Trump macht mit seiner feindlichen Übernahme Irans weiter, bis er sein Geld verdunsten sieht, und entscheidet dann, ob er den Marktwert des Iran weiter runiniert, oder seine Verluste abschreibt und aus dem Geschäft aussteigt.
IMAGO / ABACAPRESS
Israel Hayom, einst Trump’s größter israelischer Cheerleader, titelt in seinem Leitartikel: ‚Sie machen einen kolossalen Fehler‘. Israel Hayom gehört der Geschäftsfrau Miriam Adelson, einer der größten Spender Trumps und der Republicans.
Der Leitartikel trägt den offenen Brief des Journalisten-Veterans Danny Zaken und Trumps treuen Unterstützers in Israel in die Welt, in dem Zaken Trump Verrat an Israel vorwirft, America gedemütigt und „einem mörderischen und grausamen Terrorregime eine Kapitulationserklärung unterzeichnet zu haben“: »Sie hätten der größte Präsident aller Zeiten sein können, aber Sie sind gescheitert.«
Tut ein Blatt wie Israel Hayom einen solchen Schritt und wählt diesen Ton, signalisiert das einen tiefen Risss zwischen Israel und Washington nach der Unterzeichnung des Memorandums of understanding (MOU). Zaken dokumentiert seine Geschichte der Unterstützung von Trump, beschreibt die Erleichterng in Israel über Trumps Wahl, würdigt die Aufhebung des Waffenembargos im Gazakrieg, die Abraham Accords und Trump’s Entscheidung für die vereinten U.S.-Israel-Schläge gegen Irans Atom-Einrichtungen. Zaken betont, er klage nicht als Feind an, sondern als verlassener Anhänger.
Zaken dankt Trump, Israelische Offizielle in gemeinsamen strategischen Treffen für härteste und maximalste Ziele gegen das Iran-Regime bewegt zu haben. Die Wende ist für Zaken plötzlich und unerklärlich. Geheimdienste hätten den Beginn des inneren Regimezerfalls konstatiert. Die wirtschaftliche Blockade wirkte. Und dann änderte Trump den Kurs plötzlich vollständig.
Die Midterm-Wahlen hält Zaken für eine „fadenscheinge Ausrede“, Trump wäre in seiner zweiten und letzten Amtszeit – der Deal würde den Republicans mehr schaden als nutzen. Die wirtschaftliche Begründung ziehe nicht, jede kurzfristige Ölpreissenkung schlüge ins Gegenteil um, sobald der Iran die Straße von Hormuz wieder regieren kann. Zorn machen Zaken regionale Folgen. Israel und Libanon bemühten sich um einen Waffenstillstand, als Sie „der Hisbollah in der schwierigsten Phase ihrer Geschichte neuen Auftrieb gaben und unsere Zukunft verrieten.“
Zaken warnt, die Golfstaaten außer Qatar seien nun Irans Druck ausgesetzt, die VAE, die das Risiko der Abraham Accords auf sich nahmen, seien verlassen und Bahrain wäre mit Putschversuchen aus einem ermutigten Teheran konfrontiert. Diese Folgerungen sind Appell und Anklage zugleich: „Nur wenn Sie umkehren und ein Abkommen mit dem Iran vermeiden, kann das gelingen, betrogen fühlen wir uns trotzdem.“
Feindliche Unternehmensübernahme des Iran mit Kollateralschaden Israel
Der frühere israelische strategische Berater Ma’ayan Salmon deutet Trump’s Iran-Logik und erklärt, warum Israel Angst haben sollte. Trump betreibe eine feindliche Unternehmensübernahme des Iran und Israel drohe der Kollateralschaden.
Trump – sagt Salmon – hat weder den Verstand verloren noch den Kurs geändert, sondern verfolgt unermüdlich seine in sich stimmige Unternehmenslogik, die Israel gründlich missverstanden hat. Trump begreifen hieße – was der Westen Jahrzehnte verweigert hat – den anderen am Tisch gegenüber mit dessen Innerem verstehen: „Trump runs the United States like a business corporation“ und: „Zero pretense, zero patience. Action and aggression. Simple and efficient.“ Kein Vorwand, null Geduld, Aktion und Agression, simpel und effektiv.
Für Salmon ist Trump’s Dreh- und Angelpunkt nicht Ideologie sondern Kapital. Trump benutzte Israel, um Iran’s Marktwert zu senken, durch Militärschläge, wirtschaftlichen Druck und die Schwächung seines Proxy-Netzes. Nun, mit dem Iran am Rande des totalen Zusammenbruchs, greift Trump ein mit dem, was Salmon den Versuch der feindlichen Übernahme eines notleidenden Vermögenswertes nennt (hostile takeover of a distressed asset). Das Ziel in Trump’s Unternehmensvision ist, den Iran vom Feind zum einnahmenbringenden Verbündeten innerhalb des US-Wirtschafts-Rahmens zu machen.
