Die Energiepreise gehen durch die Decke

Die immens steigenden Energiepreise waren im zurückliegenden Wahlkampf kein Thema. Dabei trägt die Politik zu dieser Entwicklung maßgeblich bei: vom Kohleausstieg über Steuern und Abgaben auf Strom bis hin zur Stilllegung der Kernkraftwerke.

IMAGO/Steinach

Seit Mitte des Jahres steigen die Preise für Erdgas, Kohle, Öl und Strom massiv an. Der Preis für die Kilowattstunde (kWh) Strom hat sich an der Leipziger Börse auf 13 Eurocent pro kWh nahezu verdreifacht, der Gaspreis hat sich verfünffacht. Im zurückliegenden Wahlkampf war das kein Thema. Aber an der Entwicklung der Preise ist die Politik nicht ganz unbeteiligt.

Die Gründe sind:

  • der in ganz Europa und insbesondere in Deutschland vorgenommene Kohleausstieg zwischen 2017 und 2021 (Italien, UK, Spanien, Niederlande, Deutschland);
  • die Verdreifachung der CO2-Zertifikatspreise seit 2020 von 20 Euro auf über 60 Euro pro Tonne CO2 aufgrund der Verknappung der Emissionszertifikate durch die Europäische Union. Das trifft auch die Gasverstromung;
  • der Wechsel von Kohlestrom zu teurerem Gasstrom;
  • die weltweit gestiegene Nachfrage nach Gas in Folge der wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie;
  • sowie ein äußerst schwaches Windjahr von Januar bis September 2021.

Der Schwarze Peter wird schnell Wladimir Putin zugeschoben. Doch Russland hat genau die Gasmengen geliefert, die von den Gasimporteuren bestellt worden sind. Offensichtlich ist nicht genug Gas geordert worden, wie selbst Bundeskanzlerin Merkel einräumte.

Auch die Strompreise schießen in die Höhe

Die Strompreise für die Industrie haben sich verdreifacht, der Haushaltsstrom wird von 31 €Cent/kWh auf etwa 40 €Cent/kWh ansteigen. Mehr als die Hälfte des Strompreises sind Steuern und Abgaben, von der EEG-Umlage bis zur Stromsteuer. Hier wäre viel Spielraum für die Bundesregierung, die Kosten zu senken.

Die Verknappung der gesicherten Stromerzeugung durch den Kernenergieausstieg und den bereits begonnenen Kohleausstieg treibt aber nicht nur die Preise. Der Doppelausstieg macht in Zeiten der Dunkelflaute des Winters die Stromversorgung zur Strommangelwirtschaft mit der erhöhten Gefahr gezielter oder unfreiwilliger Abschaltungen.

Vor diesem Hintergrund ist die Stilllegung der noch am Netz befindlichen sechs Kernkraftwerke, die noch elf Prozent der Stromversorgung liefern, unverantwortbar. Der Zubau an Windkraft und Solaranlagen in den nächsten acht Jahren wird allenfalls reichen, um diese gesicherte Leistung zu ersetzen, selbst wenn die Installation von Windkraftwerken und Solaranlagen pro Jahr verdoppelt wird. Bis 2030 ist dann weder Strom für ein einziges zusätzliches Elektroauto noch zusätzlicher CO2-freier Strom für die Industrie bereitgestellt. Von der Wärmeversorgung gar nicht erst zu reden.


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Kommentare ( 48 )

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oHenri
1 Monat her

Energiepreise gehen durch die Decke: die Deutschen haben das immer wieder bestellt, die Deutschen schaffen das.

Politkaetzchen
1 Monat her

Erinnert mich an der Aussage zu dem Coronausbruch bei einer 2G, dass „ohne die Impfung, doch viel mehr Infizierte gegeben und alle nur milde Verläufe gehabt haben“.

Es scheint wohl eine neue Strategie in der Politik zu sein, dass wenn etwas nicht funktioniert, einfach zu behaupten, dass sie viel schlimmeres verhindert hätten.

Beim deutschen Volk wird diese Strategie leider fruchten….

Sonny
1 Monat her

Was hat dieser Staat in den letzten 16 Jahren dafür getan, dass es seinen Menschen gut geht?
Hat er vorgesorgt, entwickelt, die richtigen Weichen gestellt?
Nein. Im Gegenteil, er hat zerstört und zerstört weiter.
Diese horrenden Steuern und Abgaben, die ich zu zahlen gezwungen wurde und werde, wurden und werden einfach wahllos verschleudert. Rentenerwartung: Ein Leben lang gearbeitet, zwei Kinder großgezogen und für die Zukunft nur die Aussicht auf totale Verarmung. Für mich bleibt nichts übrig. Nie wirklich krank, machtlos gegen diese Willkür aus Berlin.

Ich will mein Geld zurück!

