Zu den Angriffen auf das Stromnetz in Brandenburg haben die Ermittler eine erste Spur: Das Bekennerschreiben zur Sabotage am Umspannwerk Turnow-Preilack bei Jänschwalde dürfte die These von einer Geheimdienstaktion erneut durch linksextremen Terror ersetzen.
picture alliance/dpa | Frank Hammerschmidt
Die Polizei Brandenburg prüft aktuell die Echtheit des Schreibens. Bestätigt sie sich, wäre der Anschlagsversuch nicht Teil einer geheimdienstlichen Hybridkriegsführung, sondern ein weiterer Terror von Linksextremisten. Wie berichtet, hatten Unbekannte unter den Höchstspannungsleitungen bei Turnow-Preilack selbstgebaute Flugkörper positioniert, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln. Ziel war es, leitfähiges Material – offenbar Kupferdrähte – in die Leitungen zu schießen und Kurzschlüsse auszulösen. Mehr als ein Dutzend Vorrichtungen wurden gefunden, einige explodierten, zwei Treffer gelangen. Ein Block des benachbarten Braunkohlekraftwerks Jänschwalde schaltete sich automatisch ab.
Der Netzbetreiber 50Hertz spricht von einem Anschlag auf eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Osten. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) meinte, die Aktion sei „kein Kinderstreich“ gewesen, man habe „verdammtes Glück gehabt“. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.
In Bergheim bei Köln wiederholte sich dann nur Stunden später das Tatmuster: In einem Maisfeld fanden Ermittler sechs Abschussvorrichtungen. Pyrotechnik sollte einen Draht über die Oberleitungen bringen. Fünf RWE-Braunkohleblöcke mit zusammen 4200 Megawatt gingen vorübergehend vom Netz. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von einem Angriff auf das Land. Die Parallelen zum Anschlag bei Jänschwalde seien offensichtlich. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sagte: Bisher gebe es keinen Hinweis, „dass eine ausländische Macht dahintersteht und mit geheimdienstlichen Mitteln agiert wurde“.
In einem Schreiben, das der „taz“ per Post aus Nordrhein-Westfalen zugegangen sein soll, bekennt sich ein Mann als Einzeltäter: Er beschreibt die selbstgebauten Raketen und kritisiert die „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen“ als Verbrechen. Die Polizei wollte dieses Schreiben noch nicht werten, die Authentizität ist noch nicht bestätigt.
Linker Terror: Bisher keine Täter verhaftet
Erst vor weniegen Wochen bekannte sich die Gruppe „Kommando Angry Birds“ im Juli zu Brandanschlägen auf Kabelverbindungen an der Bahnstrecke Köln–Düsseldorf und verbreitete dazu auch Sabotage-Anleitungen. Und zuvor, im Juni, brannte ein Umspannwerk in Reutlingen, auch in diesem Fall gehen die Ermittler von Brandstiftung aus.
Das Bundeskriminalamt zählte auch im Vorjahr Hunderte Sabotageverdachtsfälle gegen kritische Infrastruktur. Umspannwerke gelten als besonders verwundbar: Sie sind schwer zu überwachen, eine erzwungene Abschaltung hat massive Folgen für die Bevölkerung.


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Wo ist die Grenze zwischen Linksextremismus und Geheimdienst? Mit der Abschaltung der Kraftwerke wird die Bevölkerung auf den kalten Winter vorbereitet.