Asymmetrische Demobilisierung machte die AfD nicht zur Chance der CDU, sondern zu ihrem Albtraum

Die Union rückte Rotgrünrot so nah, bis kein Unterschied mehr da. Die SPD verlor ihre Rolle als Arbeiterpartei, ihre Funktionäre wollten wie die der Union grüner sein als die Grünen. CDU und SPD sind austauschbar nach dem alten Spruch von den Radieschen, die innen farblos sind.

picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Merkel hat die „Asymmetrische Demobilisierung“ als Strategie der CDU von 2009 genauso zu verantworten wie die Strategie „Die AfD als Chance für die Union“ von 2017, die zum Albtraum der CDU wurde, aus dem Merz nicht erwacht.

In der aufkeimenden Debatte der Union über den Umgang mit der AfD nach deren Sensationswahlsieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt distanzierte sich Merkel plötzlich vom Begriff der „Brandmauer“: „Ich habe das nicht erfunden, ich mag das auch nicht so.“ – Selbst gemauert haben und dann nichts davon wissen wollen?

Robin Alexander, WELT, berichtete in der Talkshow Anne Will am 8. Oktober 2017: Als die AfD 2015 weg vom Fenster schien, kam die Merkel-gemachte Flüchtlingskrise und folgten drei Wahlgewinne der AfD, was im April 2017 zu einer Strategiesitzung im Konrad-Adenauer-Haus führte: Wie stellen wir uns für die Wahlen auf? Die wurde eröffnet mit dem Referat von Matthias Jung, Vormann der Forschungsgruppe Wahlen des ZDF: „Die AfD als Chance für die Union“.

Matthias Jung empfahl in seinem Aufsatz „Die AfD als Chance für die Union“ (erschienen 2015 in Politische Studien):

• Die AfD binde rechtspopulistische Positionen und Protestwähler außerhalb der Union. Dadurch werde der Modernisierungs- und Mitte-Kurs der CDU/CSU glaubwürdiger, weil die Union nicht mehr unter dem latenten Vorwurf stehe, „rechts“ zu sein.
• Die Existenz der AfD erschwere rot-grüne oder rot-rot-grüne Mehrheiten, weil sie Stimmen – oft von Protest- und ehemaligen Links-Wählern – abziehte.
• AfD-Wähler seien vor allem politisch und ökonomisch frustrierte Protestwähler, weniger primär enttäuschte Unions-Abweichler.
• Sich von der AfD entschieden distanzieren, keinen programmatischen Nachlauf machen – „der AfD politisch hinterherlaufen“ sei nie erfolgversprechend gewesen.
• Keine Kooperation: Koalitionen oder ähnliche Zusammenarbeit mit der AfD wären für die Union „politischer Selbstmord“ (Jung).
• Stattdessen: Die eigenen Verluste nach rechts durch Einbrüche ins SPD- und Grünen-Milieu kompensieren und anschlussfähig an die politische Mitte bleiben.

Das passt nahtlos zu Asymmetrische Demobilisierung: Wenig polarisieren, Themen des Gegners entschärfen oder übernehmen, die eigene Mitte stärken – und die AfD als nützlichen „Segen“ (Jung) betrachten, der die Mehrheitsarithmetik zugunsten der Union verändere, ohne dass man selbst nach rechts rücken müsse. Anhänger des politischen Gegners so demotivieren, dass sie der Wahl fernbleiben, während die eigenen besser mobilisiert blieben oder zumindest weniger stark demobilisiert werden. Die sinkende Wahlbeteiligung in Kauf nehmen, da sie den relativen eigenen Stimmenanteil erhöhe.

Still wurde es um die Asymmetrische Demobilisierung, nachdem Merkel dem Land die Flüchtlingskrise auflud und der siechenden AfD den Aufstieg bahnte. Nach den schwachen Ergebnissen der CDU bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen 2018 kündigte Merkel an, auf dem Bundesparteitag in Hamburg nicht mehr zu kandidieren, Dort wurde der Brandmauer-Beschluss gefasst, von Merkel ist kein Abraten oder Dagegenreden bekannt.

Ein Institut wie die Forschungsgruppe Wahlen des ZDF zu führen, macht aus einem nicht automatisch einen politischen Strategen. Jungs Strategie-Empfehlung 2017 „AfD als Chance für die Union“ holte sie nicht aus dem Loch seiner Strategie-Empfehlung Asymmetrische Demobilisierung von 2009, sondern stieß die Union endgültig rein. Beide Jung’schen Strategien waren keine. Sie beförderten die CDU aus dem Kohl’schen Regen in die Merkel’sche Traufe. In dieser säuft sie nun unter Merz vollends ab.

