Hiebe, Hohn und Häme. Warum wir nicht normal sind.

Nichts zeigt klarer, wie abnormal dieses Land geworden ist, als die Tatsache, dass seine Bewohner nicht mehr wissen, was einmal normal gewesen ist. Merkel hält es für normal, dass der Mensch nicht frei ist. Hat sie so gelernt.

Der Deutsche ist leicht zu manipulieren. Das ist eine Binse. Ein paar Tage Vorfrühlingsgezwitscher, und schon berauscht ihn die Hoffnung. Er verwechselt drei Tage Sonnenschein mit dem Ende der „Maßnahmen“. Der brave Bürger beginnt zu vergessen und müht sich sehr, die zu verstehen, die ihn noch immer gängeln, entmündigen und alles nehmen, was einmal normal war. Sport, Singen, Begegnungen, Einkaufen, Essen gehen, Reisen, Konzerte, Feste. Nur Wählen gehen soll er noch. Die Merkelpolitik abnicken. Er akzeptiert das Lebensfeindliche, Abnormale als Normalität.

I.

Normalität ist das Selbstverständliche, das nicht erklärt werden muss. Merkel erklärt nichts, weil sie es für normal hält, dass der Mensch nicht frei ist. Hat sie so gelernt. So bremst sie nach Kräften die Rückkehr zu allem, was ihr noch nie ganz geheuer war. Natürlich ist der Grundrechtsentzug alles andere als normal. Für Psychologen ist jemand normal, der ein erwünschtes, förderungswürdiges Verhalten zeigt – im Gegensatz zum unerwünschten, abweichenden, gestörten Verhalten. In diesem Sinne sind für sie und ihresgleichen alle gestört, die nichts anderes wollen, als wieder normal sein. Jeder, der ihren Kurs für nicht normal hält, wird für nicht normal gehalten. Nichts zeigt klarer, wie abnormal dieses Land geworden ist, als die Tatsache, dass seine Bewohner nicht mehr wissen, was einmal normal gewesen ist.

II.

Die meisten Deutschen halten einen Termin beim Friseur für einen Gnadenerlass. Und lassen sich einreden, geöffnete Blumenläden brächten das Land wieder zum Blühen.

III.

Die Deutschen halten einen Spaziergang im Freien schon für eine Freiheitsbewegung. Und ein paar Kniebeugen für einen Aufstand. Sport ist Mord – wir haben es immer gewusst. Deshalb bleibt er verboten.

IV.

„Jetzt machen sie schlapp“, sagen die Politiker, wenn die Leute nicht mehr stramm stehen.

V.

Man hat uns die Knie zerschlagen. Nun freuen wir uns darüber, dass die Regierung Rollstühle verspricht. Bis Herbst, garantiert, bekommt jeder eine Einladung zum Probe-Sitzen.

VI.

Wie schön, dass uns die Fesseln gelockert werden. Jetzt muss man sie nicht mehr abnehmen.

VII.

Die Republik bekommt ein neues Wappen. Der Adler fliegt raus. Fliegen verboten. An seiner Stelle: Die Karotte, die man uns vor die Nase hält.

VIII.

Wir haben schon immer Wahlgeschenke akzeptiert, die man uns vorher gestohlen hat. Nun hat man uns die Freiheit gestohlen. Die gibt es nur als Gutschein zurück.

IX.

Für das Totalversagen der Obrigkeit gibt es ein neues Wort. Wir sind „überorganisiert“ (Schäuble). Wer überorganisiert, kann keinen Fehler machen. Er kann es nur allzu gut meinen. Er ist kein Idiot, sondern ein verkanntes Genie. Was einmal von verkannten Genies überorganisiert worden ist, muss dankbar begrüßt werden. Die regierenden Vollidioten sind keineswegs stur und unbelehrbar, sie sind nur hyperkonsequent.

X.

