Die alte Leier über das „ungerechte“ Bildungswesen

Bei der Vorstellung des Bildungsberichts 2026 wird die Chancenungleichheit nach sozialer Herkunft bemängelt. Karin Prien spricht von „Bildungsschere“, die sich bis zur Einschulung öffne. Doch an mangelnden Chancen liegt es nicht.

picture alliance / ABBfoto | Frederik Kern
Prof. Dr. Kai Maaz, Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch und Bundesbildungsministerin Karin Prien bei der Veröffentlichung des "Berichts Bildung in Deutschland 2026", Berlin, 15.06.2026

Mit der Regelmäßigkeit von Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Kirchweih, Oktoberfest, Dreischanzentournee, CSD, ESC usw. gibt sich die „Bildungsnation“, die keine mehr ist, fürchterlich zerknirscht: Ach, wie geht es in Sachen Bildung doch so ungerecht zu in diesem unserem Lande!

Am 15. Juni haben Bildungspolitik und Bildungs-„Wissenschaft“ diese Leier erneut abgespielt. Wie alle zwei Jahre wurde der „Bildungsbericht“ vorgestellt. Es ist der bislang elfte „Bildungsbericht“, 396 Seiten dick. Er suggeriert bereits im Untertitel, welches Lamento diesmal angestimmt wird. Er lautet: „Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft.“ Dramatis personae bei der Vorstellung des „Bildungsberichts“ diesmal: Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) als Vertreterin der 16 Länder und Prof. Dr. Kai Maaz für das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.

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Was machen die Alt-Medien aus diesen fast 400 Seiten? Zum Beispiel die ARD-Tagesschau: „Die Bildungschancen sind in Deutschland sehr ungleich verteilt. Doch meist entsteht das Problem schon vor der Schule … Schon im Alter von zwei Jahren unterscheidet sich demnach der Wortschatz von Kindern, je nachdem, welche Bildung die Mutter hat. Diese frühen Unterschiede bleiben über die gesamte Bildungslaufbahn stabil.“ Prien toppt die Aussage noch: „Die Bildungsschere tut sich ab der Geburt auf … Die Schere ist zu, wenn ein Kind auf die Welt kommt, und sie öffnet sich dann bis zur Einschulung.“

Dabei hat die „hohe“ Politik für die Jahre 2024 bis 2026 347 Maßnahmen (Länder) beziehungsweise 13 Maßnahmen (Bund) gemeldet, die die soziale Ungleichheit in der Bildung verringern sollen. Aber eben nicht verringert haben. Hier wird der Bericht unfreiwillig ehrlich: Obwohl das Kita-Angebot in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, wird die Kita seltener von Kindern aus Familien mit niedriger Bildung oder mit Einwanderungsgeschichte besucht. Boshaft gefragt: Vielleicht muss man schon pränatal ansetzen?

Für Prien ist all das eine Steilvorlage. Ganz nah an der jüngst neu aufgelegten Forderung der „Grünen“ zeigt sie sich offen für eine Kita-Pflicht – und de facto für noch mehr Verstaatlichung der Kindheit. Für die Kinder, die besondere Bedarfe haben, sei es richtig, so Prien, zumindest die Sprachförderung verpflichtend zu machen. Prien umgeht aber die Frage: Was tun, wenn Eltern sich weigern, ihre Kinder zu einem Sprachtest und nachfolgend in eine vorschulische Sprachförderung zu schicken? Und mit einer völlig verkorksten Migrationspolitik hat das ja auch nichts zu tun. Oder?

Über allem egalitaristischem Gerade um „Bildungsgerechtigkeit“ wird freilich vergessen, was der „Bildungsbericht 2026“ sonst noch parat hat. Wir greifen ein paar sehr wohl brisante Punkte heraus.

Erstens das Mathematik-Desaster: Der Anteil der Neuntklässler, die mindestens einen mittleren Schulabschluss anstreben und die Mindeststandards nicht erreichen, hat sich in etwas mehr als einem Jahrzehnt um die Hälfte erhöht. 2012 waren es 16 Prozent, 2024 waren es 24 Prozent – die Hälfte mehr als 2012 und derzeit fast ein Viertel. Die Rückgänge treffen „alle Leistungsniveaus“ – auch Gymnasien.