Die Union rückte den Rotgrünroten so nahe, bis jeder Unterschied verblasste. Die SPD verlor ihre Rolle als Arbeiter-(und Angestellten-)partei, indem ihre Funktionäre wie die der Union grüner sein wollten als die Grünen. Ohne Charakter sind CDU und SPD austauschbar geworden nach dem alten Spruch von den Radieschen, die innen farblos sind.

Damit die Karten nicht neu gemischt werden, sind Verzweiflungsaktionen aus allen Teilen des Parteienstaats mit allen Nebenorganistionen und willigen Institutionen zu befürchten. Ein direktes Parteienverbot und die anderen Aktionen gegen die AfD können den laufenden Prozess aber nicht stoppen oder gar umkehren. Ein Blick in die folgende Grafik zeigt warum.

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Kommentare ( 51 )

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Berlindiesel
29 Tage her

Ich widerspreche der Ansicht, dass die AfD 2015 „siechte“. Vielmehr wurde in diesem Jahr nur der Irrtum ihrer Gründung unübersehbar, dass es einer neuen „konservativen FDP“ bedurfte, da die FDP selbst nach ihrer Wahlniederlage 2013 die Chance gehabt hätte, sich als nationalliberale Partei aufzustellen. Anstelle dieser konservativ-liberalen Professoren-Partei gab es längst eine bedeutende Repräsentationslücke, die Merkel mit ihre Politik mit verursacht hatte. Die FDP aber entschied sich unter Lindner dazu, eine Partei für die Hedonisten der Generation X und der Millenials zu werden, und ging dadurch unter. Dadurch verloren Nationalliberale endgültig eine für sie passende Partei. Einige wählen heute eher… Mehr

babylon
29 Tage her

AD „assymetrische Demobilisierung“ hat eine Weile sogar funktioniert war aber insgesamt ein riesiger strategischer Fehler für die CDU. Merkel Annäherung an sozialdemokratische und grüne Positionen, um die CDU kompatibel zu machen unter Abschaltung aller konservativen Politikansätze, da Merkel der Meinung war, klassische Konservative gäbe es nur noch als vernachlässigbare Größe, hat 2013 zur Gründung der AfD geführt, die ab 2015 erst richtig loslegen konnte mit der Merkel´schen ungesteuerten Einwanderungspolitik, getarnt als humanitärer Akt. Merkels Vollmond schien hell, die dunkle Rückseite ihrer Politik für die CDU hat sie vollständig ignoriert. Merkel war die Mutter der AfD genauso wie Merz jetzt Sargnagel… Mehr

Dr. Bomke
29 Tage her

Interessante Botschaft!
Die produktiven Menschen wählen zum Teil weit überproportional AfD.
Was ist denn mit Beamten, die hier fehlen? Ich finden schon, dass man abbilden muss, wie die sich stellen, die von den anderen leben.
Ich befürchte, dass dann aber ein gefährlicher Zusammenhang sichtbar würde:
Dass diese Gruppe genau in die entgegengesetzte Richtung, zu den Linksfaschisten, neigt.
Hat schon ein Geschmäckle, besonders im Osten!

Last edited 29 Tage her by Dr. Bomke
Apfelmann
29 Tage her
Antworten an  Dr. Bomke

Gab es doch einen netten Artikel zuletzt. Beamte in Berlin wählen massenhaft AFD weil die Altparteien ihnen das geforderte Geld nicht nachzahlen. Ausserdem begünstigt die AFD die oberen Einkommensschichten. Also die ideale Partei für Beamte.

Nibelung
29 Tage her

Was Merz betreibt ist in Fortsetzung die Selbstzerfleischung aller konservativen Kräfte hierzulande und das wird sich bitter auswirken für die Gesellschaft, denn vom Sozialismus sind noch nie gescheite Impulse gekommen und die einzigen, die dazu in der Lage wären, werden nicht nur abgelehnt, sondern auch noch bekämpft und dieser versuchte „Brudermord“ kann nur von üblen Gestalten ausgehen und das muß beendet werden, wenn wir noch einer ordentlichen Zukunft entgegen sehen wollen. Wer hat den die Weichen schon anfangs so gestellt, daß daraus vernünftiges erwachsen konnte, das waren die Schwarzen unter Ludwig Erhard mit seiner Idee der sozialen Marktwirtschaft gegen alle… Mehr

Apfelmann
29 Tage her

Es wird endlich Zeit das jüngeres Personal nachrückt und Merz ablöst. Ich sehe da Hendrik Wüst, der zwar auch schon 51 ist aber zumindest mal frischen Wind reinbringen kann. Oder gibt es einen geeigneten Kandidaten für die Merzablösung? Günther???

