RWE flutet Kohlevorräte – und zerstört über 100 Jahre Energiesicherheit

Verstand aus, Ideologie an, Wasser marsch: Während Deutschland über explodierende Strompreise jammert und die Industrie um ihre Existenz bangt, bereitet der RWE-Konzern das größte Begräbnis der deutschen Energiegeschichte vor. In den Tagebauen, die geflutet werden sollen, liegen Energievorräte, die noch mindestens 100 Jahre förderfähig sind.

picture alliance/dpa | Oliver Berg
Spatenstich an der Trasse für eine Rheinwassertransportleitung in den Tagebau Hambach, Elsdorf, 17.03.2026

Im rheinischen Tagebau Hambach liegen Braunkohlevorräte, die für mindestens 100 Jahre energetische Unabhängigkeit sichern könnten. Doch anstatt diese Reserven als strategisches Pfand für Krisenzeiten zu begreifen, wird die Flutung vorbereitet. TE berichtete mehrfach.

Energievorräte und Kraftwerke sollen in Rheinwasser ertränkt werden. Auf immerdar. Einmal geflutet, ist die Kohle für immer verloren. Es gibt kein Zurück, wenn in 20 Jahren das nächste Energiedilemma vor der Tür steht.

Im Land der einstürzenden Brücken, der maroden Schienen und zerfallenden Infrastruktur träumen sie von „unumkehrbar“, bekommen kein funktionierendes Staatssystem mehr hin, nehmen aber in Anspruch, auf „ewig“ angelegte Entscheidungen zu treffen.

Ausgerechnet NRW. Dort werden Unternehmen, die zwei Weltkriege überstanden haben, unter der Schirmherrschaft der grünen Wirtschaftsministerin Mona Neubaur in die Knie gezwungen. Insolvenzen, Werksschließungen und Investitionsstopps sind an der Tagesordnung, ohne dass Ministerpräsident Wüst und Neubaur sich sonderlich gestört fühlen. Wüst war übrigens vorher als Verkehrsminister für Straßen verantwortlich.

Bei Dormagen soll also ein Pumpbauwerk entstehen. Von dort sollen energiefressende Pumpen bis zu 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Rhein absaugen, durch die 45 Kilometer lange Leitung in den Tagebau Hambach leiten und ab Mitte der 2030er-Jahre dann auch in den Tagebau Garzweiler.

Dort stehen die drei modernsten Braunkohlekraftwerke der Welt, die noch 75 Jahre Strom produzieren können. In Neurath hatte noch Merkel 2006 den Grundstein gelegt. Sie stehen direkt an der Quelle neben den Tagebauen, so kann die Kohle direkt ohne größere Transporte zur Stromerzeugung verfeuert werden.

In den Tagebauen liegen Energievorräte, die noch mindestens 100 Jahre förderfähig sind. Geschätzte Wertschöpfung: 1.000 Milliarden Euro. Das passt nicht in eine links-grüne Landschaft, die Deutschland deindustrialisieren will – koste es, was es wolle.

Politisch getragen wird das Ganze vor allem von der NRW-Landespolitik rund um den vorgezogenen Kohleausstieg und damit zuerst von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung unter Hendrik Wüst, die 2021 die maßgebliche Leitentscheidung für das Rheinische Revier vorgelegt hat. Darin wurde die Nachnutzung der Tagebaue mit Seenbildung ausdrücklich als Ziel festgeschrieben.

Seit 2022 läuft das Projekt unter der schwarz-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen weiter. Die konkrete fachrechtliche Genehmigung erteilte Ende Januar 2026 die Bezirksregierung Arnsberg für den von RWE Power beantragten Bau und Betrieb der Rheinwassertransportleitung. Im Herbst soll entschieden werden, ob geflutet werden darf.

CDU und Grüne wollen jetzt nach dem Sprengen von Kernkraftwerken das Ende der Kohle in Deutschland zementieren, während in anderen Ländern diese billige und verfügbare Energie dazu dient, den Energiehunger zu stillen.

Mit dem ersten Spatenstich für die Rheinwassertransportleitung im rheinischen Braunkohlerevier wird nicht nur ein technisches Infrastrukturprojekt begonnen. Es ist ein politisches Signal – und zwar ein endgültiges. Denn mit der Flutung der riesigen Tagebaue Hambach und Garzweiler wird eine Rückkehr zur Nutzung der dort lagernden Braunkohle praktisch unmöglich gemacht.

