Der Fall erinnert verblüffend an jenen Skandal, der vor zwei Jahren die Republik beschäftigte: Junge Leute feiern, „L’amour toujours“ läuft, und dazu wird „Ausländer raus“ gegrölt. Das Video ging durchs Land, Politiker verurteilten, Medien veröffentlichten die Namen der Beteiligten, Arbeitgeber zogen Konsequenzen. Und jetzt?
picture alliance / Noah Wedel | Noah Wedel
Aus einer privaten Party wurde 2024 binnen kürzester Zeit eine bundesweite Affäre mit allen Zutaten eines Skandals: Talkshows, Omas gegen Rechts, Kirchen mahnten, Politiker warnten, als ob das Dritte Reich vor der Tür stünde, weil ein paar Spätpubertierende schlechte Scherze machten mit der Bierflasche in der Hand.
Nun taucht praktisch dieselbe Kombination wieder auf: „L’amour toujours“, eine private Feier und der Ruf „Ausländer raus“.
Nur diesmal ist einer der Beteiligten kein unbekannter Partygast auf Sylt, sondern David Possenriede, 23 Jahre alt und Kandidat der Grünen für den Dammer Stadtrat und den Kreistag Vechta.
Damit stellt sich eine einfache Frage: Gelten dieselben Maßstäbe? Das Video ist drei Jahre alt. Possenriede war also etwa 20 Jahre alt. Er erklärt, die Parole sei im Rahmen einer scherzhaften Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen aus Südfelde und Hunteburg gefallen. Eine fremdenfeindliche Gesinnung bestreitet er. Er hat seinen Fehler eingeräumt, die Wortwahl bedauert und sich entschuldigt.
Man kann diese Erklärung überzeugend finden oder nicht. Man kann der Ansicht sein, dass ein 20-Jähriger wissen muss, was er ruft. Man kann ebenso fragen, ob jeder dumme Satz eines jungen Menschen Jahre später dessen politische und berufliche Zukunft bestimmen soll.
Doch genau diese Fragen hätten auch im Fall Sylt gestellt werden müssen.
Dort war die öffentliche Reaktion eindeutig. Das Grölen von „Ausländer raus“ wurde nicht als betrunkene Geschmacklosigkeit einiger junger Menschen behandelt, sondern als Beleg für ein erhebliches gesellschaftliches Problem. Die Beteiligten wurden öffentlich identifiziert, verloren teilweise berufliche Positionen oder sahen sich anderen persönlichen Konsequenzen ausgesetzt. Ihre Jugend, Alkohol oder Partystimmung galten kaum als Entschuldigung.
Wer diesen Maßstab damals für richtig hielt, kann ihn heute nicht einfach wechseln, weil der Betroffene für die Grünen kandidiert.
Und tatsächlich formuliert der Grünen-Kreisverband Vechta bemerkenswert konsequent: „Eine im Video getätigte rassistische Äußerung wird durch jugendliches Alter, Unüberlegtheit oder Alkoholkonsum nicht entschuldigt oder relativiert.“
Das ist nahezu die Grundregel, nach der auch die Sylt-Affäre öffentlich behandelt wurde.
Die Grünen entziehen Possenriede deshalb ihre aktive Unterstützung im Wahlkampf. Er lässt seine Parteimitgliedschaft ruhen. Sein Name bleibt zwar aus wahlrechtlichen Gründen auf dem Stimmzettel, doch politisch hat das drei Jahre alte Video unmittelbare Folgen.
Damit wird der Fall zu einem interessanten Test auf zweierlei Maß.
Denn entweder gilt: Wer als junger Mensch auf einer Party „Ausländer raus“ grölt, muss auch Jahre später mit erheblichen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen rechnen. Dann muss das für den Grünen-Kandidaten ebenso gelten wie für die jungen Leute auf Sylt.
Oder man kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen einer widerwärtigen Parole, einer betrunkenen Provokation und einer tatsächlich gefestigten rassistischen Überzeugung unterschieden werden muss – und dass junge Menschen die Möglichkeit haben sollten, sich zu verändern.
Dann allerdings hätte dieser großzügigere Maßstab auch für die Jugendlichen von Sylt gelten müssen.
Bemerkenswert ist zudem die juristische Seite. Gegen Possenriede wurde wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg will die Ermittlungen jedoch nicht weiterverfolgen. Hintergrund ist eine Entscheidung des Landgerichts Oldenburg in einem ähnlich gelagerten Fall, in dem kein hinreichender Tatverdacht gesehen wurde.
Politische und gesellschaftliche Verurteilung einerseits und strafrechtliche Bewertung andererseits sind also zwei verschiedene Dinge.
Gerade deshalb bleibt die entscheidende Frage eine politische und mediale: Wie viel Jugendsünde darf sein – und hängt die Antwort darauf davon ab, wer sie begangen hat?
Bei Sylt schien die Antwort schnell gefunden. Jugend, Alkohol und Partystimmung sollten nichts relativieren. Wer „Ausländer raus“ grölt, müsse mit den Folgen leben.
Der Grünen-Kreisverband Vechta sagt nun über seinen eigenen Kandidaten praktisch dasselbe.
Das ist zumindest konsequent.
Ob Öffentlichkeit, Medien und politische Konkurrenten den Fall mit derselben Intensität behandeln wie damals Sylt, wird zeigen, ob auch außerhalb des Grünen-Kreisverbandes derselbe Maßstab gilt.
