In Bonn fahren derzeit nur noch 15 Stadtbahnen. 60 wurden vorsorglich außer Betrieb gesetzt. Aus Sicherheitsgründen. Verkehrsforscher Christian Böttger spricht von falschen politischen Ausgabenprioritäten. Das Geld fehle für die Instandhaltung der Infrastruktur.
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Es war wie beim TÜV, wenn das Auto nicht mehr als verkehrssicher eingestuft wird: verkehrsunsicher, entstempelt, Plakette weg. Nur ging es jetzt um Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises. Sie erhielten gewissermaßen ein behördliches Fahrverbot. Ein sicherer Weiterbetrieb sei „nicht mehr verlässlich gewährleistet“, ließ die Technische Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung Düsseldorf in dürren Worten verlauten und sorgte damit für viel Wirbel in der ehemaligen Regierungsstadt am Rhein. „Deshalb wurde entschieden, die Fahrzeuge vorsorglich außer Betrieb zu nehmen“, so Vanessa Nolte, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf.
Seit Dienstag sind also 60 Stadtbahnen von insgesamt 75 außer Betrieb gesetzt. Anlass waren bei Routineuntersuchungen entdeckte Auffälligkeiten an sicherheitsrelevanten Bauteilen älterer Fahrzeuge aus den Baujahren der 1970er bis 1990er Jahre. Die Technische Aufsichtsbehörde betonte, dass die Entscheidung nicht auf einem einzelnen Mangel, sondern auf der Gesamtheit sicherheitsrelevanter Sachverhalte beruhte. Die Stadtwerke Bonn SWB bestätigte lediglich die Notwendigkeit von Reparaturen. Bereichsleiter Gregor Frohne garantierte, die Bahnen „noch in dieser Woche allerspätestens“ wieder auf die Gleise zu bringen.
Die Linien sollen zurzeit weitgehend im üblichen Takt fahren, allerdings meist nur mit Einzelwagen statt Doppeltraktionen. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) helfen mit 20 Wagen aus und dünnen dafür eigene Linien aus. Zusätzliche Ersatzbusse wollen die Stadtwerke nicht einsetzen, um die ohnehin überlasteten Straßen nicht weiter zu belasten. Die Bonner Verkehrslage ist überdies mehr als angespannt, weil die wichtige Bonner Nordbrücke über den Rhein gesperrt werden mußte: baufällig.
Gut, dass gerade Sommerferien sind.
Die Bonner Stadtbahnflotte stammt zu einem großen Teil aus den 1970er-Jahren. Die SWB hatte 2007 beschlossen, 26 alte DUEWAG-Fahrzeuge in eigener Werkstatt grundlegend „zweitzuerstellen“, statt sie zu verschrotten. Dabei blieben weitgehend nur die Wagenkästen erhalten; Antrieb, Verkabelung, Türen, Innenraum und weitere Systeme wurden erneuert. Laut Stadtwerken kostete der Umbau nur etwa ein Drittel einer Neubeschaffung und sparte rechnerisch 47 Millionen Euro. Das Projekt galt als Musterbeispiel für Ressourcenschonung und kommunale Ingenieurskunst. Die Bonner rumpeln also in uralten Wagen über die Straßenbahnschienen.
Doch das Alter der Fahrzeuge allein erklärt die Stilllegung nicht. Stadtbahnen können auch nach Jahrzehnten weiterfahren, wenn sie sicher und regelmäßig instandgehalten werden. Die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung verlangt wiederkehrende Inspektionen nach spätestens 500.000 Kilometern oder acht Jahren. Wartung und Reparaturen müssen dokumentiert werden; sicherheitsrelevante Mängel zwingen zur Außerbetriebnahme. Erklärungsbedürftig ist gleichwohl, warum die Probleme erst so plötzlich und dann geballt sichtbar wurden, so dass nahezu die gesamte Flotte stillgelegt werden musste.
Gerade Schienenfahrzeuge müssen auf Materialermüdung, Schweißverbindungen, Haarrisse in Drehgestellen, Radsätzen und Bremsanlagen besonders überwacht werden. Das ICE-Eisenbahnunglück von Eschede zeigte seinerzeit drastisch die Folgen von Strukturversagen; gut, diese Züge fahren deutlich schneller.