Mit diesem politischen „Nero-Befehl“ wird Infrastruktur bewusst so verändert, dass künftige Generationen keine Möglichkeit mehr haben, eine andere energiepolitische Entscheidung zu treffen – selbst wenn sich die Lage einmal dramatisch ändern sollte.

Der Spatenstich im Rheinischen Revier ist deshalb weit mehr als ein Bauprojekt. Er steht für eine politische Entscheidung, die CDU und Grüne gemeinsam durchsetzen: Das Kapitel „Kohle“ soll endgültig geschlossen werden – und zwar so, dass niemand es jemals wieder aufschlagen können soll.

Klar, nichts ist unumkehrbar, allerdings dürfte der Aufwand gigantisch sein. Jetzt kostet die Zerstörung der Ressourcen übrigens bereits rund eine Milliarde Euro. Noch nicht eingerechnet mögliche hohe Kosten für Filteranlagen, die das Rheinwasser aufbereiten sollen für die Seen der Zukunft. Denn im Rheinwasser lassen sich viele Chemikalien nachweisen, darunter auch sogenannte Ewigkeitschemikalien wie die PFAS. Was sonst so heftig bekämpft wird, soll sich in einen Badesee ergießen. Bisher sind keine Anforderungen an die Qualität des Wassers aufgestellt worden.
Und was sind schon Milliarden in grünen Hirngespinsten!

Noch allerdings hat RWE für die Einleitung des Rheinwassers in den Tagebau Hambach keine Genehmigung. Das Prüfverfahren soll im Herbst beginnen. RWE übrigens demonstriert dabei eine beeindruckende Form von subventionierter unternehmerischer Tiefenentspannung. RWE will einen Tagebau fluten, hat aber weder das „Darf“ noch das „Wie“ geklärt. Das Genehmigungsverfahren startet erst im Herbst.

Besonders hanebüchen ist die Debatte um Filteranlagen. Dass man ernsthaft darüber diskutieren muss, ob ungeklärtes Flusswasser in ein künstliches Ökosystem gekippt werden darf, grenzt an ökologische Super-Naivität. Es wirkt, als hoffe der Konzern darauf, dass die Behörden angesichts der schieren Größe des Projekts schon ein Auge (oder beide) zudrücken werden. Ein See als grünes Denkmal?

Völlig Entrückte schwärmen bereits jetzt schon vom „Rheinischen Seengebiet“ mit dem zweitgrößten See nach dem Bodensee. Stechmücken statt Stahlwerk. Gab’s in früheren Zeiten schon mal.

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Kommentare ( 80 )

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weihnachtsmann_frau_lein
30 Tage her

Wir werden von irren regiert (nichts neues, ich weiß).
Erfüllt eine solch mutwillige — und zudem unnötige — vernichtung von ressourcen in dieser größenordnung eigentlich nicht den tatbestand des (hoch)verrats in besonders schwerem fall?

Last edited 30 Tage her by weihnachtsmann_frau_lein
aaa007
30 Tage her

noch ein Beispiel mutwilliger Zerstörung

A rose is a rose...
29 Tage her

Dieses Vorhaben passt doch wunderbar ins Gesamtbild einer Politik, die von Begriffen wie „Sondervermögen“, „Infrastrukturinvestitionen“, „Fachkräfteeinwanderung“ und „Links ist vorbei“ geprägt ist.
80% der Bevölkerung ist leider immer noch nicht in der Lage, die wahre Ursache für ihre stärker werdenden Ängste und zunehmenden Alltagsprobleme zu erkennen.