Falk
1 Monat her
Antworten an  Sonny

Absolut richtig, wo aber bleibt endlich der Aufschrei /Aufstand?!? Ich weiß nicht wie oft ich diese Fragen in Gesprächen gestellt habe: „Was hat sich in den letzten 10-20 Jahren merklich Verbessert?!? Zahlen sie weniger Steuern und Abgaben, lebt es sich sicherer, steigen die Einkommen, weniger Bürokratie… ? Antworten:“ Uuhhmm, ähhh, errmm… Können ja eh nichts ändern“ Und dann geht eigentlich immer, die selbe Leier los… Wenigstens wird erwähnt wie unwählbar die AFD ist, oft geht’s weiter mit den vielen Nazis und Corona/Klima… Leugnerern usw… Das die aber nicht die Bohne mit der Allgemeinsituation zu tun haben, will fast allen einfach… Mehr

89-erlebt
1 Monat her

Ich gehe davon aus, dass der rot-grüne Öko Filz zu Hamburg das moderne Kraftwerk in Moorburg im Jan./Feb.22 wieder anfahren muss (noch gibt es Personal das das könnte), um nicht mit Hafen, Aurubis, Trimet in den anstehenden Brown out zu fallen. Im Nebeneffekt wird ordentlich Geld kassiert, denn Moorburg war dereinst bei einem Börsenpreis des Stroms von 50€ pro MWh im Gewinn. Aktuell liegen die Preise 3-4 mal höher, und der Winter kommt erst.

Falk
1 Monat her
Antworten an  89-erlebt

Dann muss aber jetzt schon langsam damit angefangen werden.
Das Ding steht seit fast einem Jahr still. Besonders nach einem, doch recht langen Zeitraum, wirft man so ein Kraftwerk nicht mal eben an… Technische und Sicherheitszertifikate dürften wohl zu erneuern sein usw usw

AlexR
1 Monat her

Die Preistreiber sitzen in Berlin. Unmassen von Steuern auf alle möglichen Energieträger. CO2, Energie, EEG, Kohlepfennig und vermutlich noch Abgaben auf Darmwinde.

Aber nein! Das ist alles kein Grund. Der Lieferant ist schuld. So einfach ist das in der deutschen Politik.

K.Behrens
1 Monat her

Deshalb haben Besitzer in Deutschland von 10.000 qm und mehr an Wald und Forst dezenten Spielraum. Deshalb halten Besitzer ihre privaten Immobilien und legen keinen Wert auf Zersiedelung einer intakten Infrastruktur mit irgendwelchen Interessenten, die plötzlich aus ehemaligen Kolonien und schlimmer aus Irak, Syrien, etc. die Grenzen stürmen. Na ja, irgend jemand wird den Herrschaften sicher bei Zeiten vermitteln, in Deutschland ist nichts zu holen und die Herrschaften sind nicht erste Wahl in Sachen Einwanderung!

Wolfgang Schuckmann
1 Monat her

Die dauernde Erzählung Russland sei ein unseriöser Lieferant für unsere Energiewünsche muss strikt zurückgewiesen werden. Diese falsche Darstellung im Umgang mit jenem Land, das uns den Hintern warm hält, ist nach meiner Meinung ein sehr gefährliches Spiel. Die Frage, wie lange sich die russische Regierung diesen Vorwurf noch gefallen lässt, könnte anders von Russland beantwortet werden, als sich das einige Leute bei uns vorstellen können. Es ist einfach nur ungeheuerlich, was für die Rechtfertigung eines Waffenganges in naher Zukunft mit diesem Land herhalten muss. Ich bin weder pro Russland noch Pro USA. Ich bin für die Interessen Deutschlands, und ihre… Mehr

Michael Palusch
1 Monat her

indem er sich weigert, über die Ukraine-Pipeline mehr Gas zu liefern.

Ei der Daus!
Da weigert sich der böse Putin doch tatsächlich, mehr Gas als vereinbart zu liefern. Und das auch noch an das Deutschland, dass in den letzten Jahren immer wieder vergeblich versuchte, ihm einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.
Sapperlot nochmal!
Da macht’s der Russe wie mein Chef, der weigert sich auch Monat für Monat mir mehr Geld als ausgehandelt zu überweisen.

Last edited 1 Monat her by Michael Palusch
mlw_reloaded
1 Monat her

Nur um es mal wieder aus der Schublade zu holen, wie eine Zukunft mit 100% aussähe: Man nehme Volker Quaschnings Sektorkopplungsstudie, die einzige Studie die reell rechnet. Dann landet man bei einem 1,5km Raster für Windräder auf der gesamten Landfläche Deutschlands. Nicht Freifläche! Plus Hektarweise Solar.

pcn
1 Monat her
Antworten an  mlw_reloaded

Genau, das ist der Punkt! Bei einem 2%-Anteil an CO2-Emissionen bestünde nach naturwissenschaftlicher Logik grundsätzlich noch nicht einmal Handlungsbedarf, die Menschen mit derart perversen Maßnahmen wie kalkuliertem Blackout oder Stromrationierungen zu quälen. Und das bei steigenden Strompreisen, an denen auch aktuell die verminderte EEG-Umlage generell nichts ändern wird. All das kommt auf uns zu. Wie in einem Irrenhaus setzt man auf den weiteren Ausbau von ineffektiven Stromersatzleistungen, hält fest an Dogmen der Klimareligion, wo man doch weiß, dass gerade dieses und im letzten Jahr das Wetter einen Strich durch deren Irrglaube an die Windmühlen gemacht hat. Wissenschaftlich ist längst erwiesen,… Mehr

Bundesbuerger
1 Monat her

Wo ist da der Widerspruch? Er liefert eben nicht mehr als ursprünglich von den Importeuren bestellt war. Er ist vertragstreu, aber nicht dämlich.