Wüst und Neubaur besiegeln Kohleausstieg: RWE pumpt künftig Rheinwasser in die Tagebaue

Der Energieversorger RWE hat den symbolischen Grundstein für das Pumpbauwerk Dormagen gelegt. Damit sollen 340 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein nach Hambach und Garzweiler geleitet werden. Der Nero-Befehl wird weiter ausgeführt.

picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON

In Dormagen-Rheinfeld werden jetzt Fakten aus Beton geschaffen. Aktuell entsteht hinter dem Rheindeich die gewaltige Baugrube für den unterirdischen Pumpenkeller des zentralen Pumpbauwerks der Rheinwassertransportleitung. Zuvor wurden Baustellenzufahrten, Arbeitsflächen und getrennte Wege für Baustellen-, Fahrrad- und Fußverkehr eingerichtet.

Von Dormagen aus soll ein rund 45 Kilometer langes Leitungssystem zu den Tagebauen führen. TE berichtete mehrfach darüber. Bis zu 18 Pumpen drücken jeweils einen Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit mehr als zehn bar durch drei Rohrstränge. Abhängig vom Rheinpegel dürfen insgesamt bis zu 18 Kubikmeter pro Sekunde entnommen werden; RWE nennt als Grenze höchstens ein Prozent des jeweiligen Rheinabflusses. Erwartet werden etwa 340 Millionen Kubikmeter im Jahr.

Thomas Körber, Vorstandsmitglied der RWE Power, lobte diesen Frevel an künftigen Generationen und bezeichnete ihn als „Taktgeber eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für das Rheinische Revier“: „Damit schaffen wir die Voraussetzung dafür, ab 2030 Rheinwasser sicher und kontrolliert in unsere Tagebauseen von morgen zu leiten. Mein Dank gilt der Stadt Dormagen und der Nachbarschaft in Rheinfeld für den offenen Austausch und die konstruktive Begleitung in der Planungsphase.“

Katharina Reinhold, CDU-Landrätin des Rhein-Kreises Neuss, will das Vorhaben intensiv begleiten – „mit dem klaren Ziel, den Strukturwandel verantwortungsvoll zu gestalten und die Chancen einer neuen Seenlandschaft, die bis in den Rhein-Kreis Neuss reicht, zu nutzen“. Die Verantwortlichen träumen von Seenlandschaften mit Wasserspielen, Promenaden und Cafés. Arbeit und Wertschöpfung sind von gestern und kommen in diesen Gedankengängen nicht mehr vor; Energie schon gleich gar nicht.

Anfang 2027 sollen Entnahmebauwerk und Deichunterquerung folgen, Mitte 2027 der Rohbau. 2030 soll die Anlage zunächst Rheinwasser nach Hambach, ab 2036 auch nach Garzweiler fördern. Die Bezirksregierung Arnsberg hat am 29. Januar 2026 den Rahmenbetriebsplan für Leitung, Bauwerke und Rheinwasserentnahme zugelassen; der Beschluss wurde für sofort vollziehbar erklärt.

Nicht geklärt ist jedoch die wasserrechtliche Genehmigung für die Herstellung, Befüllung und den späteren Betrieb der Tagebauseen. Diese Fragen sollen in eigenen Verfahren behandelt werden. Die Infrastruktur entsteht also bereits, während wesentliche Bedingungen erst später festgelegt werden. Der BUND nennt das „Salami-Taktik“.

Besonders heikel ist die Qualität des Wassers, mit dem die Seen gefüllt werden sollen. Das Pumpwerk hält bisherigen Angaben zufolge vor allem größere Schwebstoffe aus dem Rheinwasser zurück. Die NRW-Leitentscheidung verlangt dagegen eine „verwendungsgerechte Qualität“ und nötigenfalls eine Aufbereitung. Amtliche Unterlagen nennen ausdrücklich Mikroplastik, PFAS und andere Belastungen. Die Entnahmestelle liegt unterhalb großer Chemie- und Industriestandorte. Ob die mechanische Reinigung genügt, welche Grenzwerte gelten und ob große Reinigungsanlagen notwendig werden, bleibt offen – mit erheblichen Folgen für Kosten und Sicherheit.

Hinzu kommt das Niedrigwasserrisiko. Bei geringen Rheinpegeln soll weniger entnommen werden, um Schifffahrt und Ökologie zu schützen. Dann verlängert sich jedoch die Befüllung. Die politisch gewünschte 40-Jahres-Frist hängt von künftigen Abflüssen, konkurrierenden Nutzungen und der Wasserqualität ab.

Mit der Flutung werden die verbliebenen Braunkohlevorräte zwar nicht „für immer“ vernichtet, wie es sich die derzeitige Regierungstruppe um Hendrik Wüst (CDU) und Mona Neubaur (Grüne) erträumt, aber praktisch und wirtschaftlich für sehr lange Zeit unzugänglich gemacht. Dies war eine Bedingung der grünen Wirtschaftsministerin Mona Neubaur für die Koalition mit der CDU. Hendrik Wüst hatte zu allem Ja und Amen gesagt, bloß um Ministerpräsident zu werden. Ein späterer Abbau würde die Entleerung, eine erneute Grundwasserabsenkung, die Sicherung der Böschungen und den Rückbau der Seenlandschaft erfordern.

