Wenn EU-Regulierung technologischen Fortschritt ausbremst

Wegen der EU-Digitalgesetze und der damit verbundenen regulatorischen Hürden wird Apple die neue KI-Siri sowie weitere fortschrittliche Funktionen in der EU bis auf Weiteres nicht einführen.

picture alliance/dpa | Andrej Sokolow
Tim Cook, CEO von Apple, Entwicklerkonferenz WWDC, Cupertino, USA, 08.06.2026

Das war wieder ein genialer Einblick in die Technik von morgen: Auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2026 stellte der scheidende Apple-Chef Tim Cook nicht bloß eine neue Siri-Version vor. Apple zeigt mit „Siri AI“ vielmehr, wohin die nächste Bedienoberfläche des digitalen Alltags geht: weg vom Tippen, hin zum persönlichen, kontextfähigen Assistenten, der E-Mails, Nachrichten, Fotos, Termine, Bildschirminhalte und Webwissen zusammenführt. Siri AI soll Gespräche fortsetzen, Inhalte auf dem Bildschirm verstehen, App-übergreifend handeln, Texte schreiben, Fotos bearbeiten, visuelle Informationen deuten und per Kamera sogar Mahlzeiten oder Rechnungen analysieren. Die auf künstlicher Intelligenz basierende „Siri AI“ soll das Herzstück des neuen hauseigenen Ökosystems werden.

Doch während Nutzer in den USA und anderen Teilen der Welt im kommenden Herbst mit iOS 27 in den Genuss der neuen Technologie kommen, schauen Verbraucher in der EU wieder in die Röhre. Ähnlich übrigens wie die in China.

Andere produzieren, die EU reguliert
EU ohne KI: Wie sich der Staatenbund vom Wachstum ausschließt
Wegen der EU-Digitalgesetze und der damit verbundenen regulatorischen Hürden wird Apple die neue KI-Siri sowie weitere fortschrittliche Funktionen in der EU bis auf Weiteres nicht einführen. Für europäische Apple-Kunden wiederholt sich damit ein frustrierendes Muster: Bereits bei früheren Versionen und Funktionen – wie etwa der von Apple angebotenen Liveübersetzung – blieben die EU-Bürger aufgrund der Brüsseler Regulierungswut außen vor. Während die Politik betont, Verbraucherrechte schützen zu wollen, führt die Blockadehaltung dazu, dass den Bürgern moderne Schlüsseltechnologien vorenthalten werden.

Die EU riegelt sich ab

Als Begründung dafür, dass die neue Technologie in Europa nicht verfügbar sein wird, führt der iPhone-Konzern explizit die strengere EU-Regulierung an. Die EU erweist sich damit als Bremsklotz, der die EU-Bürger vom Fortschritt abschneidet.

Die Liste der Funktionen, auf die europäische Nutzer damit verzichten müssen, ist lang. Siri soll komplexe Zusammenhänge erfassen und Folgefragen beantworten können und führt einen kontinuierlichen Gesprächsverlauf in einer eigenen App. Systemübergreifend kann sie auf Befehl E-Mails verfassen, Fotoreihen bearbeiten, Termine koordinieren und Daten aus verschiedenen Anwendungen verknüpfen. Über die Kamera erkennt Siri Objekte, berechnet Nährwerte von Mahlzeiten oder teilt Restaurantrechnungen unter Gästen auf.

Was von der EU-Kommission als digitale Souveränität und Schutz vor Monopolen deklariert wird, entwickelt sich für die Betroffenen zu einem handfesten Standort- und Innovationsnachteil.

Hinter den Kulissen der neuen Siri AI steckt ein radikaler Strategiewechsel. Nachdem Apple mit dem ersten Anlauf von „Apple Intelligence“ im Jahr 2024 technologisch weit hinter die Konkurrenz wie OpenAI, Google oder Anthropic zurückgefallen war und die versprochenen Funktionen mehrfach verschieben musste, kaufte sich der Konzern die nötige Expertise nun extern ein.

Apple öffnet sich dem Erzrivalen

Die nächste Generation der Apple-Modelle baut maßgeblich auf der Gemini-Technologie des Erzrivalen Google auf. Für diese strategische Allianz und die Nutzung der Gemini-Lizenzen zahlt Apple laut Branchenberichten rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr an die Google-Mutter Alphabet.

Manager Amar Subramanya stellte gestern klar, dass Apple weder die reguläre Gemini-App noch Googles Suchdienst direkt integriert. Stattdessen wurden die hauseigenen Sprachmodelle mit den Daten der Google-Spitzenmodelle optimiert. Für rechenintensive Aufgaben kommen Nvidia-KI-Chips in Googles Rechenzentren zum Einsatz, die über eine von Apple speziell abgesicherte Software-Umgebung angesteuert werden.