Materialermüdung oder auch Ermüdungsbrüche sind eine der häufigsten und gefährlichsten Schadensursachen an Schienenfahrzeugen. Bei jedem Anfahren, Bremsen, Kurvenfahrt, Überfahren von Weichen oder Schienenstößen entstehen Schwingungen und Spannungswechsel in Bauteilen. Über Hunderttausende oder Millionen von Lastwechseln bilden sich mikroskopisch kleine Risse in Radsätzen, Achsen, Drehgestellen und Rahmen. Diese wachsen langsam weiter, bis es zum plötzlichen Bruch kommen kann. Auch Korrosion, fehlende oder unzureichende Wartung sowie undokumentierte Reparaturen beschleunigen den Prozess.
Stadtbahnwagen wie die Bonner Wagen der 1970er- bis 1990er-Jahre fahren häufig mit engen Kurvenradien, vielen Halten und hohen Beschleunigungs- und Bremswerten. Das führt zu intensiveren Belastungswechseln als bei reinen Fernbahnfahrzeugen.
Die Bonner Krise passt in die derzeitige politische Landschaft Nordrhein-Westfalens. In NRW sind laut Bezirksregierung rund 27 Prozent der Straßen- und Stadtbahnen älter als 30 Jahre. Neufahrzeuge sind Sonderanfertigungen; Planung, Bau, Erprobung und Zulassung dauern häufig sechs bis sieben Jahre. Das würde Weitsicht verlangen. Stattdessen konzentrierte sich die schwarz-grüne Landesregierung auf das Zerstören der eigenen Energieversorgung und will die Tagebaue mit Rheinwasser zulaufen lassen.
Dabei werden gerade SPD und Grüne nicht müde, permanent den „Umstieg“ auf ÖPNV zu verlangen und drangsalieren Autofahrer entsprechend. Doch immer mehr stellt sich heraus, dass sie noch nicht einmal in der Lage sind, für einen funktionierenden Nahverkehr auf Straße und Schiene zu sorgen. Sie haben fertig.




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Kennt jeder Hauseigentümer. Wer nicht regelmäßig in die Instandhaltung investiert, steht irgendwann vor einem abbezahlten Sanierungsfall und der Entscheidung, entweder sehr viel Geld in die Hand nehmen zu müssen oder zu verkaufen.
Solange die Politik meint, ungebremst deutsche Steuergelder in aller Welt verteilen und für Masseneinwanderung sowie Energiewende verpulvern zu müssen, wird die Infrastruktur weiter rasant verfallen. Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, wo wir vor den Ruinen eines einst blühenden Landes stehen werden.
Ist doch nur konsequent: Stadtbahnen die nicht fahren verbrauchen auch keinen Strom. Also können die letzten Braun- und Steinkohlekraftwerke in NRW abgeschaltet werden und die Tagebaue der Braunkohle geflutet werden. Grün/Rote Logik.
Hier benötigt man nicht nur Verkehrsforscher. Sondern auch und ganz besonders Verhaltensforscher.
Nach der BOStrab muss das Unternehmen einen Betriebsleiter haben. Der trägt die Verantwortung für den sicheren Straßenbahnbetrieb, aber auch für die organisatorische Zuverlässigkeit. Zuständig für die Überwachung ist die technische Aufsichtsbehörde, in diesem Fall die Bezirksregierung Düsseldorf.
Wenn der geschilderte Sachverhalt nur annähernd zutrifft, müssten hier eigentlich sowohl im Betrieb als auch bei der Aufsicht etliche Köpfe rollen.
Und was machen die ganzen Straßenbahnfahrer? Home Office?
Immer wieder: ihr kriegt, was ihr bestellt!
Wer die Blockfaschistoiden wählt, sucht den Untergang. Und der kommt mittlerweile in rasenden Schritten.
Ist das nicht auch die Gegend, in der man für viel Geld ein Pumpwerk baut, um Braunkohlevorkommen endgültig unbenutzbar zu machen?
Deutschland – die größte Freiluft-Irrenanstalt der Welt.
Was habe ich hier verloren in diesem Land, dahin mich gebracht haben meine Älteren durch Arglosigkeit? (HM Enzensberger)