Der klimaideologisch begründete Hass auf unsere einheimischen Energierohstoffe, die reaktionäre 80er-Jahre Anti-Atompolitik und blinder Glaube an den Ökostrom haben uns in ein prekäres globales Abhängigkeitsverhältnis unserer Energieversorgung geführt. Es gibt keinerlei Anzeichen politischen Willens der Regierungsparteien, Änderungen herbeizuführen.
picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Der andauernde Konflikt um den Iran, sei es als heißer Krieg oder künftig nur noch als kalter, wird uns einen längerfristigen Abschwung der Wirtschaft und Gesellschaft bescheren, der gegenwärtig noch nicht überblickt werden kann. Wenn hin und wieder an die Ölkrise von 1973 erinnert wird: Diese war, verglichen mit dem, was kommen wird, nur ein laues Lüftchen und schnell vorbei. Dass die Straße von Hormus schon bald problemlos (und kostenlos) zu befahren sein wird, ist zweifelhaft, die Folgen werden lange nachwirken.
Einige Länder wie Japan reaktivieren ihre Kohlekraftwerke, um Gas zu sparen, eine für Deutschland undenkbare Variante. Wir wollen im Gegensatz dazu neue Gaskraftwerke bauen und damit Kohlekraftwerke ersetzen. Allein der Gedanke an einen Betrieb der Kohlekraftwerke über 2038 hinaus gleicht klimapolitischer Gotteslästerung, geschweige denn, alte Kraftwerke dauerhaft zu reaktivieren.
Der darauf folgende rotgrüne Proteststurm würde den Kanzler umblasen. Seine Bemerkung auf einer FAZ-Veranstaltung, man müsse möglicherweise Kohlekraftwerke länger am Netz lassen, war eine der üblichen und wohl einmaligen Formulierungen für die Galerie, die folgenlos bleiben werden. Es braucht zudem keinen Proteststurm. Es reicht, wenn Vizekanzler Klingbeil die Augenbrauen hochzieht, um den Kanzler vom weiteren Verfolgen dieses Gedankens abzuhalten.
Mehr Gas!
Ein mittelfristiges Problem gärt im Schatten der medialen Aufmerksamkeit vor sich hin. Die bis auf 20 Prozent entleerten Erdgasspeicher müssen bis zum 1. November wieder auf 80 Prozent gefüllt werden, es bleiben also nur sechs Monate. In den vergangenen vier Wochen gab es einen Zuwachs von drei Prozent. Da der Gaspreis über den Sommer nicht sinken, sondern vermutlich sogar steigen wird, ergibt sich für die Speicherbetreiber kein Marktsignal zum Einspeichern.
Der Staat wird helfen müssen, wie genau, ist unbekannt. Es gibt keinen Haushaltstitel für eine staatliche Gasreserve. Auch hier geht es um Milliarden Euro. Da die Regierung nach dem Atom- auch den Kohleausstieg ungeachtet der Realitäten durchziehen will, ist das Erdgas der einzige Energierohstoff, der (noch) eingesetzt werden darf.
Nicht nur der bestehende Gaskraftwerksbestand und der Wärmemarkt wollen versorgt werden, laut Kraftwerksstrategie sollen zahlreiche, wohl um die 20, Gaskraftwerke neu gebaut werden. Die Ausschreibungen dazu, seit mehreren Jahren schon von Minister Habeck angekündigt, sind immer noch nicht veröffentlicht. Dabei werden sich potenzielle Investoren nicht einfach um den Zuschlag bewerben, sie werden Forderungen stellen nach Baukostenzuschüssen, einem Kapazitätsmarkt (der die Stillstandszeiten vergütet), vielleicht auch nach garantierten Strom- oder Gaspreisen.
Diese Bedingungen zu genehmigen, fällt der EU-Kommission schwer, denn im Sinne des Green Deals dürfen fossile Kraftwerke nicht gefördert werden. Dann bliebe für die finanzielle Hilfe noch eine Umlage auf den Strompreis als Option. Dieser Preissprung, den Kunden schwer erklärbar, ruft nach kosmetischen Maßnahmen. So könnten nach der EEG-Umlage auch die Netzentgelte aus dem Staatshaushalt bestritten werden. Das Problem: Auch dafür gäbe es keinen Spielraum. Wirtschaftsweise Frau Professor Grimm wies darauf hin, dass ab 2029 der gesamte Haushalt durch die Ausgaben für Rüstung, Soziales und Zinsdienst erschöpft sein wird.