Das hat zu tun mit der Absenkung von Anforderungen im Fach Mathematik (Niedersachsen schafft jetzt sogar das schriftliche Dividieren in der Grundschule ab, TE berichtete); mit dem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund (diese Schüler verstehen Mathe-Textaufgaben oft sprachlich nicht); mit der Neigung von immer mehr Schülern, Rechenaufgaben mittels KI lösen zu lassen.

Zweitens immer mehr Schüler ohne Schulabschluss: Über 64.000 Jugendliche verließen 2025 die Schule ohne Abschluss. Drei Viertel davon haben eine Migrationsgeschichte. Ein neuer Höchststand und ein sozialpolitisches Unruhepotenzial! Der Anteil der Schüler, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen, ist gemessen an der gleichaltrigen Bevölkerung auf 8 Prozent gestiegen. Im vorherigen Bericht lag er bei 6,9 Prozent, davor bei 6,2 Prozent.

Drittens die überlangen „Verweildauern“ an den Hochschulen: Selbst ein Bachelor-Studium dauert immer länger. Die durchschnittliche „Verweildauer“ (Fachterminus!) an Semestern, die Studenten an der Uni bis zum Bachelor benötigen, ist auf 8,4 Semestern gestiegen (an der Uni 2014: 7,2). Viellicht hat das auch damit zu tun, dass immer mehr junge Leute zwar die Studierberechtigung, aber nicht die Studierbefähigung haben. Auch darin zeigt sich der Irrweg der Pseudo-Akademisierung.

Fazit

Leider nicht totzukriegen ist die Horrorlegende von der angeblichen sozialen Ungerechtigkeit des deutschen Bildungswesens. Nein, die Bildungsaussichten hängen nicht vom Geldbeutel der Eltern ab. Bedauerlicherweise gibt es keine Studie darüber, was über Generationen hinweg üblich war: dass Kinder aus „ärmeren“ Schichten es nach dem Willen ihrer Eltern einmal besser haben sollten, dass diese Eltern ihre Kinder konsequent zum Lernen anhielten und diese dann aufstiegen. Chancen sind eben Chancen, keine Garantien. Sie realisieren sich durch Zupacken und um den Preis der Anstrengung. Das hängt nicht vom Geldbeutel der Eltern ab.

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Kommentare ( 8 )

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8 Comments
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Montesquieu
1 Stunde her

Die im Erwachsenenalter gemessene Intelligenz ist zu 80% der genetischen Anlage geschuldet.
Das individuelle Intelligenz Potential ist vererbbar.
Der individuell zu erreichende kognitive Zustand eines Menschen ist durch die genetische Ausstattung nach oben begrenzt. Nach unten nicht.
Bildungs“gerechtigkeit“ im Sinne von Bildungs“gleichheit“ (dem feuchten Traum der Linken: „Gleichheit„) geht nur mittels Nivellierung nach unten.
Daran arbeiten seit Jahrzehnten zumeist linke Bildungspolitiker.
Die in Kombination mit sehr unterschiedlichen Geburtenraten kognitiv differenter Gruppen erzielten Erfolge dieser Bildungspolitik sind ein zentraler Bestandteil des besten Deutschlands ever.

moorwald
1 Stunde her

Selbstverständlich hängen Bildungdchancen hauptsächlich vom Elternhaus ab. Z B. vom Fernsehkonsum, z.B. ob es zuhause Bücher gibt.. Ich möchte bei aller Bescheidenheit mal meine eigene Herkunft anführen: Eltern mit einfacher Schulbildung, drei Söhne mit Abitur (als es noch etwas wert war). Alle drei mit abgeschlossenem Studium, einer promoviert und hablitiert… Entscheidend ist der Anstoß durch die Eltern. Bildung, besonders auch berufliche Bildung, war das Fundament unseres Wohlstandes. Durch die Massenimmigration von nicht beschulbaren, z.T. analphabetischen Fremden bricht dieses nun weg. Ganz abgesehen von den vielen einheimischen Kindern, die auf die falsche Schule gehen, nutzlose Fächer studieren.. Das zweite Fundament, das… Mehr

Last edited 1 Stunde her by moorwald
Dirk Plotz
1 Stunde her

Die Schulpflicht muss abgeschafft, das Bildungssystem komplett privatisiert werden. Wir zahlen Milliarden dafür zukünftige Generationen zu verdummen, zu völlig Bekloppten zu erziehen. Wer würde dafür jemals privat zahlen? Wer schickt sein Kind in eine Institution, in der es verdummt, nicht einmal lesen lernt und zahlt dann obendrauf noch Geld dafür? Niemand. Keine staatliche Schule würde sich mit dem derzeitigen Angebot gegen irgendeinen Wettbewerb durchsetzen. Kein Lehrer würde dort arbeiten, kein Schüler dort hingeschickt werden. Es ist völliger Wahnsinn, was die Kollektivisten in diesem Land anrichten. Der Staat kann es nicht. Er kann nur zugrunde richten, vernichten, zersetzen. Das Naturgesetz gilt… Mehr

jwe
1 Stunde her

Was ist ungerecht am deutschen Bildungssystem? In Berlin ist doch z.B. alles in Ordnung. Der Großteil der Schüler macht das Abitur, es fällt niemand mehr durch und die Notendurchschnitte sind auch ansprechend. Diesem Beispiel brauchen nur alle Länder zu folgen. Nachdem auch die Grünen behaupten, Abgeordnete bräuchten nicht lesen oder schreiben zu können, um gute Mandatsträger zu sein, kann das Niveau ruhig etwas gesenkt werden.

Delegro
1 Stunde her

Ist das die neue Aufgabe unserer Minister? Broschüren für viel Geld in Auftrag zu geben (weil im eigenen Hause ja keiner Bock auf die Arbeit hat) und dann als mahnendes Verkündungsorgan aufzutreten. Dafür hat man doch schon den ÖRF um den Finger gewickelt. War es nicht mal Aufgabe der Minister die festgestellten Probleme zu beseitigen. Analyse, Lösung, Umsetzung und Zielerreichung. Verkünden kann ich auch so ziemlich alles. Wann darf ich als Minister in Berlin anfangen? Bin allerdings AfD Wähler. Sollte aber doch in „unsererDemokratie“ kein Problem sein, oder?

moselbaer
1 Stunde her

Ich sehe drei Hauptgründe für die Misere (die zu diskutieren oder auch nur zu erwähnen allerdings politisch höchst unkorrekt ist): 1. In großen Teilen der jetzigen Lehrerschaft ist der Leistungsgedanke völlig aus der Mode gekommen. Anstatt Leistung zu fördern und zu fordern, wird Schlechtleistung entschuldigt, durch Absenken der Anforderungen verdeckt, verstanden und was auch immer. 2. Zum Lernen gehört Disziplin. Große Teile der Lehrerschaft sind nicht willens oder in der Lage, Disziplin einzufordern. Und wenn sie es trotzdem täten, bekämen sie Druck von oben. Disziplin ist nicht mehr gewollt. 3. Realitätsfremde, ideologiegetriebene Vorgaben durch die Kultusministerien. Ich habe viele befreundete… Mehr

Marcel Seiler
1 Stunde her

Zur Bildungs-„Ungerechtigkeit“:

a) Bildungsergebnisse hängen stark vom IQ ab, der erblich ist. Im 20. Jh. sind ein Großteil der Familien der wirtschaftlichen Unterschicht mit hohem IQ gesellschaftlich aufgestiegen (die „Intelligenz-Reserven“). Jetzt sind viel weniger Familien in den unteren Schichten übrig, die den für höhere Bildung nötigen IQ haben. Natürlich steigen da viel weniger auf.

b) Begabte Kinder bildungsferner Schichten profitieren von leistungsorientierten Schulen: Dort lernen sie die Bildungstugenden (Fleiß, Konzentration u.ä.), die sie das Elternhaus nicht lehrt. Kinder der Gebildeten überleben auch schlechte Schulen, da dann die Elternhäuser einspringen. Lala-Schulen lassen gerade die Kinder unterer Schichten im Stich.

Last edited 1 Stunde her by Marcel Seiler
Jens Frisch
1 Stunde her

Wer die Inklusion fordert und gleichzeitig Schulklassen hat mit 20-50-80-95% Migranten den deutschen Kindern zumutet, der will gute Schulbildung vorsätzlich zerstören.