Was wären wir ohne unseren Goethe. „Zum Augenblicke durft’ ich sagen / Verweile doch, du bist so schön.“ Doch leider befindet sich Faust gerade in einem „Verweilverbotsgebiet“, weshalb die Düsseldorfer Stadtverwaltung (also Mephisto) ihn verspottet: „Den letzten, schlechten, leeren Augenblick / Der Arme wünscht ihn fest zu halten.“ Das ist es, was Vater Staat noch zu bieten hat, wenn der Bürger wie ein Kind am Rockzipfel von Mutter Natur hängt: Hiebe, Hohn und Häme: Reißt euch gefälligst zusammen, ihr Rotzlöffel!

XI.

„Du bist nicht normal!“, höre ich immer öfter. Mein neues Lieblingskompliment.
Du bist nicht normal, bedeutet: Du bist nicht verkehrt. Du bist noch nicht umgedreht.
Wer jetzt nicht normal ist, wird es nimmermehr. Ja, so absurd sind die Zeiten.

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Kommentare ( 136 )

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LadyGrilka55
4 Monate her

Den Vorwurf, ich sei nicht normal oder „rechts“ oder beides, betrachte ich inzwischen auch als eine Art Adelstitel. In einer linksdrehenden Gesellschaft ohne Vernunft und Augenmaß will ich nicht normal sein. Und ein Selberdenker kann heute nur „rechts“ sein.

Also heißt es für mich: Ich will so bleiben wie ich bin! Unnormal und „rechts“.

Walter Eiden
5 Monate her

Sehr gut und ebenso wichtig, Herr Herles! Zumindest nach offizieller Lesart leben wir in einer Demokratie in der das Volk der Souverän ist. Ein Volk mit überwiegend „normal“ Denkenden. Was aber „normal“ ist wird von den „Volksvertretern“ bestimmt, die vom überwiegend „normal“ denkenden Volk gewählt wird. Zur Verbreitung der „Normaldefntionen“ bedient sich die „Volksvertretung“ ihrer „eigenen“ öffentlich rechtlich und der von ihr subventionierten privaten Medien. Was „Normal“ ist wird von auserwählten und direkt oder indirekt staatsfinanzierten Wissenschaftlern festgelegt. Unnormal ist Unwissenschaftlich! Nachdem dem „Eingiessen“ des immer wieder nach Bedarf wechselnden „Normals“ in Gesetzestexte wird sich zur Befolgung und Einhaltung der… Mehr

eswird
5 Monate her

Als voriges Jahr in geselliger Runde erwachsene Menschen sich gegenseitig ihre C-App zeigten und sich wunderten, dass keine Veränderung zu erkennen war, da war für mich klar, ich bin ein einsamer Kämpfer in einem fast nicht zu gewinnenden Kampf. Dieser Eindruck hat sich mittlerweile leider weiter verfestigt. Es ist nicht die mangelnde Intelligenz, welche diese Menschen behindert, es ist die Macht der Medien. Volle Kraft voraus für das Fernsehen und die staatlich gesponserten sonstigen Medien, wie kann es da noch Andersdenkende geben? Jeglicher Versuch, die mittlerweile als plumpe Täuschung erkennbare Inszenierung als solche darzustellen verfestigt die Meinung der Angst gesteuerten… Mehr

pbmuenchen
5 Monate her

Reines Unvermögen wäre ja noch irgendwie verzeihbar, aber es wird mit Absicht und Vorsatz gehandelt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen und deren willfährige Helfer sich noch vor einem unabhängigen Gericht verantworten müssen und allesamt enteignet werden sowie langjährige Haftstrafen erhalten.

olympos
5 Monate her

Wenn das Abnormale zur Normalitaet erkoren wird, zeigt es den Zustand den Landes.