Hier rächt sich, dass die „Erneuerbaren“ bisher in keiner Weise an den Markt herangeführt wurden, sie stehen regulativ immer noch im Streichelzoo. Die 20-jährige Garantievergütung und selbst die Vergütung von nicht abnehmbarem Phantomstrom saugen Geld ab, das dringend an anderer Stelle gebraucht würde. Der vorsichtige Versuch von Wirtschaftsministerin Reiche, über das sogenannte Netzpaket die „Erneuerbaren“ unter bestimmten Bedingungen an den Netzkosten zu beteiligen, löste einen Proteststurm der entsprechenden Lobby und ihrer politischen Handlanger aus. Es bleibt dabei – die „Erneuerbaren“ erzeugen im Jahr über 60 Prozent des Stroms, tragen aber weiter genau null Prozent Systemverantwortung. So wird das nichts mit „hundert Prozent Erneuerbare“.
Im Jahr 2031, so heißt es, sollen die ersten nach der Ausschreibung gebauten Gaskraftwerke in Betrieb gehen. Einige Unternehmen haben die fertigen Unterlagen im Schub, aber sicherlich noch keine Bestellungen ausgelöst. Auch hier liegt der Hase im Pfeffer. Waren früher die Gasturbinen der global führenden Hersteller Siemens, General Electric und Mitsubishi nach zwei bis drei Jahren Lieferzeit zu haben, warten die Besteller heute fünf bis sieben Jahre. Grund ist die hohe Nachfrage, besonders in den USA, um die Versorgung der aus dem Boden gestampften Rechenzentren zu sichern. Das geht mit Gaskraftwerken immer noch schneller als mit reaktivierten oder neu gebauten Kernkraftwerken.
Deutschland bräuchte diese Gasturbinen, um die Grundversorgung sicher zu stellen. Ein bevorzugter Standort für Rechenzentren werden wir bei unseren Strompreisen und absehbar sinkendem Stromaufkommen nie werden.
Die bestehenden und auch künftigen Gaskraftwerke brauchen Gas, und zwar ziemlich viel. Sie müssen die Kohle ablösen, die heute noch mit 5 bis 15 Gigawatt (GW) Leistung ständig am Netz ist. Die Formulierung, neue Gaskraftwerke würden nur laufen, wenn „der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint“, ist ein übler Fake und schlicht falsch, weil die Regellast sowie die Systemdienstleistungen (SDL, Frequenz- und Spannungshaltung) von den „Erneuerbaren“ nicht gesichert werden können. Dazu braucht es bei Verzicht auf die Kohle laufende Gaskraftwerke, nicht stehende.
In Katar und an weiteren Standorten sind wichtige LNG-Terminals und Raffinerien schwer beschädigt worden, man spricht von Reparaturzeiten von bis zu fünf Jahren. Global werden Erdgas und Raffinerieprodukte, vor allem auch Diesel und Kerosin, knapper und teurer. Da wir aber unserem deutschen Vorgarten keine modernen Fördermethoden wie Fracking zumuten wollen, wir solches Gas aber gern aus dem Ausland kaufen, sind wir auch an dieser Stelle abhängig und zeigen die bekannte grüne Doppelmoral. Die behaupteten Umweltschäden durch das Fracking wollen wir bei uns nicht haben, woanders ist es uns egal. Konsequent wäre es dann, auf LNG-Gas zu verzichten, das ohnehin über die ganze Lieferkette Emissionen aufweist, die jene der Braunkohle übersteigen. Eine Studie von earth.org gibt dazu Auskunft. Selbst Urgrüne wie Hans-Josef Fell erkennen, dass die Substitution von Kohle durch Gas aus Sicht des „Klimaschutzes“ nicht zielführend ist. Einer solchen etwas tiefergehenden Betrachtung können grüne Spitzenpolitiker von heute mit ihrem Bildungshintergrund nicht folgen.
Der über Jahrzehnte gewachsene Hass auf unsere heimischen Energierohstoffe führte dazu, dass Entwicklungen zu modernen emissionsärmeren Kohletechnologien (wie CCS – Carbon Capture and Storage) schon im Ansatz politisch verhindert wurden. Auch dabei galt es, den Ausbau der „Erneuerbaren“ als alternativlos und einzige Lösung darzustellen und die falsche Erwartung zu erhalten, diese könnten konventionelle Kraftwerke ersetzen.