Damit nehmen CDU und Grüne kommenden Generationen eine energiepolitische Option – während Deutschland Kraftwerke abschaltet, Strom importiert und seine Industrie unter hohen Energiepreisen leidet. Unter der Erdoberfläche lagern noch Kohlevorräte, mit denen drei der modernsten Braunkohlekraftwerke der Welt noch mindestens 75 Jahre lang betrieben werden könnten.

Dormagen ist damit mehr als ein Pumpwerk. Dort entsteht der technische Schalter, mit dem Nordrhein-Westfalen den Übergang von einer Energie- zu einer Seen- und Freizeitlandschaft festschreibt. RWE, Landesregierung und Kommunalpolitiker sprechen von Rekultivierung, stabilem Grundwasser, Natur und Tourismus. Eine wichtige strategische Energiereserve wird mit hohem technischen und finanziellen Aufwand unter Wasser gesetzt. Ökologische und wasserrechtliche Folgefragen sind keineswegs abschließend beantwortet. Es könnte das teuerste und dauerhafteste Denkmal des deutschen Kohleausstiegs werden.

40 Jahre lang soll also Rheinwasser fließen und die Tagebauseen füllen. Grüne und CDU in NRW träumen von einer „Seenlandschaft“, die dort entsteht, wo früher der Reichtum aus dem Boden geholt wurde. Nur die wenigsten dieser Gestalten allerdings dürften dies noch erleben. Damit wollen CDU und Grüne der Kohlegewinnung endgültig den Garaus machen. Immerhin wurde in den Grundstein eine Zeitkapsel mit Urkunde, Tageszeitung und Münzen eingelassen. So können künftige Generationen nachlesen, wer die Wahnsinnigen waren, die eine sichere Energieversorgung in den Orkus geworfen haben.

Der Nerobefehl im Ruhrgebiet wird fortgesetzt. Womöglich scheitert er dann auf halber Strecke am fehlenden Strom für die Pumpen. Denn der gewaltige Strombedarf wird in der grünen Inszenierung des „Seenlands“ kaum erwähnt. Aus Fördermenge und Druck ergibt sich bereits eine hydraulische Leistung von mindestens 18 Megawatt; die elektrische Leistungsaufnahme der Pumpen liegt höher. Bei 340 Millionen Kubikmetern Jahresmenge sind für diese Druckstufe physikalisch mindestens rund 94 Gigawattstunden nötig. Weitere Druckerhöhungen, Nebenaggregate und eine mögliche Wasseraufbereitung sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten. Ausgerechnet das Projekt, das das Ende eines heimischen Energieträgers zementiert, benötigt jahrzehntelang erhebliche Mengen Strom. Die Kraftwerke sollen ja abgeschaltet werden, und Wind und Sonne liefern kaum etwas.

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Kommentare ( 173 )

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Mikmi
22 Tage her

Die Wasserentnahme aus Flüssen ist Genehmigungspflichtig und bei Trockenheit verboten. Der Rhein fließt durch mehrere Bundesländer, haben diese alle zugestimmt?

GR
22 Tage her

Wo steht die AfD in NRW? Das wird nichts mehr mit Deutschland. Bis dann wieder Schlangen vor den Geschäften stehen. Und dann hat es wieder niemand wissen können.

Mein Onkel
22 Tage her

GRÜNENDE werden in nicht allzu ferner Zukunft Deutschlands Energiebedarf durch persönlichen Körpereinsatz sicherstellen (müssen).
🙂

Mein Onkel
22 Tage her

Fundamentale Verlogenheit der Grünen zeigt sich hier wieder einmal am krassen Gegensatz zwischen angeblichem Umweltbewußtsein und dem Ergötzen am Hinterlassen verbrannter Erde.

na sowas
22 Tage her

Und was hat jetzt das deutsche Volk, von dieser Entscheidung? Schon einmal nachgedacht ihr Zerstörer vom Eigentum des Volkes?

na sowas
22 Tage her

Wüst(e), verwüstet alles

Lesterkwelle
22 Tage her

Man kann sich vorstellen, was uns erwartet, wenn Merz fertig hat und Wüst ihm nachfolgt, immer in der Hoffnung, mit den geliebten Grünen auch im Bund zu regieren. Viel Spass!

Petra G
22 Tage her

Die Deutschland hassende Ideologenbande aus CDUSPDGRÜNEFDP vollzieht das, was im Kriegsfall der Feind machen würde, um die Infrastruktur lahmzulegen. Oder beim Rückzug, um nichts verwertbares zurückzulassen! Anstatt mal auszuprobieren und die bisherige Energieversorgung als Backup zu behalten, wird das Verhasste gesprengt, geflutet, zersägt und aus dem Boden gerissen, damit es nie wieder verwendet werden kann.

Das würde nicht einmal eine fremde Streitmacht tun, weil sie sich mittelfristig selbst damit ausbremst.
Grünen Deppen ist das völlig gleich……..

Privat
22 Tage her
Antworten an  Petra G

Wer im eigenen Land solche inneren Feinde wie das Kartell hat, der braucht wirklich keine äußeren Feinde mehr.
Die inneren Feind reichen unserem Land völlig zum Untergang.

Ingolf
22 Tage her

Dummheit oder Boshaftigkeit … man wundert sich nicht mehr.

andreas donath
22 Tage her

Was für eine widerliche Bande, Pfui Teufel! Und die elende CDU, wie immer, mittendrin statt nur dabei!