NATO-Stützpunkte sollen mit kleinen Kernkraftwerken ausgestattet werden

Der US-amerikanische Mikroreaktorentwickler Last Energy ist eine Partnerschaft mit der NATO eingegangen, um Möglichkeiten für den künftigen Einsatz in militärischen Einrichtungen der NATO zu untersuchen: Stützpunkte sollen Mini-Kernkraftwerke erhalten. Von Wolfgang Kempkens

Bild: Last Energy
Ein Rendering des ersten Produkts von Last Energy, des Mikro-Kernkraftwerks PWR-20

Das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato wird seine Basen und Anlagen künftig offenbar mit Strom aus Miniatur-Kernkraftwerken versorgen. Dazu hat das Nato Energy Security Centre of Excellence (ENSEC COE) einen Partnerschaftsvertrag mit dem US-amerikanischen Mikroreaktorentwickler Last Energy geschlossen. Dieser entwickelt einen Druckwasserreaktor mit einer elektrischen Leistung von 20 Megawatt. Das ist noch weniger als die kleinen Reaktoren, die Russland Rosatom in seinen schwimmenden Kernkraftwerken einsetzt, die auf 35 Megawatt kommen. 20 Megawatt ist die Leistung, die eine Stadt mit 25.000 Einwohnern benötigt, so das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg.

Das ENSEC COE ist in Litauen beheimatet. Es bietet der Nato technisches, wissenschaftliches und akademisches Fachwissen zur Energiesicherheit an. Dabei geht es um Risikobewertungsanalysen, energiebewusste, sichere Lösungen für die militärische Energieversorgung militärischer Einrichtungen, kostengünstige Lösungen für die Verteidigung und die Unterstützung von Nato-Operationen durch gezielte technisch-wissenschaftliche Bewertungen.

Last Energy ist eine Ausgründung des Energy Impact Center, eines Forschungsinstituts in Washington, das sich der Beschleunigung des Übergangs zu sauberer Energie durch Innovation widmet. Es setzt sich vor allem für den Ausbau der Kernkraft als „saubere Energielösung gegen den Klimawandel“ ein. Last Energy wird, wenn es Käufer für seine SMR (Small Modular-Reactor/kleine modular aufgebaute Reaktoren) findet, die Anlagen in einer zentralen Fabrik komplett herstellen. Sie sind so klein, dass sie mit Tiefladern und erst recht mit Schiffen problemlos transportiert werden können. Am Ziel angekommen werden sie auf ein vorbereitetes Fundament gesetzt und mit dem Stromnetz ds Stützpunkts verbunden. Dank der Verwendung vorgefertigter modularer Komponenten soll ein solcher Reaktor innerhalb von 24 Monaten nach Vertragsunterzeichnung fertiggestellt werden. Die angenommene Lebensdauer des Kraftwerks beträgt 42 Jahre.

„Kernenergie ist eindeutig die zuverlässigste und ergiebigste Energieform, die die Menschheit je entdeckt hat, und sie muss zur Standardlösung für die Nato-Militärs werden, die sich in einer neuen Ära des Großmachtwettbewerbs bewegen“, wirbt Last-Energy-Chef Bret Kugelmass für sein Produkt. „Keine andere Ressource ist in der Lage, rund um die Uhr die Art von Energiesicherheit zu bieten, die für Militärstützpunkte von entscheidender Bedeutung ist, aber wir werden dieses Potenzial nur ausschöpfen können, wenn wir die Entwicklung der Kernenergie miniaturisieren, modularisieren und produktiv machen.“ Und genau das hat er vor.

„Die Partnerschaft des Zentrums mit Last Energy ist Teil einer breiteren Ausrichtung der Nato auf die Energiesicherheit“, so Last Energy. „Neben der drastischen Verringerung der Kosten und des Zeitaufwands für den Bau haben Mikro-Kernkraftwerke einen minimalen Wasserbedarf und können fast überall aufgestellt werden, was einen direkten Stromanschluss ermöglicht und den Abnehmer in die Lage versetzt, sich von Leistungsbeschränkungen und Preisschwankungen des öffentlichen Netzes unabhängig zu machen.“ Der geringe Wasserbedarf rührt daher, dass die Anlage luftgekühlt ist.

Es könnte ein prächtiges Geschäft für Last Energy werden. Weltweit gibt es allein 48 Nato-Stützpunkte, die der Abschreckung und Verteidigung dienen. Konzipiert ist der SMR ursprünglich für die Versorgung von Rechenzentren, deren Strombedarf immer größer wird. Verantwortlich dafür sind KI sowie der Handel mit Kryptowährungen. Beides erfordert einen immensen Rechenbedarf.


Wolfgang Kempkens studierte an der Techni­schen Hochschule Aachen Elektrotechnik. Nach Stationen bei der „Aache­ner Volkszeitung“ und der „Wirtschaftswoche“ arbeitet er heute als freier Journalist. Seine Schwer­punkte sind Energie und Umwelt.

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Kommentare ( 4 )

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Der Gnatz
22 Tage her

…und auf der Insel der Klimaschützenden Glückseligkeit, formerly known as „Bundesrepublik Deutschland“ ist Forschung an und Betrieb von Kernenergie verboten.

Bin gespannt, wie dann die vorhandenen und auf diese Weise versorgten Stützpunkte aus dem Staatsgebiet herausgerechnet werden. ^^

Man reiche das Popcorn.

Peterson82
22 Tage her

Da es militärische Einsatzzwecke sind dürfte ja somit auch schon wieder klar sein wer dann in einigen Jahrzehnten die teure Entsorgung zahlen darf. Der Steuerzahler. Ich bin offen für Aussagen, wann jemals ein atomares Projekt, sei es zivil oder militärisch, sei es der Bau, der Betrieb oder die Entsorgung auch nur Ansatzweise im Zeit und Budgetrahmen geblieben ist.
Für den Unsinn, den der Quatsch kostet kann sich jede Militärbasis auch gigantische Öltanks und Dieselgeneratoren bauen die so eine Basis wochenlang auf Strom hält.

Ralf Poehling
22 Tage her

Wunderbar, machen.
Wenn das über die freie Wirtschaft nicht genug „Anlaufstrom“ bekommt, dann eben übers Militär. Wie sonst auch bei einschneidenden Entwicklungen.
Ohne das Militär hätten wir heute weder Raumfahrt noch Internet.
Aber das haben die meisten vergessen.

Mausi
22 Tage her

Leider sagen Sie nicht eindeutig, was vereinbart ist. Geht es ums Untersuchen und Erforschen: „um gemeinsam Anwendungen für mikro-nukleare Energietechnologien zu erforschen und Möglichkeiten für den künftigen Einsatz in militärischen Einrichtungen der NATO zu untersuchen.“ Oder geht es bereits um die Tatsache Versorgung: „Das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato wird seine Basen und Anlagen künftig offenbar mit Strom aus Miniatur-Kernkraftwerken versorgen.“ Dazwischen liegen Meilen. Wenn die Nato sich dann tatsächlich irgendwann mit Kleinstkraftwerken versorgt, dann wird das auch irgendwann bei uns Privaten ankommen. Und ist es nicht schon, dann hat D auf jeden Fall genug für Renaturierung: Stellplätze mitsamt Zufahrten zu Windrädern… Mehr