Übermut trotz Krise
Derzeit steigen nach Angaben von eon-Energie die Einkaufspreise bei Gas für das laufende Jahr um 75 Prozent, bei Strom um 35 Prozent. Dass sie danach wieder sinken, vielleicht sogar auf Vorkriegsniveau, ist unwahrscheinlich. Dazu kommen die Wirkungen hinsichtlich der Verknappung chemischer Vorprodukte wie Ammoniak und die Produktion von Düngemitteln.
Ungeachtet dieser brisanten Lage treffen bei den Brüsseler Bürokraten Übermut und Größenwahn aufeinander. Mit der Methanverordnung sollen die Gaslieferanten die Methanemissionen der Lieferkette (Förderung, Aufbereitung, Tarnsport) nachweisen.
Verlangt werden direkte Messungen, standardisierte Methoden und Berichte. Später sollen Grenzwerte eingeführt werden, die zu Preisaufschlägen oder sogar zum Ausschluss vom EU-Markt führen können. Hier scheint man sich in Brüssel im Unklaren zu sein, wer in den bestehenden Verhältnissen Koch und Kellner ist und dass die EU bei weiter abnehmender globaler Bedeutung als Bittsteller auf dem weltweiten Gasmarkt agiert. Ähnlich verhält es sich beim CO2-Grenzkostenausgleich CBAM, einer Art CO2-Zoll, der als gigantisches Bürokratieprodukt den Handel erschwert und die Preise im Inland steigen lassen wird. Schon die Anwendung des CBAM auf Schrauben lässt die Händler schier verzweifeln. Sie wissen erst im nächsten Jahr, wie hoch die CO2-Import-Steuer für dieses Jahr ausfallen wird.
Der Versuch, den Erdgaslieferanten unter der Begründung des „Klimaschutzes“ Bedingungen zu diktieren, wird sich als kontraproduktiv erweisen. Anscheinend ist die Erkenntnis, wie stark die EU von Energieimporten abhängig ist, in Brüssel noch nicht angekommen. „Lernen durch Schmerzen“ ist bewährte Praxis, die Schmerzen treffen allerdings die Wirtschaft und die Bevölkerung, nicht die überbezahlten Bürokraten in Brüssel.
Mit mehr Erneuerbaren in die Depression
Als Retter in der Not verkaufen uns die so
genannten Qualitätsmedien, interessengeleitete Politiker und Mietwissenschaftler die „Erneuerbaren“. Anstelle zu erkennen, dass mehr „Erneuerbare“ keine sichere Versorgung begründen können, ein weiterer Windkraft-Ausbau nicht zwingend zu mehr Ertrag führt und Strom zur falschen Zeit die Systemkosten sprengen wird, wird permanent derselbe falsche Glaubenssatz wiederholt: Wir brauchen mehr Erneuerbare!
Trotz umfänglicher finanzieller und regulativer Förderung wird die wirtschaftliche Lage der gehätschelten Branche nicht besser. Wohlstand für alle ist ohnehin kein politisches Ziel mehr, aber der Trend geht dahin, dass alle als Verlierer vom Platz gehen werden. Eine Lose-lose-Situation.
Die kommende Krise wird ein länger anhaltender Zustand. Sie wird sich Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre in Deutschland zuspitzen, wenn der Kohleausstieg fortgeführt wird. Wir haben uns energiestrategisch völlig vom Ausland abhängig gemacht, die Abhängigkeit von Russland wurde nur umgehängt auf China, die USA und einige nicht unbedingt musterdemokratische Staaten. Die USA haben es geschafft, energieautark zu werden und sogar noch Energierohstoffe zu exportieren, während wir glauben, abhängig vom Wettergott ein Industrieland bleiben zu können.
Wir sind die Besserwessis dieser Welt, aber die Gendertechnologie ist nun kein Exportschlager. Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern zehn nach zwei. Wir können unser Energiesystem nicht mehr erhalten, sondern müssen es systemisch neu aufbauen. Das wird Jahre dauern und viele Milliarden kosten. Die Krise hat die EU erfasst, Deutschland ist einen Schritt weiter und schon von der Krise auf dem Weg zur Rezession, die in eine Depression übergehen wird. Die Kriege und Krisen dieser Welt treffen auf ein Land, das seine Resilienz verloren hat und unfähig zur Politikänderung ist. Es fehlt eine Kettensäge.