Salmon: „Damit macht er weiter, bis er sein Geld verdunsten sieht, und entscheidet dann, ob er den Marktwert des Iran weiter runiniert, oder seine Verluste abschreibt und aus dem Geschäft aussteigt.“ Dann wendet sich Salmon dem Iran selbst zu, und sein Bild ist nicht beruhigend für alle, die auf nachhaltige Veränderungen durch das MOU setzen. Der Iran ähnle einem Familien-geführten Unternehmen, das bereits Vereinbarungen mit anderen großen Investoren unterzeichnet hat: Russland und China. Man kann eine Übernahme versuchen, doch die Familie wird in dieser oder der nächsten Generation alles tun, um das Unternehmen zurück zu erlangen.
Zwischen „American corporate entity and the Iranian family regime“ steht Israel, sagt Salmon, das derzeit in Trump’s Kalkulation als „secondary damage“ registriert ist: sekundärer Schaden. Der schärfste Teil bei Salmon richtet sich nicht an Trump, sondern Jerusalem: „The State of Israel must understand that it cannot build its existential strategy on the foundational assumption that America will always be there for reasons of Zionism or shared values,“ und: „In a world of CEOs, Israel must present unique value or generate independent moves. Otherwise we will find ourselves outside the deal.“ Israel darf sich nicht auf America verlassen, sondern muss seinen Wert selbst einsetzen – unabhängig.
Werte Leser, das eine ist eine vertraute Sichtweise, das andere eine mindestens überraschende, wenn nicht völlig fremde. Mit solchen Alternativen möchte ich Sie auch weiterhin versorgen. Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Der Iran ist das, was die arabischen Ölstaaten nicht sind: Eine alte Zivilisation, ein großer Flächenstaat mit einem großen Volk. Und, noch, mit viel Öl. Trump hat ganz sicher kaum andere Ambitionen, den Iran wieder ins US-Lager zu ziehen wie damals die US-Administationen, die Reza Pahlevi I. unterstützen, der am Ende im Volk ähnlich abgelehnt wurde wie die Mullahs heute. Man darf aber den Nationalstolz der Iraner nicht unterschätzen, der sich eben nicht bloß auf den schiitischen Islam stützt oder wie das Wahabitentum in Saudi-Arabien. Paradoxerweise hat genau das dem Mullah-Regime das Leben gerettet, weil es den iranischen Patriotismus auf… Mehr
TRUMP hat erkannt, dass die David gegen Goliath Situation ein Desaster von unermesslicher Weite auslösen würde, ein Flächenbrand bis hin in die USA, Europa ebenfalls eingeschlossen. Die ‚averbale‘ Sprache des chinesischen Präsidenten, die untrügliche Haltung anderer Mächte – Russland, Türkei und andere vermittelten den Eindruck, dass USA unisono mit Israel eine Blutspur ziehen würde, mit der weltweit die absolute wirtschaftliche Katastrophe einhergehen wird. Die Abraham accords hätten bei ruinösem Vorgehen in Iran auch kippen können. Schließlich hat der Iran nicht gezögert, einige in Mithaft zu nehmen. Der US-amerikanische Rückzug war situationsbedingt, mit dem Ziel eines status quo, for the time… Mehr
> Israel Hayom gehört der Geschäftsfrau Miriam Adelson, einer der größten Spender Trumps und der Republicans.
Wenigstens wird hier mittlerweile zugegeben, was wirklich die Hintergründe der Trump-Politik sind. Hätte ich 250 Millionen übrig, könnte ich einen Krieg gegen Albanien bestellen? Mir gefiel der Film „Wag the Dog“.
Der Iran wird niemals wirtschaftlich oder militärisch wegen den Juden oder den USA zusammenbrechen. Die stolzen Iraner werden auch niemals Verbündete oder gar Freunde dieser beiden Schurkenstaaten werden. Die Iraner wissen wo die größten Feinde und Gefährder unseres Weltfrieden sitzen.
Die Speichellecker der Mullahs waren und sind die, welche nach Errichtung des Gottesstaates als erste am Kran baumeln: Kommunisten, Sozialisten, Atheisten, nichtschiitische Antisemiten und nicht mehr in allzu weiter Ferne die LGBTQ+ -Quartalsirren.
Passen Sie also auf sich auf!