Bernd Schulze sen.
29 Tage her

Das ist Wirtschaftssabotage. Die Verantwortlichen gehören umgehend vor ein neutrales Gericht. So müsste es eigentlich sein. In Sachsen-Anhalt wurden ehemalige Tagebaue geflutet, trotz jahrelang Sicherungsmaßnahmen gab es immer wieder Vorfälle. Der größte wahr ein Erdrutsch, der auch Menschen zum Opfer viel. Ob der Tagebau schon wieder freigegeben ist, weiß ich nicht. Auch mit steigenden Grund- und Schichtenwasser, feuchten Keller usw in den umliegenden Orten, hat man zutun. Hat man in der kurzen Zeit überhaupt Sicherungen an den Tagebau vornehmen können oder wollen die Grünen, vollendete Tatsachen schaffen? Wie bei den Akws Kühltürme gesprengt und Leitungen unbrauchbar gemacht. Spd, CDU, Linke… Mehr

ISC
30 Tage her

Frage an Autor: Warum ist es nicht möglich diese Maßnahmen als das zu bestrafen was es ist. Hochverrat und Sabotage. Das gilt für die Zerstörung der gesamten Energieinfrastruktur.

KorneliaJuliaKoehler
30 Tage her

Nicht nur Energietechnisch steht uns das Wasser schon bis zum Hals. Aber die dafür Verantwortlichen drehen den Wasserhahn noch weiter auf. Wichtig ist Ihnen hauptsächlich, dass der Schaden irreparabel ist.
Früher nannte man sowas Sabotage.
Wenn ein Land solche Politiker hat, braucht es
keine Feinde von außen mehr.

Phil
30 Tage her

Die Energieversorgung zu einem politisch-ideologischen Zankapfel zu machen ist keine sonderlich zukunftsweisende Vorgehensweise, es fehlt jeglicher Pragmatissmus und allfällige, zu einem späteren Zeitpunkt relevanten Optionen, werden mutwillig zerstört. Ich würde einen marktwirtschaftlichen Ansatz verfolgen, nach dem die Politiker welche für die Zerstörung von Optionen, für den Umfang der daraus entstehenden zukünftigen volkswirtschaftlichen Kosten, über ihr Privatvermögen (Pensionen, Erspartes, Immobilen und Anlagevermögen) persönlich haftbar gemacht werden können. Politische Entscheide, welche für jene die sie für alle anderen Treffen, keine persönlichen Konsequenzen haben, sind ökonomischer Unsinn. Was ein Geschäft im privaten Umfeld rentabel macht, ist der Gewissenhafte Umgang mit den persönlichen Risiken,… Mehr

Ornhorst
30 Tage her

Mal so angemerkt, neben dieser Meldung vom Energie-Irrsinn: Warum wollen die über Wasserflächen schaffen? In Mitteldeutschland dasselbe. Werden die Gewässer für Trockenzeiten in der Landwirtschaft gebraucht oder nur zum Lokaltourismus und Vergnügen? Brauchen die keine Flächen mehr für den Anbau von Getreide? Essen die kein Brot mehr?

Dieter Rose
30 Tage her
Antworten an  Ornhorst

Die essen doch Torte!!!

Bernd Schulze sen.
29 Tage her
Antworten an  Ornhorst

Die essen Kuchen, der Rest die Krümel.

Reinhard Schroeter
30 Tage her

Dauert nicht lange, da
werden sie es auch als einen strategischen Fehler, wie Ähnliches derzeit aus Brüssel schallt, bezeichnen.
Konsequenzen wird das aber ebensowenig für die haben, wie für die von der Von-der-Pfeizer-Bande haben.
Man reibt sich die Augen ob der Kreaturen, die der Wertewesten so hervorbringt und die nichts anderes vermögen als zu zerstören.

investival
30 Tage her

Die ideologisch befeuerte Sabotage volkswirtschaftlicher Substanz setzt sich unreflektiert fort.
Wäre ich Kind oder Enkel dieser Personen welche würde ich mir so langsam mal Gedanken machen, wie ich die Alterspfründe meiner (Groß)eltern darstellen kann, oder soll; oder ob überhaupt ob dieses suizidalen Verhaltens.
Ich würde meinen Eltern dann sagen, fisch‘ Dir Deine Rente aus Deinem grünen See.

Emsfranke
30 Tage her

Wieder ein Beweis dafür, dass all diese linksrotgrünschwarz gedrechselten Politsekten nichts weiter zelebrieren, als ihre aus Dekadenz erwachsene ökonomische Todessehnsucht, die ihnen über Generationen ihrer Denkrichtung durch den Stalinismus genetisch vererbt wurde.

Hairbert
30 Tage her

Wie sie sich freuen. Klar die leiden keine Not, leben gut von unserem Geld.