei Tichy auf uns niederprasseln. Solange der Strom zuverlässig zu halbwegs bezahlbaren Preisen aus der Steckdose kommt haben wir keine Chance, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. In meiner Nachbarschaft entstehen PV Anlagen, Wärmepumpen und E Autos sieht man immer öfter. Diese Menschen fühlen sich gut, auf dem richtigen Weg. Und die wählen entsprechend. Die lesen unsere Kritik nicht.

HPs
13 Minuten her
Antworten an  Bernd Simonis

Die nehmen euch nicht für Voll,
um es deutlicher zu sagen.

Kindische Emojies, dicke rote Deppi-Ausrufezeichen, Röper sagt dies, Danisch sagt das, „das böse Medium“, der Soros, dieser „Hoax“, jene „Lüge“ …

Wer nimmt solche Leute ernst ?

Last edited 6 Minuten her by HPs
Pieter Ries
1 Stunde her

Die Lösung des Problems war auch bereits im Mittelalter bekannt: der Strick. Soweit ein Ende an etwas, das andere um etwas gelegt wird, lassen sich, unter geschickter Ausnutzung der in der Natur wirkenden Gravitationskräfte mitunter ganze Gruppenreisen erfolgreich durchführen.

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Wenn’s tatsächlich mal einen Blackout durch was auch immer (Hellbrise, Dunkelflaute, Hitzeflaute) geben SOLLTE, was ich sowohl für wahrscheinlich, als auch wünschenswert (im Sinne eines Aufweckprogramms) halte, kenne ich heute schon die „üblichen Verdächtigen“, die dann ganz genau wissen, warum das passiert ist und vor allem daß es NICHT passiert wäre, wenn wir noch viel mehr „Erneuerbare“ installiert hätten. Ganz vorn dabei, weil die energiepolitischen „Koniferen“ schlechthin: Claudia Kempfert und Karl Lauterbach. Ihre fundierte Ausbildung und ihre jahrzehntelange Tätigkeit in diesem Sektor prädestinieren sie für eine vollkommen faktenbasierte und natürlich ideologiefreie Beurteilung eines solchen Vorfalls. (Ironie aus)

AlexR
1 Stunde her

In welches dieser Projekte hat Habeck keine deutschen Steuergelder versenkt? Aber ist ja nicht schlimm! Das Geld ist ja nicht weg, sondern hat jemand anders.

hoho
40 Minuten her
Antworten an  AlexR

Mich würde interessieren, welche dieser Projekte das Geld in die Taschen von welche Leute gespüllt haben.
Das konnte unter Umständen interessant sein.

Last edited 39 Minuten her by hoho
Biskaborn
1 Stunde her

Immer noch lesen und hören wir fast täglich welch Glücksseligkeit und Klimaweltenrettung uns bald das große Wasserstoffwunder bringen wird. Diese Eiferer lassen nicht los von ihren Träumen und die breite Masse lässt sich immer noch davon willfährig beeindrucken!

humerd
1 Stunde her

Die Photovoltaik (PV) wurde ausgebaut auf heute 122 Gigawatt (GW), das ist der eineinhalbfache Bedarf im Netz. Dieser Strom muss nach EEG zwingend abgenommen werden (Einspeisevorrang), egal, ob er gebraucht wird oder nicht.“
und Dank garantierter Einspeisevergütung teuer bezahlt werden.

hoho
15 Minuten her
Antworten an  humerd

Das ist aber nur in D. so. Unsere fast genauso bescheuerte niederländische Nachbarn tun so was nicht. Da wird nur bezahlt, wenn es abgenommen wird und es wir abgenommen, wenn es den Bedarf gibt. Eine Frage die ich bis jetzt nicht antworten konnte – wie viel die Batterien kosten, mit denen man die Flaute überstehen kann. So weit ich weiß, gibt es keine Projekte wo das über mehr als einige Minuten geht. Nur nebenbei – heute ist es der Tag der grauen Tonne hier. Der Wagen, der den Müll abgeholt hat, war voll elektrisch. Die Entsorgungszentrum meinte zu dem Thema… Mehr