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Es ist kein Hass. Es ist Vernunft. Wenn man sich z.B. ansieht, was in den Niederlanden in den Gasfördergebieten passiert ist, wenn man die Folgen des Bergbaus in Deutschland sieht, so steht außer Frage, dass man, wenn man denn unbedingt fördern will, sich die Folgen genau anschauen muss. Denn die Rohstoffe rausgeholt ist schnell, die Folgen z.B. in Form von Gift im Grundwasser – das man nicht mehr los wird – sind langfristig. Bei der Atomkraft muss man sich nur die ungelöste Endlagerfrage stellen und die Kosten, um zu erkennen, dass diese keine Probleme löst. Atomkraft gehört zu den teuersten,… Mehr
Lullen Sie Ihre grünen Verehrer voll.
Immerhin habe ich Argumente und keine Angst sie zu diskutieren, anders als sie.
Ich kenne keine Angst, ich habe Ataraxie. Das ist in diesen Tagen ein Segen, besonders dann, wenn ich Nothilfe leisten muss.
Eine Kettensäge ? Das reicht lange nicht mehr. EU/D sind am Ende der Fahnenstange angelangt. Der wirtschaftliche Absturz ist nicht mehr aufzuhalten und wird verheerend. Aber wir wählen weiter fröhlich diese Verbrecher.
Neulich gelesen : am Ostersonntag stellten die Erneuerbaren eine Rechnung über 130 Millionen an Steuerzahler und Stromkunden. Am Ostermontag wurde dann so viel Strom zu Minuspreisen ins Ausland vertickt, dass sogar die Franzosen die AKW stark drosselten, um deutsche Stromgeschenke mit angehängten Geldscheinen annehmen zu können. Wahrscheinlich, um bei Pumpspeichern Wasser, welches vorher abgelassen wurde, wieder hochzupumpen. Und wir wollen noch mehr Solardächer und Windräder fördern? Also der jetzige Wahnsinn soll gelindert werden, indem es noch wahnsinniger wird. Mit Windrädern an windarmen Orten und neuen Solardächern. Wenn man mit Energiewende-Befürwortern spricht, dann ist die kritische Situation mit dem Erdgas doch… Mehr
..und auch diesmal kommt nichts, um die kriminellen Sozialisten „Armee-Wenckmäßig“ vor dem Untergang zu retten.
Lustige Hoffnungsträger
Inzwischen ist doch längst klar dass der „Klima ideologisch begründete Hass auf unsere Rohstoffe“ weder was mit Klima, noch mit Ideologie noch mit Hass zu tun hat.
Die Amis mochten 2 Dinge nicht, die Annäherung Deutschlands an Russland, und den deutschen Exportüberschuss.
Das ist die Grundlage grüner Politik, als Handlanger der Amis bei der Sabotage Deutschlands, und es ist eiskalt berechnet, ganz emotionslos.
Es ist überhaupt keine Wende in Sicht.
Später wird man sagen „da gab es mal einen Typen, der zum Kanzler gewählt wurde….“ und dann kommt mE kein einziges positives Wort mehr. Und das ist es, was von ihm übrig bleibt. Ich vermute, das ist ihm nicht klar oder er versteht es nicht.
Und trotzdem läßt der Staat bzw dessen NGOs gerade groß für die Energiewende demonstrieren:
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/04/demonstration-energiewende-berlin-tausende-menschen.html
Herr Hennig benutzt seit Jahren die gleiche Argumentationskette, vor 10 Jahren war’s noch eine Vorhersage, heute ist es eine Zustandsbeschreibung. Alle seine Vorhersagen betreffend der Energiewende haben sich bewahrheitet, es ist z.B. nicht einmal der Ansatz der von Grün propagierten Energieautonomie zu erkennen, im Gegenteil, wir importieren immer mehr teuren Strom und verschenken denselben incl. Trinkgeld, wenn der Wind mal weht. Und das ist nur ein Teil des Irrsinns. Der Gipfel des Irrsinns ist aber, dass z.B. Merz und Reiche den Wahnsinn erkennen, Deutschland aber zum Zwecke des Machterhalts trotzdem ans grünspzialistische Messer liefern. Und der tagesschausedierte Michel erkennt nicht… Mehr