Serie KI – dritter und letzter Teil
Die Grenzen der KI
Trotz der engen Verflechtung mit Google bemühte sich Softwarechef Craig Federighi, die Kernphilosophie Apples zu betonen. Er warf den Mitbewerbern vor, KI-Funktionen „um der KI willen“ zu pushen, ohne Rücksicht auf die Privatsphäre zu nehmen. Bei der neuen Siri AI sei der Datenschutz hingegen „nicht verhandelbar“.
Anfragen an die Cloud-Server würden weder protokolliert noch gespeichert. Selbst Google habe zu keinem Zeitpunkt Einblick in die Datenströme. Es laufe ausschließlich von Apple digital signierte Software auf den Systemen. Mehr Datensicherheitsgedanken ist derzeit kaum vorstellbar. Zudem sollen externe Experten diese Praxis von Apple prüfen können. Dies unterstreicht die tiefe Kluft zwischen der regulatorischen Realität in der EU und der technologischen Praxis im Silicon Valley.

Leitungswechsel bei Apple

Die WWDC 2026 markiert gleichzeitig einen historischen Wendepunkt in der Konzerngeschichte. Die Präsentation war der letzte große Auftritt des legendären Tim Cook. Der sichtlich bewegte Apple-Chef wird den Vorstandsvorsitz zum 1. September an den bisherigen Hardware-Chef John Ternus übergeben.

Der Druck auf das Management unter Ternus ist immens. Anfang des Jahres wurde Apple an der Börse von Alphabet als zweitwertvollster Konzern der Welt abgelöst. Das war ein direkter Denkzettel der Investoren für Apples bisheriges Zögern im KI-Sektor. Auch die gestrige Präsentation konnte die Skepsis der Wall Street nicht vollends entkräften; die Apple-Aktie schloss am Montag mit einem Minus von 1,9 Prozent.

Apple legt mit Siri AI das Fundament für kommende Produktkategorien wie KI-Brillen, smarte Displays und Heimroboter mit Roboterarmen und legt den Grundstein für kommende Technologiesprünge. Wer diese Schnittstelle kontrolliert, kontrolliert die nächste Stufe der digitalen Wertschöpfung. Wer sie blockiert, reguliert nicht nur ein Feature, sondern den Einstieg in ein neues Computerzeitalter. Europa diskutiert, ob Marktöffnung abstrakt genug gedacht wurde. Andere bauen Produkte.

Die EU verhält sich, als ließe sich Hightech wie ein Plastiktrinkhalm verwalten: verbieten, umlenken, standardisieren, mit Fristen versehen. Doch KI funktioniert nicht nach Brüsseler Verordnungslogik. Sie entsteht aus Geschwindigkeit, Daten, Rechenleistung, Risiko. Allesamt Fremdwörter in Brüsseler Stuben. Dort baut man lieber an bürokratischen Brandmauern und wundert sich, dass dahinter keine Weltkonzerne wachsen.

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Kommentare ( 19 )

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Matthias F.
1 Monat her

Aber ihr seid doch immer so gegen die totale Überwachung, oder??? Es gibt gute Gründe, Siri, genauso wie Bixby komplett abzuschaffen! Wenn man sowas liest, kann man euch bald auch kein Vertrauen mehr schenken!

Karl Renschu
1 Monat her

Die DDR-Planwirtschaft hat immerhin einen Ein-Megabit-Chip zu Stande gebracht…

Teiresias
1 Monat her

Es geht um Datenhoheit.. Siri AI ist der nächste Schritt Richtung: Dein Smartphone kennt dich. Deine Gewohnheiten, deine Wünsche, deine Abneigungen. Das Problem ist, nicht nur dein Smartphone kennt dich. Die Technik baut die Illusion der Intimität auf. Dein Smartphone und du. Tatsächlich kennt Apple dich. Und Apple macht damit Geschäfte. Auch sind die Zeiten vorbei, als Steve Jobs sich FBI und CIA widersetzte, eine Hintertür einzubauen und die Datensicherheit seiner Kunden zu verraten. Apple und Datenschutz ist heute ein Horrorthema. Der EU geht es um die Frage, wessen Untertanen die EU-Bürger sind. Die USA wollen den Direktzugriff auf die… Mehr

Last edited 1 Monat her by Teiresias
maik litoris
1 Monat her

Es ist doch nicht alles schlecht in der EU. Das letzte was ich brauche ist das KI meine „devices“ durchsucht und transparent macht. Das sind keine Assistenten sondern Datenstaubsauger.

Lucius de Geer
1 Monat her
Antworten an  maik litoris

Welche Funktionen einer KI Sie nutzen wollen und welche nicht, können doch Sie selbst bestimmen. Aber gut, hierzulande haben es viele nicht so sehr mit der Selbstbestimmung – und delegieren ihre Souveränität gern an „Vater Staat“…

Biskaborn
1 Monat her
Antworten an  Lucius de Geer

Sie haben es erfasst, die eher einfältigen Kommentare hier beweisen es!

Dr.KoVo
1 Monat her

Wozu eigentlich noch Menschen, wenn KI alles allein Regeln kann. Ist das ein Fortschritt?