Spyderco
29 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Sie glauben tatsächlich, eine,,Merzablösung“würde irgendetwas an der Politik von Messermigration, Klimawahnsinn und Steuermilliarden von Afghanistan bis Ukraine ändern?

Es ist irrelevant, wer die Schwarz-rot-grüne Einheitspartei anführt.

Remigration, ideologiefreie Wirtschafts-und Energiepolitik,Steuergeld zuerst für die Interessen deutscher Bürger!

Alles andere ist Palliativmedizin!🤷‍♂️

Last edited 29 Tage her by Spyderco
Thor S
29 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Wüst verhindert in NRW aktiv Abschiebungen von Straftätern und möchte stattdessen,,Perspektivprogramme“ für kriminelle Zuwanderer eröffnen.

Er ist dafür verantwortlich, daß Intensivstraftäter,wie Huso B.mehr als 7000€/Monat an staatlichen Leistungen erhalten!
https://www.focus.de/panorama/20-jahre-duldung-koeln-sieht-bei-b-kein-problem_82cb08c1-e45a-40fb-9de9-28d32702799a.html

Das wäre ein Kanzler ,der die Reihe Merkel,Scholz,Merz (,,Schlimmer geht immer!“)erfolgreich fortsetzen würde!

Last edited 29 Tage her by Thor S
PaulKehl
29 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Nach dem Motto „guter Bulle, schlechter Bulle“ steht Wüst ggü. dem Beton-Stalinisten Günther tatsächlich gut da. Leider zu wenig thematisiert, daß sein Schwiegervater bei einer von Pilawa moderierten TV-Gala der SKL eine Mio gewinnt. So ein Zufall aber auch.

humerd
29 Tage her

Merkel war oft ehrlich, nur richtig zuhören musste man halt:
Beispiel:
„Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt. Und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann.“

Kraichgau
29 Tage her

Danke fürden Hintergrund,was ich interessant finde,ist das Märchen,Robin Alexander wäre ein konservativer CDU-Fan,dabei kommt er von der Taz und ist eigentlich Grünen-Fan

twsan
29 Tage her

Zunächst muss man ja immer unterscheiden zwischen Bezeichnung und Inhalt – speziell bei ausgebufften PR-(AgitProp-)Profis. Wie Merkel einer war und ist. Defacto ist die „Asymetrische Mobilisierung“ nichts anderes als eine gewaltige strategische Neuausrichtung der CDU nach rotgrün, vulgo ein gewaltiger durch Merkel verordneter Linksruck. Denn die „Günen“ waren und sind doch lediglich eine Neuauflage der verbotenen KPD mit dem zugkräftigen Deckmäntelchen des Umweltschutzes zur Ablenkung von den eigentlichen Zielen. Schon als Umweltministerin verfolgte Merkel ja die grün-getarnten kommunistischen Ziele. Die „Griechenlandrettung“ war eine Kombination aus pseudokapitalistischer Bankenrettung und kommunistisch-sozialistischem Einstieg in die EU-Schuldengemeinschaft. Die EU-besoffenen Deutschlandhasser in der CDU konnten… Mehr

Last edited 29 Tage her by twsan
Teide
1 Monat her

Wenn alle Parteien bei den Verhandlungen blocken, sollten die AfD Wähler mal gemeinsam eine Grippe nehmen.

Innere Unruhe
1 Monat her

Man kann durchaus gleiche Ziele haben – Klimaschutz. Nichts an diesem Ziel ist falsch.
Doch man kann doch verschiedene Wege vorschlagen, diesem Ziel näher zu kommen.
Das passiert nicht. Alles ist alternativlos. Da ist jede Alternative eine Abwechselung.

Spyderco
29 Tage her
Antworten an  Innere Unruhe

,,Klimaschutz. Nichts an diesem Ziel ist falsch.“

Angesichts der Situation in D,von Deindustriealisierung ,über Verlust der inneren Sicherheit,bis Platz 1 weltweit bei Abgaben und Platz 18 beim Einkommen(laenderdaten.info)?

Das ist,als würde ein Soldat im Krieg, der unter permanentem Feindbeschuss in akuter Lebensgefahr ist,darüber nachdenken,sich das Rauchen abzugewöhnen. 🙈

Last edited 29 Tage her by Spyderco
Innere Unruhe
25 Tage her
Antworten an  Spyderco

Deindustrialisierung ist falsch. Nicht der Klimaschutz.
Deidustrialisierung im Namen des Klimaschutzes hilft niemandem.
Genau das meine ich – es ist der Weg, der falsch ist. Klimaschutz wir er gerade praktiziert wird, ist falsch.
Man kann sicherlich auf ein andere Art und Weise klimabewusst wirtschaften, ohne die Wirtschaft zu zerstören.