Dr. Rehmstack
5 Monate her

Die jetzt sagen, wir seien überorganisiert, sind dieselben deren Eltern sagten, ihre Kinder seien Hochbegabte.

andreashofer
5 Monate her

Merkel denkt sich das doch nicht allein aus. Nur: Sie setzt “es” besonders virtuos um. Wenn die Leute 24×7 manipuliert werden, nun, wer kann es ihnen übelnehmen, wenn sie durchdrehen. Wer aber wirklich abgrundtief verderbt ist, ist diese elende Journalistenzunft der Mainstream-Medien. Wenn ich mir die Lobeshymnen auf Merkel anhöre, die Verdammung der Regierungsgegner: Richtig tief musste dort doch nicht gegraben werden, um “das” zu Tage zu bringen. DIE sind bereit für noch mehr.

Michaelis
5 Monate her

Über die Psychologie der „Corona-Hysteriker“ ließe sich trefflich diskutieren. Man braucht sich ja nur im eigenen Bekanntenkreis umzuhören. Da gibt es die Angst, sich anzustecken (und eventuell zu „verrecken“). Die scheint weit verbreitet zu sein, weil man sich nicht ein einziges Mal bemüht hat, das Infektionsgeschehen in Relation zu setzen, und weil man von Prozentzahlen und ähnlichem eh keinerlei sachliche und rationale Vorstellung hat. Wer sich von diesen Ängsten infizieren lässt, der/die hat oftmals auch wenig „Interesse“ an all den anderen Kollateralschäden von Corona. Dann gibt es diese naive „Experten“-Gläubigkeit, wonach die da oben (Mediziner, Politiker, …) schon wissen werden,… Mehr

Ratloser Waehler
5 Monate her
Antworten an  Michaelis

Von solchen Gestalten sitzen nicht wenige auf Führungsposten in den deutschen Medienanstalten.

Und im Öffentlichen Dienst, ob als Angestellter oder Beamter.

rschmidgall
5 Monate her

Man muss sich in diesen Gaga-Zeiten einfach den Humor erhalten. Allein das unter Punkt „V“ hat mir den Tag versüsst. Danke. Für mich in derselben Liga wie „Freilandhühner demonstrieren für Käfighaltung“.

thinkSelf
5 Monate her

Wieder mal ein schöner Text von Herrn Herles. Daher nur eine kleine Anmerkung:
„Der Deutsche ist leicht zu manipulieren.“ Die letzten Monate haben gezeigt, das das nicht nur für Deutsche gilt. Scheint eine anthropologische Eigenschaft zu sein.

luc
5 Monate her
Antworten an  thinkSelf

Danke für Ihre Anmerkung, ich wollte dasselbe posten. Es gibt für „Die Deutschen“ hier keinen Sonderweg. Der Wahnsinn zieht offensichtlich grenzenlos über den Globus. Ob Osten oder Westen: überall derselbe Alarmismus (einige Ausnahmen bestätigen eigentlich nur die Regel). Entweder es ist was dran oder es ist eine Verschwörung, die weltweit Grundrechte aushebeln soll und die Bevölkerungen „leichter regiert werden“ können. An der Beantwortung dieser Frage sollte man ansetzen. Die Verlierer und die Gewinner dieser „Pandemie“ müssen benannt werden (follow the money). Aber: die Deutsche Regierung ist hier nie und nimmer allein tätig und die Deutschen können sich auch nicht als… Mehr

Matt
5 Monate her
Antworten an  luc

Zustimmung und mögliche Ergänzung: Ich habe ein paar Videobeiträge von Prof. Riek gesehen ( Spieltheorie) Ich verkürze mal, wir hadern mit der Endlichkeit, wir spielen das Endlichkeitsspiel.(Den Tod vor Augen, Bewusstwerden unserer Endlichkeit, keine Transzendenz zur Verfügung) Und wenn ich das richtig verstanden habe, endet das immer destruktiv. …Ansonsten ist alles Geopolitik? Dirk Müller in einem frühen Interview zu Corona: Es gibt drei Ebenen 1) Politik 2)Darüber Big Money 3) Aber letztlich entscheidend: Die Geopolitik, – strategie, der Kampf der Imperien. Heut erfuhr ich, dass eins meiner Enkelkinder (Pubertierender) langsam an sein Limit kommt. Es ist ein Verbrechen, besonders an… Mehr

Last edited 5 Monate her by Matt