Michael Palusch
1 Monat her

„…in den Genuss der neuen Technologie kommen“ Für mich hört sich das eher nach Horror und Dystopie an denn nach Genuss. Was, wenn die ach so tolle KI plötzlich eigenmächtig und mit meinem Account und unter Namen Bilder und Texte postet, EMails verschickt oder Einkäufe tätigt? Der Mitführende -Besitzer oder Eigentümer kann man das spätestens dann nicht mehr nennen- des Überwachungsgerätes, wird endgültig zum reinen Datenlieferanten degradiert. Damit es nicht sofort den Dümmsten auffällt werden, wie üblich, Funktionen mitgeliefert, die das Denken „erleichtern“ und der Bequemlichkeit Vorschub leisten. Das hier vom Autor gefeierte „Ökosystem“ ist nichts anderes, als die perfektionierte… Mehr

Last edited 1 Monat her by Michael Palusch
Lucius de Geer
1 Monat her
Antworten an  Michael Palusch

Bei jeder KI können doch Sie bestimmen, welche Funktionen Sie davon wie weit nutzen und welche nicht. Aber wenn Sie diese Souveränität lieber an die „EU“ delegieren wollen, bitteschön…

Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  Lucius de Geer

Oft wird vermutet, dass hinter der EUdSSR Oligarchen aus den USA stehen – also weitgehend die gleichen Finanz-/Tech-Konzerne. Es ist keine Alternative, EUdSSR oder die USA.

Michael Palusch
1 Monat her
Antworten an  Lucius de Geer

Sie scheinen nicht im Ansatz eine Vorstellung davon zu haben, womit wir es hier zu tun bekommen. Vorweg: Ohne Vollzugriff auf das Smartphone können Sie schon mal grundsätzlich überhaupt nichts bestimmen. Und das Sie den NICHT haben, ist schon immer so. Die „Auswahlmöglichkeiten“ die Ihnen angeboten werden, suggerieren eine Wahlfreiheit, die de facto nicht existiert. Ob Sie einen Softwareschalter auf OFF setzen oder eine Abfrage zu verneinen hat lediglich den Effekt, ob der App und damit für Sie sichtbar die entsprechende Dienste zur Verfügung gestellt werden. Die KI-Funtionen sind Teil des Betriebssystems (Firmeware) und was dort im Hintergrund läuft, welche… Mehr

Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  Michael Palusch

> Damit es nicht sofort den Dümmsten auffällt werden, wie üblich, Funktionen mitgeliefert, die das Denken „erleichtern“ und der Bequemlichkeit Vorschub leisten. Wozu selber denken, wenn KI Antworten liefert, wie sie dem Anbieter passen? Polnisches strikt konservatives Medium: >>>Was planen die globalen Eliten? | Polnisches Denken<<< > „… Diese neue globale Oligarchie ist kein Monolith mit einer einheitlichen Staatsidentität. Vielmehr handelt es sich um ein polyphones, verstreutes Konglomerat von Netzwerk-Eliten, zu dem Entscheidungsträger großer Investmentfonds, Technologietycoons aus dem Silicon Valley, Zentralbankleiter und leitende Führungskräfte internationaler Organisationen wie des IWF und der Weltbank gehören. …“ Tech-Konzerne sind natürlich dabei – wer… Mehr

fatherted
1 Monat her

Etwas Off Topic….zum Thema Regulierung: Mir fällt zunehmend in der letzten Woche auf, dass bei Youtube ARD/ZDF/Phoenix/BR also Sendungen und Dokus der ÖRR für mich empfohlen werden. Ich schaue nie ÖRR auf YT und habe auch nie eines solche Sendung angeklickt…meine Vermutung….der geplante Algorithmus wird im vorauseilendem Gehorsam getestet.

verblichene Rose
1 Monat her

Nicht jede Technologie kann vorher auf Herz und Nieren geprüft werden. Sehr häufig greift „man“ daher in die Grütze, wenn man feststellt, daß man etwas gar nicht benötigt (insbesondere alles, was Computer betrifft). Aber gerade hier bestimmt ein Try and Error wohl den kompletten Alltag. Das bedeutet machmal eben auch, daß man sich ein „Virus“ einfängt. Aber genau hier schliesst ein weiterer dunkler Kreis, denn während die EU damals einen nicht vollständig geprüften Impfstoff gegen ein echtes Virus einfach durch winkt, hält sie ihren Daumen auf die Weiterentwicklung im EDV-Bereich. Ein Schelm, wer dabei glaubt, daß die EU-Schranzen damit nur… Mehr

Marcel Seiler
1 Monat her

Ja und nein. Ich halte die hier beschriebenen Funktionen von Apples KI für eine wirkliche Gefahr für den Datenschutz. Ich würde sie schon deshalb nicht verwenden. Firmen haben schon Betriebsgeheimnisse preisgegeben, weil deren Angestellten KI bequemer fanden als das Selbstmachen.

Andererseits höhlt ja die EU auf anderen Gebieten den Datenschutz systematisch aus (etwa der Idee der EU-„Geldbörse“, also dem „EU Wallet“, oder dem geplanten Zwang der Altersidentifikation). Ist die EU jetzt bösartig oder nur dumm? Vermutlich beides.

Last edited 1 Monat her by Marcel Seiler
Wilhelm Roepke
1 Monat her

Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Oder so ähnlich. Das war damals schon ein Riesenerfolg beim Thema Fortschritt….