Denn „Ausländer raus“ bleibt „Ausländer raus“ – egal, ob der Ruf aus einer Champagnerbar auf Sylt kommt oder von einem künftigen Grünen-Kommunalpolitiker auf einer privaten Feier.






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Da wird Medial nichts passieren, weil kein Schickimicki auf Sylt,
Feind sind Rechte und Reiche dagegen sind Linke, Grüne, Migranten immer die Guten auch wenn sie verurteilte Straftäter sind.
Alles zu abgedreht in dieser verrückten Welt. Wenn sowas überhaupt ein Maßstab wäre säßen gut und gerne 70% aller Einwohner von Deutschland im Knast. Diese Idiotie ist einfach nicht mehr ertragbar. Ich habe bis heute nicht verstanden warum so ein Zirkus um diesen angeblichen Vorfall in Sylt auf sich hätte. Angeblich deshalb weil es nichts war außer das Leben. Und jetzt dieser Zirkus um den jungen Mann. Viele werden es gut finden weil er den Grünen angehört. Andere werden ihn verteidigen weil er Grüner ist. Ich gehöre zu denen die die Haltung haben: „ Erklären sie mir ganz genau und… Mehr
Wobei ich der Ansicht bin, dass das in Sylt eine geplante Medieninszenierung war. Haben da denn bereits spätere Correctiv-Mitarbeiter mitgemischt ?
Das schräge dabei,das durch die Steuerzahleridioten finanzierte Gutmenschkonstrukt wird nicht von den Vip`s bezahlt.
Pensionärinnen gegen rechts,erfreuen sich auch an neuen Zuwanderungen.
Nur nicht vor ihrer Haustür und schon garnicht auf ihre kosten…
Das ganze Thema ließe sich mit nur einem Buchstaben entschärfen: „Rausländer* raus …“
* sich widerrechtlich in Deutschland aufhaltender Ausländer
Genau. Es betrifft ja nur die, die nicht zu unserer Gesellschaft gehören wollen – oder dürfen.
„Ausländer raus“ ist keine „widerwärtige“ Aussage, sondern die jeden Tag überfälligere Aufforderung zu einem Dialog zwischen allen Teilen des Volkes. Es ist die Artikulation eines tiefsitzenden Eindrucks des Verlusts von Souveränität des Volkes gerade durch Auferlegung einer Sprache, in der weder Souveränität noch Volk mehr vorkommen. Die Auferleger dieser Sprache veranlassen zugespitzte und wenig nuancierte Parolen wie „Ausländer raus“, weil sie jede andere Form des Audrucks und der Reflexion behindern. TE sollte mit gutem Beispiel vorangehen und diese sprachliche Brunnenvergiftung nicht mitmachen. Und bitte in dieselbe Kerbe schlagende Begriffe, wie „Ungläubige“ (für ua Christen), vergessen.
und wieder eine Geschichte der modernen Bourgeoisie.
Zu verurteilen ist die Staatsanwaltschaft, die zunächst wieder einmal ermitttelt, obwohl klar ist, dass weder das Lied noch Ausländer raus strafbar sind. Medien und Privatunternehmer haben mit Nazimethoden junge Leute verfolgt. Gut, dass das bei dem Grünen nicht der Fall ist, ausser durch seine Parteikumpane.
Können wir aufhören, zu spinnen? Auch die sogenannten „Grünen“ mögen unter ihresgleichen leben (https://www.welt.de/politik/deutschland/article254704010/Bairawies-130-Migranten-in-winzigem-Dorf-Gruenen-Mitglied-fuehrt-Protest-gegen-Asylunterkunft-an.html), wenngleich sie, da indoktriniert durch die alliierte Umerziehung (https://www.deutschlandfunk.de/deutschland-re-education-alliierte-zweiter-weltkrieg-100.html) gegenteiliges (öffentlich) äußern, das folgerichtig ist, da der Mensch innerhalb der eigenen Gruppe sich vor Fremden, sprich vor Unbekannten als latente Gefahr (Empathie ist die Fähigkeit, die Emotionen einer anderen Person zu verstehen und selbst zu spüren. Kommunikation durch Empathie war früher unglaublich hilfreich für das Überleben in Gruppen. Wenn man zum Beispiel die Wut von jemandem spürt, der kurz davor ist, einen Streit anzufangen, kann man eingreifen und den Streit verhindern, bevor er ausbricht. Aber stellen… Mehr
„Er erklärt, die Parole sei im Rahmen einer scherzhaften Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen aus Südfelde und Hunteburg gefallen.“ Ich habe ein jährliches Schützenfest direkt vor der Haustür und kenne die Rivalitäten von Dorfjugendlichen aus eigener Anschauung recht gut. Die Erklärung des Herrn Possenriede scheint mir so betrachtet plausibel, daß „Ausländer“ in dem Kontext ironisch für das jeweils andere Dorf verwendet wurde. Es ist also nicht der gleiche Vorgang. In Sylt haben Jugendliche mit dem Tabu gespielt, das um illegale Einwanderung errichtet wurde – was ich persönlich auch gut nachvollziehen kann. Im Fall des Herrn Possenriede ging es um Lokalrivalitäten wie zwischen… Mehr
Seit 2015 wurde in Deutschland die Inquisition wieder eingeführt.
Das muss man bei jeder Kleinigkeit berücksichtigen und vorsichtig schleichend durchs Leben gehen.
Freiheit und insbesondere Meinungsfreiheit gelten nicht mehr wirklich.
Die Zahl der Inquisitoren ist